Im Schatten eines alten Geistes: Peth – Merchant of Death | #35

Gewöhnlich werde ich kaum von Bands angelockt, von denen ich den Eindruck habe, sie wollen überhaupt nicht, dass man ihre Musik wahrnimmt. Bei den Texanern PETH ist es nicht nur so, dass sie ihr Debüt Merchant of Death auf dem Vinyl-Only-Label Electric Valley veröffentlicht haben, das man sich – bei allen fairen Preisen – aus Amerika importieren lassen muss, was dann allerdings ordentlich zu Buche schlägt. Sie haben noch nicht mal irgendeinen Hinweis auf Bandcamp hinterlassen, wer denn eigentlich die Instrumente spielt und wer die Jungs überhaupt sind. Tatsächlich wird die Minimierung der Formate ein immer größeres Problem, weil immer öfter auf einen Download hingewiesen wird. Ich selbst trage das nicht mit und ignoriere die Bands dann einfach. Weil ich es aber genau wissen wollte, habe ich die Band kontaktiert und siehe da – sie haben mir bestätigt, dass es eine CD geben wird. Und während ich darauf warte, kann ich das Brett, das sie hier geliefert haben, in aller Ruhe als genusssüchtiger Holzwurm genießen. Um euch daran teilhaben zu lassen, müssen wir allerdings zunächst einen kleinen Exkurs in Richtung Texas unternehmen.

Musik aus dem Lone Star

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Texas ist von jeher bekannt für seinen heavy Underground. Eine Sache, die insbesondere Zentraltexas schon immer ausgezeichnet hat, ist natürlich der Rock & Roll. Das hat schon damals in den 60ern begonnen, als hier Roky Erickson mit seinen Thirteen Floor Elevators den Grundstein für das legte, was dann als Psychedelic Rock die Welt erschütterte, zumindest einen gewissen Teil der Welt. Bands aus Texas haben in der Regel einen einzigartigen Groove, einen einzigartigen Sound und ihren eigenen Sinn für Schrägheit und psychedelische Momente, der nur dort zu finden ist. Was den donnernden, zeitgenössischen Underground angeht, sind u.a. Wo Fat eine Klasse für sich, und sowohl Mothership als auch Duel haben sich bereits einen Namen gemacht. Dass Pantera oder ZZ Top dort ihre Hütten stehen haben, ist ja ebenfalls bekannt.

Da ist es nicht verwunderlich, dass irgendwann eine Band wie PETH daherkommt und die 70er Jahre in Texas neu zum Leben erweckt! Verwunderlich ist nur, wie konsequent sie das auch umsetzen können.

Die vier Texaner traten mitten in der Pandemie, also 2020, in Lago Vista zusammen und haben mit einer wilden Mischung aus frühem Proto-Metal der 70er Jahre und schweren Psych/Okkult-Rock-Soundscapes etwas geschaffen, das bereits viele Bands versucht, aber kaum erreicht haben: nämlich wirklich so zu klingen, als seien sie durch ein Zeitfenster von 1971 hier her geschossen worden. Dabei kann man ihnen natürlich vorwerfen, in einem Konglomerat aus Black Sabbath, Venom, Blue Cheer, Pentagram, ZZ Top und anderen Pionieren zu schwelgen und gar nichts eigenes auf der Pfanne zu haben. Man kann es aber auch aus einer anderen Perspektive betrachten und Merchant of Death als die beste Zusammenfassung des Proto-Metal betrachten, die es jemals gab. Es ist nicht immer das nie Dagewesene der beste Scheiß, manchmal ist das Gekonnte weitaus besser als der Krampf, der verzweifelt versucht, anders zu sein, denn seien wir mal ehrlich: Es wird nichts Neues unter der Sonne auftauchen und uns alle mit staunenden Gesichtern zurücklassen. Wer das glaubt, nimmt sich die Freude an wirklich guten Songs. Und was ist ein guter Song? Nun, meistens ist ein guter Song ein ehrlicher Song. PETH versuchen gar nicht zu kaschieren, wessen Kind sie sind. Als bestes Beispiel dient hier der Titeltrack, dessen Riff man leicht als Rip-Off von Black Sabbaths “The Wizard” identifizieren kann. Oder aber es ist eine unverhohlene Hommage. PETH tun hier ihr Bestes, um Tony “The Iron Man” Iommis frühen Sound zu replizieren (wie übrigens auf dem ganzen Album). Das ist zwar unmöglich, aber diese Jungs kommen der Sache näher als irgendeine andere Band, die ich kenne.

Das ganze Album bietet teils bedrohliche Aggression, teils atemberaubende Rhythmen, hält sich aber von der modernen, glänzenden Klangästhetik völlig fern und klingt deshalb noch nicht mal gewollt auf 70er Jahre getrimmt, wie viele andere Bands des Genres. Mit bösartigen Gitarrenharmonien, einer explosiven Bass- und Schlagzeugsektion und zwei umwerfenden Sängern tragen PETH dazu bei, den alten Geist und die alte Lebensart zu bewahren und gleichzeitig die neue Ära des Rock ‘n’ Roll für nachfolgende Generationen einzuleiten, falls die überhaupt begreift, was um sie herum geschieht.

Das hier ist Proto-Metal mit einem Hauch von frühem 80er-Jahre-Thrash! Den Bandcamp-Fotos nach zu urteilen sind PETH mit einer Doppelgitarren-Attacke gerüstet, und beide Gitarristen beherrschen den Sound der frühen 70er Jahre perfekt. Alles ist warm, flockig und verdammt knackig, wie gleich der mitreißende Opener Dwarvenaught beweist, ein volles Bash-Fest im Stil von Vol. 4, das am Ende eben durch seine Twin-Gitarren-Attacken durchaus den angesprochenen Thrash berührt.

Auch die Rhythmusgruppe macht sich positiv bemerkbar, denn der Schlagzeuger hat seinen texanischen Swing, der immer etwas hinter dem Beat liegt, definitiv bereits als Kind im Kakao gehabt.

Die texanische Verrücktheit zeigt sich dann noch einmal bei Amok, wo Anklänge an schrägen Garage-Rock wohlwollend verpackt werden, während sich Wellen von Riffs im Stile von Sabbaths Sabotage-Ära zusammen mit einer ziemlich aggressiven Basslinie durch die Lautsprecher ergießen. Abolish The Overseer ist dann tatsächlich ein Lehrstück in Sachen Proto-Metal, okkulter Verrücktheit und aggressiver Riff-Manie. Der Gesang bei Merchant Of Death und insbesondere bei Amok wechselt zwischen einem okkulten Bobby Liebling-Geheul und einem seltsamen Screamin’ Jay Hawkins-Nuscheln.

Das grimmige, dreckige Intro-Riff von Let Evil In lässt die Gesichter sofort schmelzen, bevor es wieder dem exzentrischen, sprechenden Gesang Platz macht und dann in das kolossale Hauptriff zurückschwingt und den Hörer mit einem Sperrfeuer aus grandios verzerrten Riffs, Leads und einer alles niederreißenden Rhythmuskakophonie überrollt.

Stoned Wizard ist dann ein brennendes, brutzelndes Doom-Fest.

Das Album schließt mit Karmic Debt, das einen trippigen, düsteren Abschluss andeutet, bevor es sich zu einem epischen Riff-Monster steigert, während die seltsam nuschelnden Vocals wieder auftauchen und PETH sich zu einem entspannten, texanischen Jam hinreißen lassen, um den Song und das Album zu beenden. Alles in allem ist Merchant of Death ein mörderisches, schweres, knackiges, schräges Album, das umso lobenswerter ist, als es sich um ein Debüt handelt. Die Jungs haben bei der Entwicklung dieser Klänge definitiv nicht herumgealbert, denn die Songs sind gut geschrieben und gut gespielt und weisen unfassbar viele Schichten auf. Und auch klanglich ist das Ding ein Monster, das den Geschmack all jener trifft, die bis heute nicht überwunden haben, dass die 70er vorbei sind.

Dem Sumpf sei dank scheint es jedoch mittlerweile so zu sein, dass “Proto-Metal” praktisch zu einem eigenen Subgenre von Stoner und Doom geworden ist, da viele Bands heutzutage versuchen, nicht nur Sabbath, sondern auch Dust, Captain Beyond und alle anderen acidartigen Klänge der späten 60er und frühen 70er Jahre zu konservieren, genauso wie Bands in den 90ern versucht haben, Kyuss und Fu Manchu zu kopieren. Merchant of Death gelingt es, den Sound und das Feeling dieser Ära mit einer großzügigen Dosis texanischer Schrägheit und Crunch im Stil von ZZ Top und dem üblichen Swing zu erzeugen.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Label: Electric Valley Records

Band: Peth auf Bandcamp

Kryptograf – The Eldorado Spell

Inspiriert vom schweren Sound der späten 60er Jahre, werden die vier alten Seelen von Kryptograf euch mit ihrem kollektiven Gesang, zerstörerischen Riffs und einfallsreichem Songwriting verhexen. – Pressetext

Kryptograf sind:
Vegard Strand – Gitarre/Gesang
Odd Erlend Mikkelsen – Gitarre/Gesang
Eirik Arntsen – Schlagzeug/Gesang
Eivind Standal Moen – Bass

Ist euch eigentlich schon einmal aufgefallen, dass immer, wenn eine Band eine 70er-Jahre-Schlagseite aufweist, in fast allen Rezensionen von Black Sabbath gesprochen wird, ganz egal, ob das nun stimmt oder nicht? Ist es nicht seltsam und gleichzeitig eine Blamage, dass diese ganze Rezensenten nur diese eine Band aus den 70ern zu kennen scheinen, obwohl es deren buchstäblich Hunderte gibt und sich die zu besprechenden Bands eigentlich nie nach Sabbath anhören?

Nun, ihr seht wohin die Reise geht. In ein Gebiet des doomigen Proto-Metal, der ja nun beileibe nicht mehr so überraschend und unberechenbar sein sollte, wie es immer noch den Eindruck macht. Andauernd muss man erst einmal von einer Band sprechen, die “das Rad nicht neu erfindet” (was mich betrifft, brauche ich kein neues Rad, sondern gute Musik), man fühlt sich genötigt, mit dem Wort “retro” um sich zu schmeißen und den Leuten erst mal klar machen, dass gute Musik fast schon per Definition “retro” ist. Wie 99 Prozent aller “Retro-Bands” hören sich auch Kryptograf aus Bergen in Norwegen nicht wie Black Sabbath an. Ich hoffe, ich habe mich klar ausgedrückt. Trotzdem: Natürlich steht die Band auch auf Black Sabbath, wie sie ja auf Bandcamp verkündet. Aber wer täte das schließlich nicht? (oh, ich weiß natürlich, dass es solcherlei Leute gibt, aber die treiben sich ja wohl nicht hier herum, oder?) Doch was ist mit Pentagram, Witchcraft, Uncle Acid, Motorpsycho?

Auch wenn die Band vielleicht nicht unbedingt progressiv ist, so bringt sie dennoch gelegentlich einen progressiven Ansatz in ihre musikalische Landschaft mit ein. Bei “The Eldorado Spell” handelt es sich um ihr zweites Album und ich muss gestehen, dass mir nicht nur das Debüt der Band, sondern zunächst mal auch diese Veröffentlichung im Februar durch die Lappen gegangen ist, obwohl es sich um ein Album handelt, das meinen sofortigen Jagdinstinkt auslöst: Keine “originellen” Experimente, sondern ein Bekenntnis zu Einflüssen aus einer Zeit, die noch mit echter Musik um die Ecke kam. Wer das genauso sieht, wird den Stil von Kryptograf kennen und lieben.

Und so ist dann auch das goldene Zeitalter der Musik – eben die 70er – natürlich das allumfassende Fundament dieser Band, die gleich im ersten Song mit flammendem psychedelischem Hard Rock die Marschrichtung vorgibt. Energiegeladen und mit Folkeinflüssen, ohne die eine okkulte Note schlecht umzusetzen ist, mit einer majestätischen Vielfalt versehen, steht hier die Blume der Unterwelt “Asphodel” im Fokus.

Es ist offensichtlich, dass die Band für manche vielleicht zu sehr in der Vergangenheit wildert – die Gitarren haben hier nicht den für das moderne Ohr gewohnten Biss, aber die Riffs – das sind großartige Doom-Brocken, auch wenn sie aufgrund der zurückgenommenen, aber rauchigen Gitarre, erst mal gar nicht so klingen. Der Gesang gleitet sanft mit der Musik dahin, besonders im Refrain. Der Bass sticht allerdings auf dem gesamten Album hervor und hat nach meinem Geschmack einen perfekten Ton.

Der nächste Song ist “Cosmic Suicide”. Die Riffs, die zum Refrain führen, werfen ein weites Netz mit einem mittelschnellen Groove aus, aber es ist der Refrain, der den Song so großartig macht. Er ist so eingängig, dass er sich tagelang im Kopf festsetzen kann, nicht zuletzt, weil er der geradlinigste Song des Albums ist.

Die Gesangseffekte bei “Lucifer’s Hand” verpassen dem Song eine düstere Stimmung, besonders in der letzten Hälfte, wo die Riffs am fleischigsten sind.

Tatsächlich bringt der Sound der Band auch das Stoner-Feeling der 70er im großen Umfang mit, und wenn “Creeping Willow” aus den Lautsprechern dröhnt, hat man das Zeitalter der Liebe und des Friedens widerwillig hinter sich gelassen, und der okkulte Rocksound von Black Widow durchdringt jede Note, wobei die aggressive Wucht der Musik durch die akustische Schlichtheit des folgenden “Across The Creek” kontrapunktiert wird, das die ländliche Idylle von Led Zeppelins “Bron-Yr-Aur” heraufbeschwört.

Der Titeltrack baut sich mit einem psychedelischen Intro auf, wobei die Gitarren nach etwas mehr als einer Minute zum Einsatz kommen. Dieser Song ist etwas trippiger als die anderen, und bei “The Spiral” wird alles an Fuzz in die Waagschale geworfen, was die Band für ihren Sound zur Verfügung hat. Der Song ist bergig und eine schöne Abwechslung nach dem eher bekifften Titeltrack. Der Mittelteil ist überraschend lebhaft und die Gesangsharmonien verbinden sich gut mit den galoppierenden Riffs. Danach gräbt sich die Band mit dreckigen Riffs und einem harten Groove tief in die Erde. Dieser Song bringt das Album definitiv wieder in Schwung.

“When The Witches” ist ein guter, seltsamer Track, der einen musikalischen Acid-Trip zwischen schwere Passagen schiebt, ein dreckiger, bluesiger Schleifer, der mit seinen ausgedehnten, trippigen Soli nach einem herrlich bekifften Peter Green von Fleetwood Mac schreit.

“Wormwood” ist das zweite Intermezzo, das zum Schlusstrack “The Well” führt. Eigentlich sind diese Zwischenspiele heute aus der Mode gekommen, weil man es gewohnt ist, von Höhepunkt zu Höhepunkt zu rasen. Oft wird gar nicht verstanden, dass derartige Interludien durchaus ihren Zweck erfüllen, wenn sie an die richtige Stelle gesetzt werden. Und in dieser ruhige Introspektion reist die Band zurück in die Londoner West End Clubs der späten Sechziger, wo sich unter der Obhut chemischer Substanzen die Jazzvagabunden auf das Wassermannzeitalter vorbereiteten.

Im Gegensatz dazu ist es dann gerade der letzte Track, der wenig Zeit verschwendet, um auf den Punkt zu kommen, mit einem rockigen Intro, das mit seiner verschwommenen Gesangslinien in eine ebensolche Atmosphäre übergeht – dieser Song ist eine wahre Verschmelzung der Stile, die auf dem Album präsentiert werden. Und der Refrain ist gewaltig, ein weiterer Ohrwurm, der sich einschleicht und nicht mehr weggeht.

Wer die neuesten und  experimentellsten musikalischen Erkundungen sucht, für den ist “The Eldorado Spell” nicht das richtige Album. Wer aber einfach nur den Sound von Acts wie Graveyard schätzt und seine Musikbibliothek mit unbestreitbarer Klasse füllen möchte, für den sind Kryptograf genau das Richtige.  Klar, “The Eldorado Spell” mag vielleicht nicht perfekt sein, aber es ist ein gut ausbalanciertes Old-School-Doom-Album, das den alten Göttern huldigt und allein schon dafür gebührt ihm alle Ehre.

Kryptograf | Bandcamp
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Aleister Crowley, eine Klospülung und ein Pilz-Trip | #25

Willkommen zu einer – nennen wir es – Spezialausgabe hier auf Work of Sirens, obwohl sich doch alles in dem Rahmen bewegt, den ihr hier kennt. Heute mit einem Ausflug ins Obskure, besser gesagt in den Heavy Psych der 70er Jahre. Ich weiß, dass es unter euch da draußen so etwas wie Goldgräber gibt, die stets auf der Suche sind nach einem verschütteten Nugget, und die sich mit ihrem Pickel und einem Eimer auf machen, um diese raren Exemplare zu finden. Damals, zu Zeiten der Goldrauschs gab es allerdings keine Wegweiser. Euer allseits beliebter Musiksender Work of Sirens kann in mancherlei Hinsicht ein solcher sein.

Speziell ist an der heutigen Folge ist also, dass ich drei Alben für euch habe, die sich im Bereich des Obskuren bewegen, sozusagen als Gegenpol zu unseren Klassikern. Drei Bands – drei besondere Alben. Nennen wir das ganze doch der Einfachheit halber: Raritätenkiste, Ausgabe 1. Hier kann alles mögliche anfallen, unabhängig von einem Genre. Auffälligkeitn oder Gemeinsamkeiten – und die heutigen Bands haben neben ihrer Obskurität natürlich denoch etwas gemeinsam, es hadelt sich jeweils um sogenannte Powertrios.

Die will ich jetzt auch mal nennen. Wir haben da

Dr Z mit Three Parts To My Soul von 1971.
Das erste Album von Poobah namens Let me in von 1972.
Und dann noch das selbstbetitelte Album von Noel Redding, dem Bassisten der Jimi Hendrix-Experience aus der Posthendrix-Zeit mit dem Namen Road, ebenfalls von 1972.

Und ihr seht, zwei Alben hätten genauso gut in unsere Rubrik Heute vor 50 gepasst, passen aber dann doch besser in unsere Raritätenkiste – zusammen eben mit Dr Z, der im Grunde nirgendwo anders hineingepasst hätte.

Wir fangen also mit diesem ominösen Dr Z und ihrem einzigen Album “Three Parts To My Soul” an.

Die Band wurde von dem nordwalisischen Universitätsprofessor Keith Keyes geleitet, der sowohl die Keyboards (Cembalo, Klavier, Orgel) als auch den Gesang bedient. Sein Interesse an Rock begann, als er Student in Oxtord war, und er dachte sich da wohl, dass er das auch mal versuchen sollte und auch wenn man die klassischen Einflüsse durchaus heraushören kann – Keys hat eben einen Doktortitel in Musik -, ist das alles doch höchst individualistisch und keineswegs wie man es erwartet. Weder hat man vorher noch nachher sowas je gehört. Am Schlagzeug haben wir Bob Watkins. Bob Watkins, der erhielt seinen ersten Schlagzeugunterricht im Alter von elf Jahren und spielte in der Folgezeit alle Musikstile von symphonischer Orchestermusik bis hin zum Pop – wir reden natürlich vom Pop der Endsechziger. Beeinflusst war er aber von den Schlagzeuger des Jazz-Fusionbereichs. Zwischen 1967 und 1970 besuchte er die Universität in Oxford, wo er seinen Abschluss in Geographie mit Auszeichnung machte. Dort lernte er während seiner Teilnahme an musikdramatischen Produktionen die anderen Musiker kennen, die 1969 Dr. Z. gründeten.

Das letzte Mitglied von Dr. Z. ist Bob Watson, ehemaliger Leichenwärter und Klempnergehilfe. Ihr seht, das geht schon leicht Richtung Rock N Roll, aber er hat auch einen Abschluss in Chemie und ist außerdem ein voll ausgebildeter wissenschaftlicher Bibliothekar.

Ein wirklich außergewöhnliches Trio haben wir hier also vor uns – und es ist ja beinahe klar, dass daraus auch alles andere als gewöhnliche Musik resultiert.

Ursprünglich war Dr Z eine vierköpfige Gruppe, die im Juli 1970 die Single “Lady Ladybird” veröffentlichte, ein charmanter Song im typischen Muster der damaligen Zeit gehalten und völlig ohne okkulte Anspielungen. Auf den meisten Wiederveröffentlichungen wird er zusammen mit “People in the Street” als Bonus angeboten. Beide Tracks erreichen allerdings nicht das Niveau des eigentlichen Albums.

(Song: Lady Ladybird)

Wie bei BLACK WIDOWs Sacrifice handelt es sich um ein weiteres Album mit Texten, die mit dem Okkulten in einem Prog-Rock-Umfeld kokettieren. Hier hatte Keyes die Idee, dass die Seele im Jenseits in drei Teile geteilt wird, mit einem lateinischen Begriff für jeden Teil: Spiritus, Manes und Umbra. Spiritus ist die Seele, die in den Himmel kommt, Manes ist die Seele, die zur Hölle verdammt ist, und Umbra ist die Seele, die auf der Erde bleibt und ewig spukt. Es gibt einige Leute, die dieses Album nicht besonders gut finden, aber das liegt wieder einmal an den Hörgewohnheiten damals wie heute, wobei gesagt werden muss, dass sie heute wahrscheinlich besser sind. Damals war das Obskure nicht unbedingt etwas, das die Leute vom Hocker riss. Heute, wo wir öfter mal nach eben dem seltenen Zeug suchen, sieht das anders aus.

Es ist gar nicht so leicht, ein Album zu besprechen, das in kein musikalisches Konzept passt und heute ohnehin nahezu komplett vergessen ist, außer bei den Jägern nach absoluten Raritäten und völlig ungewöhnlicher Musik. Und weil ich vor Kurzem eine kleine Sendung über den Okkult Rock gemacht habe, bleiben wir doch noch etwas bei diesem Thema. Das Album habe ich dort zwar nicht genannt, denn auch wenn das Konzept hier ein okkultes sein mag, hat es für die Entwicklung und Geschichte des okkulten Rocks nicht die geringste Bedeutung.

“Three Parts of my Soul” war seinerzeit – also 1971 – bereits eines der seltsamsten Veröffentlichungen auf dem berühmten Vertigo-Swirl-Label, das 1969 gegründet wurde und zunächst auf Prog Rock spezialisiert war, bevor es bereits 1973 eine kommerziellere Ausrichtung unter dem neuen Spaceship-Label verpasst bekam. Angeblich wurden gerade mal 80 Exemplare davon verkauft. Die Vinylsammler unter euch, die ständig auf der Suche nach authentischen und wertvollen Platten sind, kennen die hypnotische Spirale auf dem Plattenteller natürlich. Aber auch wenn man nicht den Geldbeutel für diese sehr teure Angelegenheiten hat – das Original ist derzeit für etwa 4300 Euro zu haben -, ist nicht alles verloren, weil das Album mehrfach neu aufgelegt wurde und auch als CD erhältlich ist, wobei man doch etwas suchen muss.

Die Beschreibung auf dem Albumcover lautet wie folgt – “Die Grundlage der Platte ist das Konzept der Dreiteilung der Seele – der Spiritus, der die dem Menschen innewohnende gute Seite repräsentiert, die Seite der Schönheit, Sanftheit und Güte; der Manes oder der Teil der Seele, der die Unterwelt bewohnt, mehr wohlwollend als bösartig, aber sich mit den Verdammten vermischend; und schließlich der Umbra, der Schatten der Seele, der sich weigert, die Erde zu verlassen, und bleibt, um die Welt heimzusuchen.” …und so weiter…klingt nach einer “verdammt” guten Hammer-Horror-Geschichte!!!

Schauen wir uns die Sache mal etwas genauer an.

“Evil Woman’s Manly Child” soll eine Umkehrung der Zehn Gebote sein. Hier gibt es zwei Stimmen, eine geflüsterte Stimme und eine gesungene Stimme, ein Song mit einem tollen Rhythmus im Santana-Stil, gruseligem Gesang (würde sich gut auf einem modernen Heavy Metal-Album machen).

(Song: Evil Woman’s Manly Child)

Darauf folgt ein Herzschlag-Intro zu “Spiritus, Manes et Umbra”, fast 12 Minuten, viel verhallte Atmosphäre hier, sehr gruselig, dann geht der Song in ein ziemlich einfaches, aber gutes Schlagzeugsolo über, das durch das Zusammenspiel mit kleinen Toms und dann dem vollen Kit eingeleitet wird, sehr angenehm für Liebhaber von Schlagzeugsolos, aber nicht bahnbrechend, obwohl es einige aufregende Beats im Stil von Cozy Powell hat!

(Song: Spiritus, Manes et Umbra)

Der nächste Track “Summer for the Rose” ist essentiell für die ‘Story’…. Dieses Lied drückt das Wissen des Menschen (des Sängers) um die schönen Dinge auf der Erde (die Rose), seine Liebe zu seinem Schöpfer und vor allem seine Liebe zu seinen Mitmenschen aus, während er lebt. Aber er ist sich auch immer bewusst, dass er zum Bösen fähig ist und der Erlösung bedarf (Kyrie eleison – Herr, erbarme dich meiner)”. Auf dieses Lied folgen der Klang eines Gongs und ein fast nach Genesis klingendes Flötenintro zu “Burn in Anger”, einem trotz des Titels langsamen, atmosphärischen Lied, das dann im Mittelteil an Fahrt gewinnt. Die Flöte driftet am Ende des Songs ein, sehr kurz.

Crowleys “Hymne an Pan” steht manchen Strophen auf diesem Album Pate, die Zeilen mit rave, rape, rip, rend werden im Eröffnungsstück von Dr. Z verwendet und auch der Song “Burn in Anger” verwendet viele Zeilen aus dem Gedicht. Diese Information wird auf den Credits der Platte nirgendwo angegeben, aber das ist auch nicht wirklich notwendig, weil die Texte nicht einfach von Crowley abgeschrieben wurden, sondern einen ganz eigenen Charakter haben.

Das zweite Werk im Bunde stammt von der Band Poobah und ist aus dem Jahre 1972. Passt also in unser Schema Heute vor 50 Jahren. Lange Zeit war ihre Scheibe “Let me in” bei Sammlern ein hochbegehrtes Exemplar, bis es 2010 von Ripple Music als CD und Doppel-LP neu aufgelegt wurde, was nicht heißt, das das Original mit seinen 6 Songs nicht noch immer begehrt wäre. Auf den Neuveröffentlichung gibt es eine Menge Bonus-Sachen, die man aber eigentlich gar nicht braucht, vor allem weil es sich um doppelt so viel Material handelt wie das eigentliche Werk. Da sind alberne Files dabei, Live-Versionen, Alternative Versionen und alle möglichen unsinnigen Gimmicks.

Die 6 eigentlichen Songs des Trios aus Ohio besteht dafür aber aus erstklassige, amerikanischen Heavy Rock der 70er Jahre. Hier haben wir es mit einem waschechten Powertrio zu tun, bestehend aus Gitarrist/Sänger Jim Gustafson, Bassist/Sänger Phil Jones und Schlagzeuger Glenn Wiseman (Nick Gligor und Steve Schwelling sind auf den Bonustracks ebenfalls als Schlagzeuger zu hören). Aber im Grunde kann man sagen, dass Poobar ein Prototyp des harten Powertrios sind, wie es später dann unter den Bandkonstellationen ja eine Sonderrolle einnehmen sollte, über die es sicher noch zu reden gilt.

Die Atmosphären reichten von bedrohlich bis rau, und Poobah spielte definitiv in der großen Tradition der Rücksichtslosigkeit ihres Jahrzehnts, aber das Ergebnis ist ein Klassiker des Obskuren, empfehlenswert für jeden Fan der schweren 70er. das Album zeigt, dass es da draußen auch abseits von Black Sabbath und den üblichen verdächtigen noch viel großartiges Material zu entdecken gibt, das liegengeblieben ist, weil man sich auf einen gewissen Konsens verständigt hat.

Die angesprochene Albernheit ist sicher ebenfalls ein Faktor, der Poobah von vielen anderen und nüchternen amerikanischen Heavy-Rock-Bands jener Zeit zu unterscheiden. Das Eröffnungsstück “Mr. Destroyer” beginnt mit einem Dialog zwischen einem Erwachsenen und einem angeblich achtjährigen Jungen (der offensichtlich und absichtlich schlecht von einem Erwachsenen nachgeahmt wird) über das Geburtstagsgeschenk des Jungen, eine Waffe. Ein Pistolenschuss hallt wider und die schweren Akkorde von “Mr. Destroyer” setzen ein. Der Song hat ein düsteres Gefühl, schwer und ernst, und der Gesang ist schroff und geschrien. Dieser Song wird oft für Proto-Metal-Playlisten ausgewählt. Geht es um die 70er, ist das auch richtig.

(Song: Mr. Destroyer)

Als Nächstes folgt das langsame und saubere, hippieske “Enjoy What You Have”, eine recht anständige Nummer. Und das war’s dann mit den leichten Songs. “Live to Work” ist eine kurze Hardrock-Nummer, die die erste Seite des Albums abschließt. “Bowleen” zeichnet sich durch ein östliches Schlagzeugmuster und östlich klingende Akkorde aus (der Grundakkord und dann ein Halbton nach oben erinnern mich an östliche Tonleitern). Die Donald-Duck-Stimme, mit der der Song eingeleitet wird, ist ein echter Hingucker. Bizarrerweise endet das Stück mit einer Toilettenspülung!

(Song: Bowleen)

“Rock N Roll” ist der erste klassische bluesbasierte Rocksong. Er ist kurz und knackig und obwohl er nicht mein Lieblingssong ist, kann ich mir nicht helfen, aber ich denke, dass es Spaß gemacht haben muss, Poobah live zu sehen. Das Album schließt mit einem weiteren schweren Gitarrenrocksong, dem Titeltrack, der ein Schlagzeugsolo enthält.

Geprägt von Gustafsons flammenden Leads und gelegentlichen psychedelischen Ausrastern mögen Tracks wie “Bowleen” und der Opener “Mr. Destroyer” völlig aus der Zeit gefallen sein, aber wenn man nach obskurem Zeug sucht, ist das genau das, was man will. Die spielerischen Läufe von Jones’ Bass im abschließenden Titeltrack machen diesen Song zu einem noch größeren Highlight, und jeder Song auf der Platte hat etwas Besonderes an sich, das Poobah anderen abhebt. Und das in einer Zeit, wo weder an Quantität noch an Qualität irgendein Mangel herrschte.

Das dritte Album im Bunde stammt also vom nächsten kurzlebige Power-Trio Road. Ihr einziges Album ist eine psychedele Hardrock-Reise, die bei ihrer Veröffentlichung nicht nur hochgelobt wurde – aber die Band löste sich bald darauf auf, was es zu einem verlorenen Puzzleteil für Hendrix-Fans und zu einem Muss für alle Liebhaber des Proto-Metal macht.

1970 war in Los Angeles, Kalifornien, ein Wandel im Gange, denn die Flower-Power-Generation schien angesichts der jüngsten Ereignisse in der Umgebung der Stadt der Engel im Rückzug begriffen.

Einige Monate zuvor hatte eine Sekte umherziehender Krimineller unter der wahnsinnigen Leitung von Charles Manson eine Serie von neun Morden an vier Orten in der Umgebung von L.A. begangen. Es herrschte ein sehr unbehagliches Gefühl in den Gemeinschaftsräumen der Gegenkultur, das sich schließlich auch in der Musik- und Filmindustrie niederschlagen sollte. Diese sich abzeichnende Infiltration sollte nach und nach einige der besten grenzüberschreitenden Beispiele jedes Mediums hervorbringen, aber zu diesem Zeitpunkt lag das noch in weiter Ferne.

ROAD war das Projekt von Noel Redding, dem Bassisten der Jimi Hendrix Experience.

Im Alter von 9 Jahren spielte er in der Schule zunächst Geige, dann Mandoline und Gitarre.

Er spielte in mehreren anderen lokalen Bands, hauptsächlich als Leadgitarrist. 1966 wurde er von Manager Chas Chandler als Bassist für die Band von Jimi Hendrix ausgewählt, die er 1969 verließ. Er wirkte an drei bahnbrechenden Alben mit Hendrix mit: “Are You Experienced?”, “Axis: Bold as Love” und “Electric Ladyland”.

Redding wechselte von der Gitarre zum Bass, als er sich der Jimi Hendrix Experience anschloss. Er war der erste, der der Experience beitrat, und der erste, der sie wieder verließ. Sein letztes Konzert mit der Gruppe fand im Juni 1969 statt. Sein Spielstil zeichnete sich durch die Verwendung eines Plektrums, einen mittleren, “höhenreichen” Sound und in späteren Jahren durch den Einsatz von Fuzz- und Verzerrungseffekten über übersteuerte Sunn-Verstärker aus. Seine Rolle in der Band war die eines Taktgebers. In der Regel legte er einen Bass-Groove fest, über den Hendrix und Schlagzeuger Mitch Mitchell locker spielten. Noch während er bei der Experience war, spielte und sang er bei Fat Metress, um auch eigenes Material aufnehmen zu können. Aber da gab es wohl streit und kurzerhand gründete er mit zwei anderen Musikern, dem ehemaligen Rare Earth-Gitarristen und -Sänger Rod Richards und dem zukünftigen The Gas/Stray Dog-Schlagzeuger Les Sampson, eine Band.

Sie nannten sich einfach ROAD, nicht zu verwechseln mit einer holländischen Band, die den gleichen Namen trug und zu dieser Zeit aktiv war. Das Trio verbrachte einige Zeit damit, seine Songs zu entwickeln, Live-Auftritte zu spielen und sich in der Musik- und Kulturszene von L.A. herumzutreiben. Ihr Plan war es, wenn möglich noch im selben Jahr ein Album aufzunehmen, aber das wurde aufgeschoben, als Reddings Freund und ehemaliger Bandkollege Jimi Hendrix im September desselben Jahres (1970) starb.

Ein weiteres Jahr verging, bis ROAD im März 1972 die Record Plant Studios in Los Angeles betraten, um ihr selbst betiteltes Debütalbum aufzunehmen.

Von den sieben Titeln waren alle Eigenkompositionen, aber der Song “My Friends” wurde ursprünglich von Reddings früherer Band Fat Mattress aufgenommen (aber nicht veröffentlicht). Damit war die ROAD-Version die erste veröffentlichte Aufnahme des Songs,

(Song: My Friends)

Noch vor Ende 1972 erschien die Platte auf dem Label Natural Resources und war wie erwähnt beim besten Willen kein kommerzieller Erfolg.

Die Zeit war jedoch viel freundlicher zu “Road”. Im Laufe der Jahre haben die Leute den harten Acid-Rock mit Fuzz-Einschlag zu schätzen gelernt. Da alle drei Bandmitglieder zeitweise den Gesang beisteuern und jeder sein Instrument voll einsetzt, ist “Road” ein wahrhaft unterschätztes Ein-Album-Wunder. Das Trio löste sich nicht lange nach der Veröffentlichung auf, Redding und Sampson gründeten die Noel Redding Band, während Richards eine Solokarriere startete.

Um den psychedelen Aspekt noch einmal etwas vorzukehren, spiele ich euch mal den Song “Mushroom Man” an.

(Song: Mushroom Man)

Das war es für heute und von mir. Wenn ihr Interesse an diesen obskuren Sachen habt, dann lasst es mich wissen, ich habe das Kisten und literweise zu Hause rumstehen.

Vergesset nicht, auf workofsirens.de zu kommentieren und gehabt euch wohl. Keep on Rockin’

Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Die 20 härtesten Songs der 60er | #18

Willkommen zu Work of Sirens, dem Podcast mit den Schwerpunkten Hard Rock, Heavy Metal und Classic Rock. Wo immer ihr seid, ich hoffe, ihr habt eine gute Zeit mit Musik. Heute dreht sich hier alles um die 20 vermeintlich härtesten Songs der 60er Jahre. Ich hatte eine solche Sendung schon einmal gemacht, jedoch nicht im Podcast, und das Thema war mir doch einigermaßen wichtig, so dass ich schon lange mit dem Gedanken spielte, alles noch einmal zu überarbeiten. Und jetzt ist es soweit.

Allgemein ist man der Auffassung, die härtere Gangart der Rockmusik fing bei Black Sabbath an und habe sich dann Anfang der 80er Jahre in den lauten, ungestümen und schnellen Heavy Metal verwandelt. Tatsächlich aber kamen auch Black Sabbath nicht aus dem Nichts. Auch sie waren Kinder ihrer Zeit und beeinflusst von dem, was vor ihrem bahnbrechenden Debüt vor sich ging. In den 60er Jahren wurde die Rockmusik immer ungestümer und lotete ihre Grenzen bereits immer weiter aus. Was aber sind die härtesten Songs, bevor Black Sabbath kamen? Ich habe eine Liste mit 20 Songs erstellt, die den Heavy Metal vorbereiteten.

Was aber ist der Unterschied zwischen “Rock” und “Metal”? In einer kurzen Sequenz erkläre ich euch die wesentlichen Unterschiede.

Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Velvet Haze – Last Day On Earth / Bitter Creek – Plastic Thunder / Andromeda – Keep Out ‘Cause I’m Dying / Pink Floyd – The Nile Song / Arzachel – Leg / Astaroth – Satanispiritus / The 31 Flavors – Distortion Of Darkness / The Beatles – Helter Skelter / Led Zeppelin – Whole Lotta Love / MC5 – Kick Out The Jams / Stone Garden – Oceans Inside Me / Jimi Hendrix – Purple Haze / High Tide – Death Warmed Up / Cromagnon – Caledonia / Young Flowers – You Upset Me, Baby / The Stooges – I Wanna Be Your Dog / Crushed Butler – It’s My Life  / The Sound Of Imker – Train Of Doomsday / Jacula – Triumphatus Sad / Blue Cheer – Summertime Blues

Die Hütte brennt: Deep Purple – Machine Head | #11

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Machine Head von Deep Purple ist eines jener Alben, das seine Standfestigkeit unter Rockfans in der ganzen Welt wohl für alle Zeiten behaupten wird. Eines jener Alben, das in keiner Sammlung eines ernstzunehmenden Musikliebhabers fehlt. Es ist bei weitem nicht das einzige Album von Deep Purple, wo das zutrifft, aber heute – 50 Jahre nach erscheinen – klingt Machine Head noch immer genauso frisch wie eh und je, was nicht jeder Klassiker von sich behaupten kann. Das sechste Album von Deep Purple wurde im Dezember 1971 aufgenommen und erschien am 25. März auf Purple Records. Und obwohl es als eines der Wegbereiter des Heavy Metal gilt – neben In Rock und dem davor erschienenen Fireball – geht es hier noch nicht um schneller, lauter, schwerer, sondern verbleibt im harten Rock. Anders wie tatsächlich In Rock von 1970, das eine aggressivere Kante zeigt. Aber das war ja auch das erste Album der sogenannten MkII-Besetzung, wo sich Deep Purple zum ersten Mal selbst gefunden hatten, nachdem sie bereits drei Alben veröffentlicht hatten, die zwar nicht schlecht sind, aber noch am Tasten waren. Interessanterweise war Richie Blackmoore von Anfang an klar, dass die Band ein härteres Konzept brauchte, wenn sie sich entwickeln wollte. Mit Ian Gillan und Roger Glover hatten Jon Lord, Richie Blackmoore und Ian Paice dann 1969 die Truppe zusammen, die die legendärste Formation von Deep Purple bildete und 4 Alben einspielte, bevor dann David Coverdale und Glenn Hughes ein neues Zeitalter einläuteten. Die MkII-Besetzung kam dann in den 80ern noch einmal zusammen, um Perfect Strangers und The House of Blue Light einzuspielen und dann sogar noch einmal in den 90ern um The Battle Rages on zu veröffentlichen. Das waren alles auch keine schlechten Phasen der Band, aber die 4 Alben der 70er – das sind die eigentlichen Klassiker in dieser Besetzung, eben auch deshalb, weil man der Konkurrenz meilenweit voraus war, während man später nur sich selbst als Maßstab hatte, während die Musikwelt bereits ein ganz anderes Level erreicht hatte.

Die Geschichte der Entstehung von Machine Head ist hinlänglich bekannt und wird im Song Smoke on the Water auch erzählt. Die Band kam im Dezember 1971 nach Montreux in die Schweiz, um im dortigen Casino zu spielen und dann auf der nächsten Platte ihrem Live-Sound so nahe wie möglich zu kommen, denn diese ungebändigte Kraft, die Purple auf der Bühne hatte, wurde in den Alben kaum sichtbar. Das lag vor allem auch daran, dass die Studioaufnahmen eine kontrollierte Sache waren, während live jeder dieser überragenden Musiker von der Dynamik und der Konkurrenz zu den Bandkollegen, das äußerste aus sich rausholte. Das war zwar gleichzeitig der Grund, warum die Band in dieser Besetzung nicht lange überlebte, aber das, was sie uns hinterlassen hat, ist nicht weniger als Musikgeschichte. Alle Bands hatten damals ihre Problematiken, die wenig mit der heutigen musikalischen Herangehensweise zu tun hat, aber eben auch der Grund dafür sind, warum die 70er als das Musikjahrzehnt schlechthin gelten.

Auf den ersten Blick ist Machine Head zwar ein gutes Album, bietet aber eigentlich nichts außergewöhnlich Neues. Weder sind die Gitarren so verzerrt wie die von Tony Iommi, noch hat das Album die furiosen Parts von In Rock. Nur Highway Star und Pictures of Home bringen etwas Tempo in die Sache, und selbst die Blues-Einflüsse von Maybe I’m a Leo und Lazy sind zwar etwas hektisch, aber nie im Übermaß, so dass man sagen kann, dass das Album die individuellen Fähigkeiten jedes einzelnen Musikers in den Vordergrund stellt und keiner versucht, den anderen zu übertrumpfen, wie das oft Live der Fall war. Und von diesen Fähigkeiten ist das ganze Album voll. Aber es sollte eben kurioserweise jene später im Jahr erschienene Live-Scheibe sein, die Machine Head in den Olymp katapultierte. Das lag also nicht allein an Smoke on the Water, diesem völlig überspielten aber auch gleichzeitig brillanten Song, den wir ohne den Casinobrand (zu dem wir gleich kommen) nicht bekommen hätten. Die Rede ist natürlich von Made in Japan, bei dem sich viele einig sind, dass es das beste Live-Album aller Zeiten ist. Und noch früh im Jahrzehnt. Deep Purple wollten das eigentlich gar nicht machen. Es war noch nicht die Zeit, wo jede Band ihr Live Set anbieten musste, wenn sie was auf sich hielt. Die 70er Jahre waren das Jahrzehnt der Livealben. Und maßgeblichen Anteil daran hatte Made in Japan, das sprichwörtlich durch die Decke ging und Deep Purple neben Led Zeppelin zur größten Band der 70er machte.

Warum Deep Purple in die Schweiz gingen, hat viel mit der damaligen Steuerpolitik in Großbritannien zu tun. Fast alle großen Bands hatten Probleme mit den immensen Steuern damals, die aber nur griffen, wenn die Musik auch im Land produziert wurde. Die ganze Sache war in Wirklichkeit natürlich viel komplizierter als ich das jetzt sage, aber im Grunde läuft es darauf hinaus, das man in England nicht produzieren konnte, wenn an sein Geld behalten wollte.

Purple mietete sich das allseits beliebte mobile Studio der Rolling Stones und machte sich auf in die Stadt, die hauptsächlich für ihr überragendes Jazzfestival bekannt ist. Davon gibt’s in der Schweiz mehrere, in Liechtensteig, wo ich kurze Zeit gewohnt habe, gab es auch eines, aber das ist natürlich nichts gegen Montreux, das am Genfersee liegt und seit den 60ern für alle Bands ein wichtiger Platz war, um dort zu spielen. Eigentlich ist Montreux ein ziemlich verschlafener Ort, aber Rockbands mögen das… White Lake, wo das Woodstock-Festival stattfand, war ja ebenfalls die Ruhe selbst, bevor Horden von Hippies dort einfielen.

Jetzt könnte man sagen, natürlich brannte das Casino ab, als Frank Zappa mit seinen Mothers dort spielte, aber der eigentliche Grund war, weil ein Fan mit einer Leuchtpistole geschossen hat. Damals war das Casino fast vollständig aus Holz gebaut und Ende der Geschichte. Aber das Casino war riesig, es bestand aus Restaurants, einer Disco und allen möglichen anderen Annehmlichkeiten, und so war natürlich das Feuer riesig und der Rauch gewaltig. Da fällt einem nichts anderes ein als ein Lied darüber zu schreiben.

Machine Head ist, trotz des bekannten Riffs von Smoke on the Water, kein wirklich spezielles Gitarrenalbum geworden, obwohl Blackmoore einige großartige Parts einstreut, aber die meiste Zeit lässt er tatsächlich den anderen viel Platz für ihre Entfaltung. Am Innovativsten ist er Highway Star, mit dem das Album beginnt. Es mag ein bisschen verwundern, dass man da heute von einem Speed Metal-Standard spricht, aber man darf hier die Zeit nicht aus den Augen lassen. Natürlich ist der Song nicht mit dem heutigen Speed Metal zu vergleichen, aber die Absicht ist da.

Die spiralförmigen Melodien wurden später von vielen Trad- und Power-Metal-Bands aufgegriffen, und die Soli im weiteren Verlauf des Songs verwenden einige ungewöhnliche Notenmuster, die sich als weitaus einprägsamer erweisen als die übliche Rock-Skalen.

Und weil Richie sich etwas zurückhält, hört man Roger Glover und Jon Lord viel mehr im Vordergrund als sonst. Vor allem der Bass tritt ungewöhnlich oft hervor. Da ist natürlich das offensichtliche Bassolo in Pictures of Home, aber auch in Lazy fällt die Bassarbeit angenehm auf. Sie swingt und hallt in verschiedenen Mustern und pendelt sich dann in stabileren Rhythmen ein.

Und auch wenn Glovers Arbeit hier herausragend ist, erinnert uns Jon Lords Spiel immer wieder daran, was wir an ihm verloren haben. Alles, was Purple so besonders macht, ist hier auf feine Weise zu hören. Vor allem auch Ian Paice am Schlagzeug, der allein schon dadurch ein Glücksfall ist, weil er zwar eine Neigung zum Rockbeat hat, aber die Flexibilität eines Jazzschlagzeugers besitzt. Am Wirkungsvollsten ist das bei Lazy zu hören. Er spielt nichts ultrakomplexes, aber er klingt nicht wie ein Roboter, was sie meisten der heutigen Schlagzeuger tun, ihr Können mal unbenommen, aber gutes Schlagzeugspiel wird nicht durch Geschwindigkeit und ständige Wechsel definiert. Jede Phrase, die er spielt, fügt dem Song etwas mehr hinzu, von den schnellen Fills in Space Truckin‘ bis zu den Drum-Solo-Abschnitten in Pictures of Home. Er ist auch sehr PRÄZISE – ja, präzise ist ein weiteres Wort, das perfekt zu seinem Stil passt.

Und was ist mit dem Songwriting? Nun, bei In Rock komponierte die Band progressivere Songs, mit langen Soloabschnitten, vielen Tempowechseln und so weiter. Bei Machine Head sind die Stücke einfacher und eingängiger, aber auch großartig. Die Songs sind in zwei Kategorien eingeteilt: die mittelschnellen, zu denen Stücke wie Never Before und Smoke on the Water gehören, und die schnelleren, wie Space Truckin‘ oder Highway Star.

(mehr im Podcast)

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