Angriff der Marsianer: Michael Romeo – War Of The Worlds Pt. 2 | #55

Im März des laufenden Jahres kam eines der am meisten erwarteten Alben des Jahres über das renommierte Label InsideOut zum Vorschein, das cineastische Meisterwerk “War of the Worlds Pt. 2”, das dritte Soloalbum des Gitarrenhexers Michael Romeo. Und natürlich ist es das Nachfolgewerke von “War of the Worlds Pt. 1” von 2018.

Und was soll man sagen, das Mastermind von Symphony X hat erneut ein Monster von einem Album geschaffen, ein Biest, das so ziemlich alles enthält, was die virtuose Abteilung des Heavy Metal überhaupt zu leisten vermag.

Lesen

Es lässt sich wohl kaum vermeiden, dass Romeos Soloarbeit sich nicht sonderlich vom Sound seiner Hauptband Symphony X unterscheiden, vor allem, weil er auch dort hauptverantwortlich für die irre Gitarrenarbeit, den Großteil des Songwritings, die Tasten und die Orchestrerung verantwortlich ist. Auch thematisch hätte der Science Fiction-Klassiker aus der Feder von H.G. Wells zu Symphony X gepasst. Warum es also ein zweigeteiltes Solowerk geworden ist, hat vielmehr mit Bandinterna zu tun als mit Romeos Wunsch, einen anderen Ansatz zu wählen, wie man das ja von vielen Solowerken – im Guten wie im Schlechten – kennt.

Wie viele andere Künstler in den letzten Jahren hat Michael Romeo die wenigen Tourneen und überhaupt Konzerte, die anstanden, genutzt, um wieder ins Studio zu gehen und an seinem Projekt weiter zu feilen. Während Symphony X-Fans nach “Underworld” aus dem Jahr 2015 sich über ein neues Album freuen würden, hat sich Romeo stattdessen dafür entschieden, sein Soloprojekt mit der bevorstehenden Veröffentlichung von Teil II seiner “War of the Worlds”-Trilogie fortzusetzen, was durchaus Sinn macht, um das Projekt weiterzuverfolgen, solange das Material noch kreativ heiß ist.

Bei dieser neuen Veröffentlichung von 2022 trägt Michael Romeo wieder einmal den Löwenanteil der kreativen Last und liefert nicht nur seine typische, unvergleichliche neoklassische Gitarrenkunst, sondern auch alle kompositorischen Elemente, von den Tasten und der Orchestrierung bis hin zu allen anderen seltsamen Instrumenten, die zum Würzen benötigt werden, vom Cello bis zur türkischen Saz. John DeServio von Black Label Society kehrt mit seinen Basskünsten zurück, und John Macaluso treibt den Sound des Albums erneut mit seinen weltberühmten Schlagzeugtechniken voran, die spätestens seit Yngwies Malmsteens “Alchemy”-Album für Aufsehen gesorgt haben. Der Mann hat auch schon bei Riot V getrümmert, und natürlich auch auf dem legendären Album “Absolute Power” von Powermad, bekannt aus David Lynchs Wild at Heart. Großes Kino also auch hier.

Neu und anders ist dieses Mal die starke Präsenz des aufstrebenden Kronprinzen des Metal-Gesangs, nämlich Dino Jelusick. Seitdem er bei seinem Projekt “Dirty Shirley” mit dem einzigartigen “Mister Scary” George Lynch den Gesang übernommen hat und auch bei Projekten wie “Free Fall” mit Magnus Karlsson mitgewirkt hat, wird Dino gegenwärtig schnell zu einer festen Größe in der Szene, auf einer Stufe mit Jorn Lande oder Russell Allen. Abgesehen von Ronnie Romero ist Dino Jelusick vielleicht das Beste, was dem Metal-Gesang seit Ronnie James Dio passiert ist.

Seine Stimme ist kraftvoll, melodiös und dramatisch wie gegenwärtig kaum eine andere.

Man muss wohl kaum erwähnen, dass Romeo bereits in der Eröffnungskomposition seine Fähigkeiten als Filmmusikkomponist auf wunderbare Weise einfließen lässt. Das hier ist kein unnötiges, austauschbares Intro, es hat Dramatik, Gravität und zusammen mit der Verzierung von Romeos unvergleichlicher Gitarrenarbeit haben wir hier einen grandiosen und einladender Start in dieses Album, und auch gleichzeitig ein Stück, das später mit “Hunted” und “Brave New World (dem Outro)” weiter ausgebaut und fortgeführt wird.

Die Art und Weise, wie der Synthie-Bass donnert, wenn die Einleitung ein Crescendo erreicht, verlangt wirklich nach einem Subwoofer, um die volle Wirkung zu erzielen.

Wie es sich für Romeo gehört, stürzt er sich mit dem Gesicht voran in einen Haufen großartiger Riffs und sonstige Kunststücke, unterstützt von der kraftvollen Stimme von Dino Jelusick, der sich dieses Projekt umbindet wie einen Mantel. Gleich beim zweiten Track Divide & Conquer ist der Glücksfall am Mikrofon vollkomemn in seinem Element.

Der Song verfolgt einen traditionelleren Prog-Metal-Ansatz. Es braucht nur ein paar hochtechnische Romeo-Gitarrenriffs, bevor Dino seine beeindruckende Stimme erklingen lässt. Das Tempo ist energiegeladen, die Riffs sind fett, aber vor allem der Refrain ist erstklassig. Die Lyrics sind cool und die Umsetzung völlig überzeugend. Der Song bekommt natürlich ein großartiges Romeo-Gitarrensolo, und es klingt so, als ob sogar sehr süße, ergänzende Keyboardarbeit eingeflochten ist, und wir müssen uns fragen, ob einige der Keyboardparts nicht von Dino übernommen wurden, der ja auch ein Weltklasse-Keyboarder ist. Der Track endet mit einem Crescendo, das eine verstärkte Reprise des Crescendos aus dem Einleitungstrack ist, was einen wirklich angenehmen Weg darstellt, einen Schlüsselsong mit dem Thema des Albums zu verbinden.

Lebendige, euphorische Melodien und berauschendes Schreddern werden auf tadellose Weise abgespult.

Das Album wird mit dem dritten Stück, “Destroyer”, sogar noch härter. Während die fiesen, bösen und potenziell siebensaitigen Stilistiken zweifelsohne sehr cool sind, sind es vor allem Dinos hochfliegende Vocals zwischen den Flüstern von “Destroyer”, die dieses Stück unvergesslich machen. Auch die reichhaltige Instrumentierung ist eine Ohrenweide. Zum Beispiel hören wir Romeo mit der Saz nudeln , wenn er nicht gerade das Griffbrett seiner Caparison-Gitarre einäschert.

Metamorphosis hält das Pendel in vollem Schwung, da seine süchtig machende Energie hell erstrahlt. Druckvolle Schlagzeugpassagen und erhebende Gesangslinien tragen dazu bei, dieses Stück in seiner ganzen Erhabenheit strahlen zu lassen.

Mothership baut die Spannung mit intensiver Orchestrierung auf und lässt den Hörer voller Vorfreude stehen. Just Before The Dawn beginnt mit beruhigenden Klavierelementen, die die gefühlvolle, balladenartige Gesangsarbeit perfekt ergänzen. Die Falsettausbrüche sind ein wahrer Gänsehautmoment. Hybrids stürmt mit selbstbewusstem Schritt und eindrucksvollem Riffing voran. Die düsteren Untertöne verleihen dem Song eine zusätzliche Dynamik, und die phänomenale Leadarbeit lässt einen weiterhin vor Ehrfurcht erstarren. Hunted hält dich in Atem, mit einer ganzen Reihe von verschiedenen Instrumenten, die geschickt kombiniert werden, um einen Track voller cineastischer Spannung zu liefern.

Just Before the Dawn setzt schnell auf die sauberen Romeo-Gitarren. “Accolade”? “Candlelight Fantasia”? “Communion and the Oracle”? Oder sogar “The Odyssey”. Besonders “The Odyssey”. Da vermisst man wirklich die sanften Hügel von Ithaka. Nun, die gleichen Vibes sind in diesem Stück lebendig und gut, außer dass Dino in diesem Fall die Schuhe von “Sir Russell” trägt, und er macht es gut. Während Rick Castellano dem ersten Romeo-Album eine Metal-Note verlieh, ohne dabei Symphony X zu sein, ist Dino ein viel vertrauteres Timbre für langjährige Symphony X-Fans, während er immer noch sein ganz eigenes Ding macht. “Dawn” ist eine nette Verschnaufpause von der Action des Albums, in einer Dur-Tonart, die an das Format und das Gefühl einer Ballade grenzt, aber immer noch alle grandiosen Romeo-Kompositions- und Performance-Merkmale aufweist, um geschmackvoll innerhalb der thematischen Grenzen des Albums als Ganzes zu bleiben.

Bei “Hybrids”, einem Stück voller technischer Wendungen, werden wir wieder in das Prog-Metal-Cockpit geschnallt, einschließlich einer erneut von Maestro Romeo gespielten 7-Saiten-Keule. “Hybrids” ist ein Stück, das die Weltklasse-Musikalität der Band selbst unter Beweis stellt. In ähnlicher Weise folgt “Hunted”, ein weiteres interplanetarisches Instrumentalintermezzo, das cineastische Filmmusik und Romeo-Gitarrenleads gegenüberstellt, bevor es in ein sanft anschwellendes Segment mit Streichern und hochfliegenden Gitarrenleads übergeht. Sobald sich die Melodie auflöst, kehrt sie zu dem bösen kleinen Gitarrenriff zurück, das in der Einleitung zu hören war. Dieser kleine Hauch von Bösartigkeit bereitet die Bühne für “Maschinenmensch”, einen unerbittlichen expressionistischen Moloch aus Härte und Technik. Dieses Stück ist 9 Minuten lang unerbittlicher Heavy-Metal-Maschinenmensch. Es ist sehr angenehm, wenn das Ganze in der Mitte ein wenig schmilzt und wir ein paar groovige Basslinien hören, während ein stark verhallter Dino in die Leere singt.

Die Art und Weise, wie Michael Romeo das Stück über einer bescheidenen Schicht aus Bass und Schlagzeug abreißt, erinnert sehr an Alan Holdsworth und das, was er mit UK gemacht hat.

Der letzte Vocal-Track des Albums, “Parasite”, kommt wie ein geradliniger Rocker daher. Dino gräbt sich genauso tief in die Härte ein wie Romeo und wird dabei regelrecht düster und guttural in seinem Vortrag. Es gibt einige gelungene Wechsel im Track, bei denen es scheint, als ob wir nur Symphonieorchester und Bassgitarre hören, bevor der Song wieder zum Leben erwacht und zu einem fiesen Vehikel für ein Romeo-Solo voller Attitüde wird. Das Hauptalbum endet mit einem instrumentalen Outro namens Brave New World”. Es ist sehr perkussiv und unterstreicht eine schwere und fast mysteriöse Mischung aus Orchester und Chorgesang. Gelegentlich explodiert das Stück mit Bläsern und Synthesizern, aber so richtig glänzt es erst nach etwa zwei Minuten, wenn eine cleane Gitarre die Bühne für einen dramatischen Wechsel zu einem großen Chor- und Orchester-Crescendo bereitet, bei dem man erwarten könnte, dass der Abspann beginnt. Romeo kommt mit einem bluesigen Solo, das nichts von der Komposition wegnimmt, sondern eher eine große, saftige Kirsche auf die Spitze setzt, mit mehreren rasanten Arpeggien, bevor sich das Album seinem Ende zuneigt.

Technisch gesehen, ist dies der Abschluss des Albums. Es gibt zwei Bonustracks, “Perfect Weapon” und “Alien Death Ray”. Die stehen den Songs des Albums in nichts nach.

Insgesamt haben Romeo und Co. nicht nur ein Produkt abgeliefert, das dem ersten “War of the Worlds”-Album ebenbürtig ist, sondern es sogar noch übertroffen. Michael Romeo bleibt ein olympischer Goldmedaillengewinner an der Leadgitarre, aber noch wichtiger ist, dass er seine Fähigkeiten als Komponist weiter verfeinert und vorantreibt.

Das Beste daran ist, dass das Album zwar große Ähnlichkeit mit Symphony X aufweist, aber es ist nicht ganz Symphony X, und, was noch wichtiger ist, es unterscheidet sich sehr von anderem symphonischen Metal, der derzeit im Umlauf ist.

In den Momenten, in denen das Orchester auf Synthesizer-Keyboards, Schlagzeug und satte Gitarrenverzerrung trifft, ist es vielleicht die beste Fusion dieser Elemente, die es bisher gab. In jedem Fall haben Michael, Dino und die Johns etwas Unvergessliches mit einer einzigartigen Chemie geschaffen, das als eine der krönenden Errungenschaften von Michael Romeos Gesamtwerk angesehen werden kann.

Wer ein Fan von SYMPHONY X ist, der sollte eine gute Vorstellung davon haben, worauf er sich mit diesem Werk einlässt. Das macht es aber nicht weniger beeindruckend. Die Instrumentierung und das musikalische Können sind auf höchstem Niveau. Die Produktion wirkt ausgefeilt und klingt messerscharf. Man muss noch nicht einmal den ersten Teil gehört haben oder sich für die Sci-Fi-Thematik interessieren, denn es gibt eine Fülle von atemberaubendem Flair, das jeder Fan von gitarrenbetonter Musik zu schätzen weiß und immer wieder gerne hört.

[collapse]

Epic-Sommer-Spezial (14) | #54

Liebe Freunde draußen an den Radiogeräten. Heute beenden wir unser Sommer-Spezial, das wir über den ganzen Juli hinweg verteilt haben mit unserem 14. Song auf unserem Epic Metal Mixtape. Es ist eine gute Sitte, das ganze Programm mit einem Paukenschlag abzurunden. Was mag das heißen?

Das Wort “episch” wird zu oft zur Beschreibung von Musik verwendet. Wenn was einfach nur lang ist, wird es oft als episch bezeichnet. Die Länge spielt zwar eine Rolle, wenn es darum geht, einen epischen Klang auf einer Aufnahme einzufangen, aber eine lange Laufzeit allein macht etwas noch nicht episch. Tatsächlich hat etwas, das wirklich episch ist, ein gewisses Etwas an sich, eine Qualität, die schwer zu definieren ist. Es ist die Kombination aus Songwriting, Gesang, Text, Produktion, Instrumentierung – kurz gesagt, alles, was in eine Aufnahme einfließt – und doch ist es auch mehr als das. Es ist ein Gefühl. Einige Bands können es einfangen; viele versuchen es jahrelang und kommen nie wirklich heran.

Lesen

1996 fingen die fünf Musiker der russischen Band Scald diese Essenz perfekt ein und schufen ein Album, das, abgesehen von einigen essentiellen Werken von Bands wie Solitude Aeturnus und Candlemass, vielleicht am besten repräsentiert, worum es im epischen Genre geht.

Ihr Album Will of Gods is a great Power gilt völlig zurecht als eines der epischsten Meisterwerke der ganzen Metalgeschichte, und man darf sich durchaus fragen, was aus dieser Band hätte werden können, wenn ihr Sänger Agyl nicht ein Jahr, nachdem sie das Album aufgenommen hatten, überraschend verstorben wäre.

Wir haben uns in unserer Auswahl kaum mit dem epischen Doom beschäftigt und vielleicht tröstet unser Abschluss – nämlich der Song Night Sky etwas darüber hinweg. Wie man sich denken kann, gibt es auch im epischen Bereich so viele Fascetten, dass man nicht alle berücksichigen kann, und das war ja auch gar nicht der Anspruch hier, sondern etwas von der Faszination des Epischenund Erghabenen zu vermitteln.

Hier zum Beispiel ist das Schlagzeug eher drucklos und tief im Mix, die Bassdrum ist kaum zu hören, während die Gitarren einen sehr dünnen, aber messerscharfen Sound haben – hier gibt es definitiv kein heruntergestimmtes Heavy-Riffing. Der Gesang wird glücklicherweise etwas stärker betont als die Musik, so dass man ihn gut hören kann. Diese Art von Produktion würde bei jeder anderen Form von Metal schrecklich klingen. Seltsamerweise liegt ein Teil des Charmes hier tatsächlich in der Produktion. Im Vergleich zu den polierten Produktionen, die man heutzutage oft bekommt, verleiht diese winterlich-kalte und doch majestätische Arbeit dem Album ein erfrischend natürliches Gefühl. Das hat parallelen zu einer Philosophie, die wir eigentlich aus dem Black Metal kennen, wo eine vermeindlich schlechte Produktion absichtlich eingesetzt wird, um bestimmte künstlerisch wichtige Gefühle hervorzurufen, die, wenn sie richtig gemacht sind, eine Stimmung erzeugen, die sonst kaum einzufangen ist. Der Hörer soll nicht an ein paar Typen denken, die in einem Aufnahmestudio sitzen, sondern an dunkle Wälder, winterliche Landschaften und so weiter, ohne dass ihm das direkt gesagt wird, sondern fast unterschwellig durch die erreichte Produktionsqualität. Dieselbe Art von Idee wird auf “Will of the Gods…” perfekt eingefangen.

Ein weiterer Teil des Charmes dieser Scheibe ist natürlich der Gesang, denn Sänger Agyl liefert eine erstaunliche Leistung ab. Seine Stimme klingt immer etwas schwebend, obwohl er eine raue Kante hat. Er hat einen Akzent, der seine Aussprache bestimmter Wörter etwas unbeholfen klingen lässt, aber das fällt eigentlich kaum auf, weil er die Vokale ohnehin ziemlich weit zieht. Er hat wirklich eine ungkaubliche Bandbreite und es wird schnell klar, warum die Band ohne ihn nicht weitermachen konnte oder wollte.

Doom Metal ist ein ziemlich verhextes Genre, an dem man leicht scheitert, wenn man nicht weiß, wie man die unglaublichen Räume füllen kann. Die beiden Gitarristen Harald und Karry nutzen diese Räume voll mit allen Arten von fantastischen Melodien und Soli. Tatsächlich neigen die Gitarren dadurch ein wenig dazu, die Musik schneller klingen zu lassen, als sie ist. Oft ist gitarrentechnisch ziemlich viel los, aber das Gesamttempo ist immer noch reiner epischer Doom. Wieder einmal trägt die Produktion zur Atmosphäre bei, denn der Gitarrensound ist absolut perfekt, mit viel mehr Höhen als Bässen. Das mag seltsam klingen, aber es klingt einfach nur großartig.

Man hört viele Viking-Metal-Einflüsse (z.B. “Hammerheart”-Ära Bathory) und sogar einige Power-Metal-Elemente. Auch hier darf man keine Double-Bass-Salven oder ähnliches erwarten, aber Scald halten die Dinge durch die leichte Vermischung verschiedener Stile interessant.

Schauen wir uns mal den Text zum Eröffnungsstück Night Sky an.

Der letzte Teil des Charmes von “Will of the Gods…” ist zweifellos die Tatsache, dass sich die Band nach den Aufnahmen zu diesem Album auflöste, was hauptsächlich auf den unglücklichen Tod von Sänger Agyl zurückzuführen ist. Somit wird das Vermächtnis von Scald allein aus diesem Album bestehen. Wir wissen, dass sie sich für immer aufgelöst haben, also denken wir nicht einmal daran, dass ein schlechtes Album ihr Erbe “trüben” könnte. Oft ertappen wir uns dabei, wie wir nostalgisch über Bands oder Künstler schwärmen, die sich längst aufgelöst haben oder von uns gegangen sind, und vergessen dabei oft, dass uns die Band oder der Künstler während der Aufnahmezeit nicht sonderlich interessiert hat. In Anbetracht dessen verdienen Scald jedes posthume Lob, das sie erhalten. Sie haben uns nur sehr wenig hinterlassen, aber das einzige Album, das sie produziert haben, ist ein Meilenstein im Genre des epischen Doom. Alle Fans von Epic Doom, die es noch nicht gehört haben, sollten sich so schnell wie möglich ein Exemplar besorgen (erstaunlicherweise ist es dank der Wiederveröffentlichung durch Wroth Emitter immer noch recht leicht zu finden). Wenn es jemals eine musikalische Definition von “episch” gegeben hat, dann ist dies sicherlich diese. Ein Klassiker auf höchstem Niveau und ein Album mit einem atmosphärischen Gefühl, das die meisten Bands, selbst mit allem Geld der Welt, nicht annähernd reproduzieren können.

Der Wille der Götter bedeutet große Macht

Der Nachthimmel verteilt eine große Anzahl von Sternen über eine grenzenlose Entfernung, glitzernd schaffen sie eine einzigartig leuchtende Welt.

Das Verlangen nach Erkenntnis ist gewaltig und brennend. Götter erschaffen das Wunder keinesfalls bewusst.

Das hier ist eine interessante Vorstellung, nämlich dass die Götter selbst kein Bewusstsein über das haben, was sie da tun, wenn sie diese gewaltigen Weiten erschaffen, allein aus ihrem Willen heraus, der irgendwo in ihrem eigenen Unterbewusstsein verankert ist.

Es geht weiter:

Ewige Schönheit
Der Wille der Götter bedeutet große Macht

Morgensterne im Sonnenaufgang
Du segelst davon in den Abgrund des Himmels
Das Licht verbarg dich
Da draußen gibt es unbekannte Geheimnisse einer fernen Welt

Du verlässt die Nacht
die Sternenwelt ist verglommen
das Licht des Mondes erloschen
Nur die Morgensterne sind noch sichtbar.

Ziemlich poetisch und damit passend zu dem, was wir da hören. Die Beschreibung der grenzenlosen Weite des Nachthimmels kann man eben wissenschaftlich betrachten, indem man sie der science Fiction unterordnet, oder man kann sie mystisch halten. Und für meinen teil ist das der bessere Weg, etwas darzustellen.

Das wars von mir. Hier habt ihr also euer Epic Metal Mixtape mit 14 Songs. Und wenn ihr es noch nicht getan habt, dann sagt mir auf workofsirens. de wie ihr dieses Spezial aufgenommen habt und vielleicht können wir es dann mit einem anderen Thema noch einmal wiederholen. Ihr kennt die Frage danach, wie ihr euren tag verbracht habt oder verbringt und wie das Wetter bei euch ist. Ich werde natürlich zusehen, dass ich so schnell wie möglich eine Playlist für euch habe, damit ihr die Stücke in einer ganzen Session hören könnt. das packe ich dann in die Seitenleiste unserer Page und mir bleibt an dieser Stelle nichts anderes zu sagen als keep on rockin, wir hören uns ganz bald wieder.

[collapse]

Epic-Sommer-Spezial (13) | #53

Hallo Freunde draußen an den Radiogeräten. Wir nähern uns dem Ende unseres Juli-Spezials, so wie sich auch der Juli langsam dem Ende neigt. Heute sind wir bei Song Nr 13 von 14 angelangt und warum sollten wir beim Endspurt unseres Epic Metal Mixtapes nicht noch einmal tiefer in die Trickkiste greifen. Unser Ziel ist Amerika und dort Stamford in Connecticut. Wir besuchen dort eine Band, die eines der besten Beispiele für klassischen Power Metal ist, unverfälscht, mit viel Biss und anspruchsvollen Rhythmen gespielt, einem donnernden Schlagzeug und mit einer dunklen Energie.

Lesen

Die Rede ist von Liege Lord, die es in den 80ern nur auf 3 Alben gebracht haben, aber einigen Hörern der jüngeren Generation durch ihren Auftritt auf dem Keep it True von 2013 vielleicht nachträglich in Erinnerung gerufen wurden. Man kann jetzt einwenden, dass wir es hier nicht eigentlich mit Epic Metal zu tun haben sondern mit reinem Proto-Power-Metal im Stile von Omen, Attacker oder Helstar, vielleicht sogar Jag Pag, aber der klassische amerikanische Power Metal hat eben eine unverwechselbare epische Kante, wenn es darum geht, den Begriff zu definieren. Was ist denn also episch? Typischwerweise ein Werk mit einer bombastischen Stimmung, in dem von außergewöhnlichen Taten außergewöhnlicher Charaktere berichtet wird. Hier geht es also nicht um Sex, Drugs and Rock and Roll, sondern um Magie, übergroße Legenden, Götter, Schlachten und eine Philosophie der Sterblichen gegenüber der Unsterblichkeit.

Das Kontroverse an Liege Lord könnte tatsächlich ihr erster Sänger Andy Michaud sein, der auf dem Debüt Freedom Rise von 1985 zu hören ist, von dem unser heutiger Song stammt. Bei Liege Lord ist es so, dass ich im Grunde ihr drittes Album Master Control von 1988 empfehlen würde, aber Freedom Rise entspricht unserem Vorhaben hier besser. Michaud hat nie wieder bei einer anderen Band gesungen und das mag viele möglicherweise nicht verwundern. Allerdings muss zu seiner Ehrenrettung gesagt werden, dass gerade im epischen Bereich nicht die Gefälligkeit im Vordergrund steht, sondern gerade das Kauzige, Unnachahmliche und Eigene. Wir sollten uns besondere Individuen vorstellen, die durch ein mystisches Land ziehen und von ihren Abenteuern berichten. Meist sind das Krieger oder Magier und keine Barden, kantige Gesellen, die eben etwas zu erzählen haben, während jene mit der Leier in der Hand doch eher irgendwelche Gockel waren oder sind, die bei Hofe verhätschelt werden und für die Damen von Erlebnissen singen, die andere erlebt haben, nicht aber sie selbst, während im kauzigen Bereich eben die Helden selbst den Mund aufmachen.

Der Rest der Band kurz vorgestellt:

Tony Truglio Guitars
Matt Vinci Bass
Frank Cortese Drums
Pete McCarthy Guitars

alles Jungs, die nie wieder wo anders in Erscheinung traten. Und selbst der Sänger Joe Comeau, der einen kleinen Schlag in Richtung Bruce Dickinson hat, ist nirgendwo sonst zu finden. Das ist manchmal ziemlich überraschend.

Das etwas Kauzige an Freedom Rise, von dem wir uns gleich den Song Wiedling Iron Fists herauspicken liegt aber nicht nur am Sänger, sondern auch an der Produktion des Albums, die Abmischung wirkt bei einigen Instrumente manchmal ein wenig daneben. Oft sind gerade die Gitarren etwas schwer zu hören und klingen sehr dumpf (das wird bei einigen Soli, Harmonien und so weiter noch unangenehmer), der Gesang ist vielleicht etwas zu hoch und der Bass ist sehr wackelig. Das Schlagzeug klingt durchweg ziemlich gut, obwohl die Bassdrums besser hätten klingen können. Manchmal scheint die Qualität auch von Track zu Track zu springen, es ist nicht drastisch, aber auch nicht schwer zu überhören.

Lässt man das alles jetzt mal beiseite, ist das Album jedoch ein echter Knaller und liefert dem geneigten Fan von Anfang bis zum Ende soliden dunklen Power Metal mit kantigen Riffs und einer komplexen, zerklüfteten Rhythmusgruppe. Allein das Eingangsriff von Wielding Iron Fists ist großartig:

Schauen wir uns jetzt mal den Text an, der wieder einmal einem Schlachtengemälde entspricht:

Der Regen des Todes fällt auf uns nieder, ich sehe ein neues Zeitalter anbrechen

Der Sänger erzählt uns davon wie die Krieger nach dem Kampf dürsten und wie sie in einer ausgeklügelten Formation vorwärts rücken, nachdem sie so lange darauf warten mussten, ihrem Schicksal ins Auge zu schauen. Heute Nacht aber wird es soweit sein.
Das Interessante daran ist, dass es zunächst so ausschaut, als würden hier konventionelle Waffen auf eine futuristische Technik treffen, wenn nämlich kurz von Laserstrahlen die Rede ist, unter deren Hitze die Reihen zusammenbrechen. Dann aber wendet sich das Blatt für jene, die mit Eisen kämpfen.
Der Text ist ziemlich kryptisch und lässt mehrere Deutungen zu. Natürlich geht es um diese schwingenden Eisenfäuste, die alles niederringen und am Ende fliehen die Feinde, obwohl sie – so scheint es zumindest – am Anfang einen Vorteil durch ihre Bewaffnung hatten und die Rüstungen der Eisenschwinger zerreissen.

Das alles liegt genau zwischen der NWOBHM und dem aufkommenden Thrash Metal, ist aber keines von beidem, weil Liege Lord hier völlig außerhalb jeden damaligen Trends lagen. Nichts an diesem Album ist in irgendeiner Weise kommerziell zu verwerten, was sie ja selbst zu spüren bekamen. Die Band war ja tatsächlich so etwas wie eine rohe amerikanische Antwort auf die Briten. Liege Lord haben unheimlich komplexe Heavy-Songs geschrieben, sie nutzen den dynamischen Kontrast aggressiv. Liege Lord gehören mit zu den Besten, wenn es darum geht, einen chaotischen Sound zu kreieren und dabei trotzdem tighten, im Wesentlichen von zwei Gitarren getragenen Metal zu spielen.

Das wars von mir. Schreibt mir unter workofsirens.de wie ihr euren Tag verbracht habt und wie das Wetter dort ist, wo ihr euch gerade befindet. Falls der Tag och vor euch liegt, wünsche ich euch einen guten und mir bleibt nichts anderes zu sagen als keep on rockin, wir hören uns bald wieder zu unserem Schlussakt oder zu einer der regulären Sendungen hier in diesem PODCAST.

[collapse]

Epic-Sommer-Spezial (12) | #52

Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten, zu unserer neuen Ausgabe und damit dem Song Nr. 12 auf unserem Epic Metal Mixtape, unserem Sommer-Spezial hier im Juli, das am ende 14 Songs umfassen wird. Wir müssen heute noch einmal nach Italien. Dort waren wir zwar nun schon ein paar Mal, aber noch nicht in der Lombardei. Also ist das heute unser Zielpunkt. Wir treffen dort auf eine Band, die eine ganz genaue Vorstellung von dem hat, was Heavy Metal einst war und wahrscheinlich nie wieder sein wird, und das sage ich, obwohl das Album, von dem unser heutiger Song stammt, erst 1999 den Nebel der Welt entdeckte. In der letzten Ausgabe waren wir ebenfalls in der Nähe der Jahrtausendwende zugange, die uns im Nachhinein betrachtet so unendlich viel gekostet hat, so dass man mittlerweile sogar den 90er Jahren weitaus versöhnlicher gegenübersteht.

Lesen

Doomsword, um die es uns heute geht, spielen aber einen Metal, der nichts mit modernem Powermetal zu tun hat, sogar eine Art Antithese davon ist.

Es wirklich eine Überraschung, wie diese Band es schafft, etwas zu schaffen, das klanglich nicht wirklich revolutionär ist, aber eben gerade deshalb ins Herz dessen trifft, was den Epic Metal ausmacht. Und dass sie das Wort Doom in ihrem Namen tragen, ist natürlich kein Zufall, auch wenn die Band zeigt, dass guter Doom nicht langsam gespielt werden muss, um Doom zu sein. Das scheint ja einer dieser modernen Irrtümer zu sein, weshalb manche beim Lauschen von Witchfinder general gar nicht begreifen, was daran Doom sein soll. Nun, liebe Freunde, es ist die Atmosphäre. Es heißt ja schließlich nicht Slowmotion-Metal im gegensatz zu Speed-Metal. Natürlich brechen Doomsword keine Geschwindigkeitsrekorde, das will ich damit nicht sagen, aber sie verschleppen ihr Tempo nicht künstlich, wie viele Doom-Bands das tun. Atmosphäre erschafft man durch einen schweren, lastenden, leidenschaftlichen und epischen Sound. Und das haben wir hier vor uns.

Auf ihrem selbstbetitelten Debüt von 1999 wagen sie sich sogar an ein Cover von Cirith Ungols Nadsokor, ohne freilich Tim Bakers abnormen Gesang hinzubekommen. Aber obwohl ich Coverversionen absolut und überhaupt nicht mag, ist diese hier allein schon deshalb interessant, weil Cirith Ungol im gegensatz zu Doomsword recht dünn wirkt, was alles so sein muss, das will ich gleich hinterherschicken, Cirith Ungol sind definitiv eine meiner Top-Ten Metalbands. Und das hat selbstverständlich seine Gründe.

Hier kommt die Band:

Garbriel Grilli an den Vocals. Der hat nur dieses Ding hier eingesungen und das auf eine wirklich beeindruckende Weise. Kurz war er auch bei Ballleroar, hat mit ihnen aber kein Album aufgenommen.

Deathmaster Guitars (1997-1999), Vocals (1997-present)
See also: Gjallarhorn, ex-Fiurach, ex-Warhammer, ex-Agarthi, ex-Fury n Grace, ex-Aesir

Dark Omen am Bass (heute spielt jemand namens Geilt da.

Und Alberto Coerezza an der Gitarre

Das Cover stammt von J.H. Fussli, der ja auch den Nachtmahr und viele beunruhigende Bilder gemalt hat.

Für die Gitarrenarbeit ist Deathmaster zuständig, der neben dem Gitarrenspiel auch als Backgroundsänger fungiert, später aber den vollen Gesangspart übernimmt und der Sänger ist, mit dem die Fans die Band identifizieren. Mit Garbriel Grilli hat man sich nicht so sehr anfreunden können.

Auf den späteren Doomsword-Alben hat die Band ihren endgültigen Sound gefunden, so dass man fast sagen kann, dass sie nie wieder so geklungen haben wie hier.

Der Song, der heute unser Mixtape schmücken wird nennt sich “One Eyed God”. Natürlich geht es dabei um Odin, aber ich muss sagen, dass der Text eigentlich nur eine Anhäufung von Gemeinplätzen ist. Natürlich erwarten wir hier keine hohe Literatur. Die erste Strophe wird abwechselnd von Grilli und Deathmaster vorgetragen. Das Auge, das Odin für seine Weisheit geopfert hatte, liest die Runen, auf denen das Verhängnis steht.

Dann gehen wir mal direkt in den Text:

Die Hingabe segelt stolz auf den Wassern des Blutes der Jungen und Alten.

Ich musste das etwas gerade rücken, weil der Satz, wie er hier gesungen wird, kaum einen Sinn ergibt, was vielleicht an mangelnden Englischkenntnissen liegt. Zumindest ist das ein bißchen unglücklich formuliert. Die nächste unstimmigkeit ist freilich, dass dann von Feinden die Rede ist, die den Hammer schmecken werden, was natürlich weniger mit Odin als mit Thor zu tun hat. Ud dann wird auch noch vom Hammer als Banner der Wikinger gesprochen.

Das ist alles wahrlich etwas unglücklich, tut aber der Stärke des Songs keinen Abbruch. Es ist nur schade, dass ich hier textlich nichts besseres vermelden kann.

Damit ist es übrigens noch nicht getan, es kommt auch noch das schiff Naglfar vor, das direkt in die Hölle segelt, was ja gar nicht die Aufgabe des Schiffes ist, sondern an Ragnarök die Feinde der Götter zu transportieren. Im Text steht dann, dass die, die nicht in der Schlacht starben, damit in die Hölle transportiert werden.
Zum Schluss wird auch noch Asgard und Walhalla verwechselt. Also, ich will hier nicht Korinthen kacken, aber der Text ist natürlich barer Unfug. Mir wäre da fast ein plakativer Schlachtentext, wie wir ihn ja auch schon hatten, lieber gewesen, aber sei es drum. Wie gesagt, ist der Song stark genug für unser Vorhaben.

Tatsächlich ist das ganze Album ein Ungetüm, das Doom, Heavy Metal und Folk miteinander vermischt und zwar so, dass man wirklich meint, einer Schlacht beizuwohnen. Und das ist schließlich die Hauptsache.

Das wars von mir. Schreibt in die Kommentare, wie euer Tag heute war, vor allem, was ihr für Wetter dort hat, wo ihr seit. Und mir bleibt nichts andere als zu sagen Keep on rockin’! Wir haben noch zwei weitere Songs vor uns, und wir hören uns demnächst

[collapse]

Supergroup auf Abwegen: Asia I #51

Heute kommen wir auf ein Album zu sprechen, das in diesen Tagen 40 Jahre alt wurde, genauer: am 8. März 1982. Es handelt sich um das Debüt der Supergroup Asia, das auf Geffen-Records veröffentlicht wurde und gehört allein schon deshalb zu den Errungenschaften der 80er Jahre, weil darauf der Hit “Heat of the Moment” enthalten ist.

Auch wenn Asia auf vielen Seiten als Progrock gelistet wird, handelt es sich zwar um eine Supergroup mit vier talentierten und bekannten Prog-Musikern, die für einige der wichtigsten und brillantesten Seiten der Rockmusik verantwortlich sind, aber um keine Prog-Band im engeren Sinne.

Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Epic-Sommer-Spezial (11) | #50

Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten, zur Ausgabe Nr. 11 unseres Epic Metal Mixtapes, das wir über den ganzen Juli hinweg verteilen. Am Ende werden wir 14 Songs auf unserem virtuellen Tape haben und eigentlich wollte ich euch das ganze ja in einer Playlist anbieten, aber die einzige Möglichkeit hierfür wäre Spotify gewesen, für die ich beileibe keine Werbung machen möchte, aber das hat sich dann doch erledigt, weil Spotify das meiste gar nicht hat. Deshalb werde ich die Playlist über Youtube laufen lassen, damit ihr sie am Srtück habt.

Wir verlassen heute unseren Kurs des Obskuren, indem wir zu einem der besten traditionellen USPM-Alben aller Zeiten schwenken und somit natürlich auch zu einer der Top-Größen auf diesem Gebiet, die sich in den 90er Jahren gegen den Strom stellten und mit der Arbeit für all das begannen, was heute als NWOTHM seine Früchte trägt. Weder Hörer noch Bands werden wissen, wem sie das alles zu verdanken haben.

Lesen

Twisted Tower Dire. Zumindest zum Teil. Zu einem großen Teil. Die andere Band, die unermüdlich am Heavy Metal festhielt ist natürlich Riot, deren Werkschau ihr bei uns bereits findet. Aber heute solls episch sein und wir sind mal wieder in Amerika, in Virginia, um genau zu sein, um mit Twisted Tower Dire in Langboten auf die Insel der Hydra zu paddeln, dort wartet nämlich ein Drache auf uns, der uns unbedingt kennen lernen möchte und mit dem wir vielleicht noch etwas zu rupfen haben, was wohl eher kein Hühnchen sein wird.

Twisted Tower waren da, als sich kein Mensch für den traditionellen Heavy Metal interessierte. 1995 habern sie sich gegründet, 199 kam dann ihr Debüt The Curse of Twisted Tower raus und von da an waren sie erst mal ziemlich aktiv. Dass sie ihre Karriere aber am absoluten Nullpunkt des Genres begonnen haben, das zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Geschichte. Auf den beiden letzten hervorragenden Releases singt Johnny Aune, weil tragischerweise 2010 Tony Taylor verstorben ist, der unseren heutigen Song begleitet, der vom 2001er Album The Isle of Hydra stammt und dann auch genauso heißt. Man könnte jetzt einwenden, dass Twisted Tower mehr USPM sind als reiner Epic Metal, und das stimmt genauso wie es eben stimmt, dass der USPM neben seiner technischen und progressiven Seite und seiner speedlastigen Seite eben auch sehr stark das Epische bedient, das vielleicht etwas anders dargeboten wird als bei den Italienern und den Griechen, aber deshalb nicht weniger auf unser Mixtape gehört. Natürlich hätte ich gerade auch Omen, Cirith Ungol, Manilla Road, Manowar und viele andere Bands auswählen können, die fast schon obligatorisch dazu gehören, aber Twisted Tower werden unterm Strich viel zu wenig für ihre Leistung bedacht, was aber nicht heißt, dass das der einzige Grund ist, warum ich sie heute hier reinnehme. Sie sind einfach gut, und darüberhinaus konstant.

Die Band bestand 2001 aus folgenden Musikern:

Mike Engel Bass (nur dieses Album)
Marc Stauffer Drums
Scott Waldrop Guitars
Dave Boyd Guitars
Tony Taylor (R.I.P. 2010) Vocals

Die Hydra, um die es im Text geht, ist eigentlich kein wirklicher Drache, sondern ein Ungeheuer mit mehreren Köpfen, und der Name weißt ja bereits auf das Wasser hin, in dem sie lebt. In der ersten Strophe macht sich also eine Mannschaft auf, in Langbooten zur Insel der Hydra zu schippern. Zwar sind Langboote hauptsächlich durch die Wikinger bekannt geworden, aber es gab sie auch in der Antike, und da befinden wir uns der Sage nach wahrscheinlich auch. Die Insel Hydra gibt es übrigens tatsächlich, die liegt im saronischen Golf, gehört zu Griechenland und es gibt dort keine Autos. Ahhh. Wahrscheinlich hat die Wasserschlange, oder der Wasserdrache, wenn man so will, was dagegen, was ihn mir höchst sympathisch macht.

Es heißt also

Wir teilen die Wellen der dunklen, unbekannten Tiefen des Meeres
lenken unsere Langboote zum Land unserer Träume
wir folgen dem Ruf, den wir uns nicht entziehen können.
Und müssen uns dem Zorn des Drachens mit dem Namen Hydra stellen.

Die Schlacht rückt näher,
Ich bin sicher, er spürt meine Anwesenheit
Einer wird der Sieger sein,
und einer wird fallen

Draußen am Horizont liegt die Insel Hydra, grün auf einer blauen Decke
Mein Puls beschleunigt sich, denn ich weiß, welche Gefahr dort lauert.
Im Herzen des Feuerberges muss das Versteck des Drachen liegen.

Dann in der Spanne von nur zehn Herzschlägen donnern die Flügel des Drachen aus der Nacht heraus, der von seinem Beuteflug zurückkehrt. Der Geruch von Asche und Schwefel erstickt die Luft.
Wir verstecken uns in der Dunkelheit und warten auf die Stunde des Untergangs!

Das ist also ein klassischer Drachentöter-Text, den wir aus unzähligen Rollenspiel-Settings und Fantasy-Romanen kennen, und der Song galoppiert von Anfang an los und hat dieses Power-Riff, das sowohl das Heroische und das Heldenhafte in sich birgt. Ohne viel Federlesens singt auch Tony nach nur wenigen Sekunden los, da gibt es keine Feuerlichkeiten ud keine Einleitung, obwohl gesagt werden muss, dass es vorher das Intro “Battle Cry” gibt, sozusagen als Einstimmung auf das, was folgt, und da schmiegt sich dann nahtlos The Isle of Hydra an.
Im Chorus gibt es dann dieses Ahaha der Band, um den epischen Charakter noch einmal zu vertiefen. In der Mitte dann gibt es den Tempowechsel und bevor das eindringliche Solo folgt und Tony wechselt vom erwartungsvollen Gesang in den Moment kurz vor der Schlacht, wo sich die Dinge eben nicht überschlagen, sondern erhaben wirken. Die Zeilen sind folgende:

Es gibt eine Ruhe kurz vor dem Sturm
Einen Ort, der meine Seele grüßt
Ich bin gesegnet durch das Licht
Ich bin bereit für den Kampf
Und ich werde nicht verlieren!

Es gibt gerade im Zusammenspiel zwischen den beiden Gitarristen viele kleine Höhepunkte in diesem 6 Minutenstück, bevor dann die Reprise der ersten Strophe uns noch einmal daran erinnert, wo wir gestartet sind.

Ein wirklich starkes Stück. Das wars von mir für heute. Schreibt mir auf workofsirns.de wie ihr euren Tag heute verbringt oder verbracht habt und wie das Wetter bei euch ist. Wie ihr ja mittlerweile gesehen hat, schreibe ich bereits immer dazu, wie das Wetter in einer der epischsten Städte Deutschlands so ist. Hier hats ja mal vor Römern nur so gewimmelt. Bei euch vielleicht auch, auch das könnt ihr mich wissen lassen.

Mir bleibt nichts anders zu sagen als keep on rockin, wir hören uns demnächst.

[collapse]

Epic-Sommer-Spezial (10) | #49

Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten. Heute heiße ich euch willkommen zur zehnten Ausgabe unseres Epic Metal Mixtapes, zu unserem Special, das wir über den ganzen Juli hinweg verteilen. Wir haben noch vier weitere Songs und wie immer würde ich gerne von euch wissen, wie ihr euren Tag heute so verbracht habt oder verbringt und – wie das Wetter bei euch heute ist. Schreibt mir das unter workofsirens.de in einen Kommentar.

Italien scheint momentan unser bevorzugter epischer Ort zu sein, denn heute landen wir schon wieder dort. Jedoch wandern wir von der Toskana nach Florenz. Alles klingende Namen, wenn man eine Reise tun will, aber wir sind nur dort zu Gast, um uns auf in andere Welten zu machen. Um genauer zu sein, in eine der fabelhaftesten Ländereien, die sich jemals ein Mensch ausgedacht hat. Nein – es handelt sich nicht um Mittelerde, aber um etwas ähnliches, nur ist unsere Welt noch etwas dunkler.

Lesen

Es kann kein episches Mixtape geben ohne auf den Spuren Elrics von Melnibone zu wandeln, der fast schon ein Prototyp für die Texte zahlreicher Bands ist. Man kann sich fast schon aussuchen, welche Interpretation es denn sein darf, aber ich habe mich heute für Domine entschieden, weil der heutige Song ein wahres episches Wunderwerk in der Erzählung des Eternal Champion darstellt. So heißen dann auch das Album, nicht zu verwechseln mit der Band, die sich ebenfalls nach diesem Epos benannt hat.

Domine gründeten sich bereits 1983, aber wie das manchmal so ist, erblickte ihr Album erst 1997 das Licht der Welt, ganze 14 Jahre später also. Die Band war allerdings all die Jahre nicht nur tatenlos und wartete auf den richtigen Zeitpunkt, sondern veröffentlichten 4 Demos, und ihr Debüt enthält dann auch fast ausnahmslos Songs von diesen Aufnahmen, die immer mehr verfeinert wurden. Tatsächlich unterscheiden sich die Kompositionen auf dem Debüt erheblich vom späteren Material, und sollte sich jemand fragen, warum das so ist, dann hat er jetzt die Antwort, und vielleicht auch darauf, warum “Champion Eternal” etwas ganz Besonderes ist.

Die Band kurz vorgestellt:

Riccardo Paoli Bass
Enrico Paoli Guitars, Songwriting, Lyrics
Morby Vocals
Mimmo Palmiotta (der sich auch Boris Hunter nennt und vor allem durch DeathSS bekannt ist) Drums

Was dieses Album wirklich besonders macht, ist natürlich nicht sein eigentliches Alter, obwohl das immer auch eine Rolle spielt, so als wäre in den letzten Jahrzehnten ein bestimmter Geist aus der Musik ganz allgemein gewichen, sondern die Betonung auf Songwriting und Storytelling. Es gibt hier – wie bei den Italienern üblich – viel Melodien, aber die Songs sind länger und die Songstrukturen gehen tiefer als bei den meisten ihrer Power-Metal-Kollegen.

Anstelle von kitschigen Refrains konzentrieren sich Domine auf den Aufbau von Welten und die Schaffung einer epischen Atmosphäre mit Riffs, die stark im traditionellen Metal verwurzelt sind. Gemäß Michael Moorcocks Elric-Reihe ist Champion Eternal düster und bedrohlich, aber herrlich episch. Dieses düstere Meisterwerk ist fast genau eine Stunde lang, doch es fühlt sich zu keinem Zeitpunkt zu lang an.

Domine benutzen dieses Album als Gefäß, um als ihre eigene Chronik des Schwarzen Schwertes zu fungieren, indem sie Elrics Geschichten lebendig nacherzählen. Ihr seht, es ist gar nicht so einfach, aus diesem Konzept einen einzelnen Song zu reißen, aber nicht alle Songs drehen sich um Elric, sondern sind grundsoliede Sword & Sorcery Geschichten anderen Kalibers.

Der Closer des Albums, um den es uns hier geht, der bringt noch einmal alles auf den Punkt, was man in der knappen Stunde vorher sprichwörtlich erlebt hat.

Textlich scheint “Champion Eternal” die ultimative Hommage an Michael Moorcock und sein Werk zu sein. Wer die Saga um Elric nicht kennt, dem gebe ich hier einen kurzen – einen wirklich kurzen – Leitfaden an die Hand:

Der Eternal Champion existiert in verschiedenen Inkarnationen im gesamten Multiversum, also in unterschiedlichen Welten, weiß aber die meiste Zeit nichts von seinem Schicksal und lebt in Unkenntnis, bis er von seiner Aufgabe mitgerissen wird, die darin besteht, das kosmische Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Das Schicksal des Champions ist dabei ein schweres Verhängnis, denn der Champion kann niemals ruhen, niemals wirklich sterben und niemals wirklich lieben. Der Ewige Held trägt immer einen Aspekt des Schwarzen Schwertes als seine Waffe, auch wenn es sich nicht immer als Schwert manifestiert.

Es ist möglich, dass mehrere Aspekte des Champions im selben Universum existieren, obwohl dies das Risiko birgt, das Multiversum zu beschädigen. In diesen Fällen können die einzelnen Champions zu einem zusammengesetzten Wesen verschmelzen. Alle Aspekte des Champions erinnern sich unbewusst, in Träumen und Albträumen, an ihre vergangenen (und möglicherweise zukünftigen) Inkarnationen. Einige Aspekte erinnern sich bewusst an sie, was sie entweder extrem geschickt macht, um im Multiversum zu überleben, oder sie an den Rand des Wahnsinns bringt.

Die Geschichte des Ewigen Champions ist fast immer eine tragische Geschichte.

Elric ist sicherlich die bekannteste Inkarnation dieses Helden, und das Schwarze Schwert – hier Sturmbringer oder Stormbringer im Original – ist natürlich nicht weniger berühmt.

Elric ist der letzte Herrscher der Inselzivilisation von Melniboné. Körperlich ist er eher schwächlich, also ganz und gar kein Conan. Und deshalb ist er von Drogen abhängig, um überhaupt am Leben zu bleiben.

Von Kindheit an las er viel in der riesigen königlichen Bibliothek und lernte so die Welt außerhalb der Trauminsel kennen. Das ist auch der Grund warum Elric, anders als andere Mitglieder seiner Rasse, ein Gewissen hat. Er wird Zeuge des Verfalls seiner Kultur, die einst die bekannte Welt beherrschte, und macht sich Sorgen über den Aufstieg der von Menschen bevölkerten Jungen Königreiche (die Melnibonéaner betrachten sich als von der Menschheit getrennt) und die Bedrohung, die sie für sein Reich darstellen. Aufgrund von Elrics Selbstverachtung und seinem Hass auf die melnibonéischen Traditionen finden ihn seine Untertanen seltsam und unergründlich.

Neben seinen Fähigkeiten im Umgang mit Kräutern ist Elric außerden ein versierter Zauberer und Beschwörer. Als Kaiser von Melniboné kann Elric den traditionellen Schutzherrn der Kaiser von Melniboné, Arioch, einen Herrn des Chaos und Herzog der Hölle, um Hilfe bitten. Von der ersten Geschichte an nutzt Elric uralte Pakte und Vereinbarungen nicht nur mit Arioch, sondern auch mit verschiedenen anderen Wesen – einigen Göttern, einigen Dämonen -, um seine Aufgaben zu bewältigen.

Elrics Entdeckung des Schwertes Stormbringer ist sowohl sein größter Vorteil als auch sein größter Nachteil. Das Schwert verleiht Elric Stärke, Gesundheit und Kampffähigkeit und ermöglicht es ihm, sich von seiner Drogenabhängigkeit zu befreien, aber es muss von den Seelen intelligenter Wesen gespeist werden. Am Ende nimmt die Klinge jeden mit, der Elric nahe steht, und schließlich auch Elrics eigene Seele. Die meisten von Moorcocks Geschichten über Elric handeln von dieser Beziehung zu Stormbringer und davon, wie sie – trotz Elrics bester Absichten – alles, was ihm lieb und teuer ist, ins Verderben stürzt.

Der Hörer wird auf diesem Album kaum davon abgehalten, selbst ein Schwert zu ergreifen und in die Schlacht zu ziehen. Dieses epische Gefühl, das sich durch die gesamte Dauer aller Songs zieht, ist die größte Stärke der Platte. Die Musik von Domine scheint genau das zu besitzen, was es braucht, um erfolgreich Geschichten von Geheimnissen, verdammten Helden und großartigen Schlachten zu erzählen.

Musikalisch erreichen Domine ihren unverwechselbaren Sound und ihre Atmosphäre durch marschierende, kriegsähnliche Gitarrenriffs und den Einsatz eines mystischen, fast okkulten Touches an den Keyboards. Auch gibt es häufige Riffwechsel, bei denen eine edel klingende Leadgitarre in den Mittelpunkt rückt. Seine Einzigartigkeit verdankt “Champion Eternal” aber vor allem zwei Elementen: dem Gesang von Morby und dem Schlagzeug von Mimmio Palmiotta. Einerseits ist Morby sicher nicht der größte Sänger, den es je gab, aber seine leidenschaftliche und charakteristische Stimme scheint das perfekte Mittel zu sein, um das epische Gefühl auszudrücken, das Domine zu erzeugen versuchen. Auf der anderen Seite ist Palmiotta für seine Arbeit mit Death SS bekannt, einer Band, die einen völlig anderen Ansatz verfolgt als Domine.

[collapse]

Ein Werk, das Tausend Jahre überdauert: Negative Plane – The Pact… | #48

Willkommen zu einer neuen Ausgabe unserer Reviews hier im Podcast Work of Sirens. Heute mit  Negative Plane,  die nach  über 11 Jahren, in denen manche Mitglieder der Band sporadisch andere Projekte verfolgten, ihr drittes Album über Invictus Productions in Dublin herausgebracht haben, und dieses Album ist erwartungsgemäß  ganz und gar erstaunlich – im Sinne seines “Next Level”-Anspruchs auf dem Gebiet des  arkanen Black Metal – und hat auch einige Zeit in Anspruch genommen, bis die Teile sich zu fügen begannen.

Das Ergebnis ist ein Werk, das auf natürliche Weise die Grenzen zwischen Black Metal, frühen und somit bösartigen Thrash Metal und reinem Heavy Metal auf unheilige Art und Weise überschreitet und ständig und mit viel Finesse daran erinnert, dass der Teufel immer die Oberhand gewinnt, egal wie clever man ist. Es geht um die Geschichte des Teufelspakts, nicht eigentlich um Goethes Faust, sondern um das Paktieren mit dem Teufel ganz allgemein, und so heißt dieses Konzeptalbum dann auch The Pact…

Lesen

Negative Plane wurden 2001 von Sänger und Gitarrist Edward Miller alias Nameless Void gegründet, bevor er Matthias Müller alias Bestial Devotion fürs Schlagzeug fand. Miller und Müller also. Müller deshalb, weil Bestial Devotion in Deutschland geboren wurde und als Teenager in den 90ern nach Amerika auswanderte. Es gibt zwei Alben von Matthias Müller, die er in der Zeit, da Negative Plane auf Eis lag, unter Funereal Presence veröffentlicht hat, und das letzte – Achatius von 2019 – habe ich in den Anfängen des Youtube-Kanals auch besprochen, allein schon deshalb, weil Funereal Presence definitiv meine absolute Lieblingsband im BM ist, wenn man da überhaupt von einer Band sprechen kann, wenn Bestial Devotion doch fast alles allein gemacht hat. Geholfen wurde ihm nur hier und da von – und jetzt kommt die große Überraschung – Edward Miller alias Nameless Void von Negative Plane. Es ist jetzt nicht besonders verwunderlich, dass Negative Plane und Funereal Presence einen ähnlichen Ansatz im Songwriting und auch im Klang verfolgen, der sich aus Avantgarde, dem Okkulten und dem psychedelischen zusammensetzt.

Die Jungs hassen die Schublade USBM und ich kann das verstehen. Diese andauernde Akronym-Gescheiße ist auf Dauer nur nervig und unterm Strich bedeutet so etwas auch nicht das geringste, aber der Vorteil amerikanischer Bands im Black Metal ist sicherlich, dass sie keinen Signatur-Sound haben und deshalb viel freier und in der Regel überraschender aufspielen als etwa die norwegischen oder schwedischen Vertreter, weil hier persönliche Einflüsse eine viel stärkere Betonung haben als anderswo. Sicher bilden sich regionale Kollektive auch hier aus, wie zum Beispiel in Cascadia oder den Appalachen, aber mittlerweile gibt es von Alaska bis Hawaii Black-Metal-Bands mit einer einzigartigen Handschrift, die so nirgendwo anders gehört werden können.

Negative Plane gründeten sich mehr oder weniger in Florida, aber erst jüngst sind sie eine wirkliche Band mit mehreren Musikern und in New York ansässig. 2011 hatte noch Ignotus alias Diabolic Gulgata den Bass bedient, der jetzt an die Gitarre wechseln konnte, weil sie den kolumbianischen Bassisten David Cifuentes alias Lord Thammuz gefunden haben. Multiinstrumentalisten sind sie quasi alle, aber man muss erwähnen, dass Bastial Devotion schon ein ganz besonderes Schlagzeugspiel hat, das man unter Tausenden wiedererkennt und es deshalb schon ein Vorteil ist, dass er nicht die Gitarre spielt, die er ja ebenfalls beherrscht, wie er bei Funereal Presence hinlänglich bewiesen hat. Seinen wirklich seltsamen Schlagzeugstil führt er dann auch darauf zurück, dass er eigentlich wie ein Gitarrist denkt. Und vor allem klingen seine Kessel völlig nackt, so als würden sie einfach neben dem Ohr stehen oder im Zimmer nebenan.

2006 veröffentlichten Negative Plane ihr Debüt namens “Et in Saecula Saeculorum”, dem 2011 “Stained Glass Revelations” folgte. Diese beiden Alben machten die Band zu einer Legende im USBM-Underground – da ist er wieder, der böse Begriff -, und das aus gutem Grund, denn ihr Black-Metal-Stil, der sich – vereinfacht gesagt – mehr an der ersten Welle orientiert, ist völlig einzigartig und hat wenig zu tun mit der Wald-und Wiesen-Raserei auf der einen – oder einer modernen Produktion auf der anderen Seite. Für mich ist das ganze Umfeld von Negative Plane davon geprägt, wie sich der Black Metal hätte entwickeln können, wenn er nicht in die Krallen der Norweger geraten wäre, was gar nicht negativ gemeint ist, auch wenn es sich so anhört.

Nach “Stained Glass Revelations” war für die Band ein Punkt erreicht, wo sie nicht wusste, wie es weiter gehen sollte. Nameless Void versuchte zwar, neues Material zu schreiben, kam aber nicht voran. Er spielte dann einige Jahre in der Okkult-Doom-Band Occulation, die es leider nur auf zwei Alben brachte und die zwar gar nichts mit Black Metal zu tun haben, aber sobald man sich die beiden Alben anhört, spürt man auch hier den eindeutig okkulten Charakter, der auch von Negative Plane ausgeht. Tatsächlich sind Occulation, die mit der Finnin Annu Lilja wie viele andere Occu-Doom- oder Doom-Rock-Bands ebenfalls eine Sängerin haben, nicht mit den üblichen Jefferson-Airplane-Ripp-Offs zu vergleichen, sondern wirklich okkult, aber darüber müssen wir ein anderes mal sprechen.

2015 fing Void damit an, die südamerikanischen Sachen wie “I.N.R.I.” von Sarcófago und “Bloody Vengeance” von Vulcano zu vermissen. Das bedeutet, die Orientierung an den Grundlagen dessen, was zu dieser Zeit noch keiner Genre-Definition unterlag. Einen solchen Sound gibt es heute nur noch selten und Void wollte sowas wieder in der Musik haben, am besten in seiner eigenen, aber ein Thema hatte er noch nicht. Bei Negative Plane sind die Musik und das Konzept ja eng miteinander verwoben und Void zieht seine Songs immer von den Lyrics her auf. Ihm kam dann die Idee, ein Album mit verschiedenen Charakteren zu machen. Nicht im Stil von King Diamond, sondern mehr über ihre Berufe. Einer könnte ein Schmied sein, ein anderer arbeitet wie ein Küster in der Kirche, ein anderer ist der Architekt dieser Kirche – und jeder von ihnen schließt einen Pakt mit dem Teufel ab.

Irgendwann besuchte Void eine Freundin in Regensburg und erst da begannen sich die Dinge zu fügen, als er nämlich vor der berühmten Steinernen Brücke stand, der ersten ihrer Art in ganz Europa. Und dort gibt es die berühmte Geschichte zwischen der Wette des Brückenbaumeisters und des Dombaumeisters, die darum ging, wer zuerst fertig wäre. Der Brückenbaumeister schloss diesen Teufelspakt und war dadurch natürlich als erster fertig, aber als der Teufel die versprochenen ersten drei Seelen forderte, trieb der Baumeister einen Hahn, eine Henne und einen Hund über die Brücke, wurde also betrogen.

Void hatte hier jetzt seinen Katalysator, allerdings wollte er lieber über die Kirche schreiben als über die Brücke, weil er dadurch mehr Möglichkeiten hatte. Es gibt zwar in jeder Stadt auch eine Brücke, aber bei Kirchen und ihren verborgenen Geheimnissen, Ketzereien, Mystizismen usw. ist die Anzahl der Geschichten nahezu unbegrenzt.

2019 entstand dann der erste Song, der auch der Opener auf dem Album ist: “A Work to Stand a Thousand Years”. Und sofort merkt man dann auch, dass eigentlich die Musik um die Geschichten herum geschrieben wurde, denn ganz normale Lyrics sind das eben nicht. Die Atmosphäre des Albums ist mittelalterlich ohne irgendwie folkig zu sein. Das liegt am schwer zu benennenden Klang der Band und natürlich an Voids einzigartiger Stimme, der tatsächlich eher wie ein düsterer und prophetischer Erzähler fungiert und nicht etwa kreischt oder gar singt. Das alles geht so gut zusammen, dass es auch gar keine andere Band machen könnte.

Ich meine, während “Stained Glass Revelations” (2011) mit seiner weitaus chaotischeren Herangehensweise einen neuen Höchststandard erreichte, ist dieses Album hier vergleichsweise frei von Hall, abgesehen von der Andeutung eines Raums mit hohen Decken, ähnlich wie bei “Achatius” vor ein paar Jahren, aber mit der definierten Beckenarbeit, einem sehr altmodischen Bassgitarrenton und dem Klirrfaktor der verschiedenen Gitarrenspuren, der fast gegen Null geht, unterscheidet sich die Produktion erheblich von den früheren Sachen, ohne die Signatur der Band in irgendeiner Weise zu verändern.

Für viele Fans von arkanem Black Metal, Avantgarde, Okkultismus und dem allgemein psychedelisch angehauchten Gefühl des neuen Jahrzehnts gibt es nur wenige andere Bands, die einen so einflussreichen und doch unantastbaren Standard für Black Metal in den Vereinigten Staaten setzten, und das liegt natürlich auch an diesem großen mystischen Raum zwischen den Texten und dieser wirklich unglaublichen Gitarrenarbeit. Die ist nämlich ziemlich herausfordernd, aber eher im Sinne der Atmosphäre. Hier blitzen Welten innerhalb von Welten auf.

Viele dieser Songs, wie z.B. “Three Turns to the West” haben ihre Hauptaussage im Refrain, aber in der verdrehten Art und Weise, wie es frühe Celtic Frost oder Sabbat praktiziert haben, auch wenn Negative Plane nicht annähernd so prägnant sind und sich nicht auf so unverblümte Weise gegen den traditionellen Heavy Metal auflehnen.  Der Zweck der Gitarre ist – wie schon erwähnt – die dargestellte Geschichte zu flankieren.

Das soll nicht heißen, dass Nameless Voids einzigartiger Einsatz der Gitarrentechnik kaum zur Geltung kommt. Es gibt verschiedene Beispiele für Finesse ohne kitschige Gitarrenhelden-Klischees, beginnend mit “Poison and the Crucifix” , bei dem Void eine Art Black-Metal-Noise-Gitarren-Geniestreich hervorbringt, der ein wiederholtes Anhören rechtfertigt, sobald der Song zu Ende ist.

Von da an liegen die Highlights eindeutig zwischen dem akrobatischen, meisterhaft gespielten und bereits erwähnten “Three Turns to the West” und dem wohl typischsten Negative Plane-Stück des gesamten Albums, “Even the Devil Goes to Church”, das in gewisser Weise jenes Gefühl der ständigen Bewegung durch schnell wechselnde Riffs des ersten Albums “Et In Saecula Saeculorum” widerspiegelt.

Das hier ist eine bemerkenswerte Veröffentlichung weit jenseits der Norm, ein denkwürdiges Stück okkulter audiovisueller Fiktion  mit einer großen Menge an Überlegungen, Arbeit und Leidenschaft, die in jedes Element eingeflossen sind.

Ich bin völlig begeistert von diesem Album, aber natürlich bin ich voreingenommen, weil ich von Anfang an ein Fan der Band und ihren Nebenprojekten bin, aber das lenkt nicht davon ab, dass Negative Planes drittes Album von einer Größe ist, die ein Jahrzehnt des Wartens gerechtfertigt hat und alles andere als eine beiläufige, gewöhnliche oder halbherzige Black Metal-Platte im Jahr 2022. Mit diesem Album haben sie so vielen bekannten Bands einen Strich durch die Rechnung gemacht, dass ich nicht anders kann, als ihnen die höchstmögliche Empfehlung auszusprechen.

[collapse]

Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.