Genre-Guide: Was der Doom ist und was er macht | #59

Willkommen, Freunde draußen an den Radiogeräten! Heute zu einer Sendung, die zwar in unseren Genre-Guide gehört, die aber natürlich – wie alle anderen Guides auch – keine vollständige Darstellung sein kann. Heute geht es hier um den Doom.

Supergroup auf Abwegen: Asia I #51

Heute kommen wir auf ein Album zu sprechen, das in diesen Tagen 40 Jahre alt wurde, genauer: am 8. März 1982. Es handelt sich um das Debüt der Supergroup Asia, das auf Geffen-Records veröffentlicht wurde und gehört allein schon deshalb zu den Errungenschaften der 80er Jahre, weil darauf der Hit “Heat of the Moment” enthalten ist.

Auch wenn Asia auf vielen Seiten als Progrock gelistet wird, handelt es sich zwar um eine Supergroup mit vier talentierten und bekannten Prog-Musikern, die für einige der wichtigsten und brillantesten Seiten der Rockmusik verantwortlich sind, aber um keine Prog-Band im engeren Sinne.

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Ein Werk, das Tausend Jahre überdauert: Negative Plane – The Pact… | #48

Willkommen zu einer neuen Ausgabe unserer Reviews hier im Podcast Work of Sirens. Heute mit  Negative Plane,  die nach  über 11 Jahren, in denen manche Mitglieder der Band sporadisch andere Projekte verfolgten, ihr drittes Album über Invictus Productions in Dublin herausgebracht haben, und dieses Album ist erwartungsgemäß  ganz und gar erstaunlich – im Sinne seines “Next Level”-Anspruchs auf dem Gebiet des  arkanen Black Metal – und hat auch einige Zeit in Anspruch genommen, bis die Teile sich zu fügen begannen.

Das Ergebnis ist ein Werk, das auf natürliche Weise die Grenzen zwischen Black Metal, frühen und somit bösartigen Thrash Metal und reinem Heavy Metal auf unheilige Art und Weise überschreitet und ständig und mit viel Finesse daran erinnert, dass der Teufel immer die Oberhand gewinnt, egal wie clever man ist. Es geht um die Geschichte des Teufelspakts, nicht eigentlich um Goethes Faust, sondern um das Paktieren mit dem Teufel ganz allgemein, und so heißt dieses Konzeptalbum dann auch The Pact…

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Negative Plane wurden 2001 von Sänger und Gitarrist Edward Miller alias Nameless Void gegründet, bevor er Matthias Müller alias Bestial Devotion fürs Schlagzeug fand. Miller und Müller also. Müller deshalb, weil Bestial Devotion in Deutschland geboren wurde und als Teenager in den 90ern nach Amerika auswanderte. Es gibt zwei Alben von Matthias Müller, die er in der Zeit, da Negative Plane auf Eis lag, unter Funereal Presence veröffentlicht hat, und das letzte – Achatius von 2019 – habe ich in den Anfängen des Youtube-Kanals auch besprochen, allein schon deshalb, weil Funereal Presence definitiv meine absolute Lieblingsband im BM ist, wenn man da überhaupt von einer Band sprechen kann, wenn Bestial Devotion doch fast alles allein gemacht hat. Geholfen wurde ihm nur hier und da von – und jetzt kommt die große Überraschung – Edward Miller alias Nameless Void von Negative Plane. Es ist jetzt nicht besonders verwunderlich, dass Negative Plane und Funereal Presence einen ähnlichen Ansatz im Songwriting und auch im Klang verfolgen, der sich aus Avantgarde, dem Okkulten und dem psychedelischen zusammensetzt.

Die Jungs hassen die Schublade USBM und ich kann das verstehen. Diese andauernde Akronym-Gescheiße ist auf Dauer nur nervig und unterm Strich bedeutet so etwas auch nicht das geringste, aber der Vorteil amerikanischer Bands im Black Metal ist sicherlich, dass sie keinen Signatur-Sound haben und deshalb viel freier und in der Regel überraschender aufspielen als etwa die norwegischen oder schwedischen Vertreter, weil hier persönliche Einflüsse eine viel stärkere Betonung haben als anderswo. Sicher bilden sich regionale Kollektive auch hier aus, wie zum Beispiel in Cascadia oder den Appalachen, aber mittlerweile gibt es von Alaska bis Hawaii Black-Metal-Bands mit einer einzigartigen Handschrift, die so nirgendwo anders gehört werden können.

Negative Plane gründeten sich mehr oder weniger in Florida, aber erst jüngst sind sie eine wirkliche Band mit mehreren Musikern und in New York ansässig. 2011 hatte noch Ignotus alias Diabolic Gulgata den Bass bedient, der jetzt an die Gitarre wechseln konnte, weil sie den kolumbianischen Bassisten David Cifuentes alias Lord Thammuz gefunden haben. Multiinstrumentalisten sind sie quasi alle, aber man muss erwähnen, dass Bastial Devotion schon ein ganz besonderes Schlagzeugspiel hat, das man unter Tausenden wiedererkennt und es deshalb schon ein Vorteil ist, dass er nicht die Gitarre spielt, die er ja ebenfalls beherrscht, wie er bei Funereal Presence hinlänglich bewiesen hat. Seinen wirklich seltsamen Schlagzeugstil führt er dann auch darauf zurück, dass er eigentlich wie ein Gitarrist denkt. Und vor allem klingen seine Kessel völlig nackt, so als würden sie einfach neben dem Ohr stehen oder im Zimmer nebenan.

2006 veröffentlichten Negative Plane ihr Debüt namens “Et in Saecula Saeculorum”, dem 2011 “Stained Glass Revelations” folgte. Diese beiden Alben machten die Band zu einer Legende im USBM-Underground – da ist er wieder, der böse Begriff -, und das aus gutem Grund, denn ihr Black-Metal-Stil, der sich – vereinfacht gesagt – mehr an der ersten Welle orientiert, ist völlig einzigartig und hat wenig zu tun mit der Wald-und Wiesen-Raserei auf der einen – oder einer modernen Produktion auf der anderen Seite. Für mich ist das ganze Umfeld von Negative Plane davon geprägt, wie sich der Black Metal hätte entwickeln können, wenn er nicht in die Krallen der Norweger geraten wäre, was gar nicht negativ gemeint ist, auch wenn es sich so anhört.

Nach “Stained Glass Revelations” war für die Band ein Punkt erreicht, wo sie nicht wusste, wie es weiter gehen sollte. Nameless Void versuchte zwar, neues Material zu schreiben, kam aber nicht voran. Er spielte dann einige Jahre in der Okkult-Doom-Band Occulation, die es leider nur auf zwei Alben brachte und die zwar gar nichts mit Black Metal zu tun haben, aber sobald man sich die beiden Alben anhört, spürt man auch hier den eindeutig okkulten Charakter, der auch von Negative Plane ausgeht. Tatsächlich sind Occulation, die mit der Finnin Annu Lilja wie viele andere Occu-Doom- oder Doom-Rock-Bands ebenfalls eine Sängerin haben, nicht mit den üblichen Jefferson-Airplane-Ripp-Offs zu vergleichen, sondern wirklich okkult, aber darüber müssen wir ein anderes mal sprechen.

2015 fing Void damit an, die südamerikanischen Sachen wie “I.N.R.I.” von Sarcófago und “Bloody Vengeance” von Vulcano zu vermissen. Das bedeutet, die Orientierung an den Grundlagen dessen, was zu dieser Zeit noch keiner Genre-Definition unterlag. Einen solchen Sound gibt es heute nur noch selten und Void wollte sowas wieder in der Musik haben, am besten in seiner eigenen, aber ein Thema hatte er noch nicht. Bei Negative Plane sind die Musik und das Konzept ja eng miteinander verwoben und Void zieht seine Songs immer von den Lyrics her auf. Ihm kam dann die Idee, ein Album mit verschiedenen Charakteren zu machen. Nicht im Stil von King Diamond, sondern mehr über ihre Berufe. Einer könnte ein Schmied sein, ein anderer arbeitet wie ein Küster in der Kirche, ein anderer ist der Architekt dieser Kirche – und jeder von ihnen schließt einen Pakt mit dem Teufel ab.

Irgendwann besuchte Void eine Freundin in Regensburg und erst da begannen sich die Dinge zu fügen, als er nämlich vor der berühmten Steinernen Brücke stand, der ersten ihrer Art in ganz Europa. Und dort gibt es die berühmte Geschichte zwischen der Wette des Brückenbaumeisters und des Dombaumeisters, die darum ging, wer zuerst fertig wäre. Der Brückenbaumeister schloss diesen Teufelspakt und war dadurch natürlich als erster fertig, aber als der Teufel die versprochenen ersten drei Seelen forderte, trieb der Baumeister einen Hahn, eine Henne und einen Hund über die Brücke, wurde also betrogen.

Void hatte hier jetzt seinen Katalysator, allerdings wollte er lieber über die Kirche schreiben als über die Brücke, weil er dadurch mehr Möglichkeiten hatte. Es gibt zwar in jeder Stadt auch eine Brücke, aber bei Kirchen und ihren verborgenen Geheimnissen, Ketzereien, Mystizismen usw. ist die Anzahl der Geschichten nahezu unbegrenzt.

2019 entstand dann der erste Song, der auch der Opener auf dem Album ist: “A Work to Stand a Thousand Years”. Und sofort merkt man dann auch, dass eigentlich die Musik um die Geschichten herum geschrieben wurde, denn ganz normale Lyrics sind das eben nicht. Die Atmosphäre des Albums ist mittelalterlich ohne irgendwie folkig zu sein. Das liegt am schwer zu benennenden Klang der Band und natürlich an Voids einzigartiger Stimme, der tatsächlich eher wie ein düsterer und prophetischer Erzähler fungiert und nicht etwa kreischt oder gar singt. Das alles geht so gut zusammen, dass es auch gar keine andere Band machen könnte.

Ich meine, während “Stained Glass Revelations” (2011) mit seiner weitaus chaotischeren Herangehensweise einen neuen Höchststandard erreichte, ist dieses Album hier vergleichsweise frei von Hall, abgesehen von der Andeutung eines Raums mit hohen Decken, ähnlich wie bei “Achatius” vor ein paar Jahren, aber mit der definierten Beckenarbeit, einem sehr altmodischen Bassgitarrenton und dem Klirrfaktor der verschiedenen Gitarrenspuren, der fast gegen Null geht, unterscheidet sich die Produktion erheblich von den früheren Sachen, ohne die Signatur der Band in irgendeiner Weise zu verändern.

Für viele Fans von arkanem Black Metal, Avantgarde, Okkultismus und dem allgemein psychedelisch angehauchten Gefühl des neuen Jahrzehnts gibt es nur wenige andere Bands, die einen so einflussreichen und doch unantastbaren Standard für Black Metal in den Vereinigten Staaten setzten, und das liegt natürlich auch an diesem großen mystischen Raum zwischen den Texten und dieser wirklich unglaublichen Gitarrenarbeit. Die ist nämlich ziemlich herausfordernd, aber eher im Sinne der Atmosphäre. Hier blitzen Welten innerhalb von Welten auf.

Viele dieser Songs, wie z.B. “Three Turns to the West” haben ihre Hauptaussage im Refrain, aber in der verdrehten Art und Weise, wie es frühe Celtic Frost oder Sabbat praktiziert haben, auch wenn Negative Plane nicht annähernd so prägnant sind und sich nicht auf so unverblümte Weise gegen den traditionellen Heavy Metal auflehnen.  Der Zweck der Gitarre ist – wie schon erwähnt – die dargestellte Geschichte zu flankieren.

Das soll nicht heißen, dass Nameless Voids einzigartiger Einsatz der Gitarrentechnik kaum zur Geltung kommt. Es gibt verschiedene Beispiele für Finesse ohne kitschige Gitarrenhelden-Klischees, beginnend mit “Poison and the Crucifix” , bei dem Void eine Art Black-Metal-Noise-Gitarren-Geniestreich hervorbringt, der ein wiederholtes Anhören rechtfertigt, sobald der Song zu Ende ist.

Von da an liegen die Highlights eindeutig zwischen dem akrobatischen, meisterhaft gespielten und bereits erwähnten “Three Turns to the West” und dem wohl typischsten Negative Plane-Stück des gesamten Albums, “Even the Devil Goes to Church”, das in gewisser Weise jenes Gefühl der ständigen Bewegung durch schnell wechselnde Riffs des ersten Albums “Et In Saecula Saeculorum” widerspiegelt.

Das hier ist eine bemerkenswerte Veröffentlichung weit jenseits der Norm, ein denkwürdiges Stück okkulter audiovisueller Fiktion  mit einer großen Menge an Überlegungen, Arbeit und Leidenschaft, die in jedes Element eingeflossen sind.

Ich bin völlig begeistert von diesem Album, aber natürlich bin ich voreingenommen, weil ich von Anfang an ein Fan der Band und ihren Nebenprojekten bin, aber das lenkt nicht davon ab, dass Negative Planes drittes Album von einer Größe ist, die ein Jahrzehnt des Wartens gerechtfertigt hat und alles andere als eine beiläufige, gewöhnliche oder halbherzige Black Metal-Platte im Jahr 2022. Mit diesem Album haben sie so vielen bekannten Bands einen Strich durch die Rechnung gemacht, dass ich nicht anders kann, als ihnen die höchstmögliche Empfehlung auszusprechen.

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Epic-Sommer-Spezial (8) | #46

Guten Morgen Freunde draußen an den Radiogeräten, zur achten Ausgabe unseres Epic Metal Mixtape, das wir hier über den ganzen Juli verteilt zusammenstellen. Am Ende werden es 14 Songs sein – und das hat nichts mit dem tatsächlichen Platz auf einem Tape zu tun, als vielmehr damit, dass im Juli 14 Tage frei sind, wenn man die Wochenenden abzieht, an denen hier nichts geschieht und dann noch die regulären Sendungen berücksichtigt, die ja ebenfalls nicht angetastet werden.

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Wir gehen noch einmal nach Italien und dort in die Toskana, um den Seitenarm einer wahren Legende zu besuchen. Die Rede ist von Etrusgrave, einem Kofferwort bestehend aus Etrusker und Grave. Die Frage, warum ich nicht auf die Band, mit der sich der epische Metal italienischer Prägung in die Geschichtsbücher eingetragen hat, eingehe, ist berechtigt. Aber ich kann an dieser Stelle bereits vermelden, dass Dark Quarterer in unserer Ausgabe Nr. 9 ihren Song abliefern werden. Es hat keinen besonderen Grund, warum ich sozusagen mit dem Ableger beginne. Beide Bands sind aktiv und es scheint ihnen gut zu gehen und die Schlüsselfigur ist bei beiden Bands Fulberto Serena. Vielleicht hat sich unbewusst die Reihenfolge dann doch draus ergeben, dass Serena seit 1998 nicht mehr bei Dark Quarterer Gitarre spielt. Das ist eine lange Zeit und es dauerte noch einmal zehn Jahre bis er mit der von ihm gegründeten Band Etrusgrave “Master of Fate” vorlegte, von dem auch unser heutiger Song stammt.

Seine Mitstreiter hier sind:

Tiziano Sbaragli alias Hammerhead vocals
Luigi Paoletti Bass, Flute (track 6)
Francesco Taddei Drums

Für diejenigen, die aus Altersgründen oder einfach aus Mangel an Informationen mit Fulberto Serena nicht vertraut sind, möchte ich nur sagen, dass Dark Quarterer als wichtigste epische Band Italiens ihre Entstehung und Entwicklung ihm verdanken, da Serena bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden aus der Band der Hauptkomponist war. Etrusgrave unterscheiden sich dann auch von den aktuellen Dark Quarterer, da Etrusgrave sich weiterhin an der alten Schule orientieren, während DQ andere Elemente in ihr Songwriting aufgenommen haben. Trotzdem bewegen sich beide Bands weiterhin auf einem ähnlichen Feld.

“Master of Fate” ist als Album ein Bezugspunkt für alle, die dem Epic vergangener Zeiten treu geblieben sind, authentisch und ohne Schnickschnack.

Das fängt schon beim Namen an, mit einem präzisen epischen und geografischen Bezug, und setzt sich fort in einer Besetzung, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Erfahrung und jugendlichem Ungestüm aufweist.

Wie auch bei den alten Dark Quarterer drehen sich die Texte meist um etruskische Geschichte. Die Etrusker sind dann auch das geheimnisvolle und dunkle Volk, aus dessen Trümmern sich dann Rom erhob. Ich meine, wir sprechen hier von einer Zeit 800 v Chr. Und wir sprechen vom gebiet der heutigen Toskana. wenn man von dort kommt, liegt es fast schon auf der Hand, dass man sich für seine sehr alte Geschichte interessiert. Und die Etrusker sind nach wie vor ein rätselhaftes Volk, von dem niemand weiß, woher sie eigentlich kamen. Sie betrieben ziemlich lebendige Zauberei und Zukunftsschau – eine Fundgrube für den epischen Heavy Metal.

ich will noch etwas bei diesem Thema bleiben, allein schon aus dem Grund, weil man sonst nirgendwo viel über etwaige Inspirationsquellen liest, was für mich bei Bands wie Etrusgrave nicht weniger wichtig ist als die Musik selbst, vor allem, wenn es sich auch hier wieder um eine Rebellion gegen moderne Ansichten handelt. Das ist deshalb so wichtig, weil das Moderne denken und handeln quasi auf die Vernichtung und Zerstörung von schlichtweg allem angelegt ist. Wir begegnen dieser tief sitzenden Rebellion im Grunde im epischen Metal immer wieder. Viele mögen darin nur ein paar Geschichten von phantastischen Helden, Drachen und Fantasyliteratur sehen und schlagen sich damit unbewusst auf die Seite jener, die das gerne so haben wollen, aber dem aufmerksamen Beobachter bietet sich viel mehr.

Das erste Werk von Etrusgrave zeigt vier Totenköpfe auf dem Cover, wobei der imposantestete von einem markanten Helm des Typs “Celto-Villanovan” gekrönt wird, der in etruskischen Armeen üblich war. Unser heutiger Song heißt “Wax Mask” und wir schauen uns gleich den Text etwas näher an, aber vorher möchte ich noch zur Musik sagen, dass wir es hier mit echtem Heavy Metal zu tun haben, der mit seinen vorklassischen, klassischen oder sogar folkloristischen Ansätzen den lyrischen Bezügen die passende Stimmung verleiht. Weil hier eben alles so sehr ineinandergreift – von der Bildsprache angefangen, kann man durchaus von der Loyalität des epischen Heavy Metal gegenüber europäischen Traditionen sprechen.

Im Song “Wax Mask” geht es inhaltlich um eine Galerie, die der Erzähler auf der Suche nach Antworten durchstreift. In der Galerie scheint es oberflächlich betrachtet nur alte Gemälde und Wachsfiguren zu geben, die Gänge sind still und menschenleer. Er scheint der einzige Besucher dort zu sein, man kann also davon ausgehen, dass es gar keine öffentliche Galerie ist, sondern eine Verborgene, die nicht jedem zugänglich ist. Der Erzähler spürt allerdings, dass noch jemand anwesend ist. Er hört einen hohlen Klang, spürt den Atem und den Puls von einer unsichtbaren Präsenz, die er den Lebensritter nennt. Der aber ist kein geistiger Führer, sondernd roht, den Erzähler zu erschlagen, wenn er es wagt, ihn anzusehen. Er erkennt das Gesicht eines sterbenden Freundes und hat nur einen Gedanken: raus aus der Galerie!

Der Text ist an vielen Stellen kryptisch, aber es wird klar, dass der Erzähler in dieser Galerie eine verborgene Geschichte gesehen hat, bzw. das, was man nicht weiß. Und all das hat etwas zu tun mit einer Wachsmaske, die sich ständig zu verändern scheint, teils ihn, teils irgendeinen Helden und seine Taten zeigt. Durch den unbestimmten Text, bleibt alles ziemlich unheimlich.

Das wars heute von mir. Wenn ihr wollt, schreibt mir doch, wie ihr das Special bis jetzt findet und wie euer Tag heute so war. Natürlich interessiert mich auch das Wetter. Als nächstes bekommt ihr hier an dieser Stelle also einen Song von Dark Quarterer, weil sie die beiden Bands im Grunde nahtlos aneinander anschließen. Ich sage dann auch etwas mehr zu Fulberto Serena.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Talk | Top Alben 2022 Halbjahreswertung (Crossroad Crew) | #45

Willkommen, Freunde draußen an den Radiogeräten. Heute ist es so weit, heute stellen wir euch unsere Halbjahreswertung vor. Je 10 Alben – macht zusammen 40 Alben. Allerdings werden sich die ein oder anderen Alben auch auf einer anderen Liste auftauchen, aber dennoch gibt es hier noch genug Musik, über die zu sprechen ist. Gebt uns in den Kommentaren eure Top Ten des Halbjahres (oder so viele Alben, wie ihr wollt), die wir vielleicht nicht auf dem Schirm hatten und diskutiert mit uns die einzelnen Listen. Mit welcher könnt ihr am meisten anfangen?

Tobias

1o: Felvum – Fullmoon Mysticism / 09: Kvaen – The Great Below / 08: Deus Vermin – MMXXII / 07: Carrion Bloom – Sacraments Of Pestilence / 06: Korpelarörelsen – Är du av den rätta tron? / 05: Tómarúm – Ash in Realms of Stone Icons / 04: Blut Aus Nord – Disharmonium: Undreamable Abyss / 03: Glemsel – Forvader / 02: Peth – Merchant of Death / 01: Satan – Earth Infernal

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Tom

10: Kissin’ Dynamite – Not The End Of the Road / 09: Wo Fat – The Singularity / 08: Lord Belial – Rapture / 07: Wucan – Heretic Tongues / 06: Konvent – Call Down The Sun / 05: Friends of Hell – Friends of Hell / 04: Kreator – Hate über alles / 03: Amorphis – Halo / 02: Ghost – Impera / 01: Watain – The Agony and Ecstasy of Watain

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Felix

10: Horn – Verzet / 09: Destruction – Diabolical / 08: Panzerkrieg 666 – Panzerkrieg 666 / 07: Crisix – Full HD / 06: Månegarm – Ynglingaättens öde / 05: Midnight – Let There Be Witchery / 04: Schandmaul – Knüppel aus dem Sack / 03: Vanaheim – Een verloren Verhaal / 02: Tyr – A Night At The Nordic House / 01: The Spirit – Of Clarity And Galactic

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Krempe

10: Wo Fat – The Singularity / 09: Ultra Silvam – The Sanctity of Death / 08: Midnight – Let There Be Witchery / 07: Hällas – Isle of Wisdom / 06: Watain – The Agony and Ecstasy of Watain / 05:  Michael Romeo – War of the Worlds pt. 2 / 04: Amorphis – Halo / 03: Friends of Hell – Friends of Hell / 02: Negative Plane – The Pact… / 01: Peth – Merchant of Death

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Epic-Sommer-Spezial (7) | #44

Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten und herzlich willkommen zu unserem Sommer-Special hier im Podcast Work of Sirens. Heute sind wir bei Folge 7 unseres Epic Metal Mixtapes angelangt, also genau in der Hälfte.

Für alle, die neu hinzugekommen sind: Im Juli werden wir hier täglich einen Song präsentieren, der im weitesten Sinne in den Bereich des Epic Metal fällt. An den Wochenenden machen wir eine Pause und auch die regulären Sendungen werden davon nicht beeinträchtigt. Es geht also alles weiter wie gehabt und dieses Special ist eine Dreingabe, ein Bonus für den Monat Juli.

Wir waren jetzt schon zweimal in Griechenland, einer Hochburg epischer Klänge, und heute machen wir einen Ausflug nach Italien, in die Lombardei.

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Zu einer Band, die eher keinen römischen oder italienischen Namen trägt, nämlich Wotan, die 2004 mit “Carmina Barbarica” ihr Debüt vorlegten. Das letzte Album der Band erschien 2019 mit “The Song of the Nibelungs”, hier haben wir es also mit keiner Eintagsfliege zu tun wie bisher so oft in diesem Sektor.

Auch wenn man es nicht glauben mag, gibt es im Verhältnis sehr wenige reine epische Bands. Wotan hingegen sind eine dieser echten epischen Band und nicht eine Black- oder Power- oder Death- oder Gothic-Band mit epischen Elementen. Hört man sich das erste Album an, von dem unser heutiger Song dann auch stammt, bekommt man das Gefühl, auf einem Schlachtfeld zu stehen, das mit aufgespießten Körpern und Kriegern mit blutigen Wunden durch Schwerter und Kleidung aus Tierhaut und Schilden aus Holz und Eisen überfüllt ist. Klingt lächerlich? Ist es aber nicht, es ist eine Offenbarung inmitten eines Computerzeitalters, dessen Hauptmerkmal Fantasielosigkeit und Zwecklosigkeit ist.

Was die Musik selbst betrifft, so sollte man bedenken, dass Innovation, Fortschritt und Neuartigkeit nicht in das Repertoire des Epic Metal gehören, weil jede Innovation das Genre bereits in etwas anderes verwandelt. Das kann man freilich rückständig finden und damit die alte Debatte aufmachen, wie konservativ der Metal eigentlich ist. Für mich persönlich gilt aber eine vernünftige Art und Weise, wertvolle Dinge zu erhalten ganz generell zur wichtigsten Grundlage in der Musik, in der wir uns bewegen. Damit meine ich keineswegs stillstand. Das wird ja oft fehlinterpretiert, aber ich kann euch sagen, warum das Wort konservativ mittlerweile fast schon zum Schimpfwort mutiert ist. Weil wir in einer Gesellschaft leben, die so sehr darauf getrimmt ist, Wachstum und Fortschritt als Lebenszweck zu begreifen, dass sich jede Kritik zu verbieten scheint.

Was im Epic Metal wirklich zählt sind leidenschaftliche Kompositionen, die in den vorgegebenen Normen, die das Genre definieren, vorgetragen werden, um eine Zeit und ein Gefühl heraufzubeschwören, das unwiderbringlich verloren ist und im Grunde nur durch Kunst – sei es Musik oder auch Fantasy-Romane – erhalten werden kann. Das hat noch nicht mal allein was mit Eskapismus zu tun, ein anderes Wort, das ja gerne negativ betrachtet wird, sondern mit dem Aktivieren einer tief in uns vergrabenen Erinnerung an sehr frühe Zeiten der Menschheit, wo es tatsächlich zwar um primitivere Dinge ging als das neueste elektronische Spielzeug, aber dafür auch um eine ehrliche Auseinandersetzung mit Leben und Tod usw.

Das war jetzt ein Exkurs, der doch ein bisschen weit vom Thema wegführt – aber eigentlich auch wieder nicht. Kommen wir zurück zu Wotan, die das jetzt ja auch irgendwie ausgelöst haben. Unser Song heute heißt “Lord of the Wind”, der trotz einiger Speed-Elemente nicht vom Grundgerüst abweicht. Die Gitarrensoli von Mario Degiovanni mögen technisch nicht überragend sein, aber sie fügen sich gut ein und erhalten die allgemeine Essenz des epischen Gefühls. Die Rhythmusgruppe, bestehend aus Schlagzeuger Lorenzo Giudici und Bassist Salvatore Oliveri, bilden eine solide Basis, über die Sänger Vanni Ceni seine farbefrohe und kraftvolle Stimme legt.

Wie so oft fällt der Text hier in die Kategorie “Anrufung des großen Unbekannten” im Angesicht des Todes. Wir befinden uns auf einem Schiff, der Wind bläst stark und peitscht das Deck, schwarze Schwäne reiten auf den Wellen. Es ist von einer dunklen Prophezeiung die Rede, die nicht näher erläutert wird, aber der Erzähler bittet darum, nicht auf See zu sterben, sondern irgendwo als Futter für die Adler mit dem Schwert in der Hand.
Deuten könnte man den Song also so, dass der Herr des Windes gebeten wird, die Überfahrt so schnell wie möglich voranzubringen, dass die Krieger wieder festen Boden unter den Füßen haben.

Das wars von mir für heute. Und weil wir gerade von Sturm und Wellen geredet haben, schreibt mir doch, wenn ihr wollt, wie das Wetter heute bei euch so ist und wie ihr euren Tag verbracht habt oder noch verbringt. Das könnt ihr natürlich wie immer unter workofsirens.de tun und mir bleibt nichts anderes als zu sagen Keep on Rockin’!

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Epic-Sommer-Spezial (6) | #43

Guten Morgen Freunde draußen an den Radiogeräten zur Ausgabe Nr. 6 unseres Specials im Juli, wo wir an allen freien Tagen, das heißt, an allen Tagen, wo keine reguläre Sendung eingeplant ist, einen Song aus den Annalen des epischen Metals kramen und ihn auf unser Mixtape packen, das am Ende dann 14 Songs enthalten wird. Natürlich wäre es leicht, auf die bekannten Gemeinplätze wie Manowar, Omen und Manilla Road zurückzugreifen, aber ich werde hier wie so oft mehr im obskuren Bereich wildern. Nicht immer, aber meistens. Und heute ganz bestimmt.

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Wir machen erneut einen Ausfflug nach Griechenland und besuchen dort eine Band mit dem allerweltsnamen Crush. Die Band besteht seit 1983 und ist eine der ältesten griechischen Heavy Metal Bands, die sich aus der Asche von Under Power erhob, die wiederum von 1981 – 1983 in den westlichen Bezirken von Athen aktiv war.

Die Band besteht aus:

Tasos Vretakis am Bass
Kostas Vogiatzogloy an den Drums
Pantelis Rodostoglou: Guitars, Songwriting
Panagiotis Konstantinidis: Vocals, Lyrics

Jetzt könnte man meinen, dass eine Band, die schon seit so langer Zeit aktiv ist, eine Menge Veröffentlichungen hingelegt haben müssen, aber das ist wie man sich denken kann nicht der Fall. Es gibt ein einziges Album aus dem Jahre 1993. Kingdom of the Kings. Mit dem Song gleichen Namens beteiligten sie sich 1988 an der historischen Doppel-Compilation “Greece Attacks”, die lange Zeit nur auf Vinyl und Kassette erhältlich war, teuer und selten, aber im Jahre 2014 als Doppe-CD von FM Records neu aufgelegt wurde – ähm – heute ebenfalls teuer und selten.

Dann machten sie sich mit Hilfe des international renommierten Produzenten Dimitris Malegas an die Arbeit für die Aufnahme ihres ersten Albums, auf dem wir melodischen, dynamischen, klassischen griechischen Heavy Metal mit mystischen, okkulten Texten zu hören bekommen. Live waren sie unter anderem mit Holocaust, Omen, Gloven Hoof, Marauder und Spitfire unterwegs, aber es nützte alles nichts. Das Album wurde in Sammlerkreisen (leider nur) von Fans sehr gut aufgenommen, da es nur als selbst finanzierte Produktion der Band selbst veröffentlicht wurde, da es von keiner griechischen Plattenfirma unterstützt wurde.

Man muss nur einen Blick auf das atemberaubende Cover-Artwork werfen, um zu verstehen, was einen in den nächsten 35 Minuten, die dieses Album dauert, erwartet: Die Apotheose des klassischen Heavy Metal ist da. Musikalisch handelt es sich um Epic Heavy Metal, textlich ist es irgendwo zwischen mystisch und okkult angesiedelt, während Panagiotis Konstantinidis’ großartige, beherrschende Stimme sich wunderbar mit dem Rest der soliden Rhythmusgruppe der Band vermischt. Der Sänger trägt die Texte von Crush mit einer edler Leidenschaft vor, scharfe Gitarrenriffs und engmaschige Kompositionen machen das ganze Album aus. Die Produktion ist für damalige Verhältnisse und selbst für eine griechische Metalband recht gut.

Es geht hier natürlich primär immer nur um einen Song und nicht um das ganze Album, aber wir folgen in diesem Special trotzdem einem roten Faden relativ obskurer Bands, so dass ich manchmal dann doch etwas weiter ausholen muss, um Zeit und Raum ein bisschen näher ran zu holen. Crush hatten wahrscheinlich das Pech – wie so viele in den 90ern – dass sie ihr Album in einer toten Phase des Heavy Metal aufnahmen und in Griechenland war diese tote Phase wahrscheinlich noch mal viel stärker zu spüren als überall sonst – und es war auch bei uns ein staubtote Wüste.

Kommen wir endlich zum heutigen Song. “Run to the Highway”. Der Titel wirkt jetzt erst mal nicht besonders episch und aus dem Album herausgebrochen ist er es auch nicht. Aber dieser kleine Song hat einen interessanten Inhalt über eine Art Succubus, der draußen auf den Straßen gesehen werden kann, die sich mehr oder weniger ihre Opfer sucht, indem sie ihnen ein Juwel gibt. Vermutlich das Juwel ihrer Ankunft. Und dann steht da: Du wirst niemals diese Dinge glauben, sobald du um Hilfe rufst, nimmt sie sich den nächsten. Renne den Highway entlang. Fliehe vor deiner Liebe. Das ist der Chorus, bevor dann in der zweiten Strophe der Erzähler davon spricht, denjenigen zu bedauern, der in ihrem Bett liegt, weil sie ja niemals existieren wird und nur eine weitere Fabel ist. Kein mensch hat jemals ihr Gesicht gesehen.

Das ist jetzt nichts besonders Großes, aber in die Lyrics lässt sich eine Menge reininterpretieren, wenn sie auch noch so unscheinbar wirken.

Obwohl “Kingdom Of The Kings” das einzige Werk von Crush ist, wird es für immer als eine der besten und qualitativ hochwertigsten Veröffentlichungen in der langen Geschichte des griechischen Heavy Metal stehen, ihr Album klingt auch heute noch angenehm, und die Band hat auf ihre Weise einen kleinen Stein in die Geburt des so genannten griechischen Heavy Metal gelegt.

Ob man es glaubt oder nicht, seit Jahren wird gemunkelt, dass Crush ein neues Album herausbringen wird, wann? Wir wollen hoffen, dass dies bald geschieht.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Talk | Die 10 Alben der 90er (Soundhouse) | #41

Krempe: Hallo, Freunde draußen an den Radiogeräten! Heute zur ersten Sendung – einem Pilot – einer neuen Installation hier im Podcast, die wir SOUNDHOUSE nennen. Das ist eine Talk-Sendung, und wir werden euch gleich erklären, was es damit auf sich hat. An meiner Seite in diesem Soundhouse ist der Matz, seines Zeichens der Bad Lieutenant. Ich grüße dich und freue mich sehr, mit dir ins Gespräch zu treten.

Matz: Ich grüße dich! Herzliche Grüße zu dir ins Allgäu und es freut mich sehr. Heute das erste Mal, und ich bin schon gespannt, wo uns die Reise hin führt.

Krempe: Du bist aus Tirol. Das heißt, wenn ich hier von Gipfel zu Gipfel hüpfe, dann müsste ich irgendwann zu dir in die Nähe kommen, oder?

Matz: Du kommst quasi zu mir auf direkter Luftlinie runter zu den Alpen ins wunderschöne Innsbruck. Genau.

Krempe: Es ist ja heute ein historischer Tag, wenn man so will. Die erste Sendung. Um das ein bisschen zu erläutern: Matz und ich haben schon Vorgespräche geleistet und wir haben gesagt, wir machen hier noch mal ‘ne Gesprächsrunde auf, die wir Soundhouse nennen, und wir werden heute über unsere zehn Lieblingsalben der 90er Jahre sprechen. Das ist sozusagen unser Pilot, aber in der Zukunft werden wir noch ganz andere Sachen aufbereiten. Ein Höhepunkt davon wird sein, dass wir Alben – ob die jetzt neu herausgekommen sind oder ob es Klassiker sind – wir werden Alben in die Zange nehmen, wir werden also darüber diskutieren, wir werden manchmal vielleicht gleicher Meinung sein, manchmal nicht; was eben so ein Gespräch heiß macht. Das ist so die Zukunft. Ihr könnt euch auf jeden Fall freuen, es geht hier kunterbunt und interessant zu. Heute allerdings wollen wir uns mit den 90er Jahren beschäftigen. Und das ist ja schwierig. Die 90er Jahre sind so komplex, jeder hat seine eigenen 90er Jahre. Fange ich doch einfach mal mit der Frage an: Was sind die 90er Jahre für dich?

(mehr im Podcast)

Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Epic-Sommer-Spezial (4) | #40


Guten Morgen Freunde draußen an den Radiogeräten zur vierten Ausgabe unseres Juli-Sommer-Specials hier im Podcast Work of Sirens. 14 Songs erwarten euch am Ende und die einzelnen Ausgaben ersetzen keiner der regulären Sendungen, sondern nutzen den freien Platz an den Wochentagen. Am Wochenende bleiben wir dann in unseren Burgen, reinigen unsere Schwerter und polieren vielleicht auch mal die Rüstung. Unser Epic-Metal-Mixtape bekommt heute Besuch aus Griechenland, denn um ehrlich zu sein, kann man eine solche Auswahl nicht treffen ohne mindestens einmal auf die Hochburg epischen Metals zurückzugreifen, und da dann gleich zur Hausband des Schlachtengetümmels: Battleroar. Ihr gleichnamiges Debüt erschien 2003 und wurde interessanterweise in Italien aufgenommen, also bei den Römern, wenn wir in der Zeit bleiben. Das Album gilt von allen fünf bisherigen zwar als das schwächste, was wahrscheinlich am etwas rustikalen Sound liegt, aber der Song, den ich euch heute ausgewählt habe, ist ein Klassiker des epischen Geschehens, und der Titel spricht ebenfalls Bände: Victorious Path nämlich.

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Die beiden Gitarristen Kostas Tzortzis und Manolis Karazeris schaffen es mit ihren Riffs und Soli, das epische Gefühl hier so gekonnt einzufangen, dass man manchmal denken könnte: Klar, diesen Song hatten die Krieger vor 200 Jahren auf den Lippen und irgendwie ist das gute Stück dann in der Neuzeit angekommen, nur noch die Instrumente einer Metalband dazu gemengt und fertig ist die Hymne. Damit wir uns nicht falsch verstehen, hier sind nicht die versiertesten Musiker am Werk, aber das ist manchmal gar nicht das schlechteste, weil dadurch eine ganz bestimmte Individualität entsteht. Wenn man im Hinblick auf Epic seine Gitarren stimmt, dann geht es in erster Linie um Atmosphäre, und die ist nicht in einer Schule zu lernen, die kommt von innen – und so fesselt die Gitarrenarbeit in diesem Stück genau deshalb.

Das Album wurde nicht nur in Italien aufgenommen, auch der Sänger – Marko Concoreggi ist Italiener. Der ist mittlerweile nicht mehr dabei und wurde ersetzt durch einen Germanen, nämlich Gerrit Mutz von Sacred Steel.

Congoreggi allerdings ist der Richtige für Victorious Path, einem eingängigen Up-Tempo-Song, der zu dieser Zeit auf dem wahrscheinlich komplettesten griechischen traditionellen Heavy Metal Album glänzte. Abgelöst hat die Band das dann selbst mit dem Famosen To Death and Beyond von 2008, von dem ich leicht ebenfalls irgendetwas hätte nehmen können, aber für unsere Belange ist einer der ersten Höhepunkte gesetzt.

Na klar mache ich mir wieder das Vergnügen, den Text zu übersetzen, der, wie man sich denken kann, voller Klischees ist, wie es sich für diese Art von Texten auch irgendwie gehört. An mancher Stelle wirken die Metaphern sogar unfreiwillig komisch und ist gar nicht weit entfernt vom dichterischen Werk Manowars:

Die getroffenen Leiber fallen zu Boden,
Ein Blitzen der Klinge, als das Schwert den Schall durchschneidet

Und die Titanen werden schreien und toben
Krieger aus Valhall, Meister des Kampfes

Wir wissen, unser Schicksal liegt in den Händen der Götter
Gewappnet für den Kampf, Mächte aus Feuer und Frost

In meinen Träumen habe ich meinen Tod gesehen,
meinen Ruhm und ein Leben voller Zorn

Gefangen in einem Käfig mit meinem Schwert und meinem Schild
Das Schicksal ruft, also fliege ich zu den Göttern

Kämpfen wir, wir sind stark und voller Kraft
und reiten auf siegreichen Pfaden

Wir tragen das Zeichen der Zerstörung und des Triumphs
Entfesselt und siegreich erheben wir uns
Durchbrechen den Nachthimmel mit rot glühendem Metall
Wir marschieren auf der Straße des Lichts

Kämpfen wir, wir bleiben stark und voller Kraft
und reiten auf siegreichen Pfaden

Der Text ist also etwas, das man schnell mal hinhuscht, wenn die Band ruft, dass man sich jetzt schnell mal was einfallen lassen soll. Aber das alles ist ziemlich egal, weil sich solche Texte in englisch natürlich ganz anders in die Musik einbetten lassen als das, was ich hier übersetzt vortrage.

Das wars von mir. Jetzt gehen wir erst mal ins Wochenende. ich hoffe, ihr hattet in der vergangenen Woche etwas Spaß.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Epic-Sommer-Spezial (3) | #39


Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten, ich begrüße euch zur dritten Ausgabe unseres Specials im Juli, wo ich euch jeden Tag des Monats – außer an den Wochenenden und den Tagen, an denen die regulären Sendungen laufen – einen Song präsentiere, der zu unserem epischen Mixtape gehört, das am Ende insgesamt 14 Songs umfassen wird, so viel Tage bleiben nämlich dann rechnerisch übrig. Schreibt mir in die Kommentare, wie euer Tag war, wie das Wetter dort ist, wo ihr euch befindet und vor allem, was ihr bis jetzt von diesem Special haltet. Fangen wir an mit Song Nr. 3.

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Auch in den 80er Jahren gab es natürlich einen Underground. Der zerfaserte nicht ganz so extrem wie das heute der Fall ist, wo nahezu jedes Subgenre seinen eigenen Underground hoch hält, aber der epische Heavy Metal teilte sich natürlich derzeit ebenfalls in erfolgreichere amerikanische Power Metal-Bands – das waren wenige – und den ganzen Rest. Man kann grundsätzlich sagen, dass das epische im Metal immer schon ein Schattendasein führt. Das mag man gar nicht glauben, wenn man sich anschaut, wie beliebt das Fantasy und Mittelalter-Element eigentlich ist. Mittelaltermärkte zum Beispiel gab es lose bereits Anfang der 80er, aber erst seit den 90ern zieht das Interesse immer mehr Besucher an, die sich natürlich ebenfalls wieder in unterschiedliche Interessengruppen zerteilen lassen.

Der heutige Song stammt von Medieval Steel aus Memphis Tennessee und heißt auch so. Also, er heißt Medieval Steeel, nicht Memphis Tennessee. Für besagte Underground-Metal-Fans sind das natürlich keine unbekannten und spätestens seit ihrem Auftritt auf dem Keep it True kennt sie wirklich jeder, der etwas mit dem tatsächlichen Heavy Metal anfangen kann. Ihre selbstbetitelte EP von 1984 hat einen mythischen Status erlangt, nicht nur wegen ihres großartigen Songwritings, sondern auch wegen des legendären Titelstücks, das sich einen Platz im Pantheon der Metal-Hymnen erobert hat. Aber das wars dann auch schon.

2005 veröffentlichte die reformierte Band in Eigenregie eine Zusammenstellung der EP-Tracks mit einigem zusätzlichen Material unter dem Titel “The Dungeon Tapes” und löste damit ein kleines Erdbeben im Underground aus, weil die Scheibe einfach großartig war. Wieder folgte daraus nichts.

No Remorse Records brachte 2012 eine neu abgemischte Version der Compilation heraus, und die Band war erneut im Geschäft, diesmal komplett mit einigen Festivalauftritten, die ihren Ruf festigten. Im Jahr 2013 brachten sie Dark Castle heraus, ein Album, das kein neues Material enthielt, sondern Neuaufnahmen und Überarbeitungen alter Songs, und das nur in einer Auflage von 200 Exemplaren veröffentlicht wurde, also quasi ein reines Bootleg-Album war.

Da trifft es sich gut, dass gerade eben im Jahre 2022 “Gods of Steel” das Licht der Welt erblickte, und es handelt sich quasi um das wirkliche Debüt der Band. Das ist schon eine abenteuerliche Geschichte.

Oftmals leiden Bands der klassischen Ära darunter, neues Material komponieren zu müssen, aber zu all den Unwägbarkeiten, die die Band bisher begleitet hat, gehört das nicht dazu.

Es gibt einige wirklich starke Songs, auch wenn sie vielleicht nicht so gut sind wie Klassiker, aber um dieses Album soll es heute gar nicht gehen, obwohl ich mich natürlich fast schon verpflichtet fühle darauf hinzuweisen, weil ich mir denken kann, dass es bisher kaum jemand auf dem Schirm hat.

Bei einer der größten Hymnen, die der heavy Metal kennt lohnt es sich, sich einmal die Lyrics anzuschauen:

Jenseits des Zeitgefüges, Im Reich des Geistes
gibt es ein Land, wo das Leben und der Tod beherrscht werden von Stahl.
In diesem Land erhoben sich 5 Eroberer namens Medieval Steel
um ihren Platz als Kriegsherren einzunehmen.

Vor langer Zeit, als ein Schwert mehr wert war als Gold,
weil es leicht war, damit zu töten,
kämpften die Männer hauptsächlich darum.

Nach zwanzig Jahren der Knechtschaft
begann sich ein Sklave zu erheben.
Er kämpfte in tausend Schlachten
Mit Hass in seinen Augen

Mittelalterlicher Stahl schneidet dich wie ein Messer
Die Kämpfer auf dem Schlachtfeld
lassen ihr Leben
Für den Stahl

Dann kam der Tag, an dem er freigelassen wurde
um dieses Land zu durchstreifen.
Mit eisernem Willen in seinem Herzen und dem Schwert in seiner Hand
begann er, das Kommando zu übernehmen

Der König und seine Männer marschierten
über Berge und durch Schluchten
um den Sklaven zu töten
und als der Kampf vorbei war, war er tot.

Also keine wirkliche Heldengeschichte, bei der am Ende alles gut ausgeht und der Underdog ein Ganzes Reich niederzwingt, sondern eher realistisch. Man kämpft und meistens stirbt man. Da ist kein bisschen Elric oder Conan enthalten, aber ich glaube, das ist allen, die hier jedes Wort mitgrölen, herzlich egal, allein die Musik verströmt ein erhabenes Gefühl.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.