Im Schatten eines alten Geistes: Peth – Merchant of Death | #35

Gewöhnlich werde ich kaum von Bands angelockt, von denen ich den Eindruck habe, sie wollen überhaupt nicht, dass man ihre Musik wahrnimmt. Bei den Texanern PETH ist es nicht nur so, dass sie ihr Debüt Merchant of Death auf dem Vinyl-Only-Label Electric Valley veröffentlicht haben, das man sich – bei allen fairen Preisen – aus Amerika importieren lassen muss, was dann allerdings ordentlich zu Buche schlägt. Sie haben noch nicht mal irgendeinen Hinweis auf Bandcamp hinterlassen, wer denn eigentlich die Instrumente spielt und wer die Jungs überhaupt sind. Tatsächlich wird die Minimierung der Formate ein immer größeres Problem, weil immer öfter auf einen Download hingewiesen wird. Ich selbst trage das nicht mit und ignoriere die Bands dann einfach. Weil ich es aber genau wissen wollte, habe ich die Band kontaktiert und siehe da – sie haben mir bestätigt, dass es eine CD geben wird. Und während ich darauf warte, kann ich das Brett, das sie hier geliefert haben, in aller Ruhe als genusssüchtiger Holzwurm genießen. Um euch daran teilhaben zu lassen, müssen wir allerdings zunächst einen kleinen Exkurs in Richtung Texas unternehmen.

Musik aus dem Lone Star

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Texas ist von jeher bekannt für seinen heavy Underground. Eine Sache, die insbesondere Zentraltexas schon immer ausgezeichnet hat, ist natürlich der Rock & Roll. Das hat schon damals in den 60ern begonnen, als hier Roky Erickson mit seinen Thirteen Floor Elevators den Grundstein für das legte, was dann als Psychedelic Rock die Welt erschütterte, zumindest einen gewissen Teil der Welt. Bands aus Texas haben in der Regel einen einzigartigen Groove, einen einzigartigen Sound und ihren eigenen Sinn für Schrägheit und psychedelische Momente, der nur dort zu finden ist. Was den donnernden, zeitgenössischen Underground angeht, sind u.a. Wo Fat eine Klasse für sich, und sowohl Mothership als auch Duel haben sich bereits einen Namen gemacht. Dass Pantera oder ZZ Top dort ihre Hütten stehen haben, ist ja ebenfalls bekannt.

Da ist es nicht verwunderlich, dass irgendwann eine Band wie PETH daherkommt und die 70er Jahre in Texas neu zum Leben erweckt! Verwunderlich ist nur, wie konsequent sie das auch umsetzen können.

Die vier Texaner traten mitten in der Pandemie, also 2020, in Lago Vista zusammen und haben mit einer wilden Mischung aus frühem Proto-Metal der 70er Jahre und schweren Psych/Okkult-Rock-Soundscapes etwas geschaffen, das bereits viele Bands versucht, aber kaum erreicht haben: nämlich wirklich so zu klingen, als seien sie durch ein Zeitfenster von 1971 hier her geschossen worden. Dabei kann man ihnen natürlich vorwerfen, in einem Konglomerat aus Black Sabbath, Venom, Blue Cheer, Pentagram, ZZ Top und anderen Pionieren zu schwelgen und gar nichts eigenes auf der Pfanne zu haben. Man kann es aber auch aus einer anderen Perspektive betrachten und Merchant of Death als die beste Zusammenfassung des Proto-Metal betrachten, die es jemals gab. Es ist nicht immer das nie Dagewesene der beste Scheiß, manchmal ist das Gekonnte weitaus besser als der Krampf, der verzweifelt versucht, anders zu sein, denn seien wir mal ehrlich: Es wird nichts Neues unter der Sonne auftauchen und uns alle mit staunenden Gesichtern zurücklassen. Wer das glaubt, nimmt sich die Freude an wirklich guten Songs. Und was ist ein guter Song? Nun, meistens ist ein guter Song ein ehrlicher Song. PETH versuchen gar nicht zu kaschieren, wessen Kind sie sind. Als bestes Beispiel dient hier der Titeltrack, dessen Riff man leicht als Rip-Off von Black Sabbaths “The Wizard” identifizieren kann. Oder aber es ist eine unverhohlene Hommage. PETH tun hier ihr Bestes, um Tony “The Iron Man” Iommis frühen Sound zu replizieren (wie übrigens auf dem ganzen Album). Das ist zwar unmöglich, aber diese Jungs kommen der Sache näher als irgendeine andere Band, die ich kenne.

Das ganze Album bietet teils bedrohliche Aggression, teils atemberaubende Rhythmen, hält sich aber von der modernen, glänzenden Klangästhetik völlig fern und klingt deshalb noch nicht mal gewollt auf 70er Jahre getrimmt, wie viele andere Bands des Genres. Mit bösartigen Gitarrenharmonien, einer explosiven Bass- und Schlagzeugsektion und zwei umwerfenden Sängern tragen PETH dazu bei, den alten Geist und die alte Lebensart zu bewahren und gleichzeitig die neue Ära des Rock ‘n’ Roll für nachfolgende Generationen einzuleiten, falls die überhaupt begreift, was um sie herum geschieht.

Das hier ist Proto-Metal mit einem Hauch von frühem 80er-Jahre-Thrash! Den Bandcamp-Fotos nach zu urteilen sind PETH mit einer Doppelgitarren-Attacke gerüstet, und beide Gitarristen beherrschen den Sound der frühen 70er Jahre perfekt. Alles ist warm, flockig und verdammt knackig, wie gleich der mitreißende Opener Dwarvenaught beweist, ein volles Bash-Fest im Stil von Vol. 4, das am Ende eben durch seine Twin-Gitarren-Attacken durchaus den angesprochenen Thrash berührt.

Auch die Rhythmusgruppe macht sich positiv bemerkbar, denn der Schlagzeuger hat seinen texanischen Swing, der immer etwas hinter dem Beat liegt, definitiv bereits als Kind im Kakao gehabt.

Die texanische Verrücktheit zeigt sich dann noch einmal bei Amok, wo Anklänge an schrägen Garage-Rock wohlwollend verpackt werden, während sich Wellen von Riffs im Stile von Sabbaths Sabotage-Ära zusammen mit einer ziemlich aggressiven Basslinie durch die Lautsprecher ergießen. Abolish The Overseer ist dann tatsächlich ein Lehrstück in Sachen Proto-Metal, okkulter Verrücktheit und aggressiver Riff-Manie. Der Gesang bei Merchant Of Death und insbesondere bei Amok wechselt zwischen einem okkulten Bobby Liebling-Geheul und einem seltsamen Screamin’ Jay Hawkins-Nuscheln.

Das grimmige, dreckige Intro-Riff von Let Evil In lässt die Gesichter sofort schmelzen, bevor es wieder dem exzentrischen, sprechenden Gesang Platz macht und dann in das kolossale Hauptriff zurückschwingt und den Hörer mit einem Sperrfeuer aus grandios verzerrten Riffs, Leads und einer alles niederreißenden Rhythmuskakophonie überrollt.

Stoned Wizard ist dann ein brennendes, brutzelndes Doom-Fest.

Das Album schließt mit Karmic Debt, das einen trippigen, düsteren Abschluss andeutet, bevor es sich zu einem epischen Riff-Monster steigert, während die seltsam nuschelnden Vocals wieder auftauchen und PETH sich zu einem entspannten, texanischen Jam hinreißen lassen, um den Song und das Album zu beenden. Alles in allem ist Merchant of Death ein mörderisches, schweres, knackiges, schräges Album, das umso lobenswerter ist, als es sich um ein Debüt handelt. Die Jungs haben bei der Entwicklung dieser Klänge definitiv nicht herumgealbert, denn die Songs sind gut geschrieben und gut gespielt und weisen unfassbar viele Schichten auf. Und auch klanglich ist das Ding ein Monster, das den Geschmack all jener trifft, die bis heute nicht überwunden haben, dass die 70er vorbei sind.

Dem Sumpf sei dank scheint es jedoch mittlerweile so zu sein, dass “Proto-Metal” praktisch zu einem eigenen Subgenre von Stoner und Doom geworden ist, da viele Bands heutzutage versuchen, nicht nur Sabbath, sondern auch Dust, Captain Beyond und alle anderen acidartigen Klänge der späten 60er und frühen 70er Jahre zu konservieren, genauso wie Bands in den 90ern versucht haben, Kyuss und Fu Manchu zu kopieren. Merchant of Death gelingt es, den Sound und das Feeling dieser Ära mit einer großzügigen Dosis texanischer Schrägheit und Crunch im Stil von ZZ Top und dem üblichen Swing zu erzeugen.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Label: Electric Valley Records

Band: Peth auf Bandcamp

Aleister Crowley, eine Klospülung und ein Pilz-Trip | #25

Willkommen zu einer – nennen wir es – Spezialausgabe hier auf Work of Sirens, obwohl sich doch alles in dem Rahmen bewegt, den ihr hier kennt. Heute mit einem Ausflug ins Obskure, besser gesagt in den Heavy Psych der 70er Jahre. Ich weiß, dass es unter euch da draußen so etwas wie Goldgräber gibt, die stets auf der Suche sind nach einem verschütteten Nugget, und die sich mit ihrem Pickel und einem Eimer auf machen, um diese raren Exemplare zu finden. Damals, zu Zeiten der Goldrauschs gab es allerdings keine Wegweiser. Euer allseits beliebter Musiksender Work of Sirens kann in mancherlei Hinsicht ein solcher sein.

Speziell ist an der heutigen Folge ist also, dass ich drei Alben für euch habe, die sich im Bereich des Obskuren bewegen, sozusagen als Gegenpol zu unseren Klassikern. Drei Bands – drei besondere Alben. Nennen wir das ganze doch der Einfachheit halber: Raritätenkiste, Ausgabe 1. Hier kann alles mögliche anfallen, unabhängig von einem Genre. Auffälligkeitn oder Gemeinsamkeiten – und die heutigen Bands haben neben ihrer Obskurität natürlich denoch etwas gemeinsam, es hadelt sich jeweils um sogenannte Powertrios.

Die will ich jetzt auch mal nennen. Wir haben da

Dr Z mit Three Parts To My Soul von 1971.
Das erste Album von Poobah namens Let me in von 1972.
Und dann noch das selbstbetitelte Album von Noel Redding, dem Bassisten der Jimi Hendrix-Experience aus der Posthendrix-Zeit mit dem Namen Road, ebenfalls von 1972.

Und ihr seht, zwei Alben hätten genauso gut in unsere Rubrik Heute vor 50 gepasst, passen aber dann doch besser in unsere Raritätenkiste – zusammen eben mit Dr Z, der im Grunde nirgendwo anders hineingepasst hätte.

Wir fangen also mit diesem ominösen Dr Z und ihrem einzigen Album “Three Parts To My Soul” an.

Die Band wurde von dem nordwalisischen Universitätsprofessor Keith Keyes geleitet, der sowohl die Keyboards (Cembalo, Klavier, Orgel) als auch den Gesang bedient. Sein Interesse an Rock begann, als er Student in Oxtord war, und er dachte sich da wohl, dass er das auch mal versuchen sollte und auch wenn man die klassischen Einflüsse durchaus heraushören kann – Keys hat eben einen Doktortitel in Musik -, ist das alles doch höchst individualistisch und keineswegs wie man es erwartet. Weder hat man vorher noch nachher sowas je gehört. Am Schlagzeug haben wir Bob Watkins. Bob Watkins, der erhielt seinen ersten Schlagzeugunterricht im Alter von elf Jahren und spielte in der Folgezeit alle Musikstile von symphonischer Orchestermusik bis hin zum Pop – wir reden natürlich vom Pop der Endsechziger. Beeinflusst war er aber von den Schlagzeuger des Jazz-Fusionbereichs. Zwischen 1967 und 1970 besuchte er die Universität in Oxford, wo er seinen Abschluss in Geographie mit Auszeichnung machte. Dort lernte er während seiner Teilnahme an musikdramatischen Produktionen die anderen Musiker kennen, die 1969 Dr. Z. gründeten.

Das letzte Mitglied von Dr. Z. ist Bob Watson, ehemaliger Leichenwärter und Klempnergehilfe. Ihr seht, das geht schon leicht Richtung Rock N Roll, aber er hat auch einen Abschluss in Chemie und ist außerdem ein voll ausgebildeter wissenschaftlicher Bibliothekar.

Ein wirklich außergewöhnliches Trio haben wir hier also vor uns – und es ist ja beinahe klar, dass daraus auch alles andere als gewöhnliche Musik resultiert.

Ursprünglich war Dr Z eine vierköpfige Gruppe, die im Juli 1970 die Single “Lady Ladybird” veröffentlichte, ein charmanter Song im typischen Muster der damaligen Zeit gehalten und völlig ohne okkulte Anspielungen. Auf den meisten Wiederveröffentlichungen wird er zusammen mit “People in the Street” als Bonus angeboten. Beide Tracks erreichen allerdings nicht das Niveau des eigentlichen Albums.

(Song: Lady Ladybird)

Wie bei BLACK WIDOWs Sacrifice handelt es sich um ein weiteres Album mit Texten, die mit dem Okkulten in einem Prog-Rock-Umfeld kokettieren. Hier hatte Keyes die Idee, dass die Seele im Jenseits in drei Teile geteilt wird, mit einem lateinischen Begriff für jeden Teil: Spiritus, Manes und Umbra. Spiritus ist die Seele, die in den Himmel kommt, Manes ist die Seele, die zur Hölle verdammt ist, und Umbra ist die Seele, die auf der Erde bleibt und ewig spukt. Es gibt einige Leute, die dieses Album nicht besonders gut finden, aber das liegt wieder einmal an den Hörgewohnheiten damals wie heute, wobei gesagt werden muss, dass sie heute wahrscheinlich besser sind. Damals war das Obskure nicht unbedingt etwas, das die Leute vom Hocker riss. Heute, wo wir öfter mal nach eben dem seltenen Zeug suchen, sieht das anders aus.

Es ist gar nicht so leicht, ein Album zu besprechen, das in kein musikalisches Konzept passt und heute ohnehin nahezu komplett vergessen ist, außer bei den Jägern nach absoluten Raritäten und völlig ungewöhnlicher Musik. Und weil ich vor Kurzem eine kleine Sendung über den Okkult Rock gemacht habe, bleiben wir doch noch etwas bei diesem Thema. Das Album habe ich dort zwar nicht genannt, denn auch wenn das Konzept hier ein okkultes sein mag, hat es für die Entwicklung und Geschichte des okkulten Rocks nicht die geringste Bedeutung.

“Three Parts of my Soul” war seinerzeit – also 1971 – bereits eines der seltsamsten Veröffentlichungen auf dem berühmten Vertigo-Swirl-Label, das 1969 gegründet wurde und zunächst auf Prog Rock spezialisiert war, bevor es bereits 1973 eine kommerziellere Ausrichtung unter dem neuen Spaceship-Label verpasst bekam. Angeblich wurden gerade mal 80 Exemplare davon verkauft. Die Vinylsammler unter euch, die ständig auf der Suche nach authentischen und wertvollen Platten sind, kennen die hypnotische Spirale auf dem Plattenteller natürlich. Aber auch wenn man nicht den Geldbeutel für diese sehr teure Angelegenheiten hat – das Original ist derzeit für etwa 4300 Euro zu haben -, ist nicht alles verloren, weil das Album mehrfach neu aufgelegt wurde und auch als CD erhältlich ist, wobei man doch etwas suchen muss.

Die Beschreibung auf dem Albumcover lautet wie folgt – “Die Grundlage der Platte ist das Konzept der Dreiteilung der Seele – der Spiritus, der die dem Menschen innewohnende gute Seite repräsentiert, die Seite der Schönheit, Sanftheit und Güte; der Manes oder der Teil der Seele, der die Unterwelt bewohnt, mehr wohlwollend als bösartig, aber sich mit den Verdammten vermischend; und schließlich der Umbra, der Schatten der Seele, der sich weigert, die Erde zu verlassen, und bleibt, um die Welt heimzusuchen.” …und so weiter…klingt nach einer “verdammt” guten Hammer-Horror-Geschichte!!!

Schauen wir uns die Sache mal etwas genauer an.

“Evil Woman’s Manly Child” soll eine Umkehrung der Zehn Gebote sein. Hier gibt es zwei Stimmen, eine geflüsterte Stimme und eine gesungene Stimme, ein Song mit einem tollen Rhythmus im Santana-Stil, gruseligem Gesang (würde sich gut auf einem modernen Heavy Metal-Album machen).

(Song: Evil Woman’s Manly Child)

Darauf folgt ein Herzschlag-Intro zu “Spiritus, Manes et Umbra”, fast 12 Minuten, viel verhallte Atmosphäre hier, sehr gruselig, dann geht der Song in ein ziemlich einfaches, aber gutes Schlagzeugsolo über, das durch das Zusammenspiel mit kleinen Toms und dann dem vollen Kit eingeleitet wird, sehr angenehm für Liebhaber von Schlagzeugsolos, aber nicht bahnbrechend, obwohl es einige aufregende Beats im Stil von Cozy Powell hat!

(Song: Spiritus, Manes et Umbra)

Der nächste Track “Summer for the Rose” ist essentiell für die ‘Story’…. Dieses Lied drückt das Wissen des Menschen (des Sängers) um die schönen Dinge auf der Erde (die Rose), seine Liebe zu seinem Schöpfer und vor allem seine Liebe zu seinen Mitmenschen aus, während er lebt. Aber er ist sich auch immer bewusst, dass er zum Bösen fähig ist und der Erlösung bedarf (Kyrie eleison – Herr, erbarme dich meiner)”. Auf dieses Lied folgen der Klang eines Gongs und ein fast nach Genesis klingendes Flötenintro zu “Burn in Anger”, einem trotz des Titels langsamen, atmosphärischen Lied, das dann im Mittelteil an Fahrt gewinnt. Die Flöte driftet am Ende des Songs ein, sehr kurz.

Crowleys “Hymne an Pan” steht manchen Strophen auf diesem Album Pate, die Zeilen mit rave, rape, rip, rend werden im Eröffnungsstück von Dr. Z verwendet und auch der Song “Burn in Anger” verwendet viele Zeilen aus dem Gedicht. Diese Information wird auf den Credits der Platte nirgendwo angegeben, aber das ist auch nicht wirklich notwendig, weil die Texte nicht einfach von Crowley abgeschrieben wurden, sondern einen ganz eigenen Charakter haben.

Das zweite Werk im Bunde stammt von der Band Poobah und ist aus dem Jahre 1972. Passt also in unser Schema Heute vor 50 Jahren. Lange Zeit war ihre Scheibe “Let me in” bei Sammlern ein hochbegehrtes Exemplar, bis es 2010 von Ripple Music als CD und Doppel-LP neu aufgelegt wurde, was nicht heißt, das das Original mit seinen 6 Songs nicht noch immer begehrt wäre. Auf den Neuveröffentlichung gibt es eine Menge Bonus-Sachen, die man aber eigentlich gar nicht braucht, vor allem weil es sich um doppelt so viel Material handelt wie das eigentliche Werk. Da sind alberne Files dabei, Live-Versionen, Alternative Versionen und alle möglichen unsinnigen Gimmicks.

Die 6 eigentlichen Songs des Trios aus Ohio besteht dafür aber aus erstklassige, amerikanischen Heavy Rock der 70er Jahre. Hier haben wir es mit einem waschechten Powertrio zu tun, bestehend aus Gitarrist/Sänger Jim Gustafson, Bassist/Sänger Phil Jones und Schlagzeuger Glenn Wiseman (Nick Gligor und Steve Schwelling sind auf den Bonustracks ebenfalls als Schlagzeuger zu hören). Aber im Grunde kann man sagen, dass Poobar ein Prototyp des harten Powertrios sind, wie es später dann unter den Bandkonstellationen ja eine Sonderrolle einnehmen sollte, über die es sicher noch zu reden gilt.

Die Atmosphären reichten von bedrohlich bis rau, und Poobah spielte definitiv in der großen Tradition der Rücksichtslosigkeit ihres Jahrzehnts, aber das Ergebnis ist ein Klassiker des Obskuren, empfehlenswert für jeden Fan der schweren 70er. das Album zeigt, dass es da draußen auch abseits von Black Sabbath und den üblichen verdächtigen noch viel großartiges Material zu entdecken gibt, das liegengeblieben ist, weil man sich auf einen gewissen Konsens verständigt hat.

Die angesprochene Albernheit ist sicher ebenfalls ein Faktor, der Poobah von vielen anderen und nüchternen amerikanischen Heavy-Rock-Bands jener Zeit zu unterscheiden. Das Eröffnungsstück “Mr. Destroyer” beginnt mit einem Dialog zwischen einem Erwachsenen und einem angeblich achtjährigen Jungen (der offensichtlich und absichtlich schlecht von einem Erwachsenen nachgeahmt wird) über das Geburtstagsgeschenk des Jungen, eine Waffe. Ein Pistolenschuss hallt wider und die schweren Akkorde von “Mr. Destroyer” setzen ein. Der Song hat ein düsteres Gefühl, schwer und ernst, und der Gesang ist schroff und geschrien. Dieser Song wird oft für Proto-Metal-Playlisten ausgewählt. Geht es um die 70er, ist das auch richtig.

(Song: Mr. Destroyer)

Als Nächstes folgt das langsame und saubere, hippieske “Enjoy What You Have”, eine recht anständige Nummer. Und das war’s dann mit den leichten Songs. “Live to Work” ist eine kurze Hardrock-Nummer, die die erste Seite des Albums abschließt. “Bowleen” zeichnet sich durch ein östliches Schlagzeugmuster und östlich klingende Akkorde aus (der Grundakkord und dann ein Halbton nach oben erinnern mich an östliche Tonleitern). Die Donald-Duck-Stimme, mit der der Song eingeleitet wird, ist ein echter Hingucker. Bizarrerweise endet das Stück mit einer Toilettenspülung!

(Song: Bowleen)

“Rock N Roll” ist der erste klassische bluesbasierte Rocksong. Er ist kurz und knackig und obwohl er nicht mein Lieblingssong ist, kann ich mir nicht helfen, aber ich denke, dass es Spaß gemacht haben muss, Poobah live zu sehen. Das Album schließt mit einem weiteren schweren Gitarrenrocksong, dem Titeltrack, der ein Schlagzeugsolo enthält.

Geprägt von Gustafsons flammenden Leads und gelegentlichen psychedelischen Ausrastern mögen Tracks wie “Bowleen” und der Opener “Mr. Destroyer” völlig aus der Zeit gefallen sein, aber wenn man nach obskurem Zeug sucht, ist das genau das, was man will. Die spielerischen Läufe von Jones’ Bass im abschließenden Titeltrack machen diesen Song zu einem noch größeren Highlight, und jeder Song auf der Platte hat etwas Besonderes an sich, das Poobah anderen abhebt. Und das in einer Zeit, wo weder an Quantität noch an Qualität irgendein Mangel herrschte.

Das dritte Album im Bunde stammt also vom nächsten kurzlebige Power-Trio Road. Ihr einziges Album ist eine psychedele Hardrock-Reise, die bei ihrer Veröffentlichung nicht nur hochgelobt wurde – aber die Band löste sich bald darauf auf, was es zu einem verlorenen Puzzleteil für Hendrix-Fans und zu einem Muss für alle Liebhaber des Proto-Metal macht.

1970 war in Los Angeles, Kalifornien, ein Wandel im Gange, denn die Flower-Power-Generation schien angesichts der jüngsten Ereignisse in der Umgebung der Stadt der Engel im Rückzug begriffen.

Einige Monate zuvor hatte eine Sekte umherziehender Krimineller unter der wahnsinnigen Leitung von Charles Manson eine Serie von neun Morden an vier Orten in der Umgebung von L.A. begangen. Es herrschte ein sehr unbehagliches Gefühl in den Gemeinschaftsräumen der Gegenkultur, das sich schließlich auch in der Musik- und Filmindustrie niederschlagen sollte. Diese sich abzeichnende Infiltration sollte nach und nach einige der besten grenzüberschreitenden Beispiele jedes Mediums hervorbringen, aber zu diesem Zeitpunkt lag das noch in weiter Ferne.

ROAD war das Projekt von Noel Redding, dem Bassisten der Jimi Hendrix Experience.

Im Alter von 9 Jahren spielte er in der Schule zunächst Geige, dann Mandoline und Gitarre.

Er spielte in mehreren anderen lokalen Bands, hauptsächlich als Leadgitarrist. 1966 wurde er von Manager Chas Chandler als Bassist für die Band von Jimi Hendrix ausgewählt, die er 1969 verließ. Er wirkte an drei bahnbrechenden Alben mit Hendrix mit: “Are You Experienced?”, “Axis: Bold as Love” und “Electric Ladyland”.

Redding wechselte von der Gitarre zum Bass, als er sich der Jimi Hendrix Experience anschloss. Er war der erste, der der Experience beitrat, und der erste, der sie wieder verließ. Sein letztes Konzert mit der Gruppe fand im Juni 1969 statt. Sein Spielstil zeichnete sich durch die Verwendung eines Plektrums, einen mittleren, “höhenreichen” Sound und in späteren Jahren durch den Einsatz von Fuzz- und Verzerrungseffekten über übersteuerte Sunn-Verstärker aus. Seine Rolle in der Band war die eines Taktgebers. In der Regel legte er einen Bass-Groove fest, über den Hendrix und Schlagzeuger Mitch Mitchell locker spielten. Noch während er bei der Experience war, spielte und sang er bei Fat Metress, um auch eigenes Material aufnehmen zu können. Aber da gab es wohl streit und kurzerhand gründete er mit zwei anderen Musikern, dem ehemaligen Rare Earth-Gitarristen und -Sänger Rod Richards und dem zukünftigen The Gas/Stray Dog-Schlagzeuger Les Sampson, eine Band.

Sie nannten sich einfach ROAD, nicht zu verwechseln mit einer holländischen Band, die den gleichen Namen trug und zu dieser Zeit aktiv war. Das Trio verbrachte einige Zeit damit, seine Songs zu entwickeln, Live-Auftritte zu spielen und sich in der Musik- und Kulturszene von L.A. herumzutreiben. Ihr Plan war es, wenn möglich noch im selben Jahr ein Album aufzunehmen, aber das wurde aufgeschoben, als Reddings Freund und ehemaliger Bandkollege Jimi Hendrix im September desselben Jahres (1970) starb.

Ein weiteres Jahr verging, bis ROAD im März 1972 die Record Plant Studios in Los Angeles betraten, um ihr selbst betiteltes Debütalbum aufzunehmen.

Von den sieben Titeln waren alle Eigenkompositionen, aber der Song “My Friends” wurde ursprünglich von Reddings früherer Band Fat Mattress aufgenommen (aber nicht veröffentlicht). Damit war die ROAD-Version die erste veröffentlichte Aufnahme des Songs,

(Song: My Friends)

Noch vor Ende 1972 erschien die Platte auf dem Label Natural Resources und war wie erwähnt beim besten Willen kein kommerzieller Erfolg.

Die Zeit war jedoch viel freundlicher zu “Road”. Im Laufe der Jahre haben die Leute den harten Acid-Rock mit Fuzz-Einschlag zu schätzen gelernt. Da alle drei Bandmitglieder zeitweise den Gesang beisteuern und jeder sein Instrument voll einsetzt, ist “Road” ein wahrhaft unterschätztes Ein-Album-Wunder. Das Trio löste sich nicht lange nach der Veröffentlichung auf, Redding und Sampson gründeten die Noel Redding Band, während Richards eine Solokarriere startete.

Um den psychedelen Aspekt noch einmal etwas vorzukehren, spiele ich euch mal den Song “Mushroom Man” an.

(Song: Mushroom Man)

Das war es für heute und von mir. Wenn ihr Interesse an diesen obskuren Sachen habt, dann lasst es mich wissen, ich habe das Kisten und literweise zu Hause rumstehen.

Vergesset nicht, auf workofsirens.de zu kommentieren und gehabt euch wohl. Keep on Rockin’

Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.