Nichts wird gut | T2: It all worked out in Boomland

Heute geht es um eines der besten Alben der Rockgeschichte. Man müsste jetzt hinzufügen: Von dem niemand weiß; was natürlich nicht stimmt, denn der Underground kennt seine Perlen. Die heute legendäre Hardrockband T2 wurde Ende 1969 von Schlagzeuger Peter Dunton gegründet, nachdem er bei The Gun gespielt hatte, die ihr sicherlich durch ihr legendäres „Race with the Devil“ kennt, das ganz prominent unter anderem von Girlschool gecovert wurde. Zusammen mit Keith Cross (Gitarre und Keyboards) und Bernard Jinks (Bass) war die Band komplett und sie begann sofort damit, das Londoner Westend zu bespielen. Gleich ihr dritter Auftritt in einem der Clubs war ausverkauft und die Produzenten von vier großen Plattenfirmen und drei Fernseh- und Radioanstalten waren da, um sie zu sehen. Dies führte zu einem Plattenvertrag mit Decca Records, der Veröffentlichung von „It’ll All Work Out In Boomland“ und mehreren Fernseh- und Radioauftritten im Jahr 1970.

Ihr Aufstieg setzte sich im Laufe des Jahres fort, mit Auftritten bei mehreren wichtigen Open-Air-Festivals, darunter das Isle of Wight und Plumpton. Sie spielten eine Reihe von Konzerten im Marquee Club und traten in praktisch allen größeren Rocklokalen im Großraum London auf und gehörten zum selben Kreis wie Black Sabbath, Deep Purple, Free und andere mächtige Gruppen. Ihr Debütalbum „It’ll All Work Out In Boomland“ gehört zu den besten des Genres. In der Musikpresse waren sie ständig präsent – der erst siebzehnjährige Keith Cross wurde sogar als der neue Eric Clapton gefeiert!

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Das schwarze Schaf | Quatermass

Quatermass wurde 1969 in London, England, gegründet. Viel hat man wahrscheinlich nicht von dieser Band gehört, denn es gab sie nicht sehr lange und sie ist eine Kultband geblieben. Für kurze Zeit spielten sie eine interessante Mischung aus frühem Progressive Rock, Psychedelia und dem traditionellen Hard Rock, der in den frühen 1970er Jahren an Popularität gewann.

Die Band bestand aus John Gustafson (Bass/Gesang – später bekannt durch Roxy Music und die Ian Gillan Band), Pete Robinson (Keyboards/Piano – später mit Phil Collins, Mike Rutherford, Bryan Ferry und Eric Clapton) und Mick Underwood (Schlagzeug).

Vor allem Underwood hat mit einer unglaublichen Anzahl bekannter Musiker zusammengespielt. Er begann bei The Outlaws mit dem Gitarristen Ritchie Blackmore (später Deep Purple), wechselte dann zu Episode Six mit Ian Gillan und Roger Glover (beide später Deep Purple). Er spielte an der Seite von Peter Frampton in The Herd und ging mit Johnny Cash auf Tournee. Dummerweise lehnte er später ein frühes Angebot des Managers Peter Grant ab, sich „einer neuen Band um Jimmy Page von den New Yardbirds“ anzuschließen. Wie wir wissen, wurde John Bonham stattdessen der Schlagzeuger von Led Zeppelin.

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Der wahre okkulte Doom | Pagan Altar

Wenn wir heute von Pagan Altar sprechen, dann sprechen wir über Superstars des Doom-Genres, des Doom Rock, des Okkult Rock und einer alternativen Version der frühen NWOBHM, mit der die Band eigentlich gar nichts zu tun hatte. Für viele mag der Begriff „Superstars“ in dieser Hinsicht irritierend sein, weil es immer noch genügend Leute gibt, die noch nie von dieser Band gehört haben, aber genau das ist irgendwo auch der Punkt. Tatsächlich gibt es verschiedene Vorstellungen, wenn man von Heavy Metal oder dem Doom an sich spricht. Es gibt – wie überall – eine offizielle Geschichtsschreibung mit vielen Verzerrungen – und eine, die in einem alternativen Universum stattzufinden scheint, aber eigentlich genau das ist, was man wirklich unter „Underground“ verstehen kann. Damit sind Alben gemeint, die in den Medien nicht viel Beachtung gefunden haben. Der Kenner weiß, dass es eine unbestreitbare Qualität in der Musik gibt, die nicht entdeckt wurde. Dafür steht unsere Reihe der Relikte Pate. Allein die Tatsache, dass niemand in eurem Umfeld von ihrer Existenz weiß, trägt sicherlich zu der geheimnisvollen Aura bei. Der Seltenheitswert allein reicht jedoch nicht aus, um diesem Mysterium auf den Grund zu gehen.

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Ein Leben wie ein Käfer | Leaf Hound: Growers of Mushroom

Eigentlich sind Leaf Hound nun wirklich kein Geheimtipp mehr, trotzdem sind sie einer der Hunderten von Gruppen, die aus der „Progressive Blues“-Szene der späten 60er Jahre im Vereinigten Königreich hervorgingen und dann eine härtere Richtung einschlugen, als sich der Musikstil Anfang der 1970er Jahre änderte. Ihre Geschichte beginnt im Süden Londons mit dem Sänger Peter French und dem Gitarristen Mick Halls, beides Cousins, die zusammen in einer Reihe von kleinen Bands spielten, darunter The Switch, Joe Poe und Erotic Eel. Wie so viele andere wurde das Duo stark von Cream und Hendrix beeinflusst.

Irgendwann im Jahr 1968 standen sie ohne Band da und waren auf der Suche nach neuen Mitgliedern, als der Bassist Bob Brunning (ehemals Fleetwood Mac und Savoy Brown) auf sie zukam und ihnen vorschlug, sich seiner Blues-Band anzuschließen. Dies taten sie und die Brunning Hall Sunflower Band nahm sogar ein Album mit dem Titel „Bullen Street Blues“ auf.

In Leaf Hounds Ecke des Rock-Stammbaums finden sich sogar Querverweise zu Mitgliedern von so illustren Zeitgenossen wie Atomic Rooster, Cactus, Foghat und Free. Später sollte Sänger Pete French bei Deep Purple und Uriah Heep vorspielen, musste sich aber gegen Gesellen wie David Coverdale und John Lawton geschlagen geben.

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Leise rieselt der Schnee: Black Sabbath – Vol. 4

Volume 4

2022 erschien das Volume 4 Boxset von Black Sabbath kurz vor dem 50ten Jubiläum und erinnerte so an das Album der Band, das einen großen Wendepunkt einleitete. Viele Fans glauben, dass dieses drogengespeiste Werk die beste Platter der Ozzy-Ära ist. Ich würde dem allerdings widersprechen. Ozzy Osborne ist die Hälfte der Zeit etwas unverständlich und der Mix ist eher miserabel, was daran liegt, dass die Band selbst produzierte.

Tony Iommi hat oft davon berichtet, dass die Produktion des Albums sich auf 65.000 Dollar belief, die Kokainrechnung aber auf 75.000 Dollar. Interessanterweise zaubert ihm das auch heute noch ein Lächeln aufs Gesicht. Schillernd war ja natürlich auch, dass sie dieses Album in Los Angeles in den dortigen Record Plant Studios aufgenommen haben, das einzige Album, das sie in Originalbesetzung dort aufgenommen haben. Die Band hatte sich im Frühjahr 1972 in einer Villa in Bel-Air eingemietet und es ging um nicht weniger als den Nachfolger ihres bahnbrechenden und im Grunde härtesten aber auch einfachsten Albums „Master of Reality“ vom Vorjahr.

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Die schwarze Gestalt: BLACK SABBATH

Die Vorgeschichte des Riffmeisters Tony Iommi, sein Aufstieg zur Legende und sein Einfluss auf die New Wave of Heavy Metal sind in den Annalen der modernen Gitarrengeschichte gut dokumentiert, und wir wissen, dass wahrscheinlich alles anders gekommen wäre, wenn Tony nicht die zwei Fingerkuppen des Mittel- und Ringfingers verloren hätte. Für mich ist das immer noch eine der größten Geschichten überhaupt, nämlich dass Tonys Arbeit in einer Metallwerkstatt zu einer Musik geführt hat, die zwar schon in ihren Anfängen steckte, aber eben erst hier ihren Durchbruch erzielte. Darüber habe ich schon viel erzählt und gerade heute wird oft und gern bestritten, dass Black Sabbath die erste Heavy Metal Band war. Das kommt immer auf den Standpunkt an. Aber Grundsätzlich lassen sich eben drei und sogar vier Wellen ausmachen. Die erste ist der sogenannte Proto-Metal, also all jene versuche, so laut und hart wie möglich zu spielen, ohne aber einen technischen Fortschritt zu erzielen – gewollt oder ungewollt. Danach haben wir die erste Welle mit Black Sabbath, Deep Purple, Uriah Heep oder Led Zeppelin. Die zweite Welle begann in der Mitte der 70er mit Bands wie Judas Priest, Budgie, Rainbow oder Riot, und die dritte Welle schließlich ist es, die wir als NWOBHM kennen. Was wir also heute haben, könnte nichts geringeres als eine fünfte Welle bedeuten, aber bisher ist da noch kein wesentlicher Faktor entstanden, weshalb ich das unter Vorbehalt sage.

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Genre-Guide: NWOBHM

Wie immer, wenn es um Begriffe und Genres und ihre Abgrenzung zu anderen Formen geht, sind die Schwierigkeiten bereits vorprogrammiert. Die meisten Genres, die wir heute als solche akzeptieren, waren eine Erfindung der Musikpresse und NWOBHM ist da keine Ausnahme. Der Begriff impliziert sogar mehrere Fakten auf einmal: erstens, dass es eine ältere Welle gegeben haben muss (New Wave – Old Wave) und zweitens, dass es sich dabei um eine Spielart aus dem britischen Königreich handelt (Britisch Heavy Metal). Tatsächlich aber gab und gibt es Bands, die musikalisch gar nicht vom Sound der NWOBHM zu unterscheiden sind, aber aus einem anderen Land stammen. Für diese hat man zunächst den eigentlichen Begriff Heavy Metal geltend gemacht, wenn nicht sogar New Wave of Heavy Metal. Mittlerweile haben wir ja längst eine weitere Welle, die sich als eine Renaissance des klassischen Heavy Metal versteht, die New Wave of Traditional Heavy Metal. Dieser Begriff ist weitaus unverfänglicher, weil er viel leichter als die NWOBHM alle Bands, die gegenwärtig traditionellen HM spielen unter Dach und Fach bringt, egal woher die Bands stammen und egal, wie unterschiedlich sie klingen.

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Die „zweiten Sabbath“ | Necromandus: Orexis of Death

Necromandus

Der Heavy Metal verdankt Uriah Heep, Led Zeppelin und vor allem Black Sabbath eine ganze Menge. Die so genannte unheilige Dreifaltigkeit wurde zwar ohne Heep, dafür aber mit Deep Purple kanonisiert, aber das ist mit mir nicht zu machen. Und es geht noch weiter: die Erzählung, an die mittlerweile alle gewöhnt sind, dass sie das Genre im Alleingang auf der Grundlage von Blues und Rock geschmiedet haben – ist nur eine verwässerte Vereinfachungen der tatsächlichen Ereignisse. Dadurch wird es einfacher, alles vor 1969 zu übergehen. So geschieht es in fast jeder Dokumentation über die Anfänge des Heavy Metal, vor allem, wenn der Mainstream sich der Sache annimmt, um ihre blasenschwache Version unter die Ahnungslosen zu tröpfeln. Metal hat keinen Nullpunkt, keinen Ground Zero. Er wurde nicht 1970 aus dem Nichts geboren und war dann plötzlich da. Es genügt auch nicht, einfach ein paar weitere Namen einzustreuen: Jimi Hendrix, Cream, Vanilla Fudge, Blue Cheer, Steppenwolf, Grand Funk Railroad. Wie alle Genres hat auch der Metal seine Urahnen, und es dauerte seine Zeit, bis er sich voll entfalten konnte. Man könnte sogar behaupten, dass der Metal erst mit der Entstehung der NWOBHM zu einer echten Einheit wurde. In der Tat gibt es keine eindeutige Antwort auf die Frage, wer das erste angezerrte Heavy-Riff ins Leben gerufen hat, und in Wahrheit ist die Frage, was hier als Metal gilt, ziemlich subjektiv. Unbestreitbar ist jedoch, dass gegen Ende der 60er Jahre die ersten Entwürfe für den Metal und seine schier endlose Liste von Subgenres geschmiedet wurden. In dieser Zeit spielten zahlreiche Bands mit dem Heavy Rock, der später zum Metal werden sollte, und trugen dazu bei, dass er seiner höllischen Endstation immer ein Stückchen näher kam.

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Was der Doom ist und was er macht

Doom

Heute geht es hier um den Doom. Gar nicht mal um eine wirkliche Übersicht, sondern um ein paar grundsätzliche Worte und Überlegungen, auf die wir dann immer wieder zurückkommen können, denn der Doom hat viele Gesichter. Einen spezifischen Doom-Sound gibt es nicht. Er kann von einem schnelleren Uptempo bis hin zum reinen Brodeln und Dröhnen reichen. Er kann den Hörer wie eine Dampfwalze überrollen oder ihm eine Reise anbieten, die von tief unter der Erde oder des Meeres bis in die Weiten des Weltalls oder der eigenen Psyche führt, in andere Welten oder in irgendeine Wüste, staubbedeckt und brütend heiß.

Eines hat der Doom und seine zahlreichen Subgenres aber dann doch gemeinsam: die Atmosphäre und die Leidenschaft, die durch kein anderes musikalisches Genre in dieser Form erreicht werden können. Wenn man die Sendung über den Okkult Rock dazu zählen will – und das sollte man – dann ist das hier eine Art Fundament und beileibe nicht das letzte Wort zu diesem Thema.

Zwar wird der Doom oft als ein Subgenre des Metal bezeichnet, aber seine Wurzeln hat er dort nicht. Im Grunde ist er an gar kein übergeordnetes Genre wirklich gebunden. Natürlich gibt es den Doom Metal als klassisches Konstrukt, aber es gibt ebenso den Doom Rock, den Doom Prog, Ambient Doom, Stoner Doom usw.

Klar ist eigentlich nur, dass er sich nicht in Geschwindigkeitsrekorden versucht. Doch nur langsames Dahinschleichen definiert den Doom noch lange nicht. An verschiedenen Orten kann man lesen, dass die Beatles mit ihrem Song “ I Want You (She’s So Heavy)“ von ihrem Album Abbey Road 1969 die ersten waren, die eine Blaupause für den Doom geschaffen haben, und ganz von der Hand zu weisen ist das zwar nicht, weil der Song zu dieser Zeit ziemlich progressiv war, groovy und durchaus schwer, aber ein Gefühl des drohenden Unheils fehlt. Und das ist ein großer Markstein, den wir benötigen, um das Genre etwas besser zu verstehen. Sicher, es gibt den Doom auch in einer positiven Stimmung, aber wie könnte ein Genre nach Sonnenschein und guter Laune duften und sich gleichzeitig nach dem Untergang, dem Unheil, dem Verderben, der Verdammnis benennen? Das kann eben nur geschehen, wenn man sich rein auf die Langsamkeit eines Songs konzentriert. Natürlich wird das auch getan, aber wirklich weiter bringt uns das nicht. Die Sache ist etwas komplizierter.

Schauen wir uns dazu den zweiten Kandidaten an, der oft genannt wird. Led Zeppelins „Dazed and Confused“. Geschrieben wurde der Song 1967 von dem Folksänger Jake Holmes als ein Liebeslied. Auf Zeppelins Debüt von 1969 wird daraus lyrisch gesehen zwar auch nichts anderes, aber allein der Anfang, als John Paul Jones einfach nur seinen zähen Bass rollen lässt und Jimmy Page einige psychedelische Elemente darüber legt, hat etwas von diesem drohenden Unheil, nach dem wir suchen. Die einzelnen Strophen sind natürlich völlig im Heavy Blues zu verorten, aber in dem Moment, wo die Band das Hauptthema gemeinsam aufnimmt, kriecht dieses drohende Gefühl aus allen Kabeln. Der atemberaubende Tempowechsel mit diesem bollernden Bass und Bonzos (John Bonhams) Schlagzeugwalze zeigt dann einmal mehr, was Led Zeppelin zum Heavy Metal in dieser Phase beigetragen haben.

Der Blues kennt eine langsame, drückende Stimmung schon lange, und so ist es dann auch keine große Sache, dass Proto-Metal-Bands, die sich natürlich alles aus dem Blues speisen, ebenfalls eine schweißtreibende Intensivität erreicht haben, die sich noch nie aus Geschwindigkeit formen ließ. Es müsste Johann Sebastian Bach gewesen sein, der einmal sagte, dass nicht nur die gespielten Noten von äußerster Wichtigkeit seien, sondern gerade die nicht gespielten. Nun, ein Bluesman war Bach zwar nicht, aber von Musik verstand niemand jemals mehr als er und gerade von seinen Cello-Sonaten geht durchaus eine doomige Atmosphäre aus.

Aber egal, wo wir auch suchen wollen, es gibt definitiv zwei Bands, die ein drohendes Unheil mit einer bis dahin unfassbaren heaviness darboten. Die eine – Blue Cheer – durch eine bis dahin nie dagewesene Lautstärke, mit der sie Eddie Cochranes Klassiker „Summertime Blues“ förmlich zerquetschten und auf ein verstörtes Hippie-Volk spuckten, und natürlich Black Sabbath, die wohl mehr ins Rollen brachten als irgendeine andere Band das jemals vermocht hat, egal wo man sucht und egal, was man vor ihrer Zeit aus dem Sumpf graben will. Aber uns interessiert hier der Doom, der aus einem fetten und schweren Riff besteht und zusammen mit einer monströsen Rhythmusgruppe diese Gefühl vermittelt, dass gleich etwas schreckliches passieren wird, ein „Dröhnen des Grauens“, wie man es zum Beispiel in der Filmbranche nennt, wenn Sounddesigner einen lang anhaltenden Ton verwenden (oder eine Gruppe von Tönen), der ein unheimliches Gefühl erzeugt.

Auf Black Sabbath trifft all das zu, was man unter Doom versteht.

Bei ihrem Namen wurden sie inspiriert von dem italienischen Horror-Klassiker von Mario Bava aus dem Jahre 1963, der im Original „Die drei Gesichter der Furcht“ heißt – nur eben auf Italienisch.  Also hatte sich die Band auf den Banner geschrieben, mit ihrer Musik die selbe Furcht zu erzeugen wie diese Filme, die damals in bestimmten Kreisen recht populär waren. Der Film, nachdem sich Black Sabbath, benannten ist kein durchgehender Streifen, sondern eine Anthologie aus drei unterschiedlichen Geschichten, und er ist auch nicht besonders gut, ein Sabbat – was auch immer man darunter verstehen will – kommt darin gar nicht vor. Aber der amerikanische Filmtitel ist natürlich eine Wucht. Das dachten sich auch Tony und die Jungs, auch wenn der Text von einem Traum handelt, den Geezer Butler hatte, als er eine schwarze Gestalt an seinem Bett stehen sah. Horrorfilm und Horrorliteratur spielen also von jeher im Doom eine zentrale Rolle, ebenso wie die Kreuzsymbolik, der ohnehin etwas Unheimliches anhaftet.

Black Sabbath

Man kann also sagen, dass Black Sabbath hier in die Fußstapfen jener Sounddesigner traten, die dieses „Dröhnen des Grauens“ bereits seit den Anfängen des Films anwandten. Und mit dem Song „Black Sabbath“ hob man etwas aus dem dunklen Schlitz der Hölle, das alles enthielt, was bis heute den Doom in seiner Urform definiert, sei es das Donnerwetter mit reichlich Regen zu Beginn, durch den man eine einzelne Totenglocke klingen hört, sei es der sogenannte Teufelsintervall, mit dem die Band dann mit einem leicht abgewandelten Thema der Orchestersuite „Die Planeten“ des Komponisten Gustav Holst einsetzt, namentlich mit dem Auftakt zu „Mars, der Kriegsbringer“, sei es Ozzys peinigende, gequälte Stimme, die uns davon berichtet, dass er wohl jetzt gleich von Satan in die Hölle abkommandiert wird und die Leute sich besser in Acht nehmen sollten.

Man kann sich wohl kaum vorstellen, wie sich die Hörer fühlten, als sie das zum ersten mal an einem Freitag, den 13ten im Jahre 1970 hörten, als doch ein paar Jahre vorher erst der Summer of Love ausgerufen wurde. Damit war jetzt Schluss.

Sicher, einen Monat später baten auch Black Widow zum Sabbath, um Satan dort zu treffen, und ein Jahr vorher zelebrierten Coven auf ihrem Album „Witchcraft Destroys Minds & Reaps Souls“ eine schwarze Messe, aber beide Bands blieben in einer folkigen Ausrichtung der Rockmusik, die man heute Okkult Rock oder Doom Rock nennt. Ihr Einfluss ist natürlich keineswegs zu unterschätzen und spielt eine große Rolle im Doom, zu dem ich bereits eine Sendung gemacht habe, und auf die ich durchaus noch einmal zurückkommen werde. Aber hier an diesem 13. Februar 1970 schossen Black Sabbath eindeutig den Vogel ab.

Die Schaffung eines Genres ist eine schwierige und schwammige Angelegenheit. Eigentlich ist es doch eher so, dass ein Genre passiert und nicht geschaffen wird. Hunderte von Musikern mit ihren früheren Einflüssen und zukünftigen Ablegern arbeiten hier Hand in Hand, ohne das sie es immer wissen oder gar beabsichtigen, um langsam neue Klänge zu erzeugen. Die Musikszene ist eine hochgradig kollaborative Szene, in der viele Musiker einer bestimmten Epoche Ideen und Sounds austauschen. Und so verhält es sich natürlich auch mit dem Doom, dessen definierbarer Sound zwar gleichzeitig mit dem Begriff Heavy Metal auftauchte, aber erst wesentlich später so genannt wurde. Zum ersten Mal angewandt wurde er von der Musikpresse, als das englische Magazin Kerrang! die Musik von Witchfinder Generals Debüt „Death Penalty“ beschrieb, ebenfalls eine Band, die sich nach einem Horrorfilm benannte. Die Band aus Stourbridge brachte in der NWOBHM, die immer schneller zu spielen begann, die Atmosphäre des alten Englands zurück, wo Hexen und Magie in jeder Taverne lauerten und öffentliche Hinrichtungen zu einem schönen Nachmittag gehörten. Allein der selbstbetitelte Song der Band setzte Standards, die bis heute nicht weniger zitiert werden als das, was Sabbath aufs Parkett gebracht haben.

Da ahnte man noch sehr wenig von Pagan Altar oder Pentagram, die zwar bereits in den 70ern ihre Spuren hinterließen, aber keine Veröffentlichung vorzuweisen hatten. Pagan Altar legten zwar 1982 ein Demo vor, traten aber erst 2004 mit „Lords of Hypocrisy“ auf den Plan, während Pentagram ihr Debüt 1985 nach unendlichen Querelen herausbrachten.

Das Bild, das wir vom Doom haben, ist erst in unseren Tagen wirklich vollständig geworden, und natürlich tauchte der Begriff Doom innerhalb einer bewussten Konzeption endgültig 1986 ins Bewusstsein der Hörer, als Candlemass mit „Epicus Doomicus Metallicus“ das Genre des epischen – und von da an auch klassischen – Doom Metal definierten. Da Candlemass und vor allem ihr Mastermind Leif Edling unverhohlen Black Sabbath verehrten, war schnell der Bogen zurück in die 70er gespannt.

Man hatte  jetzt einen Begriff, mit dem man ein Genre zusammenfassen konnte, das zwar bereits zu diesem Zeitpunkt sehr vielseitig war, aber eben dieses ganz besondere Gefühl entstehen ließ, dieses drohende Unheil, wenn auch Candlemass dem Ganzen einen erhabenen und epischen Anstrich gaben. Schnell waren die Enthusiasten dieser atmosphärischen Langsamkeit weltweit dabei,  nach weiteren Einflüssen zu suchen und eine Ahnengalerie zusammenzustellen. Black Sabbath waren nicht mehr länger nur die Väter des Heavy Metal, sondern auch des Doom, zu diesem Zeitpunkt so etwas wie ein kleiner Bruder, der etwas länger brauchte, seine Siebensachen zusammenzubekommen, aber dafür bis heute die eigenwilligsten Fans sein eigen nennt. Bands wie Pentagram, Trouble, The Obsessed, Witchfinder General und Saint Vitus hatten bereits eine starke Anhängerschaft, als Epicus Doomicus Metallicus die Metal-Massen im Sturm eroberte. Ein Stil, der heute als Doom Metal bekannt ist, florierte also bereits in der Tradition, die von einer Reihe von Bands am Leben erhalten wurde, unabhängig davon, ob er Subgenre des Metal betrachtet wurde oder nicht.

Doch damit war noch lange nicht Schluss. Anfang der 90er bebten nicht mehr nur die Kathedralen, Friedhöfe, Galgen und Scheiterhaufen, sondern gleich die ganze Wüste. Das sehen wir uns aber in einer anderen Sendung an, ebenso wie die Liebe zum Arkanen und zu alten Horrorschinken und seiner Bildästhetik.