Epic-Sommer-Spezial (2) | #37

Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten, wo immer ihr seid. Heute begrüße ich euch zu Song Nummer 2 unseres Juli-Sommer-Specials, in dem es um ein Mixtape von 14 Songs geht, die wir im Verlauf des ganzen Monats aufsammeln. Immer zwischen den regulären Veröffentlichungen hier im Podcast auf Work of Sirens stelle ich euch einen epischen Song vor – und das ist das eigentlich Besondere dieses Specials, dass es nämlich nicht primär um ein Album, sondern eben um einen Song geht. Während ich das hier aufnehme, weiß ich noch nicht, welches Wetter wir am heutigen Tag haben, hoffe aber, dass es weder zu heiß, noch zu regnerisch ist. Ihr könnt mir ja in die Kommentare schreiben, wo ihr euch gerade befindet und wie ihr euren Tag heute so gestaltet und wie das Wetter bei euch so ist.

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Heute habe ich den Song “Blackwing” von Thunder Rider augsgewählt, das ist zwar ein Hinweis auf das Wetter, aber das muss ja nichts heißen.

Wenn man den Begriff “Thunder Rider” hört, denkt man sofort an etwas, das nicht nur laut, grandios und bombastisch, sondern auch episch und mittelalterlich ist. Man denkt an gepanzerte Ritter in vollem Galopp oder an mongolische Reiter, die über die Steppe fegen. Aber es gab eben auch eine Band aus Montreal, Quebec, die diese Assoziationen hervorruft. Die Band legte 1989 ihr Debüt “Tales of Darkness and Light” vor, dem erst 2002 ein weiterer Versuch mit “Tales of Darkness and Light Volume 2” folge, bevor man nie wieder was von ihnen hörte.

Bei Thunder Rider handelt es sich um eine Mischung aus klassischem und epischem Metal mit gelegentlichen Doom-Einflüssen. Die Gruppe zeichnet sich durch die Art und Weise aus, in der sie ein Fundament aus dramatischem und melodischem Songwriting mit knackigen Gitarren und blitzartigen Leads, einer donnernden Rhythmusgruppe und orchestralen Keyboards mischt. Zu der erhabenen Umgebung tragen auch die regelmäßigen engelsgleichen Chorgesänge und die mittelalterliche Instrumentierung bei.

Wer Cirith Ungol, Warlord, Trouble, Omen und Manowar mag, wird bei Thunder Rider sicher auf seine Kosten kommen.

John Blackwing, der zufällig so heißt wie der heutige Song, ist ein begabter Multiinstrumentalist, der den Gesang, die Lead- und Rhythmusgitarre und die Flöte, die wir dann auch zu hören bekommen, beherrscht. Unterstützt wurde er von einer Vielzahl von Gitarristen, Keyboardern, Bassisten und Schlagzeugern, die zu zahlreich sind, um sie alle aufzuzählen. Allerdings hat sich im Laufe der Zeit die folgende Besetzung herauskristallisiert:

Pat Hammer – Drums
Bruce Corian – Guitars
John Blackwing – Vocals, Guitars, Keyboards, Flute
Roberto Deus – Keyboards
Luc Dufresne – Bass

Gesanglich bringt Blackwing eine tiefe und saubere Präsenz in den mittleren Tonlagen mit, die vor Emotionen und gelegentlichen Elementen des Opernhaften strotzt.

“Blackwing”, ein eindringliches, mittelalterlich angehauchtes Stück. Die Band setzt Keyboards ein, um die Atmosphäre des Songs zu verstärken, aber nicht, um die Hauptmelodie zu tragen; Die Band mag seltsam klingen, dabei sind die Riffs gar nicht so seltsam, es ist nur die Struktur und die Art und Weise, wie sie mit den Keyboard- und Gesangslinien interagieren, die den ungewöhnlich klingen lassen. Zum einen ist der Gitarrensound ziemlich sanft und dünn, und die Riffs werden zugunsten eines Keyboard-Interludes oder einiger atmosphärischer Leads oder so ausgelassen.

Thunder Rider haben als ganzes einige Ähnlichkeiten mit der obskuren Band Stormbringer (IL), da sie durchweg entspannte, lockere Leads verwenden, die ein Gefühl der Ruhe vermitteln, das gut zu den meisten Riffs passt, die typisch dunkel und spacig sind. An einigen Stellen setzen sie sogar eine Orgel ein und erinnert dann ein wenig an Hawkwind, von denen die Band vielleicht einen gewissen Einfluss hatte, aber wie ich schon sagte, ist es so weit von allem entfernt, was ich je gehört habe, dass es schwer zu sagen ist.

“Blackwing” ist ein galoppierendes Weltraumepos mit großartiger Bassarbeit und einer fantastischen Akustikpassage, in der John Blackwing düsterepisch singt (sogar ein Flötensolo ist eingebaut); es ist ein ziemlich atmosphärischer Song, der für den eigentlich erzählerischen Ton gut herausarbeitet, düster und spacig. Blackwing hört sich zwar nasal aber leidenschaftlich an, hat einen kräftigen bariton, der aber nie dröhnend wird, sondern aus einer gewissen Ferne an Ohr dring. Alles in allem waren Thunder Rider eine seltsame Band und das hat ihnen wahrscheinlich auch den Erfolg gekostet. das und die beginnenden 90ern.

Technisch gesehen ist das hier epischer Heavy Metal bezeichnen, aber es klingt wirklich nicht wie irgendeine andere Band, egal ob epischer Heavy Metal oder nicht. Es passiert fast nie, aber hin und wieder kommt eine Band mit einem Sound daher, der sich so sehr von allem anderen da draußen unterscheidet, dass es schwierig ist, herauszufinden, woher ihr Einfluss stammt oder in welches Genre sie gehört.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Epic-Sommer-Spezial (1) | #36

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Den Auftakt machen wir heute mit Axehammer und dem Song “Lord of the Realm” von der gleichnamigen EP, die eigentlich ein Album hätte werden sollen, wenn nicht die Plattenfirma mitten in den Aufnahmen das Interesse an der Band verloren hätte, so dass sie auf einem halb fertigen Album sitzen blieb. Das war im Jahre 1987 und Axehammer lösten sich danach enttäuscht auf. Zehn Jahre später erschien die EP als Compilation dann aber doch auf Sentinel Steel Records, was zur Folge hatte, dass sich die Band neu zusammenschloss und 2005 dann ein ebenso gutes Debüt namens Windrider hinlegte, 2012 war dann nach dem zweiten Album “Marching on” auch schon wieder Schluss.

Passend zu unserem Thema im Juli spielen Axehammer natürlich US-Power-Metal, oder – wenn einem das besser gefällt – Epic Metal, denn Power Metal ist heutzutage kein Genre, unter dem man sich etwas Einheitliches vorstellen kann, ganz im Gegenteil wird da oft all das zusammengefasst, was in den 80er Jahren irgendwie nach Heavy Metal klang und aus Amerika kam. Tatsächlich aber sprechen wir hier von wilden Gitarrenriffs, vielen Tempowechseln und von Dungeaons & Dragons inspirierten Texten, wie sie kennzeichnend für Omen oder Attacker waren.

Die beiden herausragenden Aspekte von Axehammer sind das wahnsinnige Riffing und die dominante Stimme von Bill Ramp, der etwas tiefer klingt als viele seiner Kollegen aus dem Genre, aber gerade die Gitarrenarbeit ist eine der wichtigsten Aspekte des US-Power-Metal – und Axehammer waren da eine jener Bands, die zu den Besten gehörten. Jede Menge Obertöne, Einzelnotenläufe, atonale Melodien, usw. Und wenn wir uns den Song anhören, dann sehen wir, das die Band wirklich alles hätte werden können, aber manchen ist das Glück eben nicht holt, trotz harter Arbeit und trotz Können. Aber wenn der Support von der Plattenfirma versagt bleibt oder das Management nicht taugt oder andere Unbilden über einen hereinbrechen, dann wird’s nichts, egal wie gut du als band bist.

Die Band bestand aus Joe Aghassi an den Drums,  Jerome Vincent Watt an der Gitarre, Kit Carlson am Bass und Bill Ramp an den Vocals. Und bis auf Joe Aghassi, der noch bei New Eden gespielt hat, ist kein anderer Musiker mehr groß in Erscheinung getreten.

Mann, was für ein Album hätte das werden können, da fragt man sich wirklich “Was wäre wenn?”. Abschließend kann man sagen, dass dies einfach eines der besten Stücke des klassischen US Heavy Metal ist, das es gibt, und jeder Fan von Heavy Metal der alten Schule muss sich selbst einen Gefallen tun und diese Compilation aufspüren. das ist nicht ganz leicht, wie gesagt. Die ist schon lange out of print, und ob man sie irgendwann wieder re-released, das kann ich euch an dieser Stelle gar nicht sagen. Und es werden auch für die CD ordentliche Preise aufgerufen. Könnt ihr euch ja denken.

Lord Of The Realm ist eine Platte, die nach Zauberei und moosbewachsenen Wäldern riecht. Diejenigen, die das Glück haben, das Album zu erwerben, werden auch mit ein paar Demotracks gesegnet, darunter das rasselnde “Sword And Shield” und das ebenso gewaltige “Wings Of Fire”.

Natürlich sind Axehammer nicht jedermanns Sache, und manch einer mag diese Platte ein wenig altmodisch finden, aber für diejenigen, die in den schäbigen Kerkern vergangener Zeiten gelebt und geatmet haben, sind Axehammer und ihre Art von Fantasy-Battles ein zwingendes Erlebnis.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Im Schatten eines alten Geistes: Peth – Merchant of Death | #35

Gewöhnlich werde ich kaum von Bands angelockt, von denen ich den Eindruck habe, sie wollen überhaupt nicht, dass man ihre Musik wahrnimmt. Bei den Texanern PETH ist es nicht nur so, dass sie ihr Debüt Merchant of Death auf dem Vinyl-Only-Label Electric Valley veröffentlicht haben, das man sich – bei allen fairen Preisen – aus Amerika importieren lassen muss, was dann allerdings ordentlich zu Buche schlägt. Sie haben noch nicht mal irgendeinen Hinweis auf Bandcamp hinterlassen, wer denn eigentlich die Instrumente spielt und wer die Jungs überhaupt sind. Tatsächlich wird die Minimierung der Formate ein immer größeres Problem, weil immer öfter auf einen Download hingewiesen wird. Ich selbst trage das nicht mit und ignoriere die Bands dann einfach. Weil ich es aber genau wissen wollte, habe ich die Band kontaktiert und siehe da – sie haben mir bestätigt, dass es eine CD geben wird. Und während ich darauf warte, kann ich das Brett, das sie hier geliefert haben, in aller Ruhe als genusssüchtiger Holzwurm genießen. Um euch daran teilhaben zu lassen, müssen wir allerdings zunächst einen kleinen Exkurs in Richtung Texas unternehmen.

Musik aus dem Lone Star

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Texas ist von jeher bekannt für seinen heavy Underground. Eine Sache, die insbesondere Zentraltexas schon immer ausgezeichnet hat, ist natürlich der Rock & Roll. Das hat schon damals in den 60ern begonnen, als hier Roky Erickson mit seinen Thirteen Floor Elevators den Grundstein für das legte, was dann als Psychedelic Rock die Welt erschütterte, zumindest einen gewissen Teil der Welt. Bands aus Texas haben in der Regel einen einzigartigen Groove, einen einzigartigen Sound und ihren eigenen Sinn für Schrägheit und psychedelische Momente, der nur dort zu finden ist. Was den donnernden, zeitgenössischen Underground angeht, sind u.a. Wo Fat eine Klasse für sich, und sowohl Mothership als auch Duel haben sich bereits einen Namen gemacht. Dass Pantera oder ZZ Top dort ihre Hütten stehen haben, ist ja ebenfalls bekannt.

Da ist es nicht verwunderlich, dass irgendwann eine Band wie PETH daherkommt und die 70er Jahre in Texas neu zum Leben erweckt! Verwunderlich ist nur, wie konsequent sie das auch umsetzen können.

Die vier Texaner traten mitten in der Pandemie, also 2020, in Lago Vista zusammen und haben mit einer wilden Mischung aus frühem Proto-Metal der 70er Jahre und schweren Psych/Okkult-Rock-Soundscapes etwas geschaffen, das bereits viele Bands versucht, aber kaum erreicht haben: nämlich wirklich so zu klingen, als seien sie durch ein Zeitfenster von 1971 hier her geschossen worden. Dabei kann man ihnen natürlich vorwerfen, in einem Konglomerat aus Black Sabbath, Venom, Blue Cheer, Pentagram, ZZ Top und anderen Pionieren zu schwelgen und gar nichts eigenes auf der Pfanne zu haben. Man kann es aber auch aus einer anderen Perspektive betrachten und Merchant of Death als die beste Zusammenfassung des Proto-Metal betrachten, die es jemals gab. Es ist nicht immer das nie Dagewesene der beste Scheiß, manchmal ist das Gekonnte weitaus besser als der Krampf, der verzweifelt versucht, anders zu sein, denn seien wir mal ehrlich: Es wird nichts Neues unter der Sonne auftauchen und uns alle mit staunenden Gesichtern zurücklassen. Wer das glaubt, nimmt sich die Freude an wirklich guten Songs. Und was ist ein guter Song? Nun, meistens ist ein guter Song ein ehrlicher Song. PETH versuchen gar nicht zu kaschieren, wessen Kind sie sind. Als bestes Beispiel dient hier der Titeltrack, dessen Riff man leicht als Rip-Off von Black Sabbaths “The Wizard” identifizieren kann. Oder aber es ist eine unverhohlene Hommage. PETH tun hier ihr Bestes, um Tony “The Iron Man” Iommis frühen Sound zu replizieren (wie übrigens auf dem ganzen Album). Das ist zwar unmöglich, aber diese Jungs kommen der Sache näher als irgendeine andere Band, die ich kenne.

Das ganze Album bietet teils bedrohliche Aggression, teils atemberaubende Rhythmen, hält sich aber von der modernen, glänzenden Klangästhetik völlig fern und klingt deshalb noch nicht mal gewollt auf 70er Jahre getrimmt, wie viele andere Bands des Genres. Mit bösartigen Gitarrenharmonien, einer explosiven Bass- und Schlagzeugsektion und zwei umwerfenden Sängern tragen PETH dazu bei, den alten Geist und die alte Lebensart zu bewahren und gleichzeitig die neue Ära des Rock ‘n’ Roll für nachfolgende Generationen einzuleiten, falls die überhaupt begreift, was um sie herum geschieht.

Das hier ist Proto-Metal mit einem Hauch von frühem 80er-Jahre-Thrash! Den Bandcamp-Fotos nach zu urteilen sind PETH mit einer Doppelgitarren-Attacke gerüstet, und beide Gitarristen beherrschen den Sound der frühen 70er Jahre perfekt. Alles ist warm, flockig und verdammt knackig, wie gleich der mitreißende Opener Dwarvenaught beweist, ein volles Bash-Fest im Stil von Vol. 4, das am Ende eben durch seine Twin-Gitarren-Attacken durchaus den angesprochenen Thrash berührt.

Auch die Rhythmusgruppe macht sich positiv bemerkbar, denn der Schlagzeuger hat seinen texanischen Swing, der immer etwas hinter dem Beat liegt, definitiv bereits als Kind im Kakao gehabt.

Die texanische Verrücktheit zeigt sich dann noch einmal bei Amok, wo Anklänge an schrägen Garage-Rock wohlwollend verpackt werden, während sich Wellen von Riffs im Stile von Sabbaths Sabotage-Ära zusammen mit einer ziemlich aggressiven Basslinie durch die Lautsprecher ergießen. Abolish The Overseer ist dann tatsächlich ein Lehrstück in Sachen Proto-Metal, okkulter Verrücktheit und aggressiver Riff-Manie. Der Gesang bei Merchant Of Death und insbesondere bei Amok wechselt zwischen einem okkulten Bobby Liebling-Geheul und einem seltsamen Screamin’ Jay Hawkins-Nuscheln.

Das grimmige, dreckige Intro-Riff von Let Evil In lässt die Gesichter sofort schmelzen, bevor es wieder dem exzentrischen, sprechenden Gesang Platz macht und dann in das kolossale Hauptriff zurückschwingt und den Hörer mit einem Sperrfeuer aus grandios verzerrten Riffs, Leads und einer alles niederreißenden Rhythmuskakophonie überrollt.

Stoned Wizard ist dann ein brennendes, brutzelndes Doom-Fest.

Das Album schließt mit Karmic Debt, das einen trippigen, düsteren Abschluss andeutet, bevor es sich zu einem epischen Riff-Monster steigert, während die seltsam nuschelnden Vocals wieder auftauchen und PETH sich zu einem entspannten, texanischen Jam hinreißen lassen, um den Song und das Album zu beenden. Alles in allem ist Merchant of Death ein mörderisches, schweres, knackiges, schräges Album, das umso lobenswerter ist, als es sich um ein Debüt handelt. Die Jungs haben bei der Entwicklung dieser Klänge definitiv nicht herumgealbert, denn die Songs sind gut geschrieben und gut gespielt und weisen unfassbar viele Schichten auf. Und auch klanglich ist das Ding ein Monster, das den Geschmack all jener trifft, die bis heute nicht überwunden haben, dass die 70er vorbei sind.

Dem Sumpf sei dank scheint es jedoch mittlerweile so zu sein, dass “Proto-Metal” praktisch zu einem eigenen Subgenre von Stoner und Doom geworden ist, da viele Bands heutzutage versuchen, nicht nur Sabbath, sondern auch Dust, Captain Beyond und alle anderen acidartigen Klänge der späten 60er und frühen 70er Jahre zu konservieren, genauso wie Bands in den 90ern versucht haben, Kyuss und Fu Manchu zu kopieren. Merchant of Death gelingt es, den Sound und das Feeling dieser Ära mit einer großzügigen Dosis texanischer Schrägheit und Crunch im Stil von ZZ Top und dem üblichen Swing zu erzeugen.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Label: Electric Valley Records

Band: Peth auf Bandcamp

Valley Of The Sun – The Chariot

PRESSEMITTEILUNG: “Es gibt eine schwelende Brutstätte des Rock ‘n’ Roll an einem der unwahrscheinlichsten Orte: Ohio. Vor einiger Zeit kam der Teufel, um seine Saat im ganzen Staat auszustreuen und gönnte jeder Stadt ihre eigenen Hohepriester höllischer Riffs. Die Gemeinde der Rock’n’Roll-Kirche von Cincinnati wird von Valley Of The Sun bewacht, und sie sind eine gut gepflegte Herde. Ein Riff nach dem anderen wird mit der Wut, bestehend aus Feuer und Schwefel von der Kanzel geschleudert, also kommt alle zum Rock’n’Roll-Revival, bringt eure Opfergabe mit und macht euch bereit, gesalbt zu werden!

In den letzten zehn Jahren haben Valley Of The Sun die Bühnen in ganz Europa und Nordamerika zum Glühen gebracht, drei Alben mit hochoktanigem Rock ‘n’ Roll veröffentlicht und dabei Tausende von treuen Fans gewonnen. Jetzt haben sie mit ihrem bisher überzeugendsten Album The Chariot die Weltherrschaft im Visier. Ein dynamisches Feuerwerk an lautstarken Riffs, mitreißenden Melodien und wütenden Rhythmen, serviert im Cincinnati-Stil, mit einem kühlen Bier als Begleiter. Hört euch die Platte noch heute an und seit dabei, und ihr werdet sehen, warum im Valley Of The Sun alles glanzvoller ist als anderswo … ” (Übers. von Micky Winter)

Was ich vor allem anderen schätze, sind fette Riffs, die von oben nach unten tropfen (ja, es gibt auch Riffs, die den umgekehrten Weg gehen, aber das ist eine Geschichte für einen anderen Ort). Und wenn dann eine Band daherkommt, die ihre Wüstenangelegenheiten mit dem Geist des echten Rock ‘n’ Roll erledigt, bin ich jemand, der die Band nicht nur mit einem Ohr belohnt, sondern noch ein zweites oben drauf legt. Natürlich sucht jeder sofort nach Vergleichen und stöbert vermutlich in der Kiste, in der zum Beispiel auch Audioslave neben einem Haufen ähnlichen Zeug liegt, das heute keiner mehr gebrauchen kann, das aber zu schade ist, um es endgültig zu entsorgen.

Was damit gemeint ist: The Chariot ist der perfekte Rückgriff auf die 90er Jahre, aber mit einem frischen Anstrich, der es für die düsteren modernen Zeiten, in denen wir leben, noch attraktiver macht. Wer auf dreckigen Rock ‘n’ Roll, hochoktanigen Heavy Rock oder Stoner Rock mit Muskeln steht, findet hier eine Bank. Es mag schon sein, dass Ryan Ferrier seine Gesangslinien etwas nach Layne Staley klingen lässt, aber er hat genug modernen Bluesrock in seiner Kehle, um mit einem eigenen Stil im Einklang mit den mächtigen Riffs zu singen.

Mit “Sweet Sands” eröffnet das Album mit einem coolen, von Jimi Hendrix inspirierten Lick und gibt dem Album einen psychedelischen Start, bevor ein hymnisches Riff ausbricht, das Giganten aufwecken könnte. Hier können wir die Einzigartigkeit von Ferriers Gesang wirklich hören, mehr noch als auf den vorherigen Alben der Band.

“Images” bietet einen fast walzenden Groove, bei dem die Band alles daran setzt, schiere Kraft und Emotionen zu bieten, und leitet über zu “Devil I’ve Become”, das mit stampfenden Drums und prasselnden Riffs, die einem sofort um den Schädel fliegen, noch einen draufsetzt. Der Titeltrack “The Chariot” eröffnet mit einem langsamen, vom Refrain durchtränkten psychedelischen Intro, das dem Hörer etwas Erholung vom wilden Beginn bietet. In diesem Song kommen die wirklichen Stoner-Einflüsse zum Vorschein, mit melancholischen Leadgitarrenmelodien und himmlischen Harmonien, die über den donnernden Riffs schweben.

“Headlights” fühlt sich an wie ein punkiger, bluesiger Soundtrack zu Bildern unendlich staubiger Pisten. Düster und dreckig, ein schnörkelloser, knallharter Rocker, der auch gar nichts weiter sein will. “As We Decay” ist eine düstere Ballade in der Mitte des Albums, die einige der subtileren Blues-Licks nutzt, um hallgetränkte akustische Akkorde zu begleiten. “The Flood” ist ein Song mit frecher Attitüde, zu dem man selbstbewusst die Straße hinunterstolzieren kann, weil einen alle am Arsch lecken können,  während der Albumabschluss “Colosseum” ein monolithischer Song ist, der in vier Minuten Riffs, Harmonien und Melodien jener Sorte vereint, die einem das Gefühl geben, die eigene Seele sei von nun an in den Klauen der endlosen Wüste verloren.

Auf dem ganzen Album wird sandiger Wüstenschotter durch den Verstärker geblasen, denn tatsächlich hat die Band aus Cincinatti diese schmutzigen Wurzeln bereits in ihren Anfängen bewiesen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2010 hat die Band schon einige Besetzungswechsel durchgemacht. Nach zwei EPs und mittlerweile vier Alben ist Ryan Ferrier nach wie vor das einzige Gründungsmitglied und übernimmt die Rolle des Sängers und Gitarristen. Chris Sweeney springt am Bass und an den Keyboards ein und hat auch an “Old Gods” (2019) mitgearbeitet. Josh Pilot (Gitarre) und Lex Vegas (Schlagzeug) sind Neuzugänge in der Band und machen  somit The Chariot zu ihrem Debütalbum.

In dem, was im Wesentlichen eine hymnische Neuerfindung ihrer selbst ist, triefen einige der Riffs auf diesem neuen Album vor Wildheit und Zielstrebigkeit, während die bereits erwähnte satte, staubige Kante diesem Album wirklich seinen Charakter verleiht.

The Chariot ist ein echtes Wohlfühlalbum, das beim Hören einfach grenzenlose Freude bereitet. Mit Elementen von psychedelischem Stoner und modernem Bluesrock,  gibt es an jeder Ecke Überraschungen. Der energiegeladene, adrenalinhaltige, pumpende Rock n’ Roll ist von Anfang bis Ende höchst unterhaltsam und all jenen zu empfehlen, die ihre Seele vom Teufel bekommen haben, der ja bekanntlich auf diese Musik steht.

Label: Ripple Music | Fuzzorama Records
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Bei uns kauft man die CD am besten bei KOZMIK ARTIFACTZ.

Werkschau: RIOT


Hallo Freunde draußen an den Radiogeräten, ich begrüße euch zur ersten Ausgabe eines neuen Formats, das allerdings schon länger geplant war, der Werkschau nämlich.

Riot wurde 1975 in New York City von Gitarrist Mark Reale und Schlagzeuger Peter Bitelli gegründet, die bereits seit ihrer Kindheit befreundet waren.

Hinzu kamen der Bassist Phil Feit und Guy Speranza am Gesang. Gemeinsam nahmen sie ein paar Demos auf, die das Interesse des Indie Labels Fire Sign Records auf sich zogen. Für das erste Demo hatten sie noch den Keyboarder Steve Costelleo, der aber schnell gegen den Gitarristen Louis Kouvaris ausgetauscht wurde.

Bassist Feit war ebenfalls nicht lange dabei und gegen Jimmy Iommi ausgetauscht und jetzt war man bereits für das erste Album Rock City. Auf dieser Scheibe sind dann auch noch die Spuren von beiden Bassisten zu hören, vor allem auch, weil man keine Zeit hatte, bereits vorhandene Tracks neu einzuspielen. Innerhalb von drei Monaten war das Debüt dann im Kasten. Es steht zwar überall zu lesen, dass es 1977 herauskam, aber in Wahrheit war es bereits 1976 erschienen und mit ihm war auch erstmals das Bandmaskottchen Tior zu sehen, eine Mischung aus Seehund und Mensch, zumindest war der Kopf auf dem Menschenrumpf der eines Seehunds.

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(Rock City)

Das Debüt ist schlichtweg großartig und eines der ersten echten Heavy Metal Alben aus Amerika. Das erste hatten 1973 Montrose herausgebracht – dazu gibt es bereits eine Sendung über den amerikanischen Heavy Metal der 70er Jahre – allerdings ohne Riot, obwohl ich die durchaus hätte erwähnen müssen, aber ich hatte da einen anderen Schwerpunkt.
Amerika war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht bereits für eine Band wie Riot – was auch einer der Gründe dafür gewesen sein mag, dass Montrose ab ihrem zweiten Album wesentlich abgeflachter auftraten. Die Plattenfirma wollte zum Schluss noch so etwas wie eine radiotaugliche Hitsingle von der Band haben und bekam das auch im Sinne von “This is what I get”, aber das wurde am Ende dann eben doch kein Hit.

Riot hatten von Beginn an ein Problem: sie waren ihrer Zeit um viele Jahre voraus, nicht nur in Amerika, sondern quasi überall. In England würde man so einen Sound erst vier Jahre später zu hören bekommen, und so konnte auch die hart rockende Jugend derzeit nichts mit Riot anfangen. Bis ein Radio-DJ in San Antonio die Platte in die Hände bekam, der bekannt dafür war, Bands ein weiteres Spektrum zu verleihen. Radios hatten damals eine ungeheure Macht, wie ich ja schon oft erwähnt habe. Durch Joe Anthony bekam die Band also Gelegenheit, im Süden eine kleine Tour zu starten, während der die Band beschloss, sich von Louie Kouvaris zu trennen, ohne ihm Gründe hierfür zu nennen. Ersetzt wurde er durch den Roadie der Band, Rick Ventura, der in diesem Jahr sein Debüt mit Riot Act vorgelegt hat, um dem alten Sound der 70er wieder zu huldigen. Eigentlich gibt es also mit Riot V und Riot Act jetzt zwei Bands, die sich auf das alte Erbe besinnen. Mit Ventura nahmen sie dann ihr zweites Album Narita auf, ein noch besseres Album als Rock City. Klasse Songwriting, großartige Solos. Auch Guy Speranza zeigt hier, warum er zu den besten Sängern seiner Zunft gehörte. Über Narita hatte ich schon einmal ausführlich gesprochen. jedoch noch nicht im Podcast, vielleicht hole ich das noch nach.

1979 brach in Großbritannien dann die NWOBHM los und der einflussreiche DJ Neal Kay wurde auf die Band aufmerksam, der sie in Großbritannien bekannt machte, wo die Fans importierte Exemplare von Rock City kauften.

(Narita)

In der Zwischenzeit war die Band bei Capital Records gelandet, weil die Plattenfirma eine Vorgruppe für Sammy Hagar suchte, und nachdem die erfolgreich über die Bühne gegangen war, bot Capital der Band einen weltweiten Vertrag an, ließ die Band allerdings fallen, als sie mit der Promotion von Hagar fertig waren.

Dann schmiss die Band – wieder ohne irgendeine Erklärung – Schlagzeuger Peter Bitelli raus. Für ihn kam Sandy Slavin hinter die Kessel, und weil man schon mal dabei war, ersetzte man auch noch den Bassisten Jimmy Iommi durch Kip Leming. Es gibt Vermutungen, dass hinter diesen plötzlichen Entscheidungen ihr undurchsichtiges Management stand, von dem man nie so recht wusste, wer eigentlich ganz genau dahinter stand, weil sie eigentlich ein ganzes Network an Managern hatten.

Irgendwie schien bei Riot von Beginn an irgendwie der Wurm drin zu sein. Man spielte als Vorgruppe von AC/DC und Molly Hatchett und stand 1979 doch kurz vor der Auflösung.

Arnell und Loeb hießen zum Beispiel zwei der Manager, die Narita bei so vielen Radiosendern wie möglich unterbrachten. Damit steigerten sie den Bekanntheitsgrad von Riot noch einmal, bis Capitol einwilligte, doch noch ein Album mit der Band aufzunehmen. Das führet zu Riots meistverkauftem Album “Fire Down Under”, ein wirklicher Meilenstein im Katalog der Band und eines der besten HM-Alben aller Zeiten. Tior haben wir diesmal in Großaufnahme im Bild, während hinter ihm alles in Flammen steht.

(Fire Down Under)

Vorher aber lehnte Capitol die Platte mit der Begründung ab, sie sei “kommerziell inakzeptabel”, was die Band in eine vertragliche Zwickmühle brachte, weil Capitol sich weigerte, die Band aus dem Vertrag zu entlassen. Am Ende einigte sich Elektra Records mit Capitol und veröffentlichte das Album, das sich dann auch in den Billboard-Charts platzierte.
1981 zeigten Riot den Briten, was eine richtige Harke ist, denn kaum ein Album der New Wave war derart stürmisch veranlagt.

Irgendwie hatten Riot stets das Zeitproblem. Sie kamen auf, als der Punk gerade in Mode kam und waren deshalb allein schon fehl am Platz, und als der Heavy Metal durchstartete, waren sie schon wieder auf einem anderen Level als ihre Kollegen, weil sie im Gegensatz zu ihnen ja schon ein paar Jährchen Erfahrung auf dem Buckel hatten.

Das merkte auch Guy Speranza. Trotz der massiven Unterstützung ihrer Fans, wollten die Labels nichts von ihnen wissen und alles, was die Band anging, war eine einzige Schleiferei, die nirgendwo hin führte. Die Band arbeitete hart, bekam aber kaum Geld. Im Grunde kamen sie nicht vom Fleck, auch wenn man das musikalisch überhaupt nicht merkte. Guy war es leid und verließ die Band. Etwas unglücklich war freilich der Zeitpunkt, weil Riot gerade mit Rush auf ihrer Moving Pictures-Tour unterwegs waren, als die Entscheidung fiel.

Zunächst mal war es natürlich eine Tragödie, diese für Riot prägnante Stimme zu verlieren. Wenn es um Ersatz für den Sängerposten ging, sind schon andere Bands gescheitert, aber Riot fand Rhett Forester, der zwar ein völlig andere Typ als Guy war, aber seine Sache dennoch gut machte, wie man auf dem Album “Restless Breed” von 1982 hören kann.

(Hard Lovin’ Man)

Forester brachte durch seinen anderen Gesangsstil auch einen anderen Sound in die Band, der aber dennoch einen vom 70er Jahre Hard Rock beeinflussten Heavy Metal repräsentierte. Erst mit dem 1983 erschienenen “Born im America” schienen Riot in den 80er Jahren angekommen zu sein und es gab auch ein Musikvideo zum Titeltrack, bei dem es primär um die Ablehnung jeglicher Autorität geht, wie sie später dann Twisted Sister oder auch Ronnie James Dio an den Tag legten.

Mittelpunkt ist natürlich ein problematisches Elternhaus und die Schule, wo alle Lehrer gefesselt werden und die Kids Zigaretten rauchen, Heavy Metal hören und eine Flagge mit Tior hissen. Zum Schluss reißt sich Rhett Forester das Gesicht herunter und ist in Wirklichkeit das Bandmaskottchen selbst. Das ganze Video natürlich im unnachahmlichen Stil der 80er.

(Born in America)

“Born in America” wurde von Steve Loeb, einem der Manager, selbst finanziert und bei Quality Records, einem unabhängigen kanadischen Label, veröffentlicht, weil Capitol schon wieder die Schnauze von der Band voll hatte und sich ganz auf ihren vielversprechenden neuen Act Quit Riot konzentrieren wollte, die gerade mit der Coverversion von “Cum on feel the Noize auf sich Aufmerksam machte. Es kam im Zuge dessen zu Verwechslungen zwischen Quit Riot und Riot, so dass die Band sich sogar gezwungen sah, auf der Rückseite von “Born in America” darauf hinzuweisen, dass die nicht Quiot Riot sind.

Lang ging das alles nicht mehr gut und im Zuge des ganzen Chaos löste sich die Band auf.

Mark Reale zog Kurzfristig nach San Antonio, Texas, wo er versuchte mit den ehemaligen S.A-Slayer-Musikern Steve Cooper, Don Van Stavern und Dave McClain eine neue Version der Band auf die Beine zu stellen. Als Sänger wollten sie unbedingt Harry ‘The Tyrant’ Conklin (Jag Panzer), weil der aber wiederholt wegen übermäßigem Alkoholkonsums bei Auftritten seine Stimme verlor, wurde auch daraus nichts. Also ging Reale wieder zurück nach New York, schnappte sich dort den Schlagzeuger Mark Edwards von Steeler und Sänger Tony Moore und hatte plötzlich eine interessante neue Bestetzung für das wohl glorreichste aller Riot-Alben: “Thundersteel”.

(Thundersteel)

Auf diesem Cover war zum ersten Mal nichts vom Maskottchen Tior zu sehen und überhaupt präsentieren sich Riot in einem völlig neuen musikalischen Gewand. Tatsächlich war auch Tony Moore ein absoluter Glücksgriff, der einer der besten USPM-Sänger überhaupt ist, aber nirgends weiter in Erscheinung getreten ist.

1988 war Metal vor allem durch sein Image bekannt, und wenn man diese Jungs allein danach beurteilt, sehen sie aus wie die Bastardsöhne von Motley Crue und Judas Priest. Aber wenn Tony Moore seine hohe Banshee-Stimme ins Mikrofon schmettert, klingt er wie ein verrückter Wikinger, der bereit ist, eine Armee verängstigter Römer zu enthaupten. Mark Reale, der einzige verbliebene Gründer der Band, schwingt seine Gitarre wie eine Streitaxt und fordert damit Leute wie K.K. Downing, Dave Murray und Ross the Boss heraus. Bobby Jarzombek, der am Schlagzeug vor allem für seine Arbeit für Rob Halfords Soloprojekt bekannt ist, liefert hier die Performance seines Lebens ab. Don Van Stavern sorgt für ein solides Bass-Gerüst, das es in jedem Song in sich hat.

Es war klar, dass sich Riot hier und auf dem nächsten Album “The Privilege of Power” sehr weit von ihrem ehemaligen Stil entfernt hatten, was ja auch klar sein dürfte, schließlich ist es eine ganz andere Band. “Privilege of Power” kam 1990 heraus und wagt mehr musikalische Experimente, an sie man sich erst einmal gewöhnen muss, obwohl das Album den Vorgaben von “Thundersteel” zu folgen versucht, mit einem Unterschied, Tior ist erneut auf dem Cover, auch wenn man ihn nicht gleich findet, weil er nur aus einem der zahlreichen Fernseher, vor dem eine Comic-Familie steht, heraus schaut.

(Black Leather)

Was vielleicht etwas irritierend ist, außer den zahlreichen Zwischenstücken, so dass man manchmal meint, in einem Hörspiel gelandet zu sein, ist das Bläserensemble Tower of Power, das manche Songs unterstützt, sehr prominent zum Beispiel in dem Song “Killer”. Das funktioniert zwar, wenn man es rein musikalisch betrachtet, wirkt aber für manche Ohren – für meine zum Beispiel – völlig deplatziert.

(Killer)

Trotzdem gibt es natürlich noch genug raum für Speedattacken und all dem, was man von Riot zu der Zeit erwartet. Es ist also kein völliger Flop. Und wieder schlug der Riot-Fluch zu. Es gab keinen Support des Labels und Tony Moore verließ dann 1992 die Band wegen Meinungsverschiedenheiten mit Manager/Produzent Steve Loeb. Auch am Bass gab es einen erneuten Wechsel. Don Van Stavern ging und Pete Perez kam.

Mark Reale rekrutierte für den Gesang Mike DiMeo, der in einer lokalen Band namens Josie Sang gespielt hatte, mit der Absicht, ein wieder mehr auf Hardrock ausgerichtetes Soloalbum aufzunehmen. Dazu holte er sich auch einen weiteren Gitarristen namens Mike Flyntz dazu.

Schließlich wurden diese Pläne fallen gelassen, und aus dem geplanten Soloprojekt wurde ein weiteres Riot-Album, das 1993 erschienene “Nightbreaker”, das ein Remake des Fire Down Under-Tracks “Outlaw” sowie Coverversionen von Deep Purple’s “Burn” und “A Whiter Shade of Pale” von Procol Harum enthielt.

Das war das bis dahin stabilste Line-Up und die Band nahm in der Folge sechs Album mit dieser Bestzung auf, ein schierer Rekord, obwohl man sagen muss, dass Schlagzeuger Bobby Jarzombek immer mal wieder aus- und wieder einstieg.

(Nightbreaker)

“Nightbreaker” kann man fast als Überbleibsel aus den glorreichen Tagen der traditionellen Metal-Szene der 80er Jahre betrachten, das zwar viel Abwechslung bietet, aber keine Innovation auf Kosten der Qualität sucht, wie es zu der zeit fast alle Bands taten, die hauptsächlich versuchten, auf den Groove-Metal-Zug aufzuspringen. Und auch die nächsten Alben sind solide und konsequent, wobei die Qualität dennoch etwas flackert.

“Brethren of the Long House” von 1995 ist sowohl ein Stück gute Unterhaltung als auch ein Kunstwerk, vollgepackt mit Speed-Metal-Klassikern, Midtempo-Riffmonstern, einem recht interessanten Gesangsarrangement und einem lyrischen Rückblick auf die Geschichte der Kämpfe zwischen vertriebenen europäischen Siedlern und den Ureinwohnern des heutigen Amerikas. Hier sitzt John Macaluso am Schlagzeug und donnert etwas besser als auf dem Vorgänger, die Double Bass klingt knackig und sauber.

Die Gitarren haben die richtige Balance zwischen hohen und tiefen Frequenzen, was dem Gitarrensound von Maidens Powerslave nicht allzu unähnlich ist. Die Keyboards, wenn sie eingesetzt werden, übertönen die anderen Instrumente nicht und auch ie Gesangsspuren sind klar definiert und überfluten nicht das gesamte Arrangement, wenn in den Refrains mehrere Stimmen übereinander gelegt werden.

(Bretheren)

1997 kehrte Bobby Jarzombek für das Album “Inishmore” zurück. Nachdem losen Thema der native Americans vom letzten Album hat dieses hier ein ebenso loses irisches Thema als Hauptkern.

Mark Reale und seine hartnäckigen Jungs marschierten tapfer durch die 90er Jahre und kamen nicht ein einziges Mal auf die Idee, vor dem grausamen und ebenso hartnäckigen Jahrzehnt zu kapitulieren. Es war der klassische Fall eines unbeweglichen Objekts gegen eine unaufhaltsame Farce. So beeindruckend der Widerstand von Riot auch war, in einer Zeit, in der so ziemlich jede Metal-Ikone sich selbst in die Vergessenheit kommerzialisierte, führte er doch zu einer Art Stillstand für die Band. Die meisten Riot-Alben der DiMeo-Ära klingen verdammt ähnlich. Nicht identisch, wohlgemerkt, aber hartnäckig an einem einzigen Kurs festhaltend. Vielleicht war das auch die Furcht, sich auch nur einen Schritt falsch zu bewegen in einer Zeit, in dem man sofort der musikalischen Orientierungslosigkeit anheim fallen konnte.

(Angel Eyes)

Inishmore ist nicht nur gut geschrieben und gut gespielt, sondern auch gut produziert. Die meisten Alben, die 1998 veröffentlicht wurden, sind, sowohl was das Songwriting als auch die Produktion angeht, eher Produkte ihrer Zeit. Welche Band wäre besser geeignet als Riot, um eine Ausnahme von dieser Regel zu machen?

1999 kam dann “Sons of Society”. Die Songs hier variieren von einem etwas orientalischen Intro über reine Heavy-Metal-Songs bis hin zu Songs, die ein wenig an der Hardrock-Kante liegen. Darüber hinaus sorgt die hervorragende Rhythmusgruppe, bestehend aus Bassist Pete Perez und Schlagzeuger Bobby Jarzombek, wie schon auf den Vorgängeralben für einen subtilen, progressiven Touch auf dem Album. Nicht falsch verstehen, es gibt keine unnötigen ungeraden Taktarten oder ähnliche Prog-Mätzchen, stattdessen schaffen sie wirklich interessante Brüche, sowohl melodisch als auch rhythmisch.

Mark Reale und Mike Flyntz werden eigentlich nie erwähnt, wenn es um die besten Gitarren Duos im Heavy Metal geht. Ich schätze, das liegt vor allem daran, dass man sie gar nicht kennt, weil man ja ohnehin gerne alles nur nachplappert, aber tatsächlich findet man selten ein echtes Gitarrenteam im reinsten Sinne des Wortes, die derart mit der Band verwoben sind und nicht nur für sich selbst vor sich hin schreddern wie hier. Was DiMeo betrifft, braucht man nur zu erwähnen, dass er zu dieser Zeit als Sänger für Deep Purple im Gespräch war, was dann ja nicht zustande kam, weil Ian Gillan zurückkehrte, was natürlich gut für Riot ist. Aber das zeigt, in welcher Liga sich Mike mit seinem kraftvollen Gesang bewegt.

Und noch einen Bonus gibt es: Tior ist wieder mal da. Diesmal gehüllt in den Mantel eines Zauberers und mit einer Laterne in der Hand sieht er aus wie die Tarotkarte des Eremiten.

(Sons of Society)

Nachdem Bobby Jarzombek Riot in Richtung Judas Priest verließ, kam Bobbi Rondinelli, um die Drums auf einem der schlechtesten Alben der Band einzuspielen. “Through the Storm” erschien 2002. Selbst wenn dieses Album in Fahrt kommt, merkt man, dass es nicht gerade die Muskeln spielen lässt. Eine Sache, die uns jedoch bekannt vorkommt, sind die unglaublichen Soli von Mark Reale. Sie sind nach wie vor so stark wie eh und je und bilden zusammen mit Mike Flyntz’ harmonisierendem Handwerk einen Taifun aus leuchtenden Versatzstücken. Aber schlussendlich wird das Album dadurch nicht gerettet.

(Through the Storm)

Bevor sich die Band in Riot V umbenannte, gab es 2006 noch “Army of One”. Wieder nahm ein neuer Schlagzeuger Platz, nämlich Frank Gilchrist. Das Album hat wieder mehr Punch zu verzeichnen und die Energie scheint zurück zu sein. Tior nimmt auf dem Cover wieder einen prominenten Platz ein und das ist ja gar kein schlechtes Zeichen. So ein Maskottchen kann manchmal Signale senden. Nach dem Album stieg Sänger Di Meo aus, um sich auf die Band The Lizards zu konzentrieren und Riot tourten einige Jahre mit Mike Tirelli am Mikrophon, bis 2011 unerwartetes geschah. Die gesamte Thundersteel-Besetzung fand wieder zusammen und Mike Flyntz blieb natürlich trotzdem, um Immortal Soul aufzunehmen.

(Immortal Soul)

“Immortal Soul” ist in jeder Hinsicht ein Meilenstein; es ist ein ausgeklügeltes Werk, in das die Zeit und die Geduld von Riot eingeflossen sind, und nicht nur eine wunderbare Sammlung meisterhafter Melodien. Das Album markiert fünf Jahre seit “Army of One” und ist das insgesamt vierzehnte Album der Gruppe.

Historisch gesehen sind Riot ein sehr merkwürdiges Phänomen, das fast die gleiche Bedeutung hat wie Manilla Road, obwohl es musikalisch vielleicht etwas zugänglicher ist.

Inmitten der soliden Mischung aus melodischen Hymnen und krachenden Riffmonstern findet sich ein geniales Maß an Raffinesse und Nuancen, das das Alter und die Erfahrung der Band widerspiegelt, aber viel mehr mit ihren jüngeren Tagen übereinstimmt als die zu dieser Zeit kursierenden Angebote von Priest und Maiden.

Traurigerweise hatte Mark Reale schon sein gesamtes Leben mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, die sich jetzt zunehmend verstärkten, so dass er eigentlich nicht sehr viel am Album mitwirken konnte. Er verstarb 2012 und somit war Riot im Grunde Geschichte, schließlich war er der Mann, der Riot nicht nur gegründet hatte, sondern voll und ganz verkörperte.

Aber Mike Flyntz, Frank Gilchriest und Don Van Steveren beschlossen, das Erbe von Mark weiterzutragen, um eine neue Ära von Riot einzuleiten. Das war keine leichtfertige Entscheidung und die Band holte sich den Segen von Marks Vater ab. Zur Verstärkung holten sie sich den Gitarristen Nick Lee und den Sänger Michael Hall und gründeten Riot V. Seitdem haben sie zwei ziemlich gute Alben veröffentlicht, begonnen mit dem 2014er “Unleash the Fire”. Auf dem Cover haben wir einen runderneuerten und futuristischen Tior, der auf der Kreuzung zwischen der RealeStr und der Blood Street steht.

(mehr im Podcast)

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Agenten des Schicksals: Blue Oyster Cult – Das Debüt | #14

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Im Januar 1972 erschien das Debüt einer Band, die aus dem Umfeld des Studenten- und Kunstmilieus der späten 60er Jahre in Long Island, New York entstand und deren Musik man gerne als den Heavy Metal der intelligenten Leute oder als Heavy Metal für jene, die Heavy Metal hassen bezeichnete. Das mag heute etwas verblüffen, weil Blue Oyster Cult – so der Name der Band – sich nicht nach dem anhören, was wir heute als Heavy Metal kennen. Man darf aber nicht vergessen, dass der Begriff in den 70er Jahren noch keine feste Zuordnung zu einem bestimmten Sound erfuhr. Nahezu alles, was seit 1967 dem guten Geschmack des gemäßigten Mainstreams zuwiderlief, wurde als Heavy Metal bezeichnet. Das fing bei Jimi Hendrix so um 1967 an. Manche sagen sogar, dass die Leute von dem Zeitpunkt an nach härterem Zeug als dem damals gängigen Folkrock verlangten, als auch die Drogen härter wurden. Hauptsächlich war der damalige Heavy Metal im Grunde weniger Bluesbasiert als gewöhnlich und für die damalige Zeit besonders laut oder in irgendeiner Weise seltsam.

Noch etwas anderes verbindet BÖC mit dem Metal – und das ist der sogenannte Metal-Umlaut, also Ö statt O. Populär ist das vor allem durch Motörhead geworden.

Auf meinem Youtube-Kanal habe ich bereits eine Sendung zu BÖC gemacht und über fast alle Alben gesprochen, aber das ist kein Grund, am 50-jährigen Jubiläum vorbeizugehen, vor allem, weil es sich bei dieser Band um eine ganz außergewöhnliche handelt.

Sandy Pearlman erzählte ein paar Jahr vor seinem Tod 2016 einem Rolling Stone-Schreiber, dass er und der Rockautor Richard Meltzer eines Tages vor einem New Yorker Restaurant standen, in dem Blue Point Austern serviert wurden, und über die Band sprachen. Und Sandy sagte: ‘Warum nennen wir die Band nicht Blue Oyster Cult?'” “Und Richard sagte: ‘Und wir fügen einen Umlaut über dem ‘O’ ein!’ Und Sandy sagte: ‘Großartig!'”

Ihre lyrischen Einflüsse bezog die Band von einer Reihe literarischer Figuren, die hauptsächlich Science Fiction, Fantasy, oder Horror schrieben. Und ihr erstes Album wurde von einer Vielzahl von Künstlern beeinflusst, die von Black Sabbath bis zu The Who reichte. Bevor die Platte erschien probierte sich die Band an allen möglichen Stilen von Stilen, bevor sie sich auf etwas festlegte, das sie später berühmt machen sollte. Aber trotzdem ist es gerade diese Vielfalt, die sich bis heute in ihrem Gesamtwerk niederschlägt.

Blue Öyster Cult wurde 1967 als “Soft White Underbelly” auf dem Campus des Stony Brook College von den Studenten Sandy Pearlman und Richard Meltzer gegründet, die beide zum Zeitpunkt des Debüts der Band professionelle Rockkritiker waren (obwohl sie keine offiziellen Mitglieder waren, schrieben beide Texte und Pearlman war Co-Produzent dieses Albums und später dann Produzent vieler weiterer). Zwei Bandmitglieder, die von Anfang an dabei waren, waren der Gitarrist Donald “Buck Dharma” Roeser und der Schlagzeuger Albert Bouchard, beide Studenten am Clarkson College of Technology. Später kam der Keyboarder Alan Larnier dazu und die Band spielte im New Yorker Fillmore East mit Jethro Tull und Jeff Beck zusammen. Leider war ihr Auftritt katastrophal. Eine Namensänderung schien angebracht zu sein.

Die Band war kurzzeitig bei Elektra Records unter dem Namen “Oaxaca” unter vertrag. das klappte nicht und sie nahmen noch mal was unter dem Namen “Stalk-Forrest” auf, aber das alles gelangte nie zur Veröffentlichung, so dass die Band bald darauf von diesem Label fallen gelassen wurde.

Allerdings hatte Pearlman ihnen noch viele andere Namen verpasst, die alle ebenfalls nicht funktionierte, wie The Santos Sisters. Bereits da zeichnete sich schon ab, dass Blue Oyster Cult im Grunde sein Konzept war, in dem er ein Sprachrohr für seine okkulten Gedichte mit dem Titel Imaginos fand, die immer wieder im Werk der Band eine große Rolle spielen sollten.

Mit dem Sänger Eric Bloom und dem Bassisten Joe Bouchard (Alberts Bruder) formierte sich die Gruppe neu, nahm also den Namen Blue Öyster Cult an, bevor doch tatsächlich auch der Name “Cow” im Gespräch war – und wurde Ende 1971 bei Columbia Records unter Vertrag genommen, weil die Plattenfirma unbedingt eine Antwort auf Black Sabbath haben wollte Sandy Pearlman brachte die Jungs dazu einzuwilligen und schon hatten sie das Etikett der amerikanischen Black Sabbath am Hals, das auf den ersten Blick so falsch wie nur möglich erscheint.

Aber die hätten den Plattenvertrag nicht bekommen, wenn sie widersprochen hätten. Murray Krugman hatte Columbia nämlich gesagt, dass er eine Band habe, die den Anforderungen entspräche. Und natürlich arbeitete er daran, die Band dunkel und mysteriöser zu machen, als sie war. Zusätzlich kam hinzu, dass Columbia Led Zeppelin verloren hatte, die ihr Manager Peter Grant zu Atlanta schleppte, also hatten sie rein gar nichts in Sachen härterem Rock aufzufahren.

Pearlman wusste, dass der ganze Hippiekram am sterben war und der Heavy Metal langsam ins Rollen kommen würde. Das war spätestens nach dem Altamont-Festival von 1969 offensichtlich, das allgemein als der Sargnagel der Love and Peace Generation gilt. BÖC schrieben ihren Song Transmaniacon MS darüber und begannen so ihre Karriere. Wenn sie wirklich je was mit Heavy Metal zu tun hatten, dann das, nachdem Black Sabbath den Pegel und die Latte für Heaviness und Lautstärke ziemlich hoch legten, diese neu aufkommende Sache bereits zwei Jahre später neu definierten. Pearlman wurde dann später – während der Dio-Ära auch tatsächlich der Manager von Black Sabbath und schickte die beiden Bands dann auch zusammen auf Tour. Das ist einer dieser Treppenwitz der Geschichte, von denen ich oft rede und von denen der ganze Rock ‘N’ Roll Zirkus voll ist.

Im Nachhinein fragt man sich zwar, ob Plattenfirmen, Musikjournalisten und all die Leute, die sich beruflich mit Musik beschäftigen, überhaupt eine Ahnung von dem haben, was sie sagen oder tun, aber so eine Korinthenkackerei wie heute gab es damals einfach nicht.

Bei BÖC passten viele rätselhafte Teile zusammen und so muss man auch über das Artwork der ersten beiden Alben sprechen. Ein Künstler namens Bill Gawlik nämlich war es, der das BÖC-Symbol in die Mitte einer Schwarzweiß-Zeichnung setzte, die aus endlosen Parzellen mitten im Universum besteht. Auf dem zweiten Album ist das Symbol, das ein Zusammenschluss aus der griechischen Mythologie für Chronos und Saturn darstellt. wieder in der Mitte über einem pyramidenähnlichen Konstrukt und es wirkt dort so, als würden runde Wellen ein eigenes Universum kreieren. Das sind die einzigen beiden Kunstwerke, die man von Gawlik kennt. Er verschwand einfach – keiner wusste, wohin – und wurde bis zum heutigen Tag nicht mehr gesehen. Das passt natürlich hervorragend zum Mythos der Band. Es gibt nur ein einziges Bild von ihm, aber keiner hat bis heute irgendwelche Informationen über seine Herkunft, seine Eltern, seinen Werdegang, wann er auf welcher Universität war undsoweiter. Ein echter Mystery Man, dessen Symbol bis zur letzten Scheibe “The Symbol Remains” von 2020 immer wieder verwendet wurde. Die Cover der sogenannten schwarzweiß-Phase, zu der auch noch Secret Treaties gehört, sind bis heute Gegenstand unzähliger Interpretationen, die natürlich auch die merkwürdigen Texte der Band miteinschließen.

In den Anfangsjahren wurden Blue Oyster Cult häufig als Vorgruppe von Alice Cooper gebucht, einem “Metal”-Act der frühen 1970er Jahre, der dafür bekannt war, dass er Blut, Blutvergießen und lebende Schlangen in seine theatralische Bühnenshow einbaute.

Das daraus resultierende Debüt ist eine Art dunkler Psychedelik mit vielschichtigen Gitarrenriffs und dickem, schlammigem Gesang mit mysteriösen Bedeutungen. Songs, die schwer zu entschlüsseln sind, tragen zu dem ganzen Geheimnis bei.

Das Riff-getriebene “Transmaniacon MC” macht den Anfang und macht den Hörer darauf aufmerksam, dass hier etwas ganz Besonderes gebraut wurde. Drei perfekt synchronisierte Gitarren werden durch das traditionelle Rock-Piano von Keyboarder Allen Lanier kontrastiert. Der Text thematisiert den berüchtigten Mord auf dem Altamont Festival 1969, wenn auch nicht ganz so eloquent wie Don McClean in “American Pie” im Jahr zuvor.

Wer die Geschichte nicht kennt: Das Festival fand 1969 – vier Monate – nach Woodstock statt – im Dezember – und wurde vom Managment der Rolling Stones ausgerichtet. Es gab bereits während der Vorbereitung grobe Fehler und am Ende war das ganze Festival ein einziges Planungsdesaster. Hinzu kam, dass die Stones die Hells Angels als ordner engagiert hatten und es kam immer wieder zu handgreiflichkeiten gegen Zuschauer, aber auch gegen Bands. Zum Beispiel wurde der Sänger von Jefferson Airplane bewusstlos geschlagen. Und als dann die Stones auftraten, kam es zum Mord an dem 18jährigen Meredith Hunter durch einen Hells Angel. Soweit, so kurz. Wenn euch diese Geschichte interessiert, die als Ende der Hippiebewegung gilt, dann lasst es mich wissen. Können wir uns dann mal in einem speziellen Thema dazu anschauen.

Der Nachfolger, “I’m on the Lamb But I Ain’t No Sheep”, ist textlich weitaus kryptischer und musikalisch weniger unterhaltsam, weshalb er auf dem nächsten Album noch einmal schneller mit dem Titel “The Red and the Black” aufgenommen wurde. Inhaltlich dreht es sich da um einen Mann, der vor der Polizei über Kanada weiter nach Norden flieht. Irgendwie hat er Huskys dabei, die aber auch Muschis sind. Die im Chor gesungene Strophe “Reitet Muschis ihr Huskies” ist genauso unverständlich wie eine mysteriöse Bel Punice, die angesprochen wird und hier tötet und verstümmelt. Das ist ein gutes Beispiel für die Lyrics, die bei BÖC oft wie kryptische, völlig rätselhafte Gedichte funktionieren und alle möglichen Detungen zulassen

Roesers “Then Came the Last Days of May” handelt von einem schief gelaufenen Drogendeal, wobei die sanfte Country-Melodie und das musikalische Arrangement einen großen Kontrast zu dem düsteren Text bilden und der Erzählung eine abschreckende Ebene hinzufügen. “Buck Dharma” fügt auch einige großartige, stechende Gitarrenlinien hinzu, die dieses Stück zu einem der besten des Albums machen. Die erste Seite schließt mit dem kosmischen “Stairway to the Stars”, gefolgt von dem Boogie-Rave “Before the Kiss, a Redcap”.

Dieser Song handelt von einem realen Ort, “Conry’s Bar”, und so hieß der Song auch zuerst – wo BOC als Hausband spielte und Sandy Pearlman wurde dort Zeuge einiger ungewöhnlicher Ereignisse. Es küssten sich nämlich ungewöhnlich viele Menschen am laufenden Band. Das Geheimnis ließ sich schnell lüften, die damals als Redcap bekannten Barbiturate, die zu dieser Zeit ziemlich beliebt waren, wurden hier ganz einfach durch einen Kuss ausgetauscht.

Der berühmteste Song auf Seite zwei (wie auch auf dem gesamten Album) ist “Cities on Flame with Rock and Roll”, ein intensiver und kraftvoller Song, der sogar Black Sabbath in den Schatten stellt (und das ist für 1972 schon etwas). Dieser kraftvolle Song war die erste Single der Band, und obwohl er kommerziell wenig Wellen schlug, wurde er zu einem Klassiker für Fans jenseits der treuen Anhängerschaft der Band. Der Text zeichnet ein lebhaftes Bild von “dreitausend Gitarren”, die eine Stadt in Brand setzen, eine Hymne an die Macht des Rock’n’Roll, die in den folgenden Jahren von den Kollegen aus der gleichen Stadt – nämlich Kiss hinreichend verwässert und wiedergekäut werden sollte. Der Rest der Seite besteht aus kurzen und interessanten Stücken, wie Joe Bouchards psychedelischem Stück “Screams” und dem orientalisch angehauchten Juwel “She’s As Beautiful As a Foot”. “Workshop of the Telescopes” und “Redeemed” beschließen das Album mit weiteren tiefsinnigen Texten, die von vielschichtigen Gitarrenriffs und starken Rhythmen untermalt werden.

Obwohl Blue Öyster Cult in den folgenden zehn Jahren weitere populäre Alben mit radiotauglicheren Songs herausbrachten, erreichten sie nie wieder die Hardrock-Dichte und Originalität ihres Debüts von 1972.

Auch die Produktion von Blue Öyster Cult ist außergewöhnlich. Sie hat die warmen, fast gedämpften Aspekte einer Floyd-Produktion aus den frühen 70er Jahren, aber dies wird auf eine drahtige, glatte, schlängelnde Hardrock/Psych-Band angewendet. Wenn man etwas genauer hinhört, entdeckt man etwas Faszinierendes: Die Produzenten Murray Krugman und Sandy Pearlman haben das Schlagzeug auf ziemlich außergewöhnliche Weise abgemischt und mikrofoniert. Das Ergebnis ist ein straffer – aber nicht knackiger, heller oder höhenreicher – Sound, der die Crash- und Ride-Becken und die Hi-Hat fast vollständig weglässt (was auch durch das solide und effiziente Spiel von Albert Bouchard begünstigt wird). Bei kaum einer anderen bedeutenden Hardrock-Platte dieser Zeit – und zwar für den gesamten Zeitraum zwischen 1968 und 2008 – werden die Becken in einem derartigen Ausmaß weggelassen. Dieser Kunstgriff ist wichtiger, als er klingen mag: Er gibt dem Gesang und den Gitarrensounds Raum zum Atmen, und die Gitarrenlinien – von den subtilsten bis zu den durchdringendsten – können sich im wahrsten Sinne des Wortes zu den Sternen ausdehnen. Ein wichtiger Aspekt des räumlich-astralen Wunders von Blue Öyster Cults Debüt ist die Art und Weise, wie sich diese Songs einfach in den Nachthimmel hineindrehen; das wäre wahrscheinlich nicht möglich gewesen, wenn es überall zischende, sirrende und flirrende Becken gegeben hätte.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Review | Midnight – Let there be Witchery | #7


Freude ist in jenen Tagen eine Sache, über die zu sprechen man sehr vorsichtig sein sollte, aber hinter der allgemeinen Betroffenheit ist sie am Ende dann doch notwendig, um in der von uns allen angeranzten Welt auch nur halbwegs klarzukommen. Eines dieser Alben, die einfach nur Spaß machen, weil sie in letzter Konsequent purer Rock n Roll sind, ist Let there be Witchery von Midnight, dem Einmann-Projekt von Jamie Walters aka Athenar aus Cleveland. Längst kein Unbekannter mehr, gelingt es ihm, das Flair alter Rumpelkapellen wie Venom in die heutige Zeit zu transportieren und dennoch unverkennbar seine eigene Handschrift zu hinterlassen, auch wenn er selbst der Meinung ist, dass seine Songs im Grunde nur Venom-Cover sind.

Was es sonst noch gibt: Abschweifungen in die gute alte Zeit (inklusive Zeitschleifen und massenhaft Vergleiche mit Venom).

Klassiker | Anthrax – Spreading the Disease | #3

Auftakt zu den KLASSIKERN, die sich aus verschiedenen  Rock- und Metalgenres hier einschleichen werden. Dass ich mit Anthrax beginne hat eigentlich keinen besonderen Grund, außer dass ich Spreading the Disease schon sehr lange nicht mehr auf dem Plattenteller hatte. Ab und zu bin ich musikalisch in einer gewissen Stimmung, die mehr mit Nostalgie zu tun hat als mit meinen gegenwärtigen Interessen.

Vergessene Perlen | Onward – Evermoving | #2

VERGESSENE PERLEN ist die neue Rubrik, in der ich Alben ausgrabe, die zu unrecht etwas in Vergessenheit geraten sind, die aber durchaus das Zeug zum Klassiker haben.
Den Auftakt macht das Debüt Evermoving der Band Onward aus Montana aus dem Jahre 2001.