Epic-Sommer-Spezial (5) | #42

Es ist Dienstag, der 12. Juli – und ich hoffe, dass auch bei euch der 12. Juli ist, manchmal ist das mit der Zeit ja eine merkwürdige Sache – und ich begrüße euch zur fünften Folge unseres Juli-Spezials, in dem wir 14 Songs einsammeln, die im weitesten Sinne zu unserem virtuellen epischen Mixtape gehören werden, wenn wir hier fertig sind. Alle Songs im Juli gehören also dieser wundersamen Gattung an, die eigentlich zur Kernkompetenz des Metal-Genres zählen – oder zumindest früher einmal gezählt haben, so genau lässt sich das nicht sagen. Für viele ist der Epic Metal sicher eine veraltete Tradition, vor allem deshalb weil ein bisschen Epic heute überall drin stecken kann, vor allem der Doom Metal hat sich da hervorgetan – vom Power Metal mag ich eigentlich gar nicht reden, weil der heute ein völlig anderes Kleidchen trägt als in den 80ern, aber all das soll uns heute nicht stören, wir basteln uns unsere eigene musikalische Welt, wie wir das hier im Podcast Work of Sirens immer tun.

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Ich habe euch heute ein Lied mitgebracht, das von einer der besten EPs in der ganzen langen Geschichte des Heavy Metal überhaupt stammt, ein kleines Juwel, das zu den Highlights im Jahre 1983 zählte und den Beginn einer vielversprechenden Karriere hätte bedeuten können. Leider hatte die Band nicht den Erfolg, den sie verdient gehabt hätte. Das lag vor allem am kleinen Budget, das die Band hatte und an der daraus resultierenden fehlenden Promotion.

Außerdem ist Erfolg manchmal auch reine Glückssache. Allerdings hat die EP neben den jeweiligen Scheiben von Jag Panzer, Omen, Cirith Ungol und Crimson Glory dazu beigetragen, ein ganz neues Musikgenre aus dem Boden zu stampfen, das man in der Folge dann US-Power Metal zu nennen pflegte im Gegensatz zum europäischen Power Metal, der ja hauptsächlich von Helloween initiiert wurde und sich völlig anders anhört.

Die Rede ist von Warlord und ihrem Minialbum “Deliver us”. Es geht ja in diesen Sendungen lediglich um einen spezifischen Song, und ich habe mich nach langem hin und her für “Child of the Damned” entschieden, weil er sozusagen das Markenzeichen des Albums ist, ein schnelles Stück mit beinahe durchgehender Double-Bass. gecovert wurde das Stück 1997 von Hammerfall auf ihrem Debütalbum “Glory To The Brave”.

Der Text von “Child Of The Damned”, geschrieben von Bill Tsamis, bezieht sich auf das berühmte Zitat aus John Miltons “Paradise Lost”, in dem Satan behauptet, es sei “besser, in der Hölle zu herrschen, als im Himmel zu dienen”.

Es geht primär darum, dass dem Sprecher oder Sänger von Luzifer die Augen geöffnet werden, als er erkennt, dass er zu einer großen angepassten Herde gehört, die in Furcht lebt. Er nennt sich ein Kind der Verdammten, an das Kreuz gefesselt und heilig wie eine Hure. Dann werden die Hexenzirkel angerufen. Die Propheten sind erschlagen, die Menschen aufgereiht. Das Böse ist angekommen und der Herrscher der Hölle macht einem jeden den Vorschlag, in der Hölle zu herrschen statt im Himmel zu dienen. Das Problem ergibt sich aus der Fragestellung, denn wenn wirklich jedem dieser Vorschlag unterbreitet wird, gibt es nur eine Verschiebung hin zu einer anderen Massenunterwefung.

Der Text ist kryptisch und gar nicht so ohne und zeugt von Tsamis fachlicher Kenntnis in Sachen der Theologie. Überhaupt hat das ganze Album einen geisterhaften Ton an sich, den ich nie wieder auf irgendeinem anderen Album jemals gehört habe.

Am Gesang ist Jack Rucker, der sich hier Damien King I nennt und später durch Rick Cunningham ersetzt wurde, der sich in der Folge Damien King II nannte, an der Gitarre Bill Tsamis, der im Mai 2021 verstarb, hier nennt er sich Destroyer – an den Drums Mark Zonder alias Thunder Child – und eine gewisse Diane Kornarens nannte sich Sentinel und spielte die Keyboards. Hier haben sie noch keinen Bassspieler wie dann auf ihrem kompletten Album And the Cannons of Destruction Have Begun…, den dort dann Dave Watry alias Archangel übernahm. Hier spielt Tsamaris den Bass zusätzlich ein.

“Deliver us” war ein unglaublich wichtiger Einfluss und wurde später zu einer Bibel für viele Power-Metal-Bands. Yngwie J. Malmsteen zum Beispiel nannte Warlord in einem Interview Anfang der 80er Jahre als seine Lieblingsband. Die Band Hammerfall leitete ihren Namen vom Refrain/Gesang von Warlords “Lucifer’s Hammer” ab.

Bill Tsamis spielte dann auch das Gitarren-Solo auf dem Hammerfall-Song “At the End of the Rainbow” und schließlich spielte Bill Tsamis nach dem Tod von Randy Rhoads im Frühjahr 1982 für den vakanten Gitarrenplatz in der Band von Ozzy Osbourne vor.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieses Album für all jene empfehlenswert ist, die hoch inspirierten und hoch talentierten “europäischen” Metal der 80er Jahre mit progressivem Einschlag mögen, und zwar genau in der richtigen Dosis: kreative Kompositionen, gute Performance und gelungene Texte.

Das wars für heute. wenn ihr diesem Format irgendetwas abgewinnen könnt, dann lasst es mich auf der Seite workofsirens.de wissen. Wir hören uns morgen wieder mit unserem sechsten Eintrag in unserem epischen Mixtape für den Juli.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

 

Epic-Sommer-Spezial (4) | #40


Guten Morgen Freunde draußen an den Radiogeräten zur vierten Ausgabe unseres Juli-Sommer-Specials hier im Podcast Work of Sirens. 14 Songs erwarten euch am Ende und die einzelnen Ausgaben ersetzen keiner der regulären Sendungen, sondern nutzen den freien Platz an den Wochentagen. Am Wochenende bleiben wir dann in unseren Burgen, reinigen unsere Schwerter und polieren vielleicht auch mal die Rüstung. Unser Epic-Metal-Mixtape bekommt heute Besuch aus Griechenland, denn um ehrlich zu sein, kann man eine solche Auswahl nicht treffen ohne mindestens einmal auf die Hochburg epischen Metals zurückzugreifen, und da dann gleich zur Hausband des Schlachtengetümmels: Battleroar. Ihr gleichnamiges Debüt erschien 2003 und wurde interessanterweise in Italien aufgenommen, also bei den Römern, wenn wir in der Zeit bleiben. Das Album gilt von allen fünf bisherigen zwar als das schwächste, was wahrscheinlich am etwas rustikalen Sound liegt, aber der Song, den ich euch heute ausgewählt habe, ist ein Klassiker des epischen Geschehens, und der Titel spricht ebenfalls Bände: Victorious Path nämlich.

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Die beiden Gitarristen Kostas Tzortzis und Manolis Karazeris schaffen es mit ihren Riffs und Soli, das epische Gefühl hier so gekonnt einzufangen, dass man manchmal denken könnte: Klar, diesen Song hatten die Krieger vor 200 Jahren auf den Lippen und irgendwie ist das gute Stück dann in der Neuzeit angekommen, nur noch die Instrumente einer Metalband dazu gemengt und fertig ist die Hymne. Damit wir uns nicht falsch verstehen, hier sind nicht die versiertesten Musiker am Werk, aber das ist manchmal gar nicht das schlechteste, weil dadurch eine ganz bestimmte Individualität entsteht. Wenn man im Hinblick auf Epic seine Gitarren stimmt, dann geht es in erster Linie um Atmosphäre, und die ist nicht in einer Schule zu lernen, die kommt von innen – und so fesselt die Gitarrenarbeit in diesem Stück genau deshalb.

Das Album wurde nicht nur in Italien aufgenommen, auch der Sänger – Marko Concoreggi ist Italiener. Der ist mittlerweile nicht mehr dabei und wurde ersetzt durch einen Germanen, nämlich Gerrit Mutz von Sacred Steel.

Congoreggi allerdings ist der Richtige für Victorious Path, einem eingängigen Up-Tempo-Song, der zu dieser Zeit auf dem wahrscheinlich komplettesten griechischen traditionellen Heavy Metal Album glänzte. Abgelöst hat die Band das dann selbst mit dem Famosen To Death and Beyond von 2008, von dem ich leicht ebenfalls irgendetwas hätte nehmen können, aber für unsere Belange ist einer der ersten Höhepunkte gesetzt.

Na klar mache ich mir wieder das Vergnügen, den Text zu übersetzen, der, wie man sich denken kann, voller Klischees ist, wie es sich für diese Art von Texten auch irgendwie gehört. An mancher Stelle wirken die Metaphern sogar unfreiwillig komisch und ist gar nicht weit entfernt vom dichterischen Werk Manowars:

Die getroffenen Leiber fallen zu Boden,
Ein Blitzen der Klinge, als das Schwert den Schall durchschneidet

Und die Titanen werden schreien und toben
Krieger aus Valhall, Meister des Kampfes

Wir wissen, unser Schicksal liegt in den Händen der Götter
Gewappnet für den Kampf, Mächte aus Feuer und Frost

In meinen Träumen habe ich meinen Tod gesehen,
meinen Ruhm und ein Leben voller Zorn

Gefangen in einem Käfig mit meinem Schwert und meinem Schild
Das Schicksal ruft, also fliege ich zu den Göttern

Kämpfen wir, wir sind stark und voller Kraft
und reiten auf siegreichen Pfaden

Wir tragen das Zeichen der Zerstörung und des Triumphs
Entfesselt und siegreich erheben wir uns
Durchbrechen den Nachthimmel mit rot glühendem Metall
Wir marschieren auf der Straße des Lichts

Kämpfen wir, wir bleiben stark und voller Kraft
und reiten auf siegreichen Pfaden

Der Text ist also etwas, das man schnell mal hinhuscht, wenn die Band ruft, dass man sich jetzt schnell mal was einfallen lassen soll. Aber das alles ist ziemlich egal, weil sich solche Texte in englisch natürlich ganz anders in die Musik einbetten lassen als das, was ich hier übersetzt vortrage.

Das wars von mir. Jetzt gehen wir erst mal ins Wochenende. ich hoffe, ihr hattet in der vergangenen Woche etwas Spaß.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Epic-Sommer-Spezial (3) | #39


Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten, ich begrüße euch zur dritten Ausgabe unseres Specials im Juli, wo ich euch jeden Tag des Monats – außer an den Wochenenden und den Tagen, an denen die regulären Sendungen laufen – einen Song präsentiere, der zu unserem epischen Mixtape gehört, das am Ende insgesamt 14 Songs umfassen wird, so viel Tage bleiben nämlich dann rechnerisch übrig. Schreibt mir in die Kommentare, wie euer Tag war, wie das Wetter dort ist, wo ihr euch befindet und vor allem, was ihr bis jetzt von diesem Special haltet. Fangen wir an mit Song Nr. 3.

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Auch in den 80er Jahren gab es natürlich einen Underground. Der zerfaserte nicht ganz so extrem wie das heute der Fall ist, wo nahezu jedes Subgenre seinen eigenen Underground hoch hält, aber der epische Heavy Metal teilte sich natürlich derzeit ebenfalls in erfolgreichere amerikanische Power Metal-Bands – das waren wenige – und den ganzen Rest. Man kann grundsätzlich sagen, dass das epische im Metal immer schon ein Schattendasein führt. Das mag man gar nicht glauben, wenn man sich anschaut, wie beliebt das Fantasy und Mittelalter-Element eigentlich ist. Mittelaltermärkte zum Beispiel gab es lose bereits Anfang der 80er, aber erst seit den 90ern zieht das Interesse immer mehr Besucher an, die sich natürlich ebenfalls wieder in unterschiedliche Interessengruppen zerteilen lassen.

Der heutige Song stammt von Medieval Steel aus Memphis Tennessee und heißt auch so. Also, er heißt Medieval Steeel, nicht Memphis Tennessee. Für besagte Underground-Metal-Fans sind das natürlich keine unbekannten und spätestens seit ihrem Auftritt auf dem Keep it True kennt sie wirklich jeder, der etwas mit dem tatsächlichen Heavy Metal anfangen kann. Ihre selbstbetitelte EP von 1984 hat einen mythischen Status erlangt, nicht nur wegen ihres großartigen Songwritings, sondern auch wegen des legendären Titelstücks, das sich einen Platz im Pantheon der Metal-Hymnen erobert hat. Aber das wars dann auch schon.

2005 veröffentlichte die reformierte Band in Eigenregie eine Zusammenstellung der EP-Tracks mit einigem zusätzlichen Material unter dem Titel “The Dungeon Tapes” und löste damit ein kleines Erdbeben im Underground aus, weil die Scheibe einfach großartig war. Wieder folgte daraus nichts.

No Remorse Records brachte 2012 eine neu abgemischte Version der Compilation heraus, und die Band war erneut im Geschäft, diesmal komplett mit einigen Festivalauftritten, die ihren Ruf festigten. Im Jahr 2013 brachten sie Dark Castle heraus, ein Album, das kein neues Material enthielt, sondern Neuaufnahmen und Überarbeitungen alter Songs, und das nur in einer Auflage von 200 Exemplaren veröffentlicht wurde, also quasi ein reines Bootleg-Album war.

Da trifft es sich gut, dass gerade eben im Jahre 2022 “Gods of Steel” das Licht der Welt erblickte, und es handelt sich quasi um das wirkliche Debüt der Band. Das ist schon eine abenteuerliche Geschichte.

Oftmals leiden Bands der klassischen Ära darunter, neues Material komponieren zu müssen, aber zu all den Unwägbarkeiten, die die Band bisher begleitet hat, gehört das nicht dazu.

Es gibt einige wirklich starke Songs, auch wenn sie vielleicht nicht so gut sind wie Klassiker, aber um dieses Album soll es heute gar nicht gehen, obwohl ich mich natürlich fast schon verpflichtet fühle darauf hinzuweisen, weil ich mir denken kann, dass es bisher kaum jemand auf dem Schirm hat.

Bei einer der größten Hymnen, die der heavy Metal kennt lohnt es sich, sich einmal die Lyrics anzuschauen:

Jenseits des Zeitgefüges, Im Reich des Geistes
gibt es ein Land, wo das Leben und der Tod beherrscht werden von Stahl.
In diesem Land erhoben sich 5 Eroberer namens Medieval Steel
um ihren Platz als Kriegsherren einzunehmen.

Vor langer Zeit, als ein Schwert mehr wert war als Gold,
weil es leicht war, damit zu töten,
kämpften die Männer hauptsächlich darum.

Nach zwanzig Jahren der Knechtschaft
begann sich ein Sklave zu erheben.
Er kämpfte in tausend Schlachten
Mit Hass in seinen Augen

Mittelalterlicher Stahl schneidet dich wie ein Messer
Die Kämpfer auf dem Schlachtfeld
lassen ihr Leben
Für den Stahl

Dann kam der Tag, an dem er freigelassen wurde
um dieses Land zu durchstreifen.
Mit eisernem Willen in seinem Herzen und dem Schwert in seiner Hand
begann er, das Kommando zu übernehmen

Der König und seine Männer marschierten
über Berge und durch Schluchten
um den Sklaven zu töten
und als der Kampf vorbei war, war er tot.

Also keine wirkliche Heldengeschichte, bei der am Ende alles gut ausgeht und der Underdog ein Ganzes Reich niederzwingt, sondern eher realistisch. Man kämpft und meistens stirbt man. Da ist kein bisschen Elric oder Conan enthalten, aber ich glaube, das ist allen, die hier jedes Wort mitgrölen, herzlich egal, allein die Musik verströmt ein erhabenes Gefühl.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Epic-Sommer-Spezial (2) | #37

Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten, wo immer ihr seid. Heute begrüße ich euch zu Song Nummer 2 unseres Juli-Sommer-Specials, in dem es um ein Mixtape von 14 Songs geht, die wir im Verlauf des ganzen Monats aufsammeln. Immer zwischen den regulären Veröffentlichungen hier im Podcast auf Work of Sirens stelle ich euch einen epischen Song vor – und das ist das eigentlich Besondere dieses Specials, dass es nämlich nicht primär um ein Album, sondern eben um einen Song geht. Während ich das hier aufnehme, weiß ich noch nicht, welches Wetter wir am heutigen Tag haben, hoffe aber, dass es weder zu heiß, noch zu regnerisch ist. Ihr könnt mir ja in die Kommentare schreiben, wo ihr euch gerade befindet und wie ihr euren Tag heute so gestaltet und wie das Wetter bei euch so ist.

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Heute habe ich den Song “Blackwing” von Thunder Rider augsgewählt, das ist zwar ein Hinweis auf das Wetter, aber das muss ja nichts heißen.

Wenn man den Begriff “Thunder Rider” hört, denkt man sofort an etwas, das nicht nur laut, grandios und bombastisch, sondern auch episch und mittelalterlich ist. Man denkt an gepanzerte Ritter in vollem Galopp oder an mongolische Reiter, die über die Steppe fegen. Aber es gab eben auch eine Band aus Montreal, Quebec, die diese Assoziationen hervorruft. Die Band legte 1989 ihr Debüt “Tales of Darkness and Light” vor, dem erst 2002 ein weiterer Versuch mit “Tales of Darkness and Light Volume 2” folge, bevor man nie wieder was von ihnen hörte.

Bei Thunder Rider handelt es sich um eine Mischung aus klassischem und epischem Metal mit gelegentlichen Doom-Einflüssen. Die Gruppe zeichnet sich durch die Art und Weise aus, in der sie ein Fundament aus dramatischem und melodischem Songwriting mit knackigen Gitarren und blitzartigen Leads, einer donnernden Rhythmusgruppe und orchestralen Keyboards mischt. Zu der erhabenen Umgebung tragen auch die regelmäßigen engelsgleichen Chorgesänge und die mittelalterliche Instrumentierung bei.

Wer Cirith Ungol, Warlord, Trouble, Omen und Manowar mag, wird bei Thunder Rider sicher auf seine Kosten kommen.

John Blackwing, der zufällig so heißt wie der heutige Song, ist ein begabter Multiinstrumentalist, der den Gesang, die Lead- und Rhythmusgitarre und die Flöte, die wir dann auch zu hören bekommen, beherrscht. Unterstützt wurde er von einer Vielzahl von Gitarristen, Keyboardern, Bassisten und Schlagzeugern, die zu zahlreich sind, um sie alle aufzuzählen. Allerdings hat sich im Laufe der Zeit die folgende Besetzung herauskristallisiert:

Pat Hammer – Drums
Bruce Corian – Guitars
John Blackwing – Vocals, Guitars, Keyboards, Flute
Roberto Deus – Keyboards
Luc Dufresne – Bass

Gesanglich bringt Blackwing eine tiefe und saubere Präsenz in den mittleren Tonlagen mit, die vor Emotionen und gelegentlichen Elementen des Opernhaften strotzt.

“Blackwing”, ein eindringliches, mittelalterlich angehauchtes Stück. Die Band setzt Keyboards ein, um die Atmosphäre des Songs zu verstärken, aber nicht, um die Hauptmelodie zu tragen; Die Band mag seltsam klingen, dabei sind die Riffs gar nicht so seltsam, es ist nur die Struktur und die Art und Weise, wie sie mit den Keyboard- und Gesangslinien interagieren, die den ungewöhnlich klingen lassen. Zum einen ist der Gitarrensound ziemlich sanft und dünn, und die Riffs werden zugunsten eines Keyboard-Interludes oder einiger atmosphärischer Leads oder so ausgelassen.

Thunder Rider haben als ganzes einige Ähnlichkeiten mit der obskuren Band Stormbringer (IL), da sie durchweg entspannte, lockere Leads verwenden, die ein Gefühl der Ruhe vermitteln, das gut zu den meisten Riffs passt, die typisch dunkel und spacig sind. An einigen Stellen setzen sie sogar eine Orgel ein und erinnert dann ein wenig an Hawkwind, von denen die Band vielleicht einen gewissen Einfluss hatte, aber wie ich schon sagte, ist es so weit von allem entfernt, was ich je gehört habe, dass es schwer zu sagen ist.

“Blackwing” ist ein galoppierendes Weltraumepos mit großartiger Bassarbeit und einer fantastischen Akustikpassage, in der John Blackwing düsterepisch singt (sogar ein Flötensolo ist eingebaut); es ist ein ziemlich atmosphärischer Song, der für den eigentlich erzählerischen Ton gut herausarbeitet, düster und spacig. Blackwing hört sich zwar nasal aber leidenschaftlich an, hat einen kräftigen bariton, der aber nie dröhnend wird, sondern aus einer gewissen Ferne an Ohr dring. Alles in allem waren Thunder Rider eine seltsame Band und das hat ihnen wahrscheinlich auch den Erfolg gekostet. das und die beginnenden 90ern.

Technisch gesehen ist das hier epischer Heavy Metal bezeichnen, aber es klingt wirklich nicht wie irgendeine andere Band, egal ob epischer Heavy Metal oder nicht. Es passiert fast nie, aber hin und wieder kommt eine Band mit einem Sound daher, der sich so sehr von allem anderen da draußen unterscheidet, dass es schwierig ist, herauszufinden, woher ihr Einfluss stammt oder in welches Genre sie gehört.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Epic-Sommer-Spezial (1) | #36

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Den Auftakt machen wir heute mit Axehammer und dem Song “Lord of the Realm” von der gleichnamigen EP, die eigentlich ein Album hätte werden sollen, wenn nicht die Plattenfirma mitten in den Aufnahmen das Interesse an der Band verloren hätte, so dass sie auf einem halb fertigen Album sitzen blieb. Das war im Jahre 1987 und Axehammer lösten sich danach enttäuscht auf. Zehn Jahre später erschien die EP als Compilation dann aber doch auf Sentinel Steel Records, was zur Folge hatte, dass sich die Band neu zusammenschloss und 2005 dann ein ebenso gutes Debüt namens Windrider hinlegte, 2012 war dann nach dem zweiten Album “Marching on” auch schon wieder Schluss.

Passend zu unserem Thema im Juli spielen Axehammer natürlich US-Power-Metal, oder – wenn einem das besser gefällt – Epic Metal, denn Power Metal ist heutzutage kein Genre, unter dem man sich etwas Einheitliches vorstellen kann, ganz im Gegenteil wird da oft all das zusammengefasst, was in den 80er Jahren irgendwie nach Heavy Metal klang und aus Amerika kam. Tatsächlich aber sprechen wir hier von wilden Gitarrenriffs, vielen Tempowechseln und von Dungeaons & Dragons inspirierten Texten, wie sie kennzeichnend für Omen oder Attacker waren.

Die beiden herausragenden Aspekte von Axehammer sind das wahnsinnige Riffing und die dominante Stimme von Bill Ramp, der etwas tiefer klingt als viele seiner Kollegen aus dem Genre, aber gerade die Gitarrenarbeit ist eine der wichtigsten Aspekte des US-Power-Metal – und Axehammer waren da eine jener Bands, die zu den Besten gehörten. Jede Menge Obertöne, Einzelnotenläufe, atonale Melodien, usw. Und wenn wir uns den Song anhören, dann sehen wir, das die Band wirklich alles hätte werden können, aber manchen ist das Glück eben nicht holt, trotz harter Arbeit und trotz Können. Aber wenn der Support von der Plattenfirma versagt bleibt oder das Management nicht taugt oder andere Unbilden über einen hereinbrechen, dann wird’s nichts, egal wie gut du als band bist.

Die Band bestand aus Joe Aghassi an den Drums,  Jerome Vincent Watt an der Gitarre, Kit Carlson am Bass und Bill Ramp an den Vocals. Und bis auf Joe Aghassi, der noch bei New Eden gespielt hat, ist kein anderer Musiker mehr groß in Erscheinung getreten.

Mann, was für ein Album hätte das werden können, da fragt man sich wirklich “Was wäre wenn?”. Abschließend kann man sagen, dass dies einfach eines der besten Stücke des klassischen US Heavy Metal ist, das es gibt, und jeder Fan von Heavy Metal der alten Schule muss sich selbst einen Gefallen tun und diese Compilation aufspüren. das ist nicht ganz leicht, wie gesagt. Die ist schon lange out of print, und ob man sie irgendwann wieder re-released, das kann ich euch an dieser Stelle gar nicht sagen. Und es werden auch für die CD ordentliche Preise aufgerufen. Könnt ihr euch ja denken.

Lord Of The Realm ist eine Platte, die nach Zauberei und moosbewachsenen Wäldern riecht. Diejenigen, die das Glück haben, das Album zu erwerben, werden auch mit ein paar Demotracks gesegnet, darunter das rasselnde “Sword And Shield” und das ebenso gewaltige “Wings Of Fire”.

Natürlich sind Axehammer nicht jedermanns Sache, und manch einer mag diese Platte ein wenig altmodisch finden, aber für diejenigen, die in den schäbigen Kerkern vergangener Zeiten gelebt und geatmet haben, sind Axehammer und ihre Art von Fantasy-Battles ein zwingendes Erlebnis.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Genre-Guide: Vampiric Black Metal | #33


Hallo Freunde draußen an den Radiogeräten, ich hoffe, ihr habt Hammer und Pfahl in Griffnähe oder zumindest ein Glas Rotwein. Seht ihr, ich beginne die Sendung geradewegs mit einem ganzen Batzen von Klischees, aber ihr seht zumindest, worum es uns heute gehen soll. Um den Vampir. Es wäre natürlich völlig unmöglich, das Thema des Vampirs in der Musik erschöpfend zu bearbeiten, deshalb grenzen wir das ganze etwas ein und sprechen über das Vampirthema im Black Metal, das in letzter Zeit um sich greift, über Vampiric Black Metal, und wir entreißen den Vampir damit auch ganz bewusst dem Gothic Sektor, wo er ja lange Zeit fast schon ausschließlich zu finden war, sieht man mal von den ganzen Fantasy-Romanzen ab. Natürlich ist der Vampir im Black Metal jetzt auch nicht der allerneuste Schrei, aber so wie er im Moment angenommen wird, kann man fast schon sagen, dass dieses Wesen der Nacht endlich wieder zu seinem angestammten Recht kommt.

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Es mag vielleicht ein wenig willkürlich erscheinen, aber ich habe euch heute drei Alben mitgebracht, die dieses Feld ganz gut abdecken, eines davon aus dem letzten Jahr und zwei aus den aktuellen Veröffentlichungen. Namentlich Sumerian Tombs mit dem gleichnamigen Album, Order of Nosferat, mit dem Album Nachtmusik und schließlich Krvna mit Sempinfernus.

Vampire haben eine umstrittene Geschichte. Einige behaupten, dass diese Kreaturen “so alt wie die Welt” seien. Das würde zum Ansatz von Sumerian Tombs passen, die uns musikalisch durch die dortigen Gräberfelder schicken, aber – wie sie in Interviews betonen – mehr fiktional als faktisch. Wobei – Fakten und Vampire? Ein merkwürdiges Zusammentreffen beider Wörter. Was wissen wir also über die Wahrheit der Vampire?

Aber neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass unser Glaube an Vampire und Untote im 18. Jahrhundert geboren wurde, da erschienen nämlich die ersten Berichte über dieses Phänomen. Im Jahr 1732 taucht der Begriff überhaupt laut Gothic-Experten Roger Luckhurst zum ersten Mal auf. Es gibt aber archäologische Entdeckungen von ungewöhnlichen Bestattungen, die nahe legen, dass der Glaube an Vampire und Wiedergänger bereits vor 1500 präsent gewesen sein muss.

Zum Beispiel wird in der polnischen Stadt Kamien Pomorski eine Vampirleiche ausgestellt, die 500 Jahre alt sein soll. Das zumindest haben Archäologen bestätigt. Durch ihre Knochen war wohl ein Pfahl gerammt, damit die Leiche den Sarg nicht verlassen kann und im Mund hatte sie einen Stein, um das Blutsaugen zu verhindern. 500 Jahre ist ziemlich alt, aber in Bulgarien wurden noch ältere diese abweichenden Bestattungen entdeckt. Wie nahe dran sind wir aber wirklich an den Sumerian Tombs? Naja, so sehr fiktional sind Vampire in dieser ersten menschlichen Hochzivilisation gar nicht.

Vampire haben schon immer die menschliche Angst vor dem Tod repräsentiert. Das lässt sich durch die Jahrhunderte zurück bis in den Nahen Osten und die südlichen Regionen Asiens verfolgen.

Im babylonischen Epos Gilgamesh, genauer gesagt in der sechsten Tafel, die der Göttin Ishtar gewidmet ist, wird eine Kreatur beschrieben, die “in der Lage ist, anderen das Leben zu nehmen, um ihr eigenes zu bewahren”. Darüber hinaus gab es alte griechische ländliche Legenden über Männer und Frauen, die Blut tranken, um sich jung zu halten, es gab ja noch keine vernünftige Drogerie. Und auf den Gilgamesh-Epos spielt die Band in ihren Texten auch an, wenn zum Beispiel im Song Light of Death von Irkalli die Rede ist.

Irkalli ist die Unterwelt, aus der es keine Rückkehr gibt. Wer das Portal zur Unterwelt durchschreitet, muss auf der Straße der Knochen reisen, wo es sieben Tore gibt, die man durchschreiten muss, bevor man die Stadt der Toten erreicht. An jedem Tor wartet ein Wächter, der eine Gebühr für den Durchgang erhebt und verhindert, dass man den falschen Weg einschlägt. In dieser Unterwelt befindet sich eine große Wüste der Angst, die von den lebenden Geistern der Toten bevölkert wird, die sich nach dem Leben sehnen, das sie verloren haben.

Die Stadt der Toten erscheint wie ein eigener Stadtstaat, der von den wandelnden Toten bewohnt wird. In den Hallen der Stadt essen diese Geister nur bittere Asche und wohnen in Gebäuden aus Lehm. Von hier aus regieren die Göttin Ereshkigal und ihr Gemahl, der Totengott Nergal das Reich. Ireshkigal wird dann im Song The Key – Bloodmeditation besungen.

Tatsächlich werden Sumerian Tombs ihren geschwärzten Schatten über die Erde, was sich schon auf der im letzten Jahr erschienenen EP “As Sumer Thrones At Night” abzeichnete. Weit weg vom phantastischen oder romantischen Vampirismus einer Anne Rice oder auch Bram Stoker haben wir es hier mit einer wahren blutrünstigen Quelle zu tun, die eben viel älter, primitiver und bösartiger ist.

Das zeigt ich schon zu Beginn mit dem plötzlich einsetzenden von “Bloodspells of the Ancient”; dem unmittelbaren Losbrechen aller Instrumente gleichzeitig, begleitet von einem gewaltigen Schrei. Und von jetzt an bebt alles der unausweichlichen Verdammnis entgegen, was nicht ohne melancholie vorgetragen wird, episch sogar, trotz seiner rasenden Geschwindigkeit, bei der die Melodieführung wie hinter einer Nebelwand verschwimmt, begleitet von zeitweise fast tribelartigen Perkussionsinstrumenten und harschen Gesängen, die sich alle stetig zu einem Höhepunkt des allgegenwärtigen Bösen aufbauen. Tomb Lurker ist dann zu Beginn und immer wieder mittendrin von einem ähnlichen Element der Bedächtigkeit besessen und wechselt sich mit Wellen einer nahezu brennenden und eindringlichen Klangwand ab.

Während ein Großteil des Albums bis zu diesem Punkt eine etwas “modernere” Klangfarbe verwendet hat, die gekonnt in glühende dämonische Flammen gehüllt ist, scheint “Altars of the Past” eher auf einen treibenden, schneidenden, schwedisch klingenden Klassizismus hinzuweisen, wobei das geschmackvolle Klavier nichts von dieser sengenden Atmosphäre wegnimmt. The Key – Bloodmeditation schreitet anschließend selbstbewusst mit einer schrecklichen, grandiosen Ausstrahlung vorbei, mündet in den blutgetränkten Ritus des kurzen Transcending the Veil, bis ich das abschließende Vampiric Dominance über die unglückliche, karge Tundra erhebt, um das letzte bisschen Hoffnung mit einer episch majestätischen Meisterleistung von unbeirrbarer, wunderschöner infernalischer Souveränität wegzuspülen.

SUMERIAN TOMBS haben uns einen gewaltigen Wälzer des Black Metal geschenkt, indem sie zeitgenössische schwere Wärme und epische Dichte mit traditionelleren Elementen wilder und dreister dämonischer Orthodoxie verbinden. Darüber hinaus dient die Band (zusammen mit den australischen KRVNA, zum Beispiel, deren Album Sempinfernus wir uns glleich anschauen) eindeutig dazu, die Fähigkeit dessen, was man als “vampirischen” Black Metal bezeichnen könnte, neu zu definieren, indem sie den Begriff von kitschig-romantischen Tropen befreit und ihn auf Archetypen anwendet, die deutlich dunkler, schwerer und bombastischer sind.

Order of Nosferat

Das dritte Album der deutsch-finnischen Band Order of Nosferat wurde nicht ohne Spannung erwartet, obwohl es erst ein Jahr her ist, dass die Band sage und schreibe gleich zwei Alben veröffentlicht hat. Seit März gibt’s jetzt “Nachtmusik” und der Name ist Programm. Hört man den Bandnamen, den Titel des Albums und sieht sich dann auch noch das Cover an, auf dem kein geringerer als Nosferatu selbst geschmackvoll stilisiert das schwarze Album schmückt, kann man sich vor Freude auf die nächste schlaflose Nacht gar nicht mehr retten.

Die Band besteht aus Count Revenant, der in nicht gerade wenige andere sehr empfehlenswerte Projekte eingebunden ist, darunter Sarkrista, die im letzten Jahr ja ebenfalls erst mit Sworn to Profound Heresy zwar nicht ihr bestes, aber auch kein schlechtes Album veröffentlicht haben.

Dann haben wir Sarastus und Slagmark. Zugegeben sind die Bands musikalisch nicht wirklich auseinanderzuhalten, bei Oder of Nosferat ist das aber anders. Dem deutschen Vokalisten, Gitarristen, Bassgitarristen und Keyboarder steht mit dem Finnen Anzillu ein hervorragender Drummer zur Verfügung, der unter anderem bei Serpentfyre trommelt, aber meiner Meinung nach ebenfalls an keinem besserer Projekt beteiligt ist. Irgendwie scheinen die beiden auch zu wissen, dass sie hier etwas Besonderes machen, wenn man sich allein den qualitativen Output anschaut. Mit was wir es hier zu tun haben ist vampirischer Black Metal, wie er gerade ja seine dunkle Blüte erlebt.

Der treffende Titel “Nachtmusik” ist einsamen Nachtwanderern und jenen gewidmet, die in schlafloser Verzweiflung verharren. Manchmal trauriger und wütender als seine beiden nicht zu verachtenden Vorgänger, wandelt Nachtmusik auf dem schmalen Grat zwischen Fiebertraum und erhabener Lähmung; der Black Metal ist schmutziger und rauer, während die oft isolierten Synthesizer- und Klaviersegmente dem Gesamtbild des Albums eine verwundete Dunkelheit angedeihen lassen.

Es kommt natürlich immer darauf an, was von von Black Metal erwartet – auch wenn es um Vampire geht. Black Funeral aus Amerika haben dieses Thema bereits seit 1995 am Start, aber um ehrlich zu sein glaube ich, dass es eine für meine Verhältnisse vernünftige Umsetzung erst in jüngster Zeit gibt, wie zum Beispiel auch Krvna aus Australien letztes Jahr mit ihrem Album Sempinfernus gezeigt haben.

Natürlich bleiben Order of Nosferat ihrer vampirischen Vision immer treu, und Nachtmusik lässt sich gut mit vampirischen Pionieren wie Black Funeral aus Amerika sowie Vlad Tepes aus Frankreich, Mütiilation, Funeral, Blessed in Sin oder einer Reihe von Bands aus dem Umfeld der Black Legions oder Concilium vergleichen. Doch mit der willkommenen Integration düsterer Zwischenspiele und noch dezenterer Keyboard-Schichtungen baut das Duo seine eigene, glaubhaft eigenwillige Version von VAMPIRIC BLACK METAL weiter aus. Und genau wie die beiden Vorgänger-LPs fühlen sich Order of Nosferat weiterhin vertraut und nostalgisch an, und genau das ist der Punkt; Black Metal hat es nicht nötig, etwas anderes zu sein als das, was er bereits ist… oder besser gesagt war. Und dasselbe gilt für die Bezeichnung “Vampir”, bevor sie von Zirkusclowns und Freaks an der Leine ruiniert wurde. Lichter aus mit Nachtmusik!

Krvna

Krvna kommen zwar aus Australien, aber ihr Herz scheint direkt aus Transsilvanien zu stammen, wie Mastermind Krvna Vatra erklärt: “Dieses Album war ein Weg, diesen alten Glauben an Vampire wieder zu stärken und ins Licht zu rücken, nachdem es einige Kräfte gab, die ihn und andere dunkle Aspekte der Balkan-Kultur ständig weiter abgebaut haben.”

Diese reichhaltigen konzeptionellen Gefühle werden auf jeden Fall durch den soliden rasanten Black Metal des Debüts untermauert. Dabei handelt es sich um eine offensichtlich traditionelle Ausrichtung, die eine klare Mission verfolgt.

Die Produktion ist relativ ausgefeilt, was den vampirischen Black Metal angeht. Das hat mehr mit Dawns Slaughersun oder in jüngerer Zeit mit Tempestarii oder The Kryptik aus Rio de Janeiro gemein als mit Mütiilation. Das Schlagzeug bietet ein konstantes Sperrfeuer aus fließenden Blast-Beats und Crash-Becken, die weniger rhythmisch als vielmehr lineare Wände aus klanglicher Energie sind.

Die Gitarren bieten einfache, sich entwickelnde Tremolo-Riffs, die durch sehr traditionelle, melodische Gitarrenleads und subtile Keyboardarbeit ergänzt werden. Der Gitarrensound ist eher hoch, aber die Überlagerung verschiedener, sich ergänzender Tracks öffnet die Musik und lässt den Hörer in die ehrgeizige Bandbreite dieses Albums eintauchen. Der Gesang sitzt weiter hinten im Mix und wirkt wie eine bösartige Präsenz, die wir trotz ihrer offensichtlichen Anwesenheit nie ganz bewusst verinnerlichen.

Alle Songs erreichen ihren Grad an Komplexität und Tiefe durch die schiere Anhäufung von einzelnen Elementen, die alle in einem berauschenden Tempo vorgetragen werden, und dadurch ihre elegante Einfachheit verdeckt. Die Riffs sind relativ geradlinig und bestehen aus kleinen linearen Notenclustern mit wiederum kleinen Variationen, die in jeden Zyklus eingearbeitet werden. Die Riffs werden überwiegend mit Tremolo-Gitarren gespielt, die – zusammen mit den fließenden Blast-Beats und Fills, die darunter liegen – grundlegende Polyrhythmen erzeugen, während sich die einzelnen Komponenten übereinander schichten. Grundlegende Leadgitarrenarbeit oder in einigen Fällen eine Keyboardlinie verstärken dieses Gefühl von leicht abweichenden Zyklen, die sich alle zu einem größeren Wandteppich von cineastischer Tragweite zusammenfügen.

Es ist ein höchst effektiver Kompositionsansatz, der dem manchmal etwas nüchtern wirkenden Black Metal mehr Leben einhaucht. Aber auf  Sempinfernus haben Krvna bewiesen, dass sie Meister der subtilen Kunst des Arrangements sind. Noch wichtiger aber sind die ausgeprägten melodischen Linien, die sich von ihrem starr-schnellen Fundament lösen und einen unverwechselbaren und einnehmenden Charakter zeigen.

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Werkschau | RIOT | #31


Hallo Freunde draußen an den Radiogeräten, ich begrüße euch zur ersten Ausgabe eines neuen Formats, das allerdings schon länger geplant war, der Werkschau nämlich.

Riot wurde 1975 in New York City von Gitarrist Mark Reale und Schlagzeuger Peter Bitelli gegründet, die bereits seit ihrer Kindheit befreundet waren.

Hinzu kamen der Bassist Phil Feit und Guy Speranza am Gesang. Gemeinsam nahmen sie ein paar Demos auf, die das Interesse des Indie Labels Fire Sign Records auf sich zogen. Für das erste Demo hatten sie noch den Keyboarder Steve Costelleo, der aber schnell gegen den Gitarristen Louis Kouvaris ausgetauscht wurde.

Bassist Feit war ebenfalls nicht lange dabei und gegen Jimmy Iommi ausgetauscht und jetzt war man bereits für das erste Album Rock City. Auf dieser Scheibe sind dann auch noch die Spuren von beiden Bassisten zu hören, vor allem auch, weil man keine Zeit hatte, bereits vorhandene Tracks neu einzuspielen. Innerhalb von drei Monaten war das Debüt dann im Kasten. Es steht zwar überall zu lesen, dass es 1977 herauskam, aber in Wahrheit war es bereits 1976 erschienen und mit ihm war auch erstmals das Bandmaskottchen Tior zu sehen, eine Mischung aus Seehund und Mensch, zumindest war der Kopf auf dem Menschenrumpf der eines Seehunds.

Lesen

(Rock City)

Das Debüt ist schlichtweg großartig und eines der ersten echten Heavy Metal Alben aus Amerika. Das erste hatten 1973 Montrose herausgebracht – dazu gibt es bereits eine Sendung über den amerikanischen Heavy Metal der 70er Jahre – allerdings ohne Riot, obwohl ich die durchaus hätte erwähnen müssen, aber ich hatte da einen anderen Schwerpunkt.
Amerika war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht bereits für eine Band wie Riot – was auch einer der Gründe dafür gewesen sein mag, dass Montrose ab ihrem zweiten Album wesentlich abgeflachter auftraten. Die Plattenfirma wollte zum Schluss noch so etwas wie eine radiotaugliche Hitsingle von der Band haben und bekam das auch im Sinne von “This is what I get”, aber das wurde am Ende dann eben doch kein Hit.

Riot hatten von Beginn an ein Problem: sie waren ihrer Zeit um viele Jahre voraus, nicht nur in Amerika, sondern quasi überall. In England würde man so einen Sound erst vier Jahre später zu hören bekommen, und so konnte auch die hart rockende Jugend derzeit nichts mit Riot anfangen. Bis ein Radio-DJ in San Antonio die Platte in die Hände bekam, der bekannt dafür war, Bands ein weiteres Spektrum zu verleihen. Radios hatten damals eine ungeheure Macht, wie ich ja schon oft erwähnt habe. Durch Joe Anthony bekam die Band also Gelegenheit, im Süden eine kleine Tour zu starten, während der die Band beschloss, sich von Louie Kouvaris zu trennen, ohne ihm Gründe hierfür zu nennen. Ersetzt wurde er durch den Roadie der Band, Rick Ventura, der in diesem Jahr sein Debüt mit Riot Act vorgelegt hat, um dem alten Sound der 70er wieder zu huldigen. Eigentlich gibt es also mit Riot V und Riot Act jetzt zwei Bands, die sich auf das alte Erbe besinnen. Mit Ventura nahmen sie dann ihr zweites Album Narita auf, ein noch besseres Album als Rock City. Klasse Songwriting, großartige Solos. Auch Guy Speranza zeigt hier, warum er zu den besten Sängern seiner Zunft gehörte. Über Narita hatte ich schon einmal ausführlich gesprochen. jedoch noch nicht im Podcast, vielleicht hole ich das noch nach.

1979 brach in Großbritannien dann die NWOBHM los und der einflussreiche DJ Neal Kay wurde auf die Band aufmerksam, der sie in Großbritannien bekannt machte, wo die Fans importierte Exemplare von Rock City kauften.

(Narita)

In der Zwischenzeit war die Band bei Capital Records gelandet, weil die Plattenfirma eine Vorgruppe für Sammy Hagar suchte, und nachdem die erfolgreich über die Bühne gegangen war, bot Capital der Band einen weltweiten Vertrag an, ließ die Band allerdings fallen, als sie mit der Promotion von Hagar fertig waren.

Dann schmiss die Band – wieder ohne irgendeine Erklärung – Schlagzeuger Peter Bitelli raus. Für ihn kam Sandy Slavin hinter die Kessel, und weil man schon mal dabei war, ersetzte man auch noch den Bassisten Jimmy Iommi durch Kip Leming. Es gibt Vermutungen, dass hinter diesen plötzlichen Entscheidungen ihr undurchsichtiges Management stand, von dem man nie so recht wusste, wer eigentlich ganz genau dahinter stand, weil sie eigentlich ein ganzes Network an Managern hatten.

Irgendwie schien bei Riot von Beginn an irgendwie der Wurm drin zu sein. Man spielte als Vorgruppe von AC/DC und Molly Hatchett und stand 1979 doch kurz vor der Auflösung.

Arnell und Loeb hießen zum Beispiel zwei der Manager, die Narita bei so vielen Radiosendern wie möglich unterbrachten. Damit steigerten sie den Bekanntheitsgrad von Riot noch einmal, bis Capitol einwilligte, doch noch ein Album mit der Band aufzunehmen. Das führet zu Riots meistverkauftem Album “Fire Down Under”, ein wirklicher Meilenstein im Katalog der Band und eines der besten HM-Alben aller Zeiten. Tior haben wir diesmal in Großaufnahme im Bild, während hinter ihm alles in Flammen steht.

(Fire Down Under)

Vorher aber lehnte Capitol die Platte mit der Begründung ab, sie sei “kommerziell inakzeptabel”, was die Band in eine vertragliche Zwickmühle brachte, weil Capitol sich weigerte, die Band aus dem Vertrag zu entlassen. Am Ende einigte sich Elektra Records mit Capitol und veröffentlichte das Album, das sich dann auch in den Billboard-Charts platzierte.
1981 zeigten Riot den Briten, was eine richtige Harke ist, denn kaum ein Album der New Wave war derart stürmisch veranlagt.

Irgendwie hatten Riot stets das Zeitproblem. Sie kamen auf, als der Punk gerade in Mode kam und waren deshalb allein schon fehl am Platz, und als der Heavy Metal durchstartete, waren sie schon wieder auf einem anderen Level als ihre Kollegen, weil sie im Gegensatz zu ihnen ja schon ein paar Jährchen Erfahrung auf dem Buckel hatten.

Das merkte auch Guy Speranza. Trotz der massiven Unterstützung ihrer Fans, wollten die Labels nichts von ihnen wissen und alles, was die Band anging, war eine einzige Schleiferei, die nirgendwo hin führte. Die Band arbeitete hart, bekam aber kaum Geld. Im Grunde kamen sie nicht vom Fleck, auch wenn man das musikalisch überhaupt nicht merkte. Guy war es leid und verließ die Band. Etwas unglücklich war freilich der Zeitpunkt, weil Riot gerade mit Rush auf ihrer Moving Pictures-Tour unterwegs waren, als die Entscheidung fiel.

Zunächst mal war es natürlich eine Tragödie, diese für Riot prägnante Stimme zu verlieren. Wenn es um Ersatz für den Sängerposten ging, sind schon andere Bands gescheitert, aber Riot fand Rhett Forester, der zwar ein völlig andere Typ als Guy war, aber seine Sache dennoch gut machte, wie man auf dem Album “Restless Breed” von 1982 hören kann.

(Hard Lovin’ Man)

Forester brachte durch seinen anderen Gesangsstil auch einen anderen Sound in die Band, der aber dennoch einen vom 70er Jahre Hard Rock beeinflussten Heavy Metal repräsentierte. Erst mit dem 1983 erschienenen “Born im America” schienen Riot in den 80er Jahren angekommen zu sein und es gab auch ein Musikvideo zum Titeltrack, bei dem es primär um die Ablehnung jeglicher Autorität geht, wie sie später dann Twisted Sister oder auch Ronnie James Dio an den Tag legten.

Mittelpunkt ist natürlich ein problematisches Elternhaus und die Schule, wo alle Lehrer gefesselt werden und die Kids Zigaretten rauchen, Heavy Metal hören und eine Flagge mit Tior hissen. Zum Schluss reißt sich Rhett Forester das Gesicht herunter und ist in Wirklichkeit das Bandmaskottchen selbst. Das ganze Video natürlich im unnachahmlichen Stil der 80er.

(Born in America)

“Born in America” wurde von Steve Loeb, einem der Manager, selbst finanziert und bei Quality Records, einem unabhängigen kanadischen Label, veröffentlicht, weil Capitol schon wieder die Schnauze von der Band voll hatte und sich ganz auf ihren vielversprechenden neuen Act Quit Riot konzentrieren wollte, die gerade mit der Coverversion von “Cum on feel the Noize auf sich Aufmerksam machte. Es kam im Zuge dessen zu Verwechslungen zwischen Quit Riot und Riot, so dass die Band sich sogar gezwungen sah, auf der Rückseite von “Born in America” darauf hinzuweisen, dass die nicht Quiot Riot sind.

Lang ging das alles nicht mehr gut und im Zuge des ganzen Chaos löste sich die Band auf.

Mark Reale zog Kurzfristig nach San Antonio, Texas, wo er versuchte mit den ehemaligen S.A-Slayer-Musikern Steve Cooper, Don Van Stavern und Dave McClain eine neue Version der Band auf die Beine zu stellen. Als Sänger wollten sie unbedingt Harry ‘The Tyrant’ Conklin (Jag Panzer), weil der aber wiederholt wegen übermäßigem Alkoholkonsums bei Auftritten seine Stimme verlor, wurde auch daraus nichts. Also ging Reale wieder zurück nach New York, schnappte sich dort den Schlagzeuger Mark Edwards von Steeler und Sänger Tony Moore und hatte plötzlich eine interessante neue Bestetzung für das wohl glorreichste aller Riot-Alben: “Thundersteel”.

(Thundersteel)

Auf diesem Cover war zum ersten Mal nichts vom Maskottchen Tior zu sehen und überhaupt präsentieren sich Riot in einem völlig neuen musikalischen Gewand. Tatsächlich war auch Tony Moore ein absoluter Glücksgriff, der einer der besten USPM-Sänger überhaupt ist, aber nirgends weiter in Erscheinung getreten ist.

1988 war Metal vor allem durch sein Image bekannt, und wenn man diese Jungs allein danach beurteilt, sehen sie aus wie die Bastardsöhne von Motley Crue und Judas Priest. Aber wenn Tony Moore seine hohe Banshee-Stimme ins Mikrofon schmettert, klingt er wie ein verrückter Wikinger, der bereit ist, eine Armee verängstigter Römer zu enthaupten. Mark Reale, der einzige verbliebene Gründer der Band, schwingt seine Gitarre wie eine Streitaxt und fordert damit Leute wie K.K. Downing, Dave Murray und Ross the Boss heraus. Bobby Jarzombek, der am Schlagzeug vor allem für seine Arbeit für Rob Halfords Soloprojekt bekannt ist, liefert hier die Performance seines Lebens ab. Don Van Stavern sorgt für ein solides Bass-Gerüst, das es in jedem Song in sich hat.

Es war klar, dass sich Riot hier und auf dem nächsten Album “The Privilege of Power” sehr weit von ihrem ehemaligen Stil entfernt hatten, was ja auch klar sein dürfte, schließlich ist es eine ganz andere Band. “Privilege of Power” kam 1990 heraus und wagt mehr musikalische Experimente, an sie man sich erst einmal gewöhnen muss, obwohl das Album den Vorgaben von “Thundersteel” zu folgen versucht, mit einem Unterschied, Tior ist erneut auf dem Cover, auch wenn man ihn nicht gleich findet, weil er nur aus einem der zahlreichen Fernseher, vor dem eine Comic-Familie steht, heraus schaut.

(Black Leather)

Was vielleicht etwas irritierend ist, außer den zahlreichen Zwischenstücken, so dass man manchmal meint, in einem Hörspiel gelandet zu sein, ist das Bläserensemble Tower of Power, das manche Songs unterstützt, sehr prominent zum Beispiel in dem Song “Killer”. Das funktioniert zwar, wenn man es rein musikalisch betrachtet, wirkt aber für manche Ohren – für meine zum Beispiel – völlig deplatziert.

(Killer)

Trotzdem gibt es natürlich noch genug raum für Speedattacken und all dem, was man von Riot zu der Zeit erwartet. Es ist also kein völliger Flop. Und wieder schlug der Riot-Fluch zu. Es gab keinen Support des Labels und Tony Moore verließ dann 1992 die Band wegen Meinungsverschiedenheiten mit Manager/Produzent Steve Loeb. Auch am Bass gab es einen erneuten Wechsel. Don Van Stavern ging und Pete Perez kam.

Mark Reale rekrutierte für den Gesang Mike DiMeo, der in einer lokalen Band namens Josie Sang gespielt hatte, mit der Absicht, ein wieder mehr auf Hardrock ausgerichtetes Soloalbum aufzunehmen. Dazu holte er sich auch einen weiteren Gitarristen namens Mike Flyntz dazu.

Schließlich wurden diese Pläne fallen gelassen, und aus dem geplanten Soloprojekt wurde ein weiteres Riot-Album, das 1993 erschienene “Nightbreaker”, das ein Remake des Fire Down Under-Tracks “Outlaw” sowie Coverversionen von Deep Purple’s “Burn” und “A Whiter Shade of Pale” von Procol Harum enthielt.

Das war das bis dahin stabilste Line-Up und die Band nahm in der Folge sechs Album mit dieser Bestzung auf, ein schierer Rekord, obwohl man sagen muss, dass Schlagzeuger Bobby Jarzombek immer mal wieder aus- und wieder einstieg.

(Nightbreaker)

“Nightbreaker” kann man fast als Überbleibsel aus den glorreichen Tagen der traditionellen Metal-Szene der 80er Jahre betrachten, das zwar viel Abwechslung bietet, aber keine Innovation auf Kosten der Qualität sucht, wie es zu der zeit fast alle Bands taten, die hauptsächlich versuchten, auf den Groove-Metal-Zug aufzuspringen. Und auch die nächsten Alben sind solide und konsequent, wobei die Qualität dennoch etwas flackert.

“Brethren of the Long House” von 1995 ist sowohl ein Stück gute Unterhaltung als auch ein Kunstwerk, vollgepackt mit Speed-Metal-Klassikern, Midtempo-Riffmonstern, einem recht interessanten Gesangsarrangement und einem lyrischen Rückblick auf die Geschichte der Kämpfe zwischen vertriebenen europäischen Siedlern und den Ureinwohnern des heutigen Amerikas. Hier sitzt John Macaluso am Schlagzeug und donnert etwas besser als auf dem Vorgänger, die Double Bass klingt knackig und sauber.

Die Gitarren haben die richtige Balance zwischen hohen und tiefen Frequenzen, was dem Gitarrensound von Maidens Powerslave nicht allzu unähnlich ist. Die Keyboards, wenn sie eingesetzt werden, übertönen die anderen Instrumente nicht und auch ie Gesangsspuren sind klar definiert und überfluten nicht das gesamte Arrangement, wenn in den Refrains mehrere Stimmen übereinander gelegt werden.

(Bretheren)

1997 kehrte Bobby Jarzombek für das Album “Inishmore” zurück. Nachdem losen Thema der native Americans vom letzten Album hat dieses hier ein ebenso loses irisches Thema als Hauptkern.

Mark Reale und seine hartnäckigen Jungs marschierten tapfer durch die 90er Jahre und kamen nicht ein einziges Mal auf die Idee, vor dem grausamen und ebenso hartnäckigen Jahrzehnt zu kapitulieren. Es war der klassische Fall eines unbeweglichen Objekts gegen eine unaufhaltsame Farce. So beeindruckend der Widerstand von Riot auch war, in einer Zeit, in der so ziemlich jede Metal-Ikone sich selbst in die Vergessenheit kommerzialisierte, führte er doch zu einer Art Stillstand für die Band. Die meisten Riot-Alben der DiMeo-Ära klingen verdammt ähnlich. Nicht identisch, wohlgemerkt, aber hartnäckig an einem einzigen Kurs festhaltend. Vielleicht war das auch die Furcht, sich auch nur einen Schritt falsch zu bewegen in einer Zeit, in dem man sofort der musikalischen Orientierungslosigkeit anheim fallen konnte.

(Angel Eyes)

Inishmore ist nicht nur gut geschrieben und gut gespielt, sondern auch gut produziert. Die meisten Alben, die 1998 veröffentlicht wurden, sind, sowohl was das Songwriting als auch die Produktion angeht, eher Produkte ihrer Zeit. Welche Band wäre besser geeignet als Riot, um eine Ausnahme von dieser Regel zu machen?

1999 kam dann “Sons of Society”. Die Songs hier variieren von einem etwas orientalischen Intro über reine Heavy-Metal-Songs bis hin zu Songs, die ein wenig an der Hardrock-Kante liegen. Darüber hinaus sorgt die hervorragende Rhythmusgruppe, bestehend aus Bassist Pete Perez und Schlagzeuger Bobby Jarzombek, wie schon auf den Vorgängeralben für einen subtilen, progressiven Touch auf dem Album. Nicht falsch verstehen, es gibt keine unnötigen ungeraden Taktarten oder ähnliche Prog-Mätzchen, stattdessen schaffen sie wirklich interessante Brüche, sowohl melodisch als auch rhythmisch.

Mark Reale und Mike Flyntz werden eigentlich nie erwähnt, wenn es um die besten Gitarren Duos im Heavy Metal geht. Ich schätze, das liegt vor allem daran, dass man sie gar nicht kennt, weil man ja ohnehin gerne alles nur nachplappert, aber tatsächlich findet man selten ein echtes Gitarrenteam im reinsten Sinne des Wortes, die derart mit der Band verwoben sind und nicht nur für sich selbst vor sich hin schreddern wie hier. Was DiMeo betrifft, braucht man nur zu erwähnen, dass er zu dieser Zeit als Sänger für Deep Purple im Gespräch war, was dann ja nicht zustande kam, weil Ian Gillan zurückkehrte, was natürlich gut für Riot ist. Aber das zeigt, in welcher Liga sich Mike mit seinem kraftvollen Gesang bewegt.

Und noch einen Bonus gibt es: Tior ist wieder mal da. Diesmal gehüllt in den Mantel eines Zauberers und mit einer Laterne in der Hand sieht er aus wie die Tarotkarte des Eremiten.

(Sons of Society)

Nachdem Bobby Jarzombek Riot in Richtung Judas Priest verließ, kam Bobbi Rondinelli, um die Drums auf einem der schlechtesten Alben der Band einzuspielen. “Through the Storm” erschien 2002. Selbst wenn dieses Album in Fahrt kommt, merkt man, dass es nicht gerade die Muskeln spielen lässt. Eine Sache, die uns jedoch bekannt vorkommt, sind die unglaublichen Soli von Mark Reale. Sie sind nach wie vor so stark wie eh und je und bilden zusammen mit Mike Flyntz’ harmonisierendem Handwerk einen Taifun aus leuchtenden Versatzstücken. Aber schlussendlich wird das Album dadurch nicht gerettet.

(Through the Storm)

Bevor sich die Band in Riot V umbenannte, gab es 2006 noch “Army of One”. Wieder nahm ein neuer Schlagzeuger Platz, nämlich Frank Gilchrist. Das Album hat wieder mehr Punch zu verzeichnen und die Energie scheint zurück zu sein. Tior nimmt auf dem Cover wieder einen prominenten Platz ein und das ist ja gar kein schlechtes Zeichen. So ein Maskottchen kann manchmal Signale senden. Nach dem Album stieg Sänger Di Meo aus, um sich auf die Band The Lizards zu konzentrieren und Riot tourten einige Jahre mit Mike Tirelli am Mikrophon, bis 2011 unerwartetes geschah. Die gesamte Thundersteel-Besetzung fand wieder zusammen und Mike Flyntz blieb natürlich trotzdem, um Immortal Soul aufzunehmen.

(Immortal Soul)

“Immortal Soul” ist in jeder Hinsicht ein Meilenstein; es ist ein ausgeklügeltes Werk, in das die Zeit und die Geduld von Riot eingeflossen sind, und nicht nur eine wunderbare Sammlung meisterhafter Melodien. Das Album markiert fünf Jahre seit “Army of One” und ist das insgesamt vierzehnte Album der Gruppe.

Historisch gesehen sind Riot ein sehr merkwürdiges Phänomen, das fast die gleiche Bedeutung hat wie Manilla Road, obwohl es musikalisch vielleicht etwas zugänglicher ist.

Inmitten der soliden Mischung aus melodischen Hymnen und krachenden Riffmonstern findet sich ein geniales Maß an Raffinesse und Nuancen, das das Alter und die Erfahrung der Band widerspiegelt, aber viel mehr mit ihren jüngeren Tagen übereinstimmt als die zu dieser Zeit kursierenden Angebote von Priest und Maiden.

Traurigerweise hatte Mark Reale schon sein gesamtes Leben mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, die sich jetzt zunehmend verstärkten, so dass er eigentlich nicht sehr viel am Album mitwirken konnte. Er verstarb 2012 und somit war Riot im Grunde Geschichte, schließlich war er der Mann, der Riot nicht nur gegründet hatte, sondern voll und ganz verkörperte.

Aber Mike Flyntz, Frank Gilchriest und Don Van Steveren beschlossen, das Erbe von Mark weiterzutragen, um eine neue Ära von Riot einzuleiten. Das war keine leichtfertige Entscheidung und die Band holte sich den Segen von Marks Vater ab. Zur Verstärkung holten sie sich den Gitarristen Nick Lee und den Sänger Michael Hall und gründeten Riot V. Seitdem haben sie zwei ziemlich gute Alben veröffentlicht, begonnen mit dem 2014er “Unleash the Fire”. Auf dem Cover haben wir einen runderneuerten und futuristischen Tior, der auf der Kreuzung zwischen der RealeStr und der Blood Street steht.

(mehr im Podcast)

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Sons of Satan: Venom | #28

Willkommen Freunde draußen an den Radiogeräten zu einer weiteren Ausgabe eines Specials hier im Podcast Work of Sirens, die aber ebenso gut in unsere Kultalben gehört. Einigen von euch wird aufgefallen sein, dass es eine solche Sendung bereits auf dem Youtube-Kanal gab, und tatsächlich ist dem so. Der Hintergrund ist der, das ich tatsächlich schon damals einige sogenannte Schlüsselsendungen gemacht habe, und wenn ich diese noch einmal überarbeite und im Podcast anbieten, dann hat das etwas damit zu tun, dass Work of Sirens in großen Teilen aufeinander aufbaut und am Ende wie ein Kompendium aufgebaut sein wird. Es steckt also ein größerer Plan dahinter als gegenwärtig ersichtlich ist. Es lohnt sich also, dran zu bleiben und den Kanal weiter zu verfolgen. Und viele Podcast-Hörer haben den Youtube-Kanal nie verfolgt, das sind sogar die meisten.

Lesen

Heute kommt also ein weiteres Puzzle-Teil hinzu. Es geht um Venom und um ihre drei Alben Welcome to Hell, Black Metal und At War with Satan, die zu Beginn der 80er Jahre ihr Höllenlicht auf die Erde warfen. Wenn ich von Venom spreche, dann wirklich nur in ihrer Urbesetzung. Ich bin im Bilde, was Venom mit Cronos heute machen und was Mantas mit seinen Venom Inc. heute macht, interessiere mich aber nicht groß für ihr modernen Schaffen. Das ist keine eigentliche Ablehnung und hat noch nicht mal was mit Qualität zu tun, aber bei beiden Bands ist der Geist verschwunden, der mal in der Band wohnte. Und selbst Venom könnten heute nicht mehr Venom sein, selbst wenn die Urbesetzung wieder zusammen käme, was nie der Fall sein wird. Die Musiker haben sich nichts zu sagen und es ist vielleicht zu vergleichen mit Pink Floyd, wo David Gilmore und Roger Waters sich wahrscheinlich nie wieder versöhnen werden, wobei ich immer davon ausgehe, dass es doch eines Tages möglich sein wird. Bei Venom allerdings ist es gar nicht notwendig, weil die zwei Venoms, die heute existieren, ja durchaus erfolgreich miteinander konkurrieren und viele jüngere Bands froh sind, vielleicht sogar beide einmal Live gesehen zu haben. Die können dann sagen: ich habe Venom Live gesehen, wenn ich alter Snob sage: nein, ihr habt nur einen Schatten von dem gesehen, was einmal war. Dazu reichen die Videos aus alten Tagen, um sich davon zu überzeugen. Ich hab die Band am 19. Oktober 1985 in Nürnberg in der Hemmerleinhalle gesehen, die man dort damals auch Behämmerten-Halle nannte, weil dort die kopfschüttelnden Kuttenträger eines ihrer Paradiese fand. Ein Jahr vorher waren sie mit Metallica als Vorband unterwegs, aber in dem Jahr waren Exodus dabei, die hatten gerade ihr Debüt fertig.

Venom mögen die Stagenames nicht erfunden haben, aber wenn ich von Conrad Lant, Jeff Dunn und Anthony Bray spreche, dann wissen die meisten erst mal nicht, wen ich meine. Sage ich aber Cronos, Mantas und Abaddon, dann sind das die legendären Namen, die wirklich jeder Metal-Fan parat hat und sofort mit Venom verknüpft. Wenn ich heute von Venom spreche, dann spreche ich nicht nur über eine Band sondern speziell über ein Phänomen, das damals keiner für möglich gehalten hätte. Heute kennen wir alles, wir haben musikalisch sämtliche Extreme ausgelotet und waren dabei, kurz gesagt: es haut uns diesbezüglich nichts mehr vom Hocker. Von dem er ist es schwer, sich eine Zeit vorzustellen, in der es Venom noch nicht gab, in der die härtesten Bands Motörhead und Judas Priest hießen. Als Motörhead 1977 auf der Bildfläche erschien, hat man sie als die schlechteste Band der Welt bezeichnet. Es sind also auch hier Parallelen zwischen Venom und Motörhead da. Und als im Dezember 1981 “Welcome to Hell” erschien, hatten Venom Motörhead als schlechteste Band der Welt abgelöst. Das lag natürlich an der geräuschkulisse. Venom wollten gar nichts anderes als Lärm erzeugen – wir sprechen da von 1979. Wir sprechen noch nicht mal von der NWOBHM, die es da noch nicht gab, die sich da erst formiert hat. Viele Bands standen in den Startlöchern – und wir reden von Newcastle upon Tyne. Das ist die nördlichste englische Stadt, fast an der schottischen Grenze gelegen. Und da ist so ein spezielles Völkchen unterwegs, die werden Geordies genannt. Geordie ist einerseits der Dialekt, den man in Newcastle spricht, wird aber auch angewandt auf die Einwohner. Und Geordie sagt dem ein oder anderen vielleicht was in Verbindung mit Brian Johnson. denn bevor der zu ACDC ging war er Sänger der Band Geordie. Und Brian Johnson ist zum Beispiel einer der Berühmtheiten aus Newcastle. Ein anderer wäre Sting und dann gibts noch den Eric Burdon von den Animals. Nur um einige zu nenne, es gibt viel viel mehr. Und viele der NWOBHM Bands dann später – wie Raven, wie War Fare, wie Tygers of Pan Tang – wahrscheinlich die ruhmreichste Band aus Newcastle – die kamen alle aus dieser Ecke des Landes. Und Tygers of Pan Tang waren auch die erste Band der zukünftigen Bewegung, die 1979 bereits ihre Single “Don’t toch me there” veröffentlicht hatten. Und 1979 gab es auch das berühmte Neat-Records noch nicht, war aber in dem Jahr dann gegründet worden.

Manchmal muss eine Band zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um den Impact zu haben, den sie dann hat. Anders kann man sich vieles nicht erklären. es mag heute einige Bands geben, die sich anhören wie Venom, die aber heute niemals die Aufmerksamkeit bekommen werden wie es damals – 1979, 1980 der Fall war. Die Zeit war reif. Das ist das eine. Du hast da ein bestimmtes Völkchen in Newcastle. Da ist alles vielleicht ein bisschen rauer, da spuckt man eher, wenn man spricht – man muss sich nur mal die Interviews mit Cronos aus der Zeit anschauen. Das ist ein fast schon schottischer Dialekt, so ein Küstendialekt. Das ist alles in allem also ein etwas raues Klima. Man spricht ja gern von Birmingham und Liverpool und in London von den Kunststudenten und dem Londoner Punk. Aber man vergisst dabei, dass es eben weitaus mehr Orte gibt, die besondere Spezifikationen ausprägen und die NWOBHM wäre ohne Newcastle mit Sicherheit wesentlich armseliger gewesen.

Conrad Lant war wie wir alle bereits in jungen ein leidenschaftlicher Musikhörer und träumte davon, eine Band zu gründen. Dazu zählten natürlich die zu der Zeit üblichen Verdächtigen. Die Rolling Stones, Elvis Presly, eben das Zeug, das bei den Eltern vielleicht im Regal steht. Dann wurde das schnell ausgetauscht gegen T-Rex, gegen David Bowie, gegen Led Zeppelin, also da kam dann schon die eigene Generation ins Spiel. Und dann bist du so ein Typ und hast eine Vision. Klar, du musst eben auch der Typ dazu sein, denn von einer Band haben wir wahrscheinlich alle mal geträumt. Cronos war so ein Typ. Ein Großmaul, der sein Erweckungserlebnis dann fast schon folgerichtig durch den Punk bekam. Namentlich die Sex Pistols. Als die 1977 auftauchten – da wäre es fast schon ein Wunder gewesen, wenn jemand wie Cronos da nicht steil gegangen wäre. Die Sex Pistols haben gezeigt, dass man Rock N Roll wieder zur Basis zurückführen kann und muss. Weg mit dem ganzen Artifiziellen und wieder rebellisch sein. Cronos schwärmte also von den Pistols, aber obwohl Venom natürlich vom Punkt beeinflusst waren, was Mantas immer verleugnet hat – der hat sich für Punk ohnehin nie interessiert und war und ist ein großer Judas Priest Fan und bevorzugt Alice Cooper und solche Klassiker wie auch Kiss – während Cronos seine Vorliebe für Doc Martens als Beweis für sein Punker-Dasein ins Feld führt – aber Mantas sagt, dass er Cronos immer nur von Kate Bush hat sprechen hören und nie von Punk oder den Sex Pistols. Das Interessante ist natürlich – wenn man die Geschichte von Venom verfolgt – es gibt unzählige Interviews mit allen Musikern – da sind Fakten enthalten, aber da werden viele Dinge verzerrt dargestellt – Cronos nennt Mantas zum Beispiel gar nicht mehr beim Namen und nennt ihn nur “den Gitarristen” – und in jedem Interview steht durch die ganzen Streitigkeiten dann auch eine etwas andere Version der Dinge. Mantas sitzt gerade an einem Venom-Buch und wir können sicher sein, dass wir seine Sicht der Dinge bald auch in Druckform vorliegen haben. Aber es ist ja auch so, dass sich die Jungs an viele Dinge überhaupt nicht mehr erinnern.

Das Interessante an Venom ist – also es gibt viele interessante Fakten zu Venom – aber eines der interessanten Dinge an Venom ist – dass hier eine Band, die immer dazu herhalten muss, den Black Metal erfunden zu haben – ihre ersten Gehversuche in einer Kirche machten, und zwar in der Newcastle Westgate Road Church Hall. Davon gibt es auch grottenschlechte Aufnahmen noch mit ihrem Sänger Clive Archer, Venom waren überhaupt mal zu fünft, denn Cronos spielte da noch gar nicht Bass sondern Gitarre, während ein gewisser Alan Winston noch den Bass bediente. Clive Archer, der sich den Künstlernamen Jesus Christ zulegte, war zwar ein merkwürdiger Typ, aber gar kein schlechter Sänger. Das kann man auf dem “Demon” genannten Demo hören, wo Songs wie “Sons of Satan”, “In League with Satan”. “Angel Dust” oder “Live like an Angel, die like a Devil” eindeutig noch die Hard Rock-Einflüsse der 70er Jahre erkennen lassen. Das bestätigt dann auch das, was Mantas in seinen Interviews sagt, dass Venom eine Rock n Roll Band im Sinne von Motörhead waren.

Es ist also ausschließlich auf das zweite Album von Venom, das den Namen Black Metal trägt, zurückzuführen, dass sich ein ganzes Genre danach benannt hat, wobei da Euronymous von Mayhem die treibende Kraft dahinter war. Die Jungs von Venom waren damit nicht immer einverstanden, die sogenannten Väter des Black Metal zu sein, auch wenn Cronos es toll fand, was die jungen Leute in Norwegen Anfang der 90er musikalisch so trieben und als neue Generation in einer Welt, die da schon nicht mehr zu schocken war, noch mal ne Schippe drauf legten. Und es ist ganz klar, dass ohne die Kirchenbrände, Selbstmorde und Morde der Black Metal nie derart in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt wäre. Wer hätte gedacht, dass aus einem verbalen Unfall von Cronos, der sich dagegen verweht hat, Heavy Metal zu sein, solang ein Song wie Michael Jacksons Beat it in den Metal-Charts des englischen Magazins Kerrang auf Platz 1 ist, nur weil Eddie Van Halen darauf Gitarre spielt, fast sämtliche Genres, die wir heute kennen, ihren Namen bekamen. Cronos sagte wörtlich: wenn das Heavy Metal ist, dann sind wir etwas anderes, dann sind wir Power Metal, Speed Metal oder Black Metal, aber kein Heavy Metal.

Aber natürlich ist es für Venom auch eine Ehre, sozusagen am Beginn des ganzen Extreme Metal zu stehen, und es stimmt zumindest ein bisschen, dass Venom den Black Metal aufs Feld führten, und hätten Motörhead in den 70ern über Satan gesungen statt über Glücksspiele, Frauen und Whisky, dann wären wahrscheinlich sie die Erfinder des Black Metal, weil ja viele Genres oft nur von den Lyrics abgeleitet werden. Und tatsächlich sind Motörhead ja der eigentliche Beginn des Extreme Metal, aber Venom hatten natürlich auch durch ihr martialisches Auftreten die Nase vorn.

Und wenn ich vorhin sagte, dass man zur richtgen Zeit am richtigen Ort sein muss, dann dreht sich tatsächlich vieles um Chronos, der damals eine Ausbildung zum audiovisuellen Ingenieur gemacht hat Impulse-Studio gemacht, das dann später zu Neat gehörte. Dort bediente er die Bandmaschine und versuchte von Anfang an, seine damalige Band Dwarf Star ins Studio zu schleußen, um ein Demo aufzunehmen. Von Anfang an spukten Cronos diese satanischen Themen im Kopf herum. Das kritisierte er etwa bei Black Sabbath, die ihm da zu wenig weit gingen. Solche Band blieben alle schön in diesem Hammer-Horror-Klischee, gingen aber eigentlich nie weiter. Das sieht man auch ganz gut an Alice Cooper mit seiner Horror-Show und an Arthur Brown, der ein bißchen unterhaltsamen Voodoo beimischte, aber alles in allem blieb alles doch recht harmlos. Und Cronos dachte daran, dass jemand dieses Korn aufnehmen könnte und die teuflischen Themen endlich mal wirklich aufs Parkett bringen sollte. Bei seiner Zeit bei Impulse traf er auf viele Bands, die kein Interesse daran hatten, was eigenes zu machen, sondern immer nur klingen wollten wie eine andere Band. Lass uns klinegn wie Iron Maiden, lass uns klingen wie Saxon. Solche Sachen waren für Cronos völlig unverständlich und er vermisste den Geist des wahren Heavy Metal. Und tatsächlich vermutet man, dass es über 500 Bands der NWOBHM gab, von denen es viele nicht mal auf ein Album brachten, und die meisten davon hören sich tatsächlich ziemlich austauschbar an und kommen auch aus dem 70er Hard Rock nicht hinaus, der vielleicht ein bisschen punkiger und stümperhafter gespielt wird, aber auch nicht mehr.

Und wäre Cronos nicht bei Neat gewesen und wäre nicht so hartnäckig dran geblieben, dann wäre es auch mit Venom nix geworden und vielleicht hätten wir dann nicht mal Bathory bekommen oder alles erst ein paar Jahre später. Der Dickschädel aus Newcastle wurde zwar ständig ignoriert, aber er schob unzählige Überstunden und bequatschte die Tontechniker, ihn ein Demo aufnehmen zu lassen, aber das kam für Neat überhaupt nicht infrage. Zeit war pures Geld in so einem Studio und man wollte den Launen eines Lehrlings nicht nachgeben.

Mit den Dwarf Stars wäre das auch ganz sicher nichts geworden, aber Cronos lernte auf einer privaten Party dann eben Jeff Dunn alias Mantas kennen und der Stein kam ins Rollen. Jeff erzählte von seiner Band Guillotine, von der Cronos behauptet, es sei eine Judas Priest Tribute-Band gewesen, was Mantas selbstverständlich leugnet, aber die zwei können auch zusammen im Regen stehen und einer von ihnen würde behaupten, es scheine die Sonne. Klar hatte Mantas eine Flying V und hätte gerne gespielt wie KK Downing, aber er sagte ja selbst, dass Guillotine mal versuchten hätten “The Ripper” von Priest zu covern, was kläglich in die Hose ging, weil sie das Zeug nicht spielen konnten. Das ist zumindest glaubhaft. Heute ist Mantas ein recht passabler Gitarrist, aber da liegt sicher harte Arbeit drin. Mantas war nie einer, dem das in die Wiege gelegt worden war – und konnte garantiert damals keine Solis von Priest nachspielen.

Ein weiterer Meilenstein im Erfolg von Venom war sicher Geoff Barton, der den Begriff der NWOBHM im Sounds Magazine zum ersten Mal verwendete und der später dann das erste Demo von Venom auf seinem Schreibtisch fand. Selbst sagte er, er konnte seinen Ohren nicht trauen und alle Kollegen hätten fluchtartig das Büro verlassen, und zwar nicht aus Protest, sondern aus Angst um ihr Leben. So wörtlich Geoff Barton. Und so unglaublich es sich anhört, der war ein Befürworter von Venom, auch wenn keiner wusste, warum eigentlich. Das ging so weit, dass Neat Records glaubten, Venom hätten ihn bestochen, weil der ihr Demo im Sounds so hoch bewertet hat, nämlich mit 5 von 5 Sternen. Und in seiner Review hat er Neat indirekt dazu aufgefordert, mit Venom eine Platte zu machen.

Ihr seht also, da sind einige wichtige Faktoren zusammen gekommen. Erstens die richtige Zeit, man hatte die NWOBHM noch vor sich, die Plätze sind noch nicht alle besetzt. Man hat eine eigene Idee, nämlich Chaos und Angst zu verbreiten und satanische Themen zu verwenden. Man hat einen der größten Musikkritiker der damaligen Zeit auf seiner Seite, und man hat jemanden, der in einem Studio arbeitet.

Schaut man sich alte Bilder der frühen Band an, als Clive Archer noch Sänger war, dann wird sofort jedem klar, wo die Kids der 90er ihre Inspiration her hatten, sich Schminke ins Gesicht zu tunken. Sicher, da sind auch Kiss, Arthur Brown und Alice Cooper nicht ganz unschuldig, aber besagte Bilder mit Venom als Vierer passen wie angegossen zur frühen BM Bewegung in Norwegen. Vor allem, weil Clive auch noch gerne an einem Messer lutscht und es so aussehen lässt, als schneide er sich in die Zunge. Ausgestiegen ist er dennoch, weil ihm Venoms Ausrichtung nicht in den Kram passte. Zwar war er ein Horror-Film-Fan, aber er stand ebenfalls eher auf Judas Priest und ließ den Venom-Lärm links liegen, um in einer Blues-Band zu singen, wo er auch noch heute hobbymäßig zugange ist. Im Grunde speiste sich Venom aus drei Bands. Clive Archer war mit Schlagzeuger Abaddon befreundet und Sänger bei Oberon, Cronos hatte seine Dwarf Stars und Mantas Guillotine. Allerdings hatten sie den Namen Venom angenommen, weil ein Typ, der immer bei ihnen im Proberaum herumhing, ihn vorschlug. Keine große Sache also. Verewigt wurde das dann durch ein weißes Motorrad, auf dem Mantas auf der Rückseite des Black-Metal-Albums sitzt. Diese Maschine gehörte also dem Namensgeber.

Clive hatte wohl endgültig die Schnauze voll, als die Band ausgerechnet in seinem Vorgarten ihre Pyrotechnik ausprobierte und quasi den ganzen Garten in die Luft jagte. Venom ohne Pyrotechnik sind ja ebenfalls überhaupt nicht zu denken. Die haben da eine Menge Schaden angerichtet und es ist ein Wunder, dass da niemand ums Leben kam. Vor allem, weil von Sicherheit überhaupt nie die Rede war. Weil sie kein Geld hatten, besorgten sie sich alte Landminen und füllten Eisenrohre mit allen möglichen Dingen oder besorgten sich auf Flohmärkten alte ausgediente Kanonen und derlei Späße. Die Sprengwirkung von diesen Dingen wirklich einzuschätzen war quasi unmöglich. Als sie mal in einem Gemeindezentrum probten, ist das Dach eingestürzt, als sie die Pyros zündeten. Und auch auf späteren Live-Auftritten ging regelmäßig was schief. Sie haben unzählige Löcher in die Bühnen gebrannt, Theatervorhänge standen in Flammen und Geschosse sind durch die Luft geflogen und in die Wand geknallt. es war sicherlich ein absolutes Risiko, damals einen Auftritt von Venom zu besuchen, aber das war damals natürlich niemandem klar. Den Veranstaltern vielleicht, denn in England wollte Venom niemand auftreten lassen, nachdem sie die Demos gehört hatten. Also gingen sie den Weg über das Ausland. In Belgien zum Beispiel spielten sie und dadurch wurde ein Plattenverkäufer in Amerika auf die Band aufmerksam und bestellte bei Neat einen ganzen Karton des ersten Albums. Und so passte wieder mal alles zusammen.

Wäre dem nicht so, dann wären Venom nicht eine der 10 einflussreichsten Bands aus Großbritannien, und das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen und sich anschauen, was die Insel musikalisch hervorgebracht hat. Da sind die Beatles, The Who, Rolling Stones, Queen, Led Zeppelin, Black Sabbath, Fleetwood Mac … eine schier unglaubliche Liste .. und dann sind da Venom.

Wirklich keiner konnte ahnen, was da geschah, als 1981 Welcome to Hell rauskam. Der Witz an der Sache ist, dass Venom das Album gar nicht in dem Bewusstsein aufgenommen hatten, jetzt ein Album einzuspielen, denn sie dachten, sie würden von Neat ins Studio geschickt, um ein Demo aufzunehmen. Die erste Singe “In League with Satan” war nämlich so unerwartet erfolgreich, weil Geoff Barton im Sounds nicht müde wurde, darauf hinzuweisen, dass es hier eine Band gibt, die völlig anders klingt als alles, was man je gehört hat und dass die Musiker auch völlig irre sind. Und das will man als Pubertierender doch hören: eine Band, die vom Satan singt und Live alles in die Luft jagt und nur Lärm fabriziert. Klasse! Das ist unsere Band. Neat fragte die Band also, ob sie noch mehr Songs hätten und das hatten sie natürlich und spielten die innerhalb von drei Tagen ein. Wider erwarten pappten Neat dann auf diese Demos einfach einen Deckel drauf und brachten die Sachen als Album raus. Und auch wenn die Band natürlich erst mal entsetzt war, ist es wahrscheinlich genau dieser rohe Demosound, der die Platte zum absoluten Kultobjekt machte. Was beim zweiten Album der Titel war, das war hier der unverhohlene Rumpelcharakter. Und natürlich sind beide Alben Klassiker, das steht außer Frage. Black Metal klingt dann halt besser, aber Welcome to Hell hat einen nicht zu überbietenden Charm, der wieder mal von einem Zufall abhing, weil man ja ganz anders an die Aufnahmen herangeht, viel unbekümmerter eben.

Der Erfolg des Albums war überwältigend und für alle im Grunde unbegreiflich und ein Jahr später kam dann Black Metal raus und man könnte fast sagen, der Rest ist Geschichte. Venom werden für alle Zeiten am Beginn einer neuen Musikrichtung stehen, auch wenn im Grunde fraglich bleibt, was Black Metal in seinem Kern eigentlich sein soll. Man darf eben nicht vergessen, dass Venom immer eine Rock N Roll band waren, die alles mit einem Augenzwinkern taten, mit jugendlicher Unbeschwertheit eben, während anfangs der BM ja auch gerade dafür geeignet war, ziemlich gestörte Persönlichkeiten anzulocken. Wahrscheinlich ist es das noch, aber in der Zwischenzeit ist es dann doch darüberhinaus ein wahrhaft ernstzunehmendes musikalisch und künstlerisch wertvolles Genre geworden. Nimmt man es ganz genau, waren Venom sogar die erste Black N Roll Band, ein weiterer Begriff, der sich im Laufe der Zeit für all jene BM Bands eingebürgert hat, die tatsächlich wieder mehr Back to the Roots gehen wollten.

Während allerdings Cronos und Abaddon das Rockstarleben in vollen Zügen genossen, distanzierte sich Mantas immer mehr von der Band, der überhaupt keine Lust auf Exzesse hatte. Irgendwann in jungen Jahren mal in seiner Kotze aufgewacht, hatte er kein Interesse an einer Wiederholung. Aber das brachte natürlich den Spaltpilz in die Band und die Auswirkungen waren dann auf dem vierten Album Possessed zu hören, das an sich keine schlechten Songs enthält, die aber kaum geprobt wurden und quasi von Cronos im Alleingang hingehuddelt wurden. Mantas war da schon halb raus. Der Rest ist bekannt, 1987 kam Calm before the Storm, Mantas war raus, zwei Gitarristen kamen dazu: Mike Hickey und James Clare. Und 1989 ging das Spiel in die andere Richtung, Cronos war wieder drin, brachte Tony Dolan und Al Barnes mit rein und Cronos war draußen, was quasi schon die Version von Venom Inc. war. Und seitdem ist die Fangemeinde diesbezüglich gespalten, weil es ja immer auch darum geht, welche der beiden Bands das wahre Venom-Erbe verwalten. Für mich tun das weder Venom mit Cronos noch Venom Inc. mit Mantas. Das hat alles nichts mehr mit dem zu tun, warum ich eigentlich ein Venom-Fan bin. Die damaligen Songs strotzen nur so vor Kreativität, auch wenn man sie aus einem gewissen musikalischen Snobismus heraus belächeln mag. Alles nur Lärm und Krach. Was anderes haben Venom auch nie behauptet. Aber es ist eben eine der kreativsten Arten, um Krach und Halligalli zu machen. Der Charm, den die Band damals ausstrahlte fängt auch den Zeitgeist hervorragend ein. Und wenn man jetzt etwas weiter denkt, dann sind Bathory und Hellhamer direkt von Venom abhängig. Obwohl Quorthon einer der wenigen Musiker war, die behaupteten, nicht von Venom beeinflusst zu sein, was natürlich völliger Quatsch ist, wenn man sich die Sache mal genauer anschaut. Während Tom Warrior in die andere Richtung ging und Venom sogar übertreffen wollte, was ihm ja auch gelungen ist. Nicht nur mit Hellhammer, sondern spätestens mit Celtic Frost. Das war der gleiche Gedanke, den Cronos damals in Bezug auf Black Sabbath hatte und den Mayhem dann in Bezug auf den ganzen Rest hatten.

Wir müssen noch ein paar Worte über das dritte Album von 1984 verlieren: At War With Satan.

Im Laufe der Jahre wurde viel über Venoms chaotische und punkige Herangehensweise an die härteste Musik, die man sich vorstellen kann, gesagt, und ich habe heute meinen Teil dazu beigetragen, aber es lohnt sich, daran zu erinnern, dass At War With Satan viel mehr zu bieten hatte als einen dreiminütigen Auswurf voller hässlichem Lärm aus den Tiefen von Satans Rachen.

Einzigartig für die NWOBHM-Ära ist hier schon der Titeltrack des Albums, ein einziges, 20-minütiges Epos, das, obwohl es die technischen Fähigkeiten der Band hörbar bis an die Grenze ausreizte, eine kühne und innovative Erklärung der böswilligen Absicht dahinter darstellte, allen zu zeigen, dass man sich auch genüsslich im musikalischen Größenwahn zurecht findet. Das Album verwirrte sicherlich viele Venom-Fans der damaligen Zeit und nach wie vor ist es das Album der klassischen Besetzung, das am meisten polarisiert. Dennoch ist es natürlich ein Klassiker, und für nicht gerade wenige das beste Venom-Album überhaupt, missverstanden vielleicht, das mag sein, aber ein Klassiker. Was viele Leute nicht mehr wissen ist, dass Venom eine der ersten Bands in den 80ern war, die der Zensur angeblich besorgter Inquisitoren zum Opfer fielen. Dieses Album verärgerte all die richtigen Leute, während es gleichzeitig den Ruf seiner Schöpfer untermauerte, Heavy Metal in ein dunkleres, schmutzigeres und spürbar verrückteres Territorium zu führen, als es sich irgendjemand zu dieser Zeit auch nur erträumt hatte. Die Platte wurde überall aus den Regaln genommen und verkaufte sich deshalb auch nicht besonders, was aber – und dass muss ich betonen – nichts mit dem Ende von Venom zu tun hatte. Denen war sowas herzlich egal.

Der ausufernde Titeltrack ist natürlich das offensichtliche Herzstück: Seine oft unbeholfenen Übergänge von einem streitlustigen Riff zum nächsten zeigen die Grenzen der musikalischen Fähigkeiten von Venom auf, aber die schiere Kühnheit und Unbekümmertheit des Ganzen stellt sicher, dass At War With Satan 20 Minuten abenteuerliche, unausstehliche Brillanz bietet, es sei denn, man ist allergisch gegen Rohheit und lockere Angeberei.

Auch der Rest des Albums ist verdammt großartig – von der stampfenden Metal-Wut von “Rip Ride” und “Genocide” bis hin zum absurden Thrash von “Women Leather And Hell” und dem Tumult des treffend betitelten “Aaaaaarrghh” mögen Venom die Geduld von Metal-Fans mit einer Vorliebe für ausgefeiltere, professionellere Kost mutwillig auf die Probe gestellt haben, aber bei Gott, sie haben einen erheiternden und freudig idiotischen Lärm gemacht. Mit dem Zusatz Satan.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Aleister Crowley, eine Klospülung und ein Pilz-Trip | #25

Willkommen zu einer – nennen wir es – Spezialausgabe hier auf Work of Sirens, obwohl sich doch alles in dem Rahmen bewegt, den ihr hier kennt. Heute mit einem Ausflug ins Obskure, besser gesagt in den Heavy Psych der 70er Jahre. Ich weiß, dass es unter euch da draußen so etwas wie Goldgräber gibt, die stets auf der Suche sind nach einem verschütteten Nugget, und die sich mit ihrem Pickel und einem Eimer auf machen, um diese raren Exemplare zu finden. Damals, zu Zeiten der Goldrauschs gab es allerdings keine Wegweiser. Euer allseits beliebter Musiksender Work of Sirens kann in mancherlei Hinsicht ein solcher sein.

Speziell ist an der heutigen Folge ist also, dass ich drei Alben für euch habe, die sich im Bereich des Obskuren bewegen, sozusagen als Gegenpol zu unseren Klassikern. Drei Bands – drei besondere Alben. Nennen wir das ganze doch der Einfachheit halber: Raritätenkiste, Ausgabe 1. Hier kann alles mögliche anfallen, unabhängig von einem Genre. Auffälligkeitn oder Gemeinsamkeiten – und die heutigen Bands haben neben ihrer Obskurität natürlich denoch etwas gemeinsam, es hadelt sich jeweils um sogenannte Powertrios.

Die will ich jetzt auch mal nennen. Wir haben da

Dr Z mit Three Parts To My Soul von 1971.
Das erste Album von Poobah namens Let me in von 1972.
Und dann noch das selbstbetitelte Album von Noel Redding, dem Bassisten der Jimi Hendrix-Experience aus der Posthendrix-Zeit mit dem Namen Road, ebenfalls von 1972.

Und ihr seht, zwei Alben hätten genauso gut in unsere Rubrik Heute vor 50 gepasst, passen aber dann doch besser in unsere Raritätenkiste – zusammen eben mit Dr Z, der im Grunde nirgendwo anders hineingepasst hätte.

Wir fangen also mit diesem ominösen Dr Z und ihrem einzigen Album “Three Parts To My Soul” an.

Die Band wurde von dem nordwalisischen Universitätsprofessor Keith Keyes geleitet, der sowohl die Keyboards (Cembalo, Klavier, Orgel) als auch den Gesang bedient. Sein Interesse an Rock begann, als er Student in Oxtord war, und er dachte sich da wohl, dass er das auch mal versuchen sollte und auch wenn man die klassischen Einflüsse durchaus heraushören kann – Keys hat eben einen Doktortitel in Musik -, ist das alles doch höchst individualistisch und keineswegs wie man es erwartet. Weder hat man vorher noch nachher sowas je gehört. Am Schlagzeug haben wir Bob Watkins. Bob Watkins, der erhielt seinen ersten Schlagzeugunterricht im Alter von elf Jahren und spielte in der Folgezeit alle Musikstile von symphonischer Orchestermusik bis hin zum Pop – wir reden natürlich vom Pop der Endsechziger. Beeinflusst war er aber von den Schlagzeuger des Jazz-Fusionbereichs. Zwischen 1967 und 1970 besuchte er die Universität in Oxford, wo er seinen Abschluss in Geographie mit Auszeichnung machte. Dort lernte er während seiner Teilnahme an musikdramatischen Produktionen die anderen Musiker kennen, die 1969 Dr. Z. gründeten.

Das letzte Mitglied von Dr. Z. ist Bob Watson, ehemaliger Leichenwärter und Klempnergehilfe. Ihr seht, das geht schon leicht Richtung Rock N Roll, aber er hat auch einen Abschluss in Chemie und ist außerdem ein voll ausgebildeter wissenschaftlicher Bibliothekar.

Ein wirklich außergewöhnliches Trio haben wir hier also vor uns – und es ist ja beinahe klar, dass daraus auch alles andere als gewöhnliche Musik resultiert.

Ursprünglich war Dr Z eine vierköpfige Gruppe, die im Juli 1970 die Single “Lady Ladybird” veröffentlichte, ein charmanter Song im typischen Muster der damaligen Zeit gehalten und völlig ohne okkulte Anspielungen. Auf den meisten Wiederveröffentlichungen wird er zusammen mit “People in the Street” als Bonus angeboten. Beide Tracks erreichen allerdings nicht das Niveau des eigentlichen Albums.

(Song: Lady Ladybird)

Wie bei BLACK WIDOWs Sacrifice handelt es sich um ein weiteres Album mit Texten, die mit dem Okkulten in einem Prog-Rock-Umfeld kokettieren. Hier hatte Keyes die Idee, dass die Seele im Jenseits in drei Teile geteilt wird, mit einem lateinischen Begriff für jeden Teil: Spiritus, Manes und Umbra. Spiritus ist die Seele, die in den Himmel kommt, Manes ist die Seele, die zur Hölle verdammt ist, und Umbra ist die Seele, die auf der Erde bleibt und ewig spukt. Es gibt einige Leute, die dieses Album nicht besonders gut finden, aber das liegt wieder einmal an den Hörgewohnheiten damals wie heute, wobei gesagt werden muss, dass sie heute wahrscheinlich besser sind. Damals war das Obskure nicht unbedingt etwas, das die Leute vom Hocker riss. Heute, wo wir öfter mal nach eben dem seltenen Zeug suchen, sieht das anders aus.

Es ist gar nicht so leicht, ein Album zu besprechen, das in kein musikalisches Konzept passt und heute ohnehin nahezu komplett vergessen ist, außer bei den Jägern nach absoluten Raritäten und völlig ungewöhnlicher Musik. Und weil ich vor Kurzem eine kleine Sendung über den Okkult Rock gemacht habe, bleiben wir doch noch etwas bei diesem Thema. Das Album habe ich dort zwar nicht genannt, denn auch wenn das Konzept hier ein okkultes sein mag, hat es für die Entwicklung und Geschichte des okkulten Rocks nicht die geringste Bedeutung.

“Three Parts of my Soul” war seinerzeit – also 1971 – bereits eines der seltsamsten Veröffentlichungen auf dem berühmten Vertigo-Swirl-Label, das 1969 gegründet wurde und zunächst auf Prog Rock spezialisiert war, bevor es bereits 1973 eine kommerziellere Ausrichtung unter dem neuen Spaceship-Label verpasst bekam. Angeblich wurden gerade mal 80 Exemplare davon verkauft. Die Vinylsammler unter euch, die ständig auf der Suche nach authentischen und wertvollen Platten sind, kennen die hypnotische Spirale auf dem Plattenteller natürlich. Aber auch wenn man nicht den Geldbeutel für diese sehr teure Angelegenheiten hat – das Original ist derzeit für etwa 4300 Euro zu haben -, ist nicht alles verloren, weil das Album mehrfach neu aufgelegt wurde und auch als CD erhältlich ist, wobei man doch etwas suchen muss.

Die Beschreibung auf dem Albumcover lautet wie folgt – “Die Grundlage der Platte ist das Konzept der Dreiteilung der Seele – der Spiritus, der die dem Menschen innewohnende gute Seite repräsentiert, die Seite der Schönheit, Sanftheit und Güte; der Manes oder der Teil der Seele, der die Unterwelt bewohnt, mehr wohlwollend als bösartig, aber sich mit den Verdammten vermischend; und schließlich der Umbra, der Schatten der Seele, der sich weigert, die Erde zu verlassen, und bleibt, um die Welt heimzusuchen.” …und so weiter…klingt nach einer “verdammt” guten Hammer-Horror-Geschichte!!!

Schauen wir uns die Sache mal etwas genauer an.

“Evil Woman’s Manly Child” soll eine Umkehrung der Zehn Gebote sein. Hier gibt es zwei Stimmen, eine geflüsterte Stimme und eine gesungene Stimme, ein Song mit einem tollen Rhythmus im Santana-Stil, gruseligem Gesang (würde sich gut auf einem modernen Heavy Metal-Album machen).

(Song: Evil Woman’s Manly Child)

Darauf folgt ein Herzschlag-Intro zu “Spiritus, Manes et Umbra”, fast 12 Minuten, viel verhallte Atmosphäre hier, sehr gruselig, dann geht der Song in ein ziemlich einfaches, aber gutes Schlagzeugsolo über, das durch das Zusammenspiel mit kleinen Toms und dann dem vollen Kit eingeleitet wird, sehr angenehm für Liebhaber von Schlagzeugsolos, aber nicht bahnbrechend, obwohl es einige aufregende Beats im Stil von Cozy Powell hat!

(Song: Spiritus, Manes et Umbra)

Der nächste Track “Summer for the Rose” ist essentiell für die ‘Story’…. Dieses Lied drückt das Wissen des Menschen (des Sängers) um die schönen Dinge auf der Erde (die Rose), seine Liebe zu seinem Schöpfer und vor allem seine Liebe zu seinen Mitmenschen aus, während er lebt. Aber er ist sich auch immer bewusst, dass er zum Bösen fähig ist und der Erlösung bedarf (Kyrie eleison – Herr, erbarme dich meiner)”. Auf dieses Lied folgen der Klang eines Gongs und ein fast nach Genesis klingendes Flötenintro zu “Burn in Anger”, einem trotz des Titels langsamen, atmosphärischen Lied, das dann im Mittelteil an Fahrt gewinnt. Die Flöte driftet am Ende des Songs ein, sehr kurz.

Crowleys “Hymne an Pan” steht manchen Strophen auf diesem Album Pate, die Zeilen mit rave, rape, rip, rend werden im Eröffnungsstück von Dr. Z verwendet und auch der Song “Burn in Anger” verwendet viele Zeilen aus dem Gedicht. Diese Information wird auf den Credits der Platte nirgendwo angegeben, aber das ist auch nicht wirklich notwendig, weil die Texte nicht einfach von Crowley abgeschrieben wurden, sondern einen ganz eigenen Charakter haben.

Das zweite Werk im Bunde stammt von der Band Poobah und ist aus dem Jahre 1972. Passt also in unser Schema Heute vor 50 Jahren. Lange Zeit war ihre Scheibe “Let me in” bei Sammlern ein hochbegehrtes Exemplar, bis es 2010 von Ripple Music als CD und Doppel-LP neu aufgelegt wurde, was nicht heißt, das das Original mit seinen 6 Songs nicht noch immer begehrt wäre. Auf den Neuveröffentlichung gibt es eine Menge Bonus-Sachen, die man aber eigentlich gar nicht braucht, vor allem weil es sich um doppelt so viel Material handelt wie das eigentliche Werk. Da sind alberne Files dabei, Live-Versionen, Alternative Versionen und alle möglichen unsinnigen Gimmicks.

Die 6 eigentlichen Songs des Trios aus Ohio besteht dafür aber aus erstklassige, amerikanischen Heavy Rock der 70er Jahre. Hier haben wir es mit einem waschechten Powertrio zu tun, bestehend aus Gitarrist/Sänger Jim Gustafson, Bassist/Sänger Phil Jones und Schlagzeuger Glenn Wiseman (Nick Gligor und Steve Schwelling sind auf den Bonustracks ebenfalls als Schlagzeuger zu hören). Aber im Grunde kann man sagen, dass Poobar ein Prototyp des harten Powertrios sind, wie es später dann unter den Bandkonstellationen ja eine Sonderrolle einnehmen sollte, über die es sicher noch zu reden gilt.

Die Atmosphären reichten von bedrohlich bis rau, und Poobah spielte definitiv in der großen Tradition der Rücksichtslosigkeit ihres Jahrzehnts, aber das Ergebnis ist ein Klassiker des Obskuren, empfehlenswert für jeden Fan der schweren 70er. das Album zeigt, dass es da draußen auch abseits von Black Sabbath und den üblichen verdächtigen noch viel großartiges Material zu entdecken gibt, das liegengeblieben ist, weil man sich auf einen gewissen Konsens verständigt hat.

Die angesprochene Albernheit ist sicher ebenfalls ein Faktor, der Poobah von vielen anderen und nüchternen amerikanischen Heavy-Rock-Bands jener Zeit zu unterscheiden. Das Eröffnungsstück “Mr. Destroyer” beginnt mit einem Dialog zwischen einem Erwachsenen und einem angeblich achtjährigen Jungen (der offensichtlich und absichtlich schlecht von einem Erwachsenen nachgeahmt wird) über das Geburtstagsgeschenk des Jungen, eine Waffe. Ein Pistolenschuss hallt wider und die schweren Akkorde von “Mr. Destroyer” setzen ein. Der Song hat ein düsteres Gefühl, schwer und ernst, und der Gesang ist schroff und geschrien. Dieser Song wird oft für Proto-Metal-Playlisten ausgewählt. Geht es um die 70er, ist das auch richtig.

(Song: Mr. Destroyer)

Als Nächstes folgt das langsame und saubere, hippieske “Enjoy What You Have”, eine recht anständige Nummer. Und das war’s dann mit den leichten Songs. “Live to Work” ist eine kurze Hardrock-Nummer, die die erste Seite des Albums abschließt. “Bowleen” zeichnet sich durch ein östliches Schlagzeugmuster und östlich klingende Akkorde aus (der Grundakkord und dann ein Halbton nach oben erinnern mich an östliche Tonleitern). Die Donald-Duck-Stimme, mit der der Song eingeleitet wird, ist ein echter Hingucker. Bizarrerweise endet das Stück mit einer Toilettenspülung!

(Song: Bowleen)

“Rock N Roll” ist der erste klassische bluesbasierte Rocksong. Er ist kurz und knackig und obwohl er nicht mein Lieblingssong ist, kann ich mir nicht helfen, aber ich denke, dass es Spaß gemacht haben muss, Poobah live zu sehen. Das Album schließt mit einem weiteren schweren Gitarrenrocksong, dem Titeltrack, der ein Schlagzeugsolo enthält.

Geprägt von Gustafsons flammenden Leads und gelegentlichen psychedelischen Ausrastern mögen Tracks wie “Bowleen” und der Opener “Mr. Destroyer” völlig aus der Zeit gefallen sein, aber wenn man nach obskurem Zeug sucht, ist das genau das, was man will. Die spielerischen Läufe von Jones’ Bass im abschließenden Titeltrack machen diesen Song zu einem noch größeren Highlight, und jeder Song auf der Platte hat etwas Besonderes an sich, das Poobah anderen abhebt. Und das in einer Zeit, wo weder an Quantität noch an Qualität irgendein Mangel herrschte.

Das dritte Album im Bunde stammt also vom nächsten kurzlebige Power-Trio Road. Ihr einziges Album ist eine psychedele Hardrock-Reise, die bei ihrer Veröffentlichung nicht nur hochgelobt wurde – aber die Band löste sich bald darauf auf, was es zu einem verlorenen Puzzleteil für Hendrix-Fans und zu einem Muss für alle Liebhaber des Proto-Metal macht.

1970 war in Los Angeles, Kalifornien, ein Wandel im Gange, denn die Flower-Power-Generation schien angesichts der jüngsten Ereignisse in der Umgebung der Stadt der Engel im Rückzug begriffen.

Einige Monate zuvor hatte eine Sekte umherziehender Krimineller unter der wahnsinnigen Leitung von Charles Manson eine Serie von neun Morden an vier Orten in der Umgebung von L.A. begangen. Es herrschte ein sehr unbehagliches Gefühl in den Gemeinschaftsräumen der Gegenkultur, das sich schließlich auch in der Musik- und Filmindustrie niederschlagen sollte. Diese sich abzeichnende Infiltration sollte nach und nach einige der besten grenzüberschreitenden Beispiele jedes Mediums hervorbringen, aber zu diesem Zeitpunkt lag das noch in weiter Ferne.

ROAD war das Projekt von Noel Redding, dem Bassisten der Jimi Hendrix Experience.

Im Alter von 9 Jahren spielte er in der Schule zunächst Geige, dann Mandoline und Gitarre.

Er spielte in mehreren anderen lokalen Bands, hauptsächlich als Leadgitarrist. 1966 wurde er von Manager Chas Chandler als Bassist für die Band von Jimi Hendrix ausgewählt, die er 1969 verließ. Er wirkte an drei bahnbrechenden Alben mit Hendrix mit: “Are You Experienced?”, “Axis: Bold as Love” und “Electric Ladyland”.

Redding wechselte von der Gitarre zum Bass, als er sich der Jimi Hendrix Experience anschloss. Er war der erste, der der Experience beitrat, und der erste, der sie wieder verließ. Sein letztes Konzert mit der Gruppe fand im Juni 1969 statt. Sein Spielstil zeichnete sich durch die Verwendung eines Plektrums, einen mittleren, “höhenreichen” Sound und in späteren Jahren durch den Einsatz von Fuzz- und Verzerrungseffekten über übersteuerte Sunn-Verstärker aus. Seine Rolle in der Band war die eines Taktgebers. In der Regel legte er einen Bass-Groove fest, über den Hendrix und Schlagzeuger Mitch Mitchell locker spielten. Noch während er bei der Experience war, spielte und sang er bei Fat Metress, um auch eigenes Material aufnehmen zu können. Aber da gab es wohl streit und kurzerhand gründete er mit zwei anderen Musikern, dem ehemaligen Rare Earth-Gitarristen und -Sänger Rod Richards und dem zukünftigen The Gas/Stray Dog-Schlagzeuger Les Sampson, eine Band.

Sie nannten sich einfach ROAD, nicht zu verwechseln mit einer holländischen Band, die den gleichen Namen trug und zu dieser Zeit aktiv war. Das Trio verbrachte einige Zeit damit, seine Songs zu entwickeln, Live-Auftritte zu spielen und sich in der Musik- und Kulturszene von L.A. herumzutreiben. Ihr Plan war es, wenn möglich noch im selben Jahr ein Album aufzunehmen, aber das wurde aufgeschoben, als Reddings Freund und ehemaliger Bandkollege Jimi Hendrix im September desselben Jahres (1970) starb.

Ein weiteres Jahr verging, bis ROAD im März 1972 die Record Plant Studios in Los Angeles betraten, um ihr selbst betiteltes Debütalbum aufzunehmen.

Von den sieben Titeln waren alle Eigenkompositionen, aber der Song “My Friends” wurde ursprünglich von Reddings früherer Band Fat Mattress aufgenommen (aber nicht veröffentlicht). Damit war die ROAD-Version die erste veröffentlichte Aufnahme des Songs,

(Song: My Friends)

Noch vor Ende 1972 erschien die Platte auf dem Label Natural Resources und war wie erwähnt beim besten Willen kein kommerzieller Erfolg.

Die Zeit war jedoch viel freundlicher zu “Road”. Im Laufe der Jahre haben die Leute den harten Acid-Rock mit Fuzz-Einschlag zu schätzen gelernt. Da alle drei Bandmitglieder zeitweise den Gesang beisteuern und jeder sein Instrument voll einsetzt, ist “Road” ein wahrhaft unterschätztes Ein-Album-Wunder. Das Trio löste sich nicht lange nach der Veröffentlichung auf, Redding und Sampson gründeten die Noel Redding Band, während Richards eine Solokarriere startete.

Um den psychedelen Aspekt noch einmal etwas vorzukehren, spiele ich euch mal den Song “Mushroom Man” an.

(Song: Mushroom Man)

Das war es für heute und von mir. Wenn ihr Interesse an diesen obskuren Sachen habt, dann lasst es mich wissen, ich habe das Kisten und literweise zu Hause rumstehen.

Vergesset nicht, auf workofsirens.de zu kommentieren und gehabt euch wohl. Keep on Rockin’

Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Born To Be Wild: Amerikanischer Heavy Metal | #22

Lesen

Willkommen Freunde draußen an den Radiogeräten, zu einer neuen Ausgabe unseres Genre-Guides. Heavy Metal hat viele Gesichter, und wenn wir von ihm in seiner Reinkultur reden, dann meistes nur in Form der New Wave of British Heavy Metal, der NWOBHM. Und noch früher, bereits über die ganzen 70er Jahre hinweg schwebte der Begriff über jene Bands, die wir heute dem Proto-Metal zurechnen und die ebenfalls hauptsächlich aus Großbritannien kamen. Die Briten – so scheint es im nachhinein – waren seit den 60er Jahren und der sogenannten British Invasion ziemlich innovativ und tonangebend, was die Entwicklung des Rock N Roll betraf. Das bedeutet natürlich nicht, dass Amerika dem nichts entgegenzusetzen hatte, dort gab es allerdings eine ganz andere Musikkultur, getränkt von Jazz, Blues, R n B, Soul, Country usw., die sich erst im Laufe der Zeit mit der britischen vermischte. In den 80ern, als die NWOBHM – so schnell wie sie gekommen war – auch wieder verschwand, dominierten dann in der Folge die amerikanischen Bands mit ihrem Power Metal und vor allem dem Thrash. Aber so weit wollen wir heute gar nicht gehen, wir sehen uns die Entwicklung des 70er Jahre Heavy Metal aus der Perspektive der Amerikaner an. Gab es zeitgleich zu Led Zeppelin, Uriah Heep, Deep Purple, Budgie, Black Sabbath eine amerikanische Entwicklung?

Die gab es tatsächlich. Und das führt uns direkt zum Titel der heutigen Sendung: Amerikanischen Heavy Metal. Ich habe euch mal 5 Alben mitgebracht, die verdeutlichen, was ich meine.

Bedenkt man, dass der Begriff Heavy Metal in Amerika entstanden ist, darf man sich fragen, warum wir wie selbstverständlich davon ausgehen, dass dies zunächst eine rein britische Angelegenheit war. Natürlich wurde der Begriff erst hier zu einem ganzen Genre geschmiedet, aber allzu leicht wird vergessen, dass es sich da bereits um die dritte Welle handelte. An dieser Stelle müssen müssen wir natürlich nicht infrage stellen, dass das, was wir als Heavy Metal kennen, durch Black Sabbath zum ersten Mal seine ganze Bandbreite erfuhr, auch wenn ich in anderen Sendungen immer wieder darauf hingewiesen habe, dass der Begriff auch schon in den 60er Jahre genutzt wurde. Woher der Begriff tatsächlich stammt, das werden wir uns sicher noch einmal an anderer Stelle anschauen. Für heute genügt es, wenn wir akzeptieren, dass Heavy Metal mit dem Verschwinden der Bluesanteile in den härteren Rocksongs einher geht. An seine Stelle traten klassische Elemente, beziehungsweise Elemente der klassischen Musik, es kamen Keyboards hinzu und es wurde vermehr mit dem Tritonus – Diabolus in Musica – experimentiert.

Allgemein wird vom amerikanischen Heavy Metal erst in den 80er Jahren gesprochen, als die New Wave Of British Heavy Metal bereits am Abklingen war. Viele amerikanische Bands hatten ihr Handwerkszeug gelernt und einige neue Elemente beigefügt, die von dem Zeitpunkt an als typisch amerikanisch gelten konnten. Aber das war bereits der amerikanische epische Power Metal. In der ersten Welle stand am Anfang das Debüt von Blue Cheer im Fokus. Vingebus Eruptum. Und das war früh in der Zeit. 1968 nämlich, also zwei Jahre bevor Black Sabbath auf den Plan trat.

Allerdings fällt es eher durch seine raue Lautstärke auf und hat viele Anteile des Garage Rock und des psychedelic Rock, es ist viel schwerer Blues zu hören – viel mehr als auf dem Debüt von Black Sabbath – und so ein richtig gutes Album ist es trotz seines spektakulär harten Sounds eigentlich auch nicht. Im selben Jahr veröffentlichen Blue Cheer ein weiteres Album namens Outsideinside, das weniger spektakulär aber musikalisch dann doch etwas besser war, aber genauso wenig dazu geeignet wie Vincebus Eruptum, als eigentlicher Begründer eines neuen Genres zu gelten. Trotzdem ist es ein guter Start, um zu demonstrieren, was zu dieser Zeit bereits in der Luft lag. Und zwar in Amerika. Warum die Briten in diesem Sektor jedoch die Nase vorn hatten, lag nicht zuletzt daran, dass viele europäische Musiker die klassische Musik besser verstanden.

Zu diesem Zeitpunkt hatte man das noch in der Schule gelernt, schließlich kommt die ganze klassische Musik aus Europa und ist hier ebenso in der DNA verankert wie in Amerika der Jazz und der Blues. Das ist auch der Grund, warum der Prog-Rock aus Europa kam, der ja die klassischen Elemente geradezu aufgesaugt hat, denkt man zum Beispiel an Emerson, Lake und Palmer. Wenn man sich also fragt, warum der Heavy Metal und der Prog Rock zu Beginn derart europäisch geprägt waren, dann findet man hier seine stechenden Argumente. Der amerikanische Hard Rock kommt also aus dem Blues und der Boogie-Musik und hielt auch lange an dieser Tradition fest. Natürlich ist der Blues auch in der britischen Blues-Explosion der 60er Jahre enthalten, aber eben als eine neue Spielart, die man mit den eigenen Traditionen durchmischen konnte. Das ist der Grund, warum es Black Sabbath und Deep Purple waren, die bereits den reinen Proto-Metal spielten, der ohne Bluesgerüst auskam. Nicht immer. Aber doch in ziemlich vielen Fällen.

Vorhin habe ich gesagt, dass der Begriff Heavy Metal in Amerika geprägt wurde, und das führt uns natürlich direkt zu Steppenwolf, die eigentlich nichts mit der Entwicklung des Genres zu tun haben. Eher eine psychedelische Rockband, die ihre Hochphase während der 60er Jahre hatte, hatten sie auf dem Song “Born to be Wild” dennoch ein Heavy Metal-Riff, das nicht speziell auf dem Blues basiert. Und natürlich die Zeile “Heavy Metal Thunder”. Allein schon deshalb führt kein Weg daran vorbei, Steppenwolf zu erwähnen, wenn auch nicht gerade mit dem ganzen Album, das ebenfalls 1968 heraus kam. Born to be Wild wurde irrsinnig oft gecovert und hat sich im Laufe der Zeit zu der Hymne eines bestimmten Lebensgefühls entwickelt, das auch Leute für sich vereinnahmten, die nichts mit Heavy Metal zu tun haben wollen.

Das ist vor allem da Gefühl für grenzenlose Freiheit, die auch und vor allem von der Biker-Szene aufgenommen wurde. Die Motorrad-gruppen gab es zwar überall, aber in den unglaublichen Weiten der USA erst wird dieses Gefühl auch tatsächlich real.

Zum ersten Mal tauchte der Begriff Heavy Metal natürlich in William S. Burroughs Roman “The Soft Machine” von 1961 auf. Darin wird die Figur Uranian Willy als Heavy Metal Kid bezeichnet. Und auch wenn der Begriff eigentlich vom Periodensystem abstammt, meint er bei Burroughs eine ultimative Sucht, die im Endstadium tatsächlich etwas mineralisches im Gegensatz zum pflanzlichen habe.

Der Song wurde 1969 in dem Film Easy Rider verwendet, einem Klassiker der Gegenkultur mit Dennis Hopper und Peter Fonda in den Hauptrollen als Biker, die von Los Angeles nach New Orleans fahren.

(Song Steppenwolf)

Lasst uns jetzt mal in die 70er zu springen, Heimat der besten Ära, die die Musik je erlebt hat. Hier finden wir eine Band, die nicht weniger großartig ist als Led Zeppelin, Uriah Heep, Deep Purple, Nazareth und so weiter. Die Rede ist von Leslie Wests MOUNTAIN, die stets den Beinamen Amerikas Led Zeppelin trugen, was man aber auch schon über Cactus gesagt hat. Beide Bands sind natürlich immer noch Blues-Basiert, stellen aber den Härte- oder Schweregrad bereits höher, ganz im Sinne von Led Zeppelin oder noch früher The Cream und The Yardbirds. Leslie West spielt bereits ziemlich fette Powerchords, aber die ganze Band kommt aus dem Blues-Gerüst nicht wirklich heraus. Das kann man bei allen härteren amerikanischen Bands der 70er Jahre beobachten, die zwar Anteile einer Heavy Metal-Ästhetik haben, aber ihre Akkordfolgen auf dem Boogie Woogie aufbauen, wie er in den 50er Jahren entstanden ist. Das gleiche gilt für Ted Nugent und ist sogar in den Anfängen von Kiss noch nicht gänzlich verschwunden, geschweige denn bei ALICE COOPER.

Von Mountains ersten Album Climbing aus dem Jahr 1970 stammt ihr bekanntester Song “Mississippi Queen”,
mit seinem explosiven, hochoktanigen Riff, das völlig überraschend für die Band die Billboard Charts erreichte, obwohl in den Vereinigten Staaten damals diese Art von Musik erst nach Mitternacht gespielt wurde und so kaum eine Chance auf gute Verkaufszahlen bekam.

(Song Mountain)

Über BLUE OYSTER CULT, an denen wir ebenfalls nicht vorbei kamen, habe ich vor kurzem bereits eine eigene Sendung über deren Debüt von 1972 gemacht. Und ohne die Geschichte hier zu wiederholen, will ich doch einen Punkt noch einmal herausgreifen. Und zwar den, dass Columbia Records ihre eigene Version von Black Sabbath haben wollte. Es war also niemandem entgangen, dass hier eine ganz neue Musikrichtung am Entstehen war und dass Amerika diesbezüglich noch ziemlich abgeschlagen agierte. In den 80ern sollte sich das Blatt natürlich erheblich wandeln, aber da befinden wir uns ja noch nicht. BÖC waren eigentlich eine psychdele Rockband, die gar nicht wusste, wie ihnen geschah, als sie das Angebot annahmen, weil sie sonst wahrscheinlich nie zu ihrem Debüt gekommen wären. Was BÖC allerdings von Anfang an hatten, war ein geheimnisvolles Image und diese überragenden und merkwürdigen Texte. Die amerikanischen Black Sabbath waren sie freilich nie, aber sie unterschieden sich doch erheblich von ihren Kollegen, was sie ja auch zu einer der besonderen Bands dieser Ära machte.

Hier ein Auszug aus The Red and the Black von ihrem zweiten Album Tyranny and Mutation
(Song BÖC)

Eine Band, die im Proto-Metal-Sektor stets genannt wird, sind die Texaner Bloodrock, die im April 1970 ihr selbstbetiteltes Debüt präsentierten. Und eigentlich kann man in der Entwicklung des Heavy Metal dann auch nur dieses eine Album heranziehen, denn bereits das zweite, das noch im selben Jahr erschien, war weniger heavy als das erste. Im Sektor des 70er Jahre Hard Rock besitzt die erste Bloodrock-Veröffentlichung einen gewissen Kultstatus, um an irgendeiner Entwicklung teilzunehmen, war es aber auch hier nicht genug, ganz klar sind die psychedelen Elemente hier noch stark vertreten und das amerikanische Bluesgerüst unvermeidlich. Das bedeutet natürlich nicht, dass man diese Scheibe nicht unbedingt besitzen sollte, wenn man auf den Sound der 70er Jahre steht. Hier geht es nicht um die Qualität der Musik an sich, sondern um das Entwicklungspotenzial hin zum Heavy Metal, den zu dieser Zeit eindeutig die Briten dominierten.

(Song Bloodrock)

Erst 1973 sollte es einer Band gelingen, ein Album zu präsentieren, dass man tatsächlich als erstes amerikanisches Heavy Metal-Album bezeichnen kann. Dabei handelt es sich um MONTROSE mit dem gleichnamigen Debüt. Kiss, die da die Bühne noch nicht betreten hatten, brachten diesen harten Sound auf ihren ersten Alben genauso wenig zustande wie Aerosmith. gerade letztgenannte steckten ebenfalls noch lange im Blues fest und orientierten sich eher an den Stones und Led Zeppelin. Also war Montrose völlig außer Konkurrenz. Hier hört man fette und moderne Heavy Metal Riffs, eingebettet in eine großartige Produktion, bedenkt man die Zeit. Ein Album also, dass es schafft, zu Black Sabbath und Deep Purple aufzuschließen. Mit Fug und Recht gilt das erste Montrose-Album als Blaupause für das, was dann bald Van Halen machen würden. Jeder, der das Album kennt, sieht natürlich auch hier die Boogie-Anteile, aber die Stoßrichtung ist bereits eine ganz andere. Abgesehen davon würde Sammy Hagar am Gesang nie wieder etwas Besseres fabrizieren als die beiden Alben – Paper Money von 1974 ist das zweite – zusammen mit dem begnadeten Gitaristen Ronnie Montrose, der sich 2012 für den Freitod entschieden hat, nachdem bei ihrem Krebs diagnostiziert wurde.

Es gibt noch ein anderes und bedeutendes Projekt von Ronnie Montrose, das zu bedeutenden Schätzen des frühen Heavy Metal zählt, nämlich Gamma, aber das ist eine andere Geschichte. Wir hören rein in Space Station #5 vom Debüt.

(Song Montrose)Es sollte allerdings nicht mehr lange dauern, da stießen auch britische Bands noch weiter vor mit Rainbow, Judas Priest, Thin Lizzy, UFO, Motörhead das, was gemeinhin dann die zweite Welle des Heavy Metal genannt wird, weil hier schon die Grundsteine für Speedmetal, Thrash Metal und Power Metal gelegt wurden, die Genres also, die sich dann in einer dritten Welle in den 80ern entfalten konnten.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.