Saitenhexer: Frank Marino | #63

Willkommen Freunde draußen an den Radiogeräten zur ersten Ausgabe der “Saitenhexer”. Das soll künftig eine Rubrik werden, in der wir auf diese besondere Spezies eingehen, die die Fähigkeit besitzt, mit ihrem Instrument besondere Dinge anzustellen. Der Gitarrenheld, das ist eine Figur, die in der Vergangenheit – speziell in den 70er Jahren – stark an den Revolverheld des wilden Westens angelehnt war, der wiederum dem griechischen Mythos der unbezwingbaren Heldenfigur ganz allgemein entsprang.

Epic-Sommer-Spezial (14) | #54

Liebe Freunde draußen an den Radiogeräten. Heute beenden wir unser Sommer-Spezial, das wir über den ganzen Juli hinweg verteilt haben mit unserem 14. Song auf unserem Epic Metal Mixtape. Es ist eine gute Sitte, das ganze Programm mit einem Paukenschlag abzurunden. Was mag das heißen?

Das Wort “episch” wird zu oft zur Beschreibung von Musik verwendet. Wenn was einfach nur lang ist, wird es oft als episch bezeichnet. Die Länge spielt zwar eine Rolle, wenn es darum geht, einen epischen Klang auf einer Aufnahme einzufangen, aber eine lange Laufzeit allein macht etwas noch nicht episch. Tatsächlich hat etwas, das wirklich episch ist, ein gewisses Etwas an sich, eine Qualität, die schwer zu definieren ist. Es ist die Kombination aus Songwriting, Gesang, Text, Produktion, Instrumentierung – kurz gesagt, alles, was in eine Aufnahme einfließt – und doch ist es auch mehr als das. Es ist ein Gefühl. Einige Bands können es einfangen; viele versuchen es jahrelang und kommen nie wirklich heran.

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1996 fingen die fünf Musiker der russischen Band Scald diese Essenz perfekt ein und schufen ein Album, das, abgesehen von einigen essentiellen Werken von Bands wie Solitude Aeturnus und Candlemass, vielleicht am besten repräsentiert, worum es im epischen Genre geht.

Ihr Album Will of Gods is a great Power gilt völlig zurecht als eines der epischsten Meisterwerke der ganzen Metalgeschichte, und man darf sich durchaus fragen, was aus dieser Band hätte werden können, wenn ihr Sänger Agyl nicht ein Jahr, nachdem sie das Album aufgenommen hatten, überraschend verstorben wäre.

Wir haben uns in unserer Auswahl kaum mit dem epischen Doom beschäftigt und vielleicht tröstet unser Abschluss – nämlich der Song Night Sky etwas darüber hinweg. Wie man sich denken kann, gibt es auch im epischen Bereich so viele Fascetten, dass man nicht alle berücksichigen kann, und das war ja auch gar nicht der Anspruch hier, sondern etwas von der Faszination des Epischenund Erghabenen zu vermitteln.

Hier zum Beispiel ist das Schlagzeug eher drucklos und tief im Mix, die Bassdrum ist kaum zu hören, während die Gitarren einen sehr dünnen, aber messerscharfen Sound haben – hier gibt es definitiv kein heruntergestimmtes Heavy-Riffing. Der Gesang wird glücklicherweise etwas stärker betont als die Musik, so dass man ihn gut hören kann. Diese Art von Produktion würde bei jeder anderen Form von Metal schrecklich klingen. Seltsamerweise liegt ein Teil des Charmes hier tatsächlich in der Produktion. Im Vergleich zu den polierten Produktionen, die man heutzutage oft bekommt, verleiht diese winterlich-kalte und doch majestätische Arbeit dem Album ein erfrischend natürliches Gefühl. Das hat parallelen zu einer Philosophie, die wir eigentlich aus dem Black Metal kennen, wo eine vermeindlich schlechte Produktion absichtlich eingesetzt wird, um bestimmte künstlerisch wichtige Gefühle hervorzurufen, die, wenn sie richtig gemacht sind, eine Stimmung erzeugen, die sonst kaum einzufangen ist. Der Hörer soll nicht an ein paar Typen denken, die in einem Aufnahmestudio sitzen, sondern an dunkle Wälder, winterliche Landschaften und so weiter, ohne dass ihm das direkt gesagt wird, sondern fast unterschwellig durch die erreichte Produktionsqualität. Dieselbe Art von Idee wird auf “Will of the Gods…” perfekt eingefangen.

Ein weiterer Teil des Charmes dieser Scheibe ist natürlich der Gesang, denn Sänger Agyl liefert eine erstaunliche Leistung ab. Seine Stimme klingt immer etwas schwebend, obwohl er eine raue Kante hat. Er hat einen Akzent, der seine Aussprache bestimmter Wörter etwas unbeholfen klingen lässt, aber das fällt eigentlich kaum auf, weil er die Vokale ohnehin ziemlich weit zieht. Er hat wirklich eine ungkaubliche Bandbreite und es wird schnell klar, warum die Band ohne ihn nicht weitermachen konnte oder wollte.

Doom Metal ist ein ziemlich verhextes Genre, an dem man leicht scheitert, wenn man nicht weiß, wie man die unglaublichen Räume füllen kann. Die beiden Gitarristen Harald und Karry nutzen diese Räume voll mit allen Arten von fantastischen Melodien und Soli. Tatsächlich neigen die Gitarren dadurch ein wenig dazu, die Musik schneller klingen zu lassen, als sie ist. Oft ist gitarrentechnisch ziemlich viel los, aber das Gesamttempo ist immer noch reiner epischer Doom. Wieder einmal trägt die Produktion zur Atmosphäre bei, denn der Gitarrensound ist absolut perfekt, mit viel mehr Höhen als Bässen. Das mag seltsam klingen, aber es klingt einfach nur großartig.

Man hört viele Viking-Metal-Einflüsse (z.B. “Hammerheart”-Ära Bathory) und sogar einige Power-Metal-Elemente. Auch hier darf man keine Double-Bass-Salven oder ähnliches erwarten, aber Scald halten die Dinge durch die leichte Vermischung verschiedener Stile interessant.

Schauen wir uns mal den Text zum Eröffnungsstück Night Sky an.

Der letzte Teil des Charmes von “Will of the Gods…” ist zweifellos die Tatsache, dass sich die Band nach den Aufnahmen zu diesem Album auflöste, was hauptsächlich auf den unglücklichen Tod von Sänger Agyl zurückzuführen ist. Somit wird das Vermächtnis von Scald allein aus diesem Album bestehen. Wir wissen, dass sie sich für immer aufgelöst haben, also denken wir nicht einmal daran, dass ein schlechtes Album ihr Erbe “trüben” könnte. Oft ertappen wir uns dabei, wie wir nostalgisch über Bands oder Künstler schwärmen, die sich längst aufgelöst haben oder von uns gegangen sind, und vergessen dabei oft, dass uns die Band oder der Künstler während der Aufnahmezeit nicht sonderlich interessiert hat. In Anbetracht dessen verdienen Scald jedes posthume Lob, das sie erhalten. Sie haben uns nur sehr wenig hinterlassen, aber das einzige Album, das sie produziert haben, ist ein Meilenstein im Genre des epischen Doom. Alle Fans von Epic Doom, die es noch nicht gehört haben, sollten sich so schnell wie möglich ein Exemplar besorgen (erstaunlicherweise ist es dank der Wiederveröffentlichung durch Wroth Emitter immer noch recht leicht zu finden). Wenn es jemals eine musikalische Definition von “episch” gegeben hat, dann ist dies sicherlich diese. Ein Klassiker auf höchstem Niveau und ein Album mit einem atmosphärischen Gefühl, das die meisten Bands, selbst mit allem Geld der Welt, nicht annähernd reproduzieren können.

Der Wille der Götter bedeutet große Macht

Der Nachthimmel verteilt eine große Anzahl von Sternen über eine grenzenlose Entfernung, glitzernd schaffen sie eine einzigartig leuchtende Welt.

Das Verlangen nach Erkenntnis ist gewaltig und brennend. Götter erschaffen das Wunder keinesfalls bewusst.

Das hier ist eine interessante Vorstellung, nämlich dass die Götter selbst kein Bewusstsein über das haben, was sie da tun, wenn sie diese gewaltigen Weiten erschaffen, allein aus ihrem Willen heraus, der irgendwo in ihrem eigenen Unterbewusstsein verankert ist.

Es geht weiter:

Ewige Schönheit
Der Wille der Götter bedeutet große Macht

Morgensterne im Sonnenaufgang
Du segelst davon in den Abgrund des Himmels
Das Licht verbarg dich
Da draußen gibt es unbekannte Geheimnisse einer fernen Welt

Du verlässt die Nacht
die Sternenwelt ist verglommen
das Licht des Mondes erloschen
Nur die Morgensterne sind noch sichtbar.

Ziemlich poetisch und damit passend zu dem, was wir da hören. Die Beschreibung der grenzenlosen Weite des Nachthimmels kann man eben wissenschaftlich betrachten, indem man sie der science Fiction unterordnet, oder man kann sie mystisch halten. Und für meinen teil ist das der bessere Weg, etwas darzustellen.

Das wars von mir. Hier habt ihr also euer Epic Metal Mixtape mit 14 Songs. Und wenn ihr es noch nicht getan habt, dann sagt mir auf workofsirens. de wie ihr dieses Spezial aufgenommen habt und vielleicht können wir es dann mit einem anderen Thema noch einmal wiederholen. Ihr kennt die Frage danach, wie ihr euren tag verbracht habt oder verbringt und wie das Wetter bei euch ist. Ich werde natürlich zusehen, dass ich so schnell wie möglich eine Playlist für euch habe, damit ihr die Stücke in einer ganzen Session hören könnt. das packe ich dann in die Seitenleiste unserer Page und mir bleibt an dieser Stelle nichts anderes zu sagen als keep on rockin, wir hören uns ganz bald wieder.

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Epic-Sommer-Spezial (13) | #53

Hallo Freunde draußen an den Radiogeräten. Wir nähern uns dem Ende unseres Juli-Spezials, so wie sich auch der Juli langsam dem Ende neigt. Heute sind wir bei Song Nr 13 von 14 angelangt und warum sollten wir beim Endspurt unseres Epic Metal Mixtapes nicht noch einmal tiefer in die Trickkiste greifen. Unser Ziel ist Amerika und dort Stamford in Connecticut. Wir besuchen dort eine Band, die eines der besten Beispiele für klassischen Power Metal ist, unverfälscht, mit viel Biss und anspruchsvollen Rhythmen gespielt, einem donnernden Schlagzeug und mit einer dunklen Energie.

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Die Rede ist von Liege Lord, die es in den 80ern nur auf 3 Alben gebracht haben, aber einigen Hörern der jüngeren Generation durch ihren Auftritt auf dem Keep it True von 2013 vielleicht nachträglich in Erinnerung gerufen wurden. Man kann jetzt einwenden, dass wir es hier nicht eigentlich mit Epic Metal zu tun haben sondern mit reinem Proto-Power-Metal im Stile von Omen, Attacker oder Helstar, vielleicht sogar Jag Pag, aber der klassische amerikanische Power Metal hat eben eine unverwechselbare epische Kante, wenn es darum geht, den Begriff zu definieren. Was ist denn also episch? Typischwerweise ein Werk mit einer bombastischen Stimmung, in dem von außergewöhnlichen Taten außergewöhnlicher Charaktere berichtet wird. Hier geht es also nicht um Sex, Drugs and Rock and Roll, sondern um Magie, übergroße Legenden, Götter, Schlachten und eine Philosophie der Sterblichen gegenüber der Unsterblichkeit.

Das Kontroverse an Liege Lord könnte tatsächlich ihr erster Sänger Andy Michaud sein, der auf dem Debüt Freedom Rise von 1985 zu hören ist, von dem unser heutiger Song stammt. Bei Liege Lord ist es so, dass ich im Grunde ihr drittes Album Master Control von 1988 empfehlen würde, aber Freedom Rise entspricht unserem Vorhaben hier besser. Michaud hat nie wieder bei einer anderen Band gesungen und das mag viele möglicherweise nicht verwundern. Allerdings muss zu seiner Ehrenrettung gesagt werden, dass gerade im epischen Bereich nicht die Gefälligkeit im Vordergrund steht, sondern gerade das Kauzige, Unnachahmliche und Eigene. Wir sollten uns besondere Individuen vorstellen, die durch ein mystisches Land ziehen und von ihren Abenteuern berichten. Meist sind das Krieger oder Magier und keine Barden, kantige Gesellen, die eben etwas zu erzählen haben, während jene mit der Leier in der Hand doch eher irgendwelche Gockel waren oder sind, die bei Hofe verhätschelt werden und für die Damen von Erlebnissen singen, die andere erlebt haben, nicht aber sie selbst, während im kauzigen Bereich eben die Helden selbst den Mund aufmachen.

Der Rest der Band kurz vorgestellt:

Tony Truglio Guitars
Matt Vinci Bass
Frank Cortese Drums
Pete McCarthy Guitars

alles Jungs, die nie wieder wo anders in Erscheinung traten. Und selbst der Sänger Joe Comeau, der einen kleinen Schlag in Richtung Bruce Dickinson hat, ist nirgendwo sonst zu finden. Das ist manchmal ziemlich überraschend.

Das etwas Kauzige an Freedom Rise, von dem wir uns gleich den Song Wiedling Iron Fists herauspicken liegt aber nicht nur am Sänger, sondern auch an der Produktion des Albums, die Abmischung wirkt bei einigen Instrumente manchmal ein wenig daneben. Oft sind gerade die Gitarren etwas schwer zu hören und klingen sehr dumpf (das wird bei einigen Soli, Harmonien und so weiter noch unangenehmer), der Gesang ist vielleicht etwas zu hoch und der Bass ist sehr wackelig. Das Schlagzeug klingt durchweg ziemlich gut, obwohl die Bassdrums besser hätten klingen können. Manchmal scheint die Qualität auch von Track zu Track zu springen, es ist nicht drastisch, aber auch nicht schwer zu überhören.

Lässt man das alles jetzt mal beiseite, ist das Album jedoch ein echter Knaller und liefert dem geneigten Fan von Anfang bis zum Ende soliden dunklen Power Metal mit kantigen Riffs und einer komplexen, zerklüfteten Rhythmusgruppe. Allein das Eingangsriff von Wielding Iron Fists ist großartig:

Schauen wir uns jetzt mal den Text an, der wieder einmal einem Schlachtengemälde entspricht:

Der Regen des Todes fällt auf uns nieder, ich sehe ein neues Zeitalter anbrechen

Der Sänger erzählt uns davon wie die Krieger nach dem Kampf dürsten und wie sie in einer ausgeklügelten Formation vorwärts rücken, nachdem sie so lange darauf warten mussten, ihrem Schicksal ins Auge zu schauen. Heute Nacht aber wird es soweit sein.
Das Interessante daran ist, dass es zunächst so ausschaut, als würden hier konventionelle Waffen auf eine futuristische Technik treffen, wenn nämlich kurz von Laserstrahlen die Rede ist, unter deren Hitze die Reihen zusammenbrechen. Dann aber wendet sich das Blatt für jene, die mit Eisen kämpfen.
Der Text ist ziemlich kryptisch und lässt mehrere Deutungen zu. Natürlich geht es um diese schwingenden Eisenfäuste, die alles niederringen und am Ende fliehen die Feinde, obwohl sie – so scheint es zumindest – am Anfang einen Vorteil durch ihre Bewaffnung hatten und die Rüstungen der Eisenschwinger zerreissen.

Das alles liegt genau zwischen der NWOBHM und dem aufkommenden Thrash Metal, ist aber keines von beidem, weil Liege Lord hier völlig außerhalb jeden damaligen Trends lagen. Nichts an diesem Album ist in irgendeiner Weise kommerziell zu verwerten, was sie ja selbst zu spüren bekamen. Die Band war ja tatsächlich so etwas wie eine rohe amerikanische Antwort auf die Briten. Liege Lord haben unheimlich komplexe Heavy-Songs geschrieben, sie nutzen den dynamischen Kontrast aggressiv. Liege Lord gehören mit zu den Besten, wenn es darum geht, einen chaotischen Sound zu kreieren und dabei trotzdem tighten, im Wesentlichen von zwei Gitarren getragenen Metal zu spielen.

Das wars von mir. Schreibt mir unter workofsirens.de wie ihr euren Tag verbracht habt und wie das Wetter dort ist, wo ihr euch gerade befindet. Falls der Tag och vor euch liegt, wünsche ich euch einen guten und mir bleibt nichts anderes zu sagen als keep on rockin, wir hören uns bald wieder zu unserem Schlussakt oder zu einer der regulären Sendungen hier in diesem PODCAST.

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Epic-Sommer-Spezial (12) | #52

Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten, zu unserer neuen Ausgabe und damit dem Song Nr. 12 auf unserem Epic Metal Mixtape, unserem Sommer-Spezial hier im Juli, das am ende 14 Songs umfassen wird. Wir müssen heute noch einmal nach Italien. Dort waren wir zwar nun schon ein paar Mal, aber noch nicht in der Lombardei. Also ist das heute unser Zielpunkt. Wir treffen dort auf eine Band, die eine ganz genaue Vorstellung von dem hat, was Heavy Metal einst war und wahrscheinlich nie wieder sein wird, und das sage ich, obwohl das Album, von dem unser heutiger Song stammt, erst 1999 den Nebel der Welt entdeckte. In der letzten Ausgabe waren wir ebenfalls in der Nähe der Jahrtausendwende zugange, die uns im Nachhinein betrachtet so unendlich viel gekostet hat, so dass man mittlerweile sogar den 90er Jahren weitaus versöhnlicher gegenübersteht.

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Doomsword, um die es uns heute geht, spielen aber einen Metal, der nichts mit modernem Powermetal zu tun hat, sogar eine Art Antithese davon ist.

Es wirklich eine Überraschung, wie diese Band es schafft, etwas zu schaffen, das klanglich nicht wirklich revolutionär ist, aber eben gerade deshalb ins Herz dessen trifft, was den Epic Metal ausmacht. Und dass sie das Wort Doom in ihrem Namen tragen, ist natürlich kein Zufall, auch wenn die Band zeigt, dass guter Doom nicht langsam gespielt werden muss, um Doom zu sein. Das scheint ja einer dieser modernen Irrtümer zu sein, weshalb manche beim Lauschen von Witchfinder general gar nicht begreifen, was daran Doom sein soll. Nun, liebe Freunde, es ist die Atmosphäre. Es heißt ja schließlich nicht Slowmotion-Metal im gegensatz zu Speed-Metal. Natürlich brechen Doomsword keine Geschwindigkeitsrekorde, das will ich damit nicht sagen, aber sie verschleppen ihr Tempo nicht künstlich, wie viele Doom-Bands das tun. Atmosphäre erschafft man durch einen schweren, lastenden, leidenschaftlichen und epischen Sound. Und das haben wir hier vor uns.

Auf ihrem selbstbetitelten Debüt von 1999 wagen sie sich sogar an ein Cover von Cirith Ungols Nadsokor, ohne freilich Tim Bakers abnormen Gesang hinzubekommen. Aber obwohl ich Coverversionen absolut und überhaupt nicht mag, ist diese hier allein schon deshalb interessant, weil Cirith Ungol im gegensatz zu Doomsword recht dünn wirkt, was alles so sein muss, das will ich gleich hinterherschicken, Cirith Ungol sind definitiv eine meiner Top-Ten Metalbands. Und das hat selbstverständlich seine Gründe.

Hier kommt die Band:

Garbriel Grilli an den Vocals. Der hat nur dieses Ding hier eingesungen und das auf eine wirklich beeindruckende Weise. Kurz war er auch bei Ballleroar, hat mit ihnen aber kein Album aufgenommen.

Deathmaster Guitars (1997-1999), Vocals (1997-present)
See also: Gjallarhorn, ex-Fiurach, ex-Warhammer, ex-Agarthi, ex-Fury n Grace, ex-Aesir

Dark Omen am Bass (heute spielt jemand namens Geilt da.

Und Alberto Coerezza an der Gitarre

Das Cover stammt von J.H. Fussli, der ja auch den Nachtmahr und viele beunruhigende Bilder gemalt hat.

Für die Gitarrenarbeit ist Deathmaster zuständig, der neben dem Gitarrenspiel auch als Backgroundsänger fungiert, später aber den vollen Gesangspart übernimmt und der Sänger ist, mit dem die Fans die Band identifizieren. Mit Garbriel Grilli hat man sich nicht so sehr anfreunden können.

Auf den späteren Doomsword-Alben hat die Band ihren endgültigen Sound gefunden, so dass man fast sagen kann, dass sie nie wieder so geklungen haben wie hier.

Der Song, der heute unser Mixtape schmücken wird nennt sich “One Eyed God”. Natürlich geht es dabei um Odin, aber ich muss sagen, dass der Text eigentlich nur eine Anhäufung von Gemeinplätzen ist. Natürlich erwarten wir hier keine hohe Literatur. Die erste Strophe wird abwechselnd von Grilli und Deathmaster vorgetragen. Das Auge, das Odin für seine Weisheit geopfert hatte, liest die Runen, auf denen das Verhängnis steht.

Dann gehen wir mal direkt in den Text:

Die Hingabe segelt stolz auf den Wassern des Blutes der Jungen und Alten.

Ich musste das etwas gerade rücken, weil der Satz, wie er hier gesungen wird, kaum einen Sinn ergibt, was vielleicht an mangelnden Englischkenntnissen liegt. Zumindest ist das ein bißchen unglücklich formuliert. Die nächste unstimmigkeit ist freilich, dass dann von Feinden die Rede ist, die den Hammer schmecken werden, was natürlich weniger mit Odin als mit Thor zu tun hat. Ud dann wird auch noch vom Hammer als Banner der Wikinger gesprochen.

Das ist alles wahrlich etwas unglücklich, tut aber der Stärke des Songs keinen Abbruch. Es ist nur schade, dass ich hier textlich nichts besseres vermelden kann.

Damit ist es übrigens noch nicht getan, es kommt auch noch das schiff Naglfar vor, das direkt in die Hölle segelt, was ja gar nicht die Aufgabe des Schiffes ist, sondern an Ragnarök die Feinde der Götter zu transportieren. Im Text steht dann, dass die, die nicht in der Schlacht starben, damit in die Hölle transportiert werden.
Zum Schluss wird auch noch Asgard und Walhalla verwechselt. Also, ich will hier nicht Korinthen kacken, aber der Text ist natürlich barer Unfug. Mir wäre da fast ein plakativer Schlachtentext, wie wir ihn ja auch schon hatten, lieber gewesen, aber sei es drum. Wie gesagt, ist der Song stark genug für unser Vorhaben.

Tatsächlich ist das ganze Album ein Ungetüm, das Doom, Heavy Metal und Folk miteinander vermischt und zwar so, dass man wirklich meint, einer Schlacht beizuwohnen. Und das ist schließlich die Hauptsache.

Das wars von mir. Schreibt in die Kommentare, wie euer Tag heute war, vor allem, was ihr für Wetter dort hat, wo ihr seit. Und mir bleibt nichts andere als zu sagen Keep on rockin’! Wir haben noch zwei weitere Songs vor uns, und wir hören uns demnächst

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Epic-Sommer-Spezial (11) | #50

Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten, zur Ausgabe Nr. 11 unseres Epic Metal Mixtapes, das wir über den ganzen Juli hinweg verteilen. Am Ende werden wir 14 Songs auf unserem virtuellen Tape haben und eigentlich wollte ich euch das ganze ja in einer Playlist anbieten, aber die einzige Möglichkeit hierfür wäre Spotify gewesen, für die ich beileibe keine Werbung machen möchte, aber das hat sich dann doch erledigt, weil Spotify das meiste gar nicht hat. Deshalb werde ich die Playlist über Youtube laufen lassen, damit ihr sie am Srtück habt.

Wir verlassen heute unseren Kurs des Obskuren, indem wir zu einem der besten traditionellen USPM-Alben aller Zeiten schwenken und somit natürlich auch zu einer der Top-Größen auf diesem Gebiet, die sich in den 90er Jahren gegen den Strom stellten und mit der Arbeit für all das begannen, was heute als NWOTHM seine Früchte trägt. Weder Hörer noch Bands werden wissen, wem sie das alles zu verdanken haben.

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Twisted Tower Dire. Zumindest zum Teil. Zu einem großen Teil. Die andere Band, die unermüdlich am Heavy Metal festhielt ist natürlich Riot, deren Werkschau ihr bei uns bereits findet. Aber heute solls episch sein und wir sind mal wieder in Amerika, in Virginia, um genau zu sein, um mit Twisted Tower Dire in Langboten auf die Insel der Hydra zu paddeln, dort wartet nämlich ein Drache auf uns, der uns unbedingt kennen lernen möchte und mit dem wir vielleicht noch etwas zu rupfen haben, was wohl eher kein Hühnchen sein wird.

Twisted Tower waren da, als sich kein Mensch für den traditionellen Heavy Metal interessierte. 1995 habern sie sich gegründet, 199 kam dann ihr Debüt The Curse of Twisted Tower raus und von da an waren sie erst mal ziemlich aktiv. Dass sie ihre Karriere aber am absoluten Nullpunkt des Genres begonnen haben, das zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Geschichte. Auf den beiden letzten hervorragenden Releases singt Johnny Aune, weil tragischerweise 2010 Tony Taylor verstorben ist, der unseren heutigen Song begleitet, der vom 2001er Album The Isle of Hydra stammt und dann auch genauso heißt. Man könnte jetzt einwenden, dass Twisted Tower mehr USPM sind als reiner Epic Metal, und das stimmt genauso wie es eben stimmt, dass der USPM neben seiner technischen und progressiven Seite und seiner speedlastigen Seite eben auch sehr stark das Epische bedient, das vielleicht etwas anders dargeboten wird als bei den Italienern und den Griechen, aber deshalb nicht weniger auf unser Mixtape gehört. Natürlich hätte ich gerade auch Omen, Cirith Ungol, Manilla Road, Manowar und viele andere Bands auswählen können, die fast schon obligatorisch dazu gehören, aber Twisted Tower werden unterm Strich viel zu wenig für ihre Leistung bedacht, was aber nicht heißt, dass das der einzige Grund ist, warum ich sie heute hier reinnehme. Sie sind einfach gut, und darüberhinaus konstant.

Die Band bestand 2001 aus folgenden Musikern:

Mike Engel Bass (nur dieses Album)
Marc Stauffer Drums
Scott Waldrop Guitars
Dave Boyd Guitars
Tony Taylor (R.I.P. 2010) Vocals

Die Hydra, um die es im Text geht, ist eigentlich kein wirklicher Drache, sondern ein Ungeheuer mit mehreren Köpfen, und der Name weißt ja bereits auf das Wasser hin, in dem sie lebt. In der ersten Strophe macht sich also eine Mannschaft auf, in Langbooten zur Insel der Hydra zu schippern. Zwar sind Langboote hauptsächlich durch die Wikinger bekannt geworden, aber es gab sie auch in der Antike, und da befinden wir uns der Sage nach wahrscheinlich auch. Die Insel Hydra gibt es übrigens tatsächlich, die liegt im saronischen Golf, gehört zu Griechenland und es gibt dort keine Autos. Ahhh. Wahrscheinlich hat die Wasserschlange, oder der Wasserdrache, wenn man so will, was dagegen, was ihn mir höchst sympathisch macht.

Es heißt also

Wir teilen die Wellen der dunklen, unbekannten Tiefen des Meeres
lenken unsere Langboote zum Land unserer Träume
wir folgen dem Ruf, den wir uns nicht entziehen können.
Und müssen uns dem Zorn des Drachens mit dem Namen Hydra stellen.

Die Schlacht rückt näher,
Ich bin sicher, er spürt meine Anwesenheit
Einer wird der Sieger sein,
und einer wird fallen

Draußen am Horizont liegt die Insel Hydra, grün auf einer blauen Decke
Mein Puls beschleunigt sich, denn ich weiß, welche Gefahr dort lauert.
Im Herzen des Feuerberges muss das Versteck des Drachen liegen.

Dann in der Spanne von nur zehn Herzschlägen donnern die Flügel des Drachen aus der Nacht heraus, der von seinem Beuteflug zurückkehrt. Der Geruch von Asche und Schwefel erstickt die Luft.
Wir verstecken uns in der Dunkelheit und warten auf die Stunde des Untergangs!

Das ist also ein klassischer Drachentöter-Text, den wir aus unzähligen Rollenspiel-Settings und Fantasy-Romanen kennen, und der Song galoppiert von Anfang an los und hat dieses Power-Riff, das sowohl das Heroische und das Heldenhafte in sich birgt. Ohne viel Federlesens singt auch Tony nach nur wenigen Sekunden los, da gibt es keine Feuerlichkeiten ud keine Einleitung, obwohl gesagt werden muss, dass es vorher das Intro “Battle Cry” gibt, sozusagen als Einstimmung auf das, was folgt, und da schmiegt sich dann nahtlos The Isle of Hydra an.
Im Chorus gibt es dann dieses Ahaha der Band, um den epischen Charakter noch einmal zu vertiefen. In der Mitte dann gibt es den Tempowechsel und bevor das eindringliche Solo folgt und Tony wechselt vom erwartungsvollen Gesang in den Moment kurz vor der Schlacht, wo sich die Dinge eben nicht überschlagen, sondern erhaben wirken. Die Zeilen sind folgende:

Es gibt eine Ruhe kurz vor dem Sturm
Einen Ort, der meine Seele grüßt
Ich bin gesegnet durch das Licht
Ich bin bereit für den Kampf
Und ich werde nicht verlieren!

Es gibt gerade im Zusammenspiel zwischen den beiden Gitarristen viele kleine Höhepunkte in diesem 6 Minutenstück, bevor dann die Reprise der ersten Strophe uns noch einmal daran erinnert, wo wir gestartet sind.

Ein wirklich starkes Stück. Das wars von mir für heute. Schreibt mir auf workofsirns.de wie ihr euren Tag heute verbringt oder verbracht habt und wie das Wetter bei euch ist. Wie ihr ja mittlerweile gesehen hat, schreibe ich bereits immer dazu, wie das Wetter in einer der epischsten Städte Deutschlands so ist. Hier hats ja mal vor Römern nur so gewimmelt. Bei euch vielleicht auch, auch das könnt ihr mich wissen lassen.

Mir bleibt nichts anders zu sagen als keep on rockin, wir hören uns demnächst.

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Epic-Sommer-Spezial (10) | #49

Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten. Heute heiße ich euch willkommen zur zehnten Ausgabe unseres Epic Metal Mixtapes, zu unserem Special, das wir über den ganzen Juli hinweg verteilen. Wir haben noch vier weitere Songs und wie immer würde ich gerne von euch wissen, wie ihr euren Tag heute so verbracht habt oder verbringt und – wie das Wetter bei euch heute ist. Schreibt mir das unter workofsirens.de in einen Kommentar.

Italien scheint momentan unser bevorzugter epischer Ort zu sein, denn heute landen wir schon wieder dort. Jedoch wandern wir von der Toskana nach Florenz. Alles klingende Namen, wenn man eine Reise tun will, aber wir sind nur dort zu Gast, um uns auf in andere Welten zu machen. Um genauer zu sein, in eine der fabelhaftesten Ländereien, die sich jemals ein Mensch ausgedacht hat. Nein – es handelt sich nicht um Mittelerde, aber um etwas ähnliches, nur ist unsere Welt noch etwas dunkler.

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Es kann kein episches Mixtape geben ohne auf den Spuren Elrics von Melnibone zu wandeln, der fast schon ein Prototyp für die Texte zahlreicher Bands ist. Man kann sich fast schon aussuchen, welche Interpretation es denn sein darf, aber ich habe mich heute für Domine entschieden, weil der heutige Song ein wahres episches Wunderwerk in der Erzählung des Eternal Champion darstellt. So heißen dann auch das Album, nicht zu verwechseln mit der Band, die sich ebenfalls nach diesem Epos benannt hat.

Domine gründeten sich bereits 1983, aber wie das manchmal so ist, erblickte ihr Album erst 1997 das Licht der Welt, ganze 14 Jahre später also. Die Band war allerdings all die Jahre nicht nur tatenlos und wartete auf den richtigen Zeitpunkt, sondern veröffentlichten 4 Demos, und ihr Debüt enthält dann auch fast ausnahmslos Songs von diesen Aufnahmen, die immer mehr verfeinert wurden. Tatsächlich unterscheiden sich die Kompositionen auf dem Debüt erheblich vom späteren Material, und sollte sich jemand fragen, warum das so ist, dann hat er jetzt die Antwort, und vielleicht auch darauf, warum “Champion Eternal” etwas ganz Besonderes ist.

Die Band kurz vorgestellt:

Riccardo Paoli Bass
Enrico Paoli Guitars, Songwriting, Lyrics
Morby Vocals
Mimmo Palmiotta (der sich auch Boris Hunter nennt und vor allem durch DeathSS bekannt ist) Drums

Was dieses Album wirklich besonders macht, ist natürlich nicht sein eigentliches Alter, obwohl das immer auch eine Rolle spielt, so als wäre in den letzten Jahrzehnten ein bestimmter Geist aus der Musik ganz allgemein gewichen, sondern die Betonung auf Songwriting und Storytelling. Es gibt hier – wie bei den Italienern üblich – viel Melodien, aber die Songs sind länger und die Songstrukturen gehen tiefer als bei den meisten ihrer Power-Metal-Kollegen.

Anstelle von kitschigen Refrains konzentrieren sich Domine auf den Aufbau von Welten und die Schaffung einer epischen Atmosphäre mit Riffs, die stark im traditionellen Metal verwurzelt sind. Gemäß Michael Moorcocks Elric-Reihe ist Champion Eternal düster und bedrohlich, aber herrlich episch. Dieses düstere Meisterwerk ist fast genau eine Stunde lang, doch es fühlt sich zu keinem Zeitpunkt zu lang an.

Domine benutzen dieses Album als Gefäß, um als ihre eigene Chronik des Schwarzen Schwertes zu fungieren, indem sie Elrics Geschichten lebendig nacherzählen. Ihr seht, es ist gar nicht so einfach, aus diesem Konzept einen einzelnen Song zu reißen, aber nicht alle Songs drehen sich um Elric, sondern sind grundsoliede Sword & Sorcery Geschichten anderen Kalibers.

Der Closer des Albums, um den es uns hier geht, der bringt noch einmal alles auf den Punkt, was man in der knappen Stunde vorher sprichwörtlich erlebt hat.

Textlich scheint “Champion Eternal” die ultimative Hommage an Michael Moorcock und sein Werk zu sein. Wer die Saga um Elric nicht kennt, dem gebe ich hier einen kurzen – einen wirklich kurzen – Leitfaden an die Hand:

Der Eternal Champion existiert in verschiedenen Inkarnationen im gesamten Multiversum, also in unterschiedlichen Welten, weiß aber die meiste Zeit nichts von seinem Schicksal und lebt in Unkenntnis, bis er von seiner Aufgabe mitgerissen wird, die darin besteht, das kosmische Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Das Schicksal des Champions ist dabei ein schweres Verhängnis, denn der Champion kann niemals ruhen, niemals wirklich sterben und niemals wirklich lieben. Der Ewige Held trägt immer einen Aspekt des Schwarzen Schwertes als seine Waffe, auch wenn es sich nicht immer als Schwert manifestiert.

Es ist möglich, dass mehrere Aspekte des Champions im selben Universum existieren, obwohl dies das Risiko birgt, das Multiversum zu beschädigen. In diesen Fällen können die einzelnen Champions zu einem zusammengesetzten Wesen verschmelzen. Alle Aspekte des Champions erinnern sich unbewusst, in Träumen und Albträumen, an ihre vergangenen (und möglicherweise zukünftigen) Inkarnationen. Einige Aspekte erinnern sich bewusst an sie, was sie entweder extrem geschickt macht, um im Multiversum zu überleben, oder sie an den Rand des Wahnsinns bringt.

Die Geschichte des Ewigen Champions ist fast immer eine tragische Geschichte.

Elric ist sicherlich die bekannteste Inkarnation dieses Helden, und das Schwarze Schwert – hier Sturmbringer oder Stormbringer im Original – ist natürlich nicht weniger berühmt.

Elric ist der letzte Herrscher der Inselzivilisation von Melniboné. Körperlich ist er eher schwächlich, also ganz und gar kein Conan. Und deshalb ist er von Drogen abhängig, um überhaupt am Leben zu bleiben.

Von Kindheit an las er viel in der riesigen königlichen Bibliothek und lernte so die Welt außerhalb der Trauminsel kennen. Das ist auch der Grund warum Elric, anders als andere Mitglieder seiner Rasse, ein Gewissen hat. Er wird Zeuge des Verfalls seiner Kultur, die einst die bekannte Welt beherrschte, und macht sich Sorgen über den Aufstieg der von Menschen bevölkerten Jungen Königreiche (die Melnibonéaner betrachten sich als von der Menschheit getrennt) und die Bedrohung, die sie für sein Reich darstellen. Aufgrund von Elrics Selbstverachtung und seinem Hass auf die melnibonéischen Traditionen finden ihn seine Untertanen seltsam und unergründlich.

Neben seinen Fähigkeiten im Umgang mit Kräutern ist Elric außerden ein versierter Zauberer und Beschwörer. Als Kaiser von Melniboné kann Elric den traditionellen Schutzherrn der Kaiser von Melniboné, Arioch, einen Herrn des Chaos und Herzog der Hölle, um Hilfe bitten. Von der ersten Geschichte an nutzt Elric uralte Pakte und Vereinbarungen nicht nur mit Arioch, sondern auch mit verschiedenen anderen Wesen – einigen Göttern, einigen Dämonen -, um seine Aufgaben zu bewältigen.

Elrics Entdeckung des Schwertes Stormbringer ist sowohl sein größter Vorteil als auch sein größter Nachteil. Das Schwert verleiht Elric Stärke, Gesundheit und Kampffähigkeit und ermöglicht es ihm, sich von seiner Drogenabhängigkeit zu befreien, aber es muss von den Seelen intelligenter Wesen gespeist werden. Am Ende nimmt die Klinge jeden mit, der Elric nahe steht, und schließlich auch Elrics eigene Seele. Die meisten von Moorcocks Geschichten über Elric handeln von dieser Beziehung zu Stormbringer und davon, wie sie – trotz Elrics bester Absichten – alles, was ihm lieb und teuer ist, ins Verderben stürzt.

Der Hörer wird auf diesem Album kaum davon abgehalten, selbst ein Schwert zu ergreifen und in die Schlacht zu ziehen. Dieses epische Gefühl, das sich durch die gesamte Dauer aller Songs zieht, ist die größte Stärke der Platte. Die Musik von Domine scheint genau das zu besitzen, was es braucht, um erfolgreich Geschichten von Geheimnissen, verdammten Helden und großartigen Schlachten zu erzählen.

Musikalisch erreichen Domine ihren unverwechselbaren Sound und ihre Atmosphäre durch marschierende, kriegsähnliche Gitarrenriffs und den Einsatz eines mystischen, fast okkulten Touches an den Keyboards. Auch gibt es häufige Riffwechsel, bei denen eine edel klingende Leadgitarre in den Mittelpunkt rückt. Seine Einzigartigkeit verdankt “Champion Eternal” aber vor allem zwei Elementen: dem Gesang von Morby und dem Schlagzeug von Mimmio Palmiotta. Einerseits ist Morby sicher nicht der größte Sänger, den es je gab, aber seine leidenschaftliche und charakteristische Stimme scheint das perfekte Mittel zu sein, um das epische Gefühl auszudrücken, das Domine zu erzeugen versuchen. Auf der anderen Seite ist Palmiotta für seine Arbeit mit Death SS bekannt, einer Band, die einen völlig anderen Ansatz verfolgt als Domine.

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Epic-Sommer-Spezial (9) | #47

Willkommen draußen an den Radiogeräten zur neunten Folge unseres Juli-Specials hier im Podcast Work of Sirens. 14 Songs wählen wir für unser Epic Metal Mixtape aus und wenn euch das Format gefällt, dann lasst es mich unter workofsirens.de in einem wissen. Eventuell wiederholen wir das ganze dann mit einem anderen Thema noch einmal. Wenn ihr diese kleine Serie bisher verfolgt habt, dann wisst ihr, dass mich interessiert, wie ihr euren Tag heute verbracht habt oder noch verbringen werden – je nachdem, wann ihr diesen Podcast hört – und wie das Wetter bei euch heute ist. Warum ist das so wichtig? Nun, wir machen es einfach zu einem wichtigen täglichen Artefakt. In früheren Zeiten hat man Logbücher, Tagebücher oder sonstige Aufzeichnungen immer auch mit Wetteraufzeichnungen versehen, obwohl ich nicht glaube, dass in der Zeit, in die wir hier hauptsächlich reisen, Wetter und Tagebücher eine große Rolle spielten.

In der letzten Folge hatten wir Etrusgrave, und die heutige Band ist mit dieser durch die italienische Lichtgestalt Fuiberto Serena eng verbunden, auch wenn er heute nicht mehr dabei ist. Aber unser heutiger Song ist vom Debüt der Band, und da war alles noch in Butter.

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Dark Quaterer ist sicherlich eine der kultigsten Bands, die der Heavy Metal je hervorgebracht hat. Oft werden sie als Manilla Road Italiens bezeichnet, und so ganz von der Hand zu weisen ist das nicht, obwohl der Vergleich mit Pagan Altar genauso zündend wäre. Von den wenigen, die das Gesamtwerk der Band kennen und darüber gesprochen oder geschrieben haben, gibt es einen starken und stabilen Konsens, dass Dark Quarterer zu den wichtigsten und innovativsten Bands in der Geschichte des Heavy Metal gehören, insbesondere im Epic-Metal-Subgenre.

Die Band bereits Anfang der 70er in Piombino, das ist eine kleine Stadt in der italienischen Toskana, Musik zu machen.

Drei Freunde, die sich trafen, um Songs von Bands zu spielen, die sie liebten, wie Black Sabbath, Led Zeppelin, Uriah Heep, King Crimson, Gentle Giant, Genesis und viele andere Heavy- und Progressive-Bands. Gianni Nepi spielte Bass und sang, Fulberto Serena spielte Gitarre, Paolo “Nipa” Ninci spielte Schlagzeug, und sie nannten sich zunächst Omega Erre.

Sechs Jahre lang studierten sie Musiktheorie, spielten zusammen und feilten an ihrem Handwerk, wobei sie großen Wert auf gleichbleibende und verlässlich hohe Qualität legten. All das Wachstum und die Übung brachten einen kreativen Funken hervor, der sich nicht mehr eindämmen ließ, als sie dann so weit waren, ihre eigenen Songs zu schreiben, die einen härteren Sound und einen epischen Geist bevorzugten, der die wunderbaren Legenden und Geschichten ihrer regionalen Kultur widerspiegelte. Der Geist der Band selbst veränderte sich so sehr, dass sie sich nach ihrem ersten vollwertigen Song “Dark Quarterer” benannte, eine Anspielung auf mittelalterliche Metzger im Allgemeinen und eine lokale Legende im Besonderen. So ein bißchen wie Sweeny Todd, der teuflische Barbier, nur dass die Legende sich auf Kinder bezieht, die zerstückelt und in ein Pökelfass gesteckt wurden, damit das Fleisch frisch bleibt. Na, was soll man denn sonst machen, Kühlschränke gab es ja keine.

Das Mysterium des Dark Quarterer ist ein zentraler Bestandteil des Ethos der Band. Die Mitglieder der Band wuchsen in einer Gegend auf, die einst von den Etruskern bewohnt war, deren Kultur von Geheimnissen umwoben war und deren Legenden die Lücken ihrer aufgezeichneten Geschichte mit all der charakteristischen Dunkelheit und Vorahnung alter Überlieferungen füllten. Diese Geschichten von Monstern und Magie, Triumph und Tragödie bildeten einen wunderbaren Rahmen, um die widersprüchlichen Gefühle junger Menschen zu erforschen, die inmitten von Wohlstand und Umweltverschmutzung, Schöpfung und Zerstörung, Reichtum und Mangel erwachsen werden; jene philosophischen Gegensätze, die so stark im Heavy Metal wirken.

Es gab zu der Zeit fast keine anderen lokalen Bands, nur wenige Konzerte (geschweige denn Festivals), im Grunde überhaupt keine Szene in Italien. Nur drei junge Männer, die Musik hörten, um sich davon inspirieren zu lassen, indem sie ihre eigene Musik schrieben, für niemanden außer sich selbst und aus purer Liebe zur Musik.

Diese totale Isolation war da aber so was wie ein Schmelztiegel, aus dem schließlich eine neue und einzigartige Interpretation des Heavy Metal hervorging.

1987 veröffentlichten Dark Quarterer endlich ihr selbstbetiteltes Debütalbum, also dreizehn Jahre nachdem sie zum ersten Mal gemeinsam ihre Instrumente in die Hand genommen hatten. In einer Zeit und an einem Ort, an dem es an fast allem fehlte, was eine Band braucht, war die Aufnahme von Dark Quarterer genauso erschütternd wie die Geschichten, die die Songs erzählen. Gianni Nepi beschreibt ein Gefühl von Untergang und Vorahnung während dieser Zeit, das er auch heute noch spürt, wenn er darüber spricht, und das sich mehrmals zu manifestieren schien, einschließlich eines Studiobrandes, der während der Aufnahmen zu “The Entity” ausbrach, in dem es um einen Mann geht, der von einem unbekannten Wesen besessen ist, und um die brennende Frage, warum er auserwählt wurde.

Auch dieser Song wäre aufgrund dieser geschichte natürlich in Frage gekommen, aber ich habe mich für den erstaunlichsten Song des ganzen Albums entschieden: Colossus of Argil, einem neun minütigen sprichwörtlichen Koloss.

Die Riffs verlieren nie an Qualität, die Soli sind oft lang, unerschrocken und saftig, Nepis Gesangsarbeit ähnelt der von Tim Barker von Cirith Ungol, ist aber nicht so ausgefallen und ein gutes Stück zugänglicher. Sein Wehklagen erhebt sich gen Himmel und verursacht oft ein Gewitter von korrekt ausgeführten Falsettos, die jedes nahe gelegene Trommelfell mit Wucht treffen. Er hebt mit seinem manchmal sanften Gesang, der sich über fantastische Melodien legt, das ganze Album auf eine ganz andere Ebene.

Dieser Song ist tatsächlich bei weitem der beste Track des Albums und einer der besten Tracks, die diese Band je gemacht hat. Die spannenden Strophen brechen in plötzliche Härte und atemberaubende Leadgitarrenparts aus, das Schlagzeug sprüht vor Energie, und dieser Song fasst das ganze Album in einem Wort zusammen: meisterhaft. Die Produktion ist natürlich wahnsinnig roh und primitiv, aber andererseits kann man sich dieses Stück Musikgeschichte auch nicht in einer heutigen Plastikproduktion vorstellen.

Die Produktion ist leicht zu erklären und sogar zu entschuldigen, da Dark Quarterer vor sehr langer Zeit mit dem eigenen Equipment der Band und praktisch ohne Budget aufgenommen wurde. Aber jeder Heavy-Metal-Fan, der eine echte Verbindung zu seiner Geschichte hat, wird die Mystik einer Low-Budget-Produktion anerkennen; sie ist weit davon entfernt, ein Hindernis zu sein, und kann sogar ein Segen sein, wenn die Musik stark und die Band für sich selbst interessant ist. Und so dünn und verschüttet es auch klingen mag, Dark Quarterer ist alles andere als unhörbar. Tatsächlich scheint alles, was das Album großartig macht, durch: feurige Laubsägearbeiten von Fulberto Serenas Gitarre, Nepis beschwingter und ungestümer Bass und Nipas dynamisches Schlagzeugspiel kommen auf eine Weise zusammen, wie es nur gute Kumpels können, um lange, fantastisch lebendige Songs zu schaffen, die wunderbar lebendige und einnehmende Geschichten erzählen, die der Band einen Platz nicht neben, sondern unter den großen epischen Metalbands dieser Zeit sichern, darunter Manowar, Cirith Ungol und die mächtigen Manilla Road.

Natürlich ist Gianni Nepis Stimme die andere Sache, die bei diesen frühen Aufnahmen auffällt und die vielleicht die wichtigste ist. Sie ist zwar etwas nasal und kann das Trommelfell auf eine harte Probe stellen, wenn er an der Decke kratzt, aber es gibt wohl keinen anderen Sänger im gesamten Metal, der Nepis authentisch enthusiastische Liebe zu seiner Kunst übertrifft. Und seit wann braucht der Heavy Metal eine stereotypische “gute” Stimme am Ruder? Dio (RIP), Halford und Dickinson sind großartig, aber auch King Diamond, Tim Baker und Mark Shelton (RIP), und keiner von ihnen ist das, was Otto Normalverbraucher als “gut” im üblichen Sinne bezeichnen würde. Vielmehr glänzt Gianni Nepis Stimme durch eine beeindruckende Bandbreite und eine unglaubliche Dynamik, und er ist ganz in den Prozess des Singens vertieft.

Trotz seiner Unbekanntheit hat das Debütalbum von Dark Quarterer aus dem Jahr 1987 den Test der Zeit tapfer überstanden und sich seinen Ruf als Standard für epischen Heavy Metal nicht nur in ihrem Heimatland, sondern auf der ganzen Welt verdient. Lange, komplexe Songs schöpfen aus den unerschrockenen Gewässern der klassischen Progressive-Rock-Ära und erzählen dunkle und fesselnde Geschichten mit der Schwere, die nur Heavy Metal- und Doom-Metal-Klänge vermitteln können.

Das wars von mir, und mir bleibt nichts weiter zu sagen als: Keep on Rockin’, wir hören uns demnächst.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Epic-Sommer-Spezial (8) | #46

Guten Morgen Freunde draußen an den Radiogeräten, zur achten Ausgabe unseres Epic Metal Mixtape, das wir hier über den ganzen Juli verteilt zusammenstellen. Am Ende werden es 14 Songs sein – und das hat nichts mit dem tatsächlichen Platz auf einem Tape zu tun, als vielmehr damit, dass im Juli 14 Tage frei sind, wenn man die Wochenenden abzieht, an denen hier nichts geschieht und dann noch die regulären Sendungen berücksichtigt, die ja ebenfalls nicht angetastet werden.

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Wir gehen noch einmal nach Italien und dort in die Toskana, um den Seitenarm einer wahren Legende zu besuchen. Die Rede ist von Etrusgrave, einem Kofferwort bestehend aus Etrusker und Grave. Die Frage, warum ich nicht auf die Band, mit der sich der epische Metal italienischer Prägung in die Geschichtsbücher eingetragen hat, eingehe, ist berechtigt. Aber ich kann an dieser Stelle bereits vermelden, dass Dark Quarterer in unserer Ausgabe Nr. 9 ihren Song abliefern werden. Es hat keinen besonderen Grund, warum ich sozusagen mit dem Ableger beginne. Beide Bands sind aktiv und es scheint ihnen gut zu gehen und die Schlüsselfigur ist bei beiden Bands Fulberto Serena. Vielleicht hat sich unbewusst die Reihenfolge dann doch draus ergeben, dass Serena seit 1998 nicht mehr bei Dark Quarterer Gitarre spielt. Das ist eine lange Zeit und es dauerte noch einmal zehn Jahre bis er mit der von ihm gegründeten Band Etrusgrave “Master of Fate” vorlegte, von dem auch unser heutiger Song stammt.

Seine Mitstreiter hier sind:

Tiziano Sbaragli alias Hammerhead vocals
Luigi Paoletti Bass, Flute (track 6)
Francesco Taddei Drums

Für diejenigen, die aus Altersgründen oder einfach aus Mangel an Informationen mit Fulberto Serena nicht vertraut sind, möchte ich nur sagen, dass Dark Quarterer als wichtigste epische Band Italiens ihre Entstehung und Entwicklung ihm verdanken, da Serena bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden aus der Band der Hauptkomponist war. Etrusgrave unterscheiden sich dann auch von den aktuellen Dark Quarterer, da Etrusgrave sich weiterhin an der alten Schule orientieren, während DQ andere Elemente in ihr Songwriting aufgenommen haben. Trotzdem bewegen sich beide Bands weiterhin auf einem ähnlichen Feld.

“Master of Fate” ist als Album ein Bezugspunkt für alle, die dem Epic vergangener Zeiten treu geblieben sind, authentisch und ohne Schnickschnack.

Das fängt schon beim Namen an, mit einem präzisen epischen und geografischen Bezug, und setzt sich fort in einer Besetzung, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Erfahrung und jugendlichem Ungestüm aufweist.

Wie auch bei den alten Dark Quarterer drehen sich die Texte meist um etruskische Geschichte. Die Etrusker sind dann auch das geheimnisvolle und dunkle Volk, aus dessen Trümmern sich dann Rom erhob. Ich meine, wir sprechen hier von einer Zeit 800 v Chr. Und wir sprechen vom gebiet der heutigen Toskana. wenn man von dort kommt, liegt es fast schon auf der Hand, dass man sich für seine sehr alte Geschichte interessiert. Und die Etrusker sind nach wie vor ein rätselhaftes Volk, von dem niemand weiß, woher sie eigentlich kamen. Sie betrieben ziemlich lebendige Zauberei und Zukunftsschau – eine Fundgrube für den epischen Heavy Metal.

ich will noch etwas bei diesem Thema bleiben, allein schon aus dem Grund, weil man sonst nirgendwo viel über etwaige Inspirationsquellen liest, was für mich bei Bands wie Etrusgrave nicht weniger wichtig ist als die Musik selbst, vor allem, wenn es sich auch hier wieder um eine Rebellion gegen moderne Ansichten handelt. Das ist deshalb so wichtig, weil das Moderne denken und handeln quasi auf die Vernichtung und Zerstörung von schlichtweg allem angelegt ist. Wir begegnen dieser tief sitzenden Rebellion im Grunde im epischen Metal immer wieder. Viele mögen darin nur ein paar Geschichten von phantastischen Helden, Drachen und Fantasyliteratur sehen und schlagen sich damit unbewusst auf die Seite jener, die das gerne so haben wollen, aber dem aufmerksamen Beobachter bietet sich viel mehr.

Das erste Werk von Etrusgrave zeigt vier Totenköpfe auf dem Cover, wobei der imposantestete von einem markanten Helm des Typs “Celto-Villanovan” gekrönt wird, der in etruskischen Armeen üblich war. Unser heutiger Song heißt “Wax Mask” und wir schauen uns gleich den Text etwas näher an, aber vorher möchte ich noch zur Musik sagen, dass wir es hier mit echtem Heavy Metal zu tun haben, der mit seinen vorklassischen, klassischen oder sogar folkloristischen Ansätzen den lyrischen Bezügen die passende Stimmung verleiht. Weil hier eben alles so sehr ineinandergreift – von der Bildsprache angefangen, kann man durchaus von der Loyalität des epischen Heavy Metal gegenüber europäischen Traditionen sprechen.

Im Song “Wax Mask” geht es inhaltlich um eine Galerie, die der Erzähler auf der Suche nach Antworten durchstreift. In der Galerie scheint es oberflächlich betrachtet nur alte Gemälde und Wachsfiguren zu geben, die Gänge sind still und menschenleer. Er scheint der einzige Besucher dort zu sein, man kann also davon ausgehen, dass es gar keine öffentliche Galerie ist, sondern eine Verborgene, die nicht jedem zugänglich ist. Der Erzähler spürt allerdings, dass noch jemand anwesend ist. Er hört einen hohlen Klang, spürt den Atem und den Puls von einer unsichtbaren Präsenz, die er den Lebensritter nennt. Der aber ist kein geistiger Führer, sondernd roht, den Erzähler zu erschlagen, wenn er es wagt, ihn anzusehen. Er erkennt das Gesicht eines sterbenden Freundes und hat nur einen Gedanken: raus aus der Galerie!

Der Text ist an vielen Stellen kryptisch, aber es wird klar, dass der Erzähler in dieser Galerie eine verborgene Geschichte gesehen hat, bzw. das, was man nicht weiß. Und all das hat etwas zu tun mit einer Wachsmaske, die sich ständig zu verändern scheint, teils ihn, teils irgendeinen Helden und seine Taten zeigt. Durch den unbestimmten Text, bleibt alles ziemlich unheimlich.

Das wars heute von mir. Wenn ihr wollt, schreibt mir doch, wie ihr das Special bis jetzt findet und wie euer Tag heute so war. Natürlich interessiert mich auch das Wetter. Als nächstes bekommt ihr hier an dieser Stelle also einen Song von Dark Quarterer, weil sie die beiden Bands im Grunde nahtlos aneinander anschließen. Ich sage dann auch etwas mehr zu Fulberto Serena.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Epic-Sommer-Spezial (7) | #44

Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten und herzlich willkommen zu unserem Sommer-Special hier im Podcast Work of Sirens. Heute sind wir bei Folge 7 unseres Epic Metal Mixtapes angelangt, also genau in der Hälfte.

Für alle, die neu hinzugekommen sind: Im Juli werden wir hier täglich einen Song präsentieren, der im weitesten Sinne in den Bereich des Epic Metal fällt. An den Wochenenden machen wir eine Pause und auch die regulären Sendungen werden davon nicht beeinträchtigt. Es geht also alles weiter wie gehabt und dieses Special ist eine Dreingabe, ein Bonus für den Monat Juli.

Wir waren jetzt schon zweimal in Griechenland, einer Hochburg epischer Klänge, und heute machen wir einen Ausflug nach Italien, in die Lombardei.

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Zu einer Band, die eher keinen römischen oder italienischen Namen trägt, nämlich Wotan, die 2004 mit “Carmina Barbarica” ihr Debüt vorlegten. Das letzte Album der Band erschien 2019 mit “The Song of the Nibelungs”, hier haben wir es also mit keiner Eintagsfliege zu tun wie bisher so oft in diesem Sektor.

Auch wenn man es nicht glauben mag, gibt es im Verhältnis sehr wenige reine epische Bands. Wotan hingegen sind eine dieser echten epischen Band und nicht eine Black- oder Power- oder Death- oder Gothic-Band mit epischen Elementen. Hört man sich das erste Album an, von dem unser heutiger Song dann auch stammt, bekommt man das Gefühl, auf einem Schlachtfeld zu stehen, das mit aufgespießten Körpern und Kriegern mit blutigen Wunden durch Schwerter und Kleidung aus Tierhaut und Schilden aus Holz und Eisen überfüllt ist. Klingt lächerlich? Ist es aber nicht, es ist eine Offenbarung inmitten eines Computerzeitalters, dessen Hauptmerkmal Fantasielosigkeit und Zwecklosigkeit ist.

Was die Musik selbst betrifft, so sollte man bedenken, dass Innovation, Fortschritt und Neuartigkeit nicht in das Repertoire des Epic Metal gehören, weil jede Innovation das Genre bereits in etwas anderes verwandelt. Das kann man freilich rückständig finden und damit die alte Debatte aufmachen, wie konservativ der Metal eigentlich ist. Für mich persönlich gilt aber eine vernünftige Art und Weise, wertvolle Dinge zu erhalten ganz generell zur wichtigsten Grundlage in der Musik, in der wir uns bewegen. Damit meine ich keineswegs stillstand. Das wird ja oft fehlinterpretiert, aber ich kann euch sagen, warum das Wort konservativ mittlerweile fast schon zum Schimpfwort mutiert ist. Weil wir in einer Gesellschaft leben, die so sehr darauf getrimmt ist, Wachstum und Fortschritt als Lebenszweck zu begreifen, dass sich jede Kritik zu verbieten scheint.

Was im Epic Metal wirklich zählt sind leidenschaftliche Kompositionen, die in den vorgegebenen Normen, die das Genre definieren, vorgetragen werden, um eine Zeit und ein Gefühl heraufzubeschwören, das unwiderbringlich verloren ist und im Grunde nur durch Kunst – sei es Musik oder auch Fantasy-Romane – erhalten werden kann. Das hat noch nicht mal allein was mit Eskapismus zu tun, ein anderes Wort, das ja gerne negativ betrachtet wird, sondern mit dem Aktivieren einer tief in uns vergrabenen Erinnerung an sehr frühe Zeiten der Menschheit, wo es tatsächlich zwar um primitivere Dinge ging als das neueste elektronische Spielzeug, aber dafür auch um eine ehrliche Auseinandersetzung mit Leben und Tod usw.

Das war jetzt ein Exkurs, der doch ein bisschen weit vom Thema wegführt – aber eigentlich auch wieder nicht. Kommen wir zurück zu Wotan, die das jetzt ja auch irgendwie ausgelöst haben. Unser Song heute heißt “Lord of the Wind”, der trotz einiger Speed-Elemente nicht vom Grundgerüst abweicht. Die Gitarrensoli von Mario Degiovanni mögen technisch nicht überragend sein, aber sie fügen sich gut ein und erhalten die allgemeine Essenz des epischen Gefühls. Die Rhythmusgruppe, bestehend aus Schlagzeuger Lorenzo Giudici und Bassist Salvatore Oliveri, bilden eine solide Basis, über die Sänger Vanni Ceni seine farbefrohe und kraftvolle Stimme legt.

Wie so oft fällt der Text hier in die Kategorie “Anrufung des großen Unbekannten” im Angesicht des Todes. Wir befinden uns auf einem Schiff, der Wind bläst stark und peitscht das Deck, schwarze Schwäne reiten auf den Wellen. Es ist von einer dunklen Prophezeiung die Rede, die nicht näher erläutert wird, aber der Erzähler bittet darum, nicht auf See zu sterben, sondern irgendwo als Futter für die Adler mit dem Schwert in der Hand.
Deuten könnte man den Song also so, dass der Herr des Windes gebeten wird, die Überfahrt so schnell wie möglich voranzubringen, dass die Krieger wieder festen Boden unter den Füßen haben.

Das wars von mir für heute. Und weil wir gerade von Sturm und Wellen geredet haben, schreibt mir doch, wenn ihr wollt, wie das Wetter heute bei euch so ist und wie ihr euren Tag verbracht habt oder noch verbringt. Das könnt ihr natürlich wie immer unter workofsirens.de tun und mir bleibt nichts anderes als zu sagen Keep on Rockin’!

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Epic-Sommer-Spezial (6) | #43

Guten Morgen Freunde draußen an den Radiogeräten zur Ausgabe Nr. 6 unseres Specials im Juli, wo wir an allen freien Tagen, das heißt, an allen Tagen, wo keine reguläre Sendung eingeplant ist, einen Song aus den Annalen des epischen Metals kramen und ihn auf unser Mixtape packen, das am Ende dann 14 Songs enthalten wird. Natürlich wäre es leicht, auf die bekannten Gemeinplätze wie Manowar, Omen und Manilla Road zurückzugreifen, aber ich werde hier wie so oft mehr im obskuren Bereich wildern. Nicht immer, aber meistens. Und heute ganz bestimmt.

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Wir machen erneut einen Ausfflug nach Griechenland und besuchen dort eine Band mit dem allerweltsnamen Crush. Die Band besteht seit 1983 und ist eine der ältesten griechischen Heavy Metal Bands, die sich aus der Asche von Under Power erhob, die wiederum von 1981 – 1983 in den westlichen Bezirken von Athen aktiv war.

Die Band besteht aus:

Tasos Vretakis am Bass
Kostas Vogiatzogloy an den Drums
Pantelis Rodostoglou: Guitars, Songwriting
Panagiotis Konstantinidis: Vocals, Lyrics

Jetzt könnte man meinen, dass eine Band, die schon seit so langer Zeit aktiv ist, eine Menge Veröffentlichungen hingelegt haben müssen, aber das ist wie man sich denken kann nicht der Fall. Es gibt ein einziges Album aus dem Jahre 1993. Kingdom of the Kings. Mit dem Song gleichen Namens beteiligten sie sich 1988 an der historischen Doppel-Compilation “Greece Attacks”, die lange Zeit nur auf Vinyl und Kassette erhältlich war, teuer und selten, aber im Jahre 2014 als Doppe-CD von FM Records neu aufgelegt wurde – ähm – heute ebenfalls teuer und selten.

Dann machten sie sich mit Hilfe des international renommierten Produzenten Dimitris Malegas an die Arbeit für die Aufnahme ihres ersten Albums, auf dem wir melodischen, dynamischen, klassischen griechischen Heavy Metal mit mystischen, okkulten Texten zu hören bekommen. Live waren sie unter anderem mit Holocaust, Omen, Gloven Hoof, Marauder und Spitfire unterwegs, aber es nützte alles nichts. Das Album wurde in Sammlerkreisen (leider nur) von Fans sehr gut aufgenommen, da es nur als selbst finanzierte Produktion der Band selbst veröffentlicht wurde, da es von keiner griechischen Plattenfirma unterstützt wurde.

Man muss nur einen Blick auf das atemberaubende Cover-Artwork werfen, um zu verstehen, was einen in den nächsten 35 Minuten, die dieses Album dauert, erwartet: Die Apotheose des klassischen Heavy Metal ist da. Musikalisch handelt es sich um Epic Heavy Metal, textlich ist es irgendwo zwischen mystisch und okkult angesiedelt, während Panagiotis Konstantinidis’ großartige, beherrschende Stimme sich wunderbar mit dem Rest der soliden Rhythmusgruppe der Band vermischt. Der Sänger trägt die Texte von Crush mit einer edler Leidenschaft vor, scharfe Gitarrenriffs und engmaschige Kompositionen machen das ganze Album aus. Die Produktion ist für damalige Verhältnisse und selbst für eine griechische Metalband recht gut.

Es geht hier natürlich primär immer nur um einen Song und nicht um das ganze Album, aber wir folgen in diesem Special trotzdem einem roten Faden relativ obskurer Bands, so dass ich manchmal dann doch etwas weiter ausholen muss, um Zeit und Raum ein bisschen näher ran zu holen. Crush hatten wahrscheinlich das Pech – wie so viele in den 90ern – dass sie ihr Album in einer toten Phase des Heavy Metal aufnahmen und in Griechenland war diese tote Phase wahrscheinlich noch mal viel stärker zu spüren als überall sonst – und es war auch bei uns ein staubtote Wüste.

Kommen wir endlich zum heutigen Song. “Run to the Highway”. Der Titel wirkt jetzt erst mal nicht besonders episch und aus dem Album herausgebrochen ist er es auch nicht. Aber dieser kleine Song hat einen interessanten Inhalt über eine Art Succubus, der draußen auf den Straßen gesehen werden kann, die sich mehr oder weniger ihre Opfer sucht, indem sie ihnen ein Juwel gibt. Vermutlich das Juwel ihrer Ankunft. Und dann steht da: Du wirst niemals diese Dinge glauben, sobald du um Hilfe rufst, nimmt sie sich den nächsten. Renne den Highway entlang. Fliehe vor deiner Liebe. Das ist der Chorus, bevor dann in der zweiten Strophe der Erzähler davon spricht, denjenigen zu bedauern, der in ihrem Bett liegt, weil sie ja niemals existieren wird und nur eine weitere Fabel ist. Kein mensch hat jemals ihr Gesicht gesehen.

Das ist jetzt nichts besonders Großes, aber in die Lyrics lässt sich eine Menge reininterpretieren, wenn sie auch noch so unscheinbar wirken.

Obwohl “Kingdom Of The Kings” das einzige Werk von Crush ist, wird es für immer als eine der besten und qualitativ hochwertigsten Veröffentlichungen in der langen Geschichte des griechischen Heavy Metal stehen, ihr Album klingt auch heute noch angenehm, und die Band hat auf ihre Weise einen kleinen Stein in die Geburt des so genannten griechischen Heavy Metal gelegt.

Ob man es glaubt oder nicht, seit Jahren wird gemunkelt, dass Crush ein neues Album herausbringen wird, wann? Wir wollen hoffen, dass dies bald geschieht.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.