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PARALYZED Heavy Road Album Review

Paralyzed

PARALYZED stammen aus Bamberg und kreieren seit 2019 einen Sound, der definitiv von den Meistern der 70er Jahre beeinflusst ist. Natürlich wäre es leicht, die üblichen Begriffe wie Retro-Rock und Stoner auszupacken (was auch hinlänglich geschieht), aber man würde dabei die moderne und persönliche Note der vierköpfigen Band unterschlagen, die ziemlich beeindruckend ist, wenn man bedenkt, dass sich viele Bands, die den Geist der 70er Jahre atmen, sich bereits damit zufrieden geben, mit analogen Equipment zu hantieren.

Die Grooves auf HEAVY ROAD, dem zweiten Album der Band, das im Juli 2022 erschienen ist, sind durchdrungen von rauchigem, mitreißendem Heavy Rock, der ein stolz donnerndes und erdiges Bluesgerüst als Basis hat. Ein Sound, der an die Pioniere der rauesten Klänge der 70er Jahre erinnert. Die hervorragende Produktion lässt jedes Instrument ein Eigenleben entwickeln und bietet dem Hörer verschiedene Stimmungen.

Jeder der acht Songs schafft es auf die eine oder andere Weise, den Hörer in einer Klangspirale gefangen zu halten. Manchmal auf direktem Weg, manchmal durch das geschmackvollen Köcheln ihrer Songs, erreichen sie immer den idealen Garpunkt, den die Anhänger roher und ursprünglicher Klänge absolut genießen werden. Wenn es den Bambergern bereits mit ihrem Debütalbum gelungen ist, eine ordentliche Duftmarke zu setzen, dann hat sich die Band mit HEAVY ROAD einen festen Platz im Umfeld all jener gesichert, die daran interessiert sind, die echte und wahre Mucke nicht nur zu konservieren, sondern würdig fortzuführen. Tatsächlich gibt es aber auch Referenzen an vergangene Zeiten, trotz aller Eigenständigkeit. Sänger Michael Binder steht mit seiner kraftvollen und dynamischen Stimme im Mittelpunkt des Geschehens und erinnert manchmal daran, wie der späte Bluesman Jim Morrison seine heiseren Versionen alter Klassiker interpretierte. Diese Assoziation wird auf dem Song „Coal Mine“ etwas offensichtlicher, wo Binder es doch tatsächlich schafft, das kehlige Gurgeln von Morrison heraufzubeschwören, ohne seine eigenen Facetten hintanzustellen.

Bereits der Opener „Devil’s Bride“ hat diesen Doors-Touch, aber eben innerhalb eines Heavy-Blues-Settings. Es gibt hier wie auf dem gesamten Album keinen Mangel an Killer-Soli, in denen sich das Wah-Wah mit purem Blues-Ausbrüchen vermischt, rauchig, dicht und zerrissen. Ein fulminanter Auftakt für ein großartiges Album.

Dem Flair vergangener Tage können wir dann weiter auf dem „Orange Carpet“ frönen, erneut einem energiegeladenen Heavy Blues mit einer feiner Verflechtung von Gitarrenriffs und der Orgel von Catarina Böhner.

„Mayday“ lässt die eher bluesorientierte Seite der Band noch einmal richtig hervortreten, wobei die Gitarre mit energischen, kratzigen Riffs die Hauptrolle spielt. Der Gesang interpretiert die Texte intensiv in einem leidenschaftlichen Crescendo, das sich mit den Gitarrensolo-Einlagen abwechselt. Eigentlich eine Aufforderung zum Tanz, geschmückt mit Hard-Rock-Beats, die so geschickt eingesetzt werden, dass sie im Song als Ganzes fast unbemerkt bleiben.

Als Kontrapunkt zur Vitalität des vorangegangenen Stücks wird „Black Trees Pt. 1“ von sanften, warmen psychedelischen Blues-Akkorden untermauert, die an Country-Settings erinnern, voller Pathos und einer melancholischen Atmosphäre. Der Gesang ist hier warm und ausdrucksstark, und die Intensität nimmt im Laufe des Songs noch zu, wobei der Sound durch famose Gitarrensoli bereichert wird.

„Pilgrim Boots“ ist nach dem Opener ein weiterer Track, der länger als sieben Minuten überspannt und dessen Sound durch Gitarren- und Orgelsoli bereichert wird. Die Rhythmusgruppe ist äußerst solide, mit einer tiefen Basslinie und langen Instrumentalpassagen.

Es ist nicht einfach, moderne Rockmusik zu kreieren, ohne in Klischees zu verfallen oder etwas bereits Gehörtes wieder aufzuwärmen, aber dieser Band gelingt es. Sie verstehen es, ihre Wertschätzung für die Musik einer vergangenen Epoche mit ihrer eigenen persönlichen Note zu kombinieren. Energiegeladene und mitreißende Tracks, dynamischer Gesang, der sich gut in den Klangkontext einfügt, großartige Soloeinlagen – das sind die Vorzüge dieser Platte, die sich jeder geneigte Fan guter Musik zulegen sollte.

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Lineup:

Michael Binder / Vocals, Lead Guitar
Caterina Böhner / Organ, Rhythm Guitar
Philipp Engelbrecht / Bass
Florian Thiele / Drums

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Host im Podcast "Work of Sirens"

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