Epic-Sommer-Spezial (13) | #53

Hallo Freunde draußen an den Radiogeräten. Wir nähern uns dem Ende unseres Juli-Spezials, so wie sich auch der Juli langsam dem Ende neigt. Heute sind wir bei Song Nr 13 von 14 angelangt und warum sollten wir beim Endspurt unseres Epic Metal Mixtapes nicht noch einmal tiefer in die Trickkiste greifen. Unser Ziel ist Amerika und dort Stamford in Connecticut. Wir besuchen dort eine Band, die eines der besten Beispiele für klassischen Power Metal ist, unverfälscht, mit viel Biss und anspruchsvollen Rhythmen gespielt, einem donnernden Schlagzeug und mit einer dunklen Energie.

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Die Rede ist von Liege Lord, die es in den 80ern nur auf 3 Alben gebracht haben, aber einigen Hörern der jüngeren Generation durch ihren Auftritt auf dem Keep it True von 2013 vielleicht nachträglich in Erinnerung gerufen wurden. Man kann jetzt einwenden, dass wir es hier nicht eigentlich mit Epic Metal zu tun haben sondern mit reinem Proto-Power-Metal im Stile von Omen, Attacker oder Helstar, vielleicht sogar Jag Pag, aber der klassische amerikanische Power Metal hat eben eine unverwechselbare epische Kante, wenn es darum geht, den Begriff zu definieren. Was ist denn also episch? Typischwerweise ein Werk mit einer bombastischen Stimmung, in dem von außergewöhnlichen Taten außergewöhnlicher Charaktere berichtet wird. Hier geht es also nicht um Sex, Drugs and Rock and Roll, sondern um Magie, übergroße Legenden, Götter, Schlachten und eine Philosophie der Sterblichen gegenüber der Unsterblichkeit.

Das Kontroverse an Liege Lord könnte tatsächlich ihr erster Sänger Andy Michaud sein, der auf dem Debüt Freedom Rise von 1985 zu hören ist, von dem unser heutiger Song stammt. Bei Liege Lord ist es so, dass ich im Grunde ihr drittes Album Master Control von 1988 empfehlen würde, aber Freedom Rise entspricht unserem Vorhaben hier besser. Michaud hat nie wieder bei einer anderen Band gesungen und das mag viele möglicherweise nicht verwundern. Allerdings muss zu seiner Ehrenrettung gesagt werden, dass gerade im epischen Bereich nicht die Gefälligkeit im Vordergrund steht, sondern gerade das Kauzige, Unnachahmliche und Eigene. Wir sollten uns besondere Individuen vorstellen, die durch ein mystisches Land ziehen und von ihren Abenteuern berichten. Meist sind das Krieger oder Magier und keine Barden, kantige Gesellen, die eben etwas zu erzählen haben, während jene mit der Leier in der Hand doch eher irgendwelche Gockel waren oder sind, die bei Hofe verhätschelt werden und für die Damen von Erlebnissen singen, die andere erlebt haben, nicht aber sie selbst, während im kauzigen Bereich eben die Helden selbst den Mund aufmachen.

Der Rest der Band kurz vorgestellt:

Tony Truglio Guitars
Matt Vinci Bass
Frank Cortese Drums
Pete McCarthy Guitars

alles Jungs, die nie wieder wo anders in Erscheinung traten. Und selbst der Sänger Joe Comeau, der einen kleinen Schlag in Richtung Bruce Dickinson hat, ist nirgendwo sonst zu finden. Das ist manchmal ziemlich überraschend.

Das etwas Kauzige an Freedom Rise, von dem wir uns gleich den Song Wiedling Iron Fists herauspicken liegt aber nicht nur am Sänger, sondern auch an der Produktion des Albums, die Abmischung wirkt bei einigen Instrumente manchmal ein wenig daneben. Oft sind gerade die Gitarren etwas schwer zu hören und klingen sehr dumpf (das wird bei einigen Soli, Harmonien und so weiter noch unangenehmer), der Gesang ist vielleicht etwas zu hoch und der Bass ist sehr wackelig. Das Schlagzeug klingt durchweg ziemlich gut, obwohl die Bassdrums besser hätten klingen können. Manchmal scheint die Qualität auch von Track zu Track zu springen, es ist nicht drastisch, aber auch nicht schwer zu überhören.

Lässt man das alles jetzt mal beiseite, ist das Album jedoch ein echter Knaller und liefert dem geneigten Fan von Anfang bis zum Ende soliden dunklen Power Metal mit kantigen Riffs und einer komplexen, zerklüfteten Rhythmusgruppe. Allein das Eingangsriff von Wielding Iron Fists ist großartig:

Schauen wir uns jetzt mal den Text an, der wieder einmal einem Schlachtengemälde entspricht:

Der Regen des Todes fällt auf uns nieder, ich sehe ein neues Zeitalter anbrechen

Der Sänger erzählt uns davon wie die Krieger nach dem Kampf dürsten und wie sie in einer ausgeklügelten Formation vorwärts rücken, nachdem sie so lange darauf warten mussten, ihrem Schicksal ins Auge zu schauen. Heute Nacht aber wird es soweit sein.
Das Interessante daran ist, dass es zunächst so ausschaut, als würden hier konventionelle Waffen auf eine futuristische Technik treffen, wenn nämlich kurz von Laserstrahlen die Rede ist, unter deren Hitze die Reihen zusammenbrechen. Dann aber wendet sich das Blatt für jene, die mit Eisen kämpfen.
Der Text ist ziemlich kryptisch und lässt mehrere Deutungen zu. Natürlich geht es um diese schwingenden Eisenfäuste, die alles niederringen und am Ende fliehen die Feinde, obwohl sie – so scheint es zumindest – am Anfang einen Vorteil durch ihre Bewaffnung hatten und die Rüstungen der Eisenschwinger zerreissen.

Das alles liegt genau zwischen der NWOBHM und dem aufkommenden Thrash Metal, ist aber keines von beidem, weil Liege Lord hier völlig außerhalb jeden damaligen Trends lagen. Nichts an diesem Album ist in irgendeiner Weise kommerziell zu verwerten, was sie ja selbst zu spüren bekamen. Die Band war ja tatsächlich so etwas wie eine rohe amerikanische Antwort auf die Briten. Liege Lord haben unheimlich komplexe Heavy-Songs geschrieben, sie nutzen den dynamischen Kontrast aggressiv. Liege Lord gehören mit zu den Besten, wenn es darum geht, einen chaotischen Sound zu kreieren und dabei trotzdem tighten, im Wesentlichen von zwei Gitarren getragenen Metal zu spielen.

Das wars von mir. Schreibt mir unter workofsirens.de wie ihr euren Tag verbracht habt und wie das Wetter dort ist, wo ihr euch gerade befindet. Falls der Tag och vor euch liegt, wünsche ich euch einen guten und mir bleibt nichts anderes zu sagen als keep on rockin, wir hören uns bald wieder zu unserem Schlussakt oder zu einer der regulären Sendungen hier in diesem PODCAST.

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Epic-Sommer-Spezial (12) | #52

Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten, zu unserer neuen Ausgabe und damit dem Song Nr. 12 auf unserem Epic Metal Mixtape, unserem Sommer-Spezial hier im Juli, das am ende 14 Songs umfassen wird. Wir müssen heute noch einmal nach Italien. Dort waren wir zwar nun schon ein paar Mal, aber noch nicht in der Lombardei. Also ist das heute unser Zielpunkt. Wir treffen dort auf eine Band, die eine ganz genaue Vorstellung von dem hat, was Heavy Metal einst war und wahrscheinlich nie wieder sein wird, und das sage ich, obwohl das Album, von dem unser heutiger Song stammt, erst 1999 den Nebel der Welt entdeckte. In der letzten Ausgabe waren wir ebenfalls in der Nähe der Jahrtausendwende zugange, die uns im Nachhinein betrachtet so unendlich viel gekostet hat, so dass man mittlerweile sogar den 90er Jahren weitaus versöhnlicher gegenübersteht.

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Doomsword, um die es uns heute geht, spielen aber einen Metal, der nichts mit modernem Powermetal zu tun hat, sogar eine Art Antithese davon ist.

Es wirklich eine Überraschung, wie diese Band es schafft, etwas zu schaffen, das klanglich nicht wirklich revolutionär ist, aber eben gerade deshalb ins Herz dessen trifft, was den Epic Metal ausmacht. Und dass sie das Wort Doom in ihrem Namen tragen, ist natürlich kein Zufall, auch wenn die Band zeigt, dass guter Doom nicht langsam gespielt werden muss, um Doom zu sein. Das scheint ja einer dieser modernen Irrtümer zu sein, weshalb manche beim Lauschen von Witchfinder general gar nicht begreifen, was daran Doom sein soll. Nun, liebe Freunde, es ist die Atmosphäre. Es heißt ja schließlich nicht Slowmotion-Metal im gegensatz zu Speed-Metal. Natürlich brechen Doomsword keine Geschwindigkeitsrekorde, das will ich damit nicht sagen, aber sie verschleppen ihr Tempo nicht künstlich, wie viele Doom-Bands das tun. Atmosphäre erschafft man durch einen schweren, lastenden, leidenschaftlichen und epischen Sound. Und das haben wir hier vor uns.

Auf ihrem selbstbetitelten Debüt von 1999 wagen sie sich sogar an ein Cover von Cirith Ungols Nadsokor, ohne freilich Tim Bakers abnormen Gesang hinzubekommen. Aber obwohl ich Coverversionen absolut und überhaupt nicht mag, ist diese hier allein schon deshalb interessant, weil Cirith Ungol im gegensatz zu Doomsword recht dünn wirkt, was alles so sein muss, das will ich gleich hinterherschicken, Cirith Ungol sind definitiv eine meiner Top-Ten Metalbands. Und das hat selbstverständlich seine Gründe.

Hier kommt die Band:

Garbriel Grilli an den Vocals. Der hat nur dieses Ding hier eingesungen und das auf eine wirklich beeindruckende Weise. Kurz war er auch bei Ballleroar, hat mit ihnen aber kein Album aufgenommen.

Deathmaster Guitars (1997-1999), Vocals (1997-present)
See also: Gjallarhorn, ex-Fiurach, ex-Warhammer, ex-Agarthi, ex-Fury n Grace, ex-Aesir

Dark Omen am Bass (heute spielt jemand namens Geilt da.

Und Alberto Coerezza an der Gitarre

Das Cover stammt von J.H. Fussli, der ja auch den Nachtmahr und viele beunruhigende Bilder gemalt hat.

Für die Gitarrenarbeit ist Deathmaster zuständig, der neben dem Gitarrenspiel auch als Backgroundsänger fungiert, später aber den vollen Gesangspart übernimmt und der Sänger ist, mit dem die Fans die Band identifizieren. Mit Garbriel Grilli hat man sich nicht so sehr anfreunden können.

Auf den späteren Doomsword-Alben hat die Band ihren endgültigen Sound gefunden, so dass man fast sagen kann, dass sie nie wieder so geklungen haben wie hier.

Der Song, der heute unser Mixtape schmücken wird nennt sich “One Eyed God”. Natürlich geht es dabei um Odin, aber ich muss sagen, dass der Text eigentlich nur eine Anhäufung von Gemeinplätzen ist. Natürlich erwarten wir hier keine hohe Literatur. Die erste Strophe wird abwechselnd von Grilli und Deathmaster vorgetragen. Das Auge, das Odin für seine Weisheit geopfert hatte, liest die Runen, auf denen das Verhängnis steht.

Dann gehen wir mal direkt in den Text:

Die Hingabe segelt stolz auf den Wassern des Blutes der Jungen und Alten.

Ich musste das etwas gerade rücken, weil der Satz, wie er hier gesungen wird, kaum einen Sinn ergibt, was vielleicht an mangelnden Englischkenntnissen liegt. Zumindest ist das ein bißchen unglücklich formuliert. Die nächste unstimmigkeit ist freilich, dass dann von Feinden die Rede ist, die den Hammer schmecken werden, was natürlich weniger mit Odin als mit Thor zu tun hat. Ud dann wird auch noch vom Hammer als Banner der Wikinger gesprochen.

Das ist alles wahrlich etwas unglücklich, tut aber der Stärke des Songs keinen Abbruch. Es ist nur schade, dass ich hier textlich nichts besseres vermelden kann.

Damit ist es übrigens noch nicht getan, es kommt auch noch das schiff Naglfar vor, das direkt in die Hölle segelt, was ja gar nicht die Aufgabe des Schiffes ist, sondern an Ragnarök die Feinde der Götter zu transportieren. Im Text steht dann, dass die, die nicht in der Schlacht starben, damit in die Hölle transportiert werden.
Zum Schluss wird auch noch Asgard und Walhalla verwechselt. Also, ich will hier nicht Korinthen kacken, aber der Text ist natürlich barer Unfug. Mir wäre da fast ein plakativer Schlachtentext, wie wir ihn ja auch schon hatten, lieber gewesen, aber sei es drum. Wie gesagt, ist der Song stark genug für unser Vorhaben.

Tatsächlich ist das ganze Album ein Ungetüm, das Doom, Heavy Metal und Folk miteinander vermischt und zwar so, dass man wirklich meint, einer Schlacht beizuwohnen. Und das ist schließlich die Hauptsache.

Das wars von mir. Schreibt in die Kommentare, wie euer Tag heute war, vor allem, was ihr für Wetter dort hat, wo ihr seit. Und mir bleibt nichts andere als zu sagen Keep on rockin’! Wir haben noch zwei weitere Songs vor uns, und wir hören uns demnächst

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Supergroup auf Abwegen: Asia I #51

Heute kommen wir auf ein Album zu sprechen, das in diesen Tagen 40 Jahre alt wurde, genauer: am 8. März 1982. Es handelt sich um das Debüt der Supergroup Asia, das auf Geffen-Records veröffentlicht wurde und gehört allein schon deshalb zu den Errungenschaften der 80er Jahre, weil darauf der Hit “Heat of the Moment” enthalten ist.

Auch wenn Asia auf vielen Seiten als Progrock gelistet wird, handelt es sich zwar um eine Supergroup mit vier talentierten und bekannten Prog-Musikern, die für einige der wichtigsten und brillantesten Seiten der Rockmusik verantwortlich sind, aber um keine Prog-Band im engeren Sinne.

Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Epic-Sommer-Spezial (11) | #50

Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten, zur Ausgabe Nr. 11 unseres Epic Metal Mixtapes, das wir über den ganzen Juli hinweg verteilen. Am Ende werden wir 14 Songs auf unserem virtuellen Tape haben und eigentlich wollte ich euch das ganze ja in einer Playlist anbieten, aber die einzige Möglichkeit hierfür wäre Spotify gewesen, für die ich beileibe keine Werbung machen möchte, aber das hat sich dann doch erledigt, weil Spotify das meiste gar nicht hat. Deshalb werde ich die Playlist über Youtube laufen lassen, damit ihr sie am Srtück habt.

Wir verlassen heute unseren Kurs des Obskuren, indem wir zu einem der besten traditionellen USPM-Alben aller Zeiten schwenken und somit natürlich auch zu einer der Top-Größen auf diesem Gebiet, die sich in den 90er Jahren gegen den Strom stellten und mit der Arbeit für all das begannen, was heute als NWOTHM seine Früchte trägt. Weder Hörer noch Bands werden wissen, wem sie das alles zu verdanken haben.

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Twisted Tower Dire. Zumindest zum Teil. Zu einem großen Teil. Die andere Band, die unermüdlich am Heavy Metal festhielt ist natürlich Riot, deren Werkschau ihr bei uns bereits findet. Aber heute solls episch sein und wir sind mal wieder in Amerika, in Virginia, um genau zu sein, um mit Twisted Tower Dire in Langboten auf die Insel der Hydra zu paddeln, dort wartet nämlich ein Drache auf uns, der uns unbedingt kennen lernen möchte und mit dem wir vielleicht noch etwas zu rupfen haben, was wohl eher kein Hühnchen sein wird.

Twisted Tower waren da, als sich kein Mensch für den traditionellen Heavy Metal interessierte. 1995 habern sie sich gegründet, 199 kam dann ihr Debüt The Curse of Twisted Tower raus und von da an waren sie erst mal ziemlich aktiv. Dass sie ihre Karriere aber am absoluten Nullpunkt des Genres begonnen haben, das zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Geschichte. Auf den beiden letzten hervorragenden Releases singt Johnny Aune, weil tragischerweise 2010 Tony Taylor verstorben ist, der unseren heutigen Song begleitet, der vom 2001er Album The Isle of Hydra stammt und dann auch genauso heißt. Man könnte jetzt einwenden, dass Twisted Tower mehr USPM sind als reiner Epic Metal, und das stimmt genauso wie es eben stimmt, dass der USPM neben seiner technischen und progressiven Seite und seiner speedlastigen Seite eben auch sehr stark das Epische bedient, das vielleicht etwas anders dargeboten wird als bei den Italienern und den Griechen, aber deshalb nicht weniger auf unser Mixtape gehört. Natürlich hätte ich gerade auch Omen, Cirith Ungol, Manilla Road, Manowar und viele andere Bands auswählen können, die fast schon obligatorisch dazu gehören, aber Twisted Tower werden unterm Strich viel zu wenig für ihre Leistung bedacht, was aber nicht heißt, dass das der einzige Grund ist, warum ich sie heute hier reinnehme. Sie sind einfach gut, und darüberhinaus konstant.

Die Band bestand 2001 aus folgenden Musikern:

Mike Engel Bass (nur dieses Album)
Marc Stauffer Drums
Scott Waldrop Guitars
Dave Boyd Guitars
Tony Taylor (R.I.P. 2010) Vocals

Die Hydra, um die es im Text geht, ist eigentlich kein wirklicher Drache, sondern ein Ungeheuer mit mehreren Köpfen, und der Name weißt ja bereits auf das Wasser hin, in dem sie lebt. In der ersten Strophe macht sich also eine Mannschaft auf, in Langbooten zur Insel der Hydra zu schippern. Zwar sind Langboote hauptsächlich durch die Wikinger bekannt geworden, aber es gab sie auch in der Antike, und da befinden wir uns der Sage nach wahrscheinlich auch. Die Insel Hydra gibt es übrigens tatsächlich, die liegt im saronischen Golf, gehört zu Griechenland und es gibt dort keine Autos. Ahhh. Wahrscheinlich hat die Wasserschlange, oder der Wasserdrache, wenn man so will, was dagegen, was ihn mir höchst sympathisch macht.

Es heißt also

Wir teilen die Wellen der dunklen, unbekannten Tiefen des Meeres
lenken unsere Langboote zum Land unserer Träume
wir folgen dem Ruf, den wir uns nicht entziehen können.
Und müssen uns dem Zorn des Drachens mit dem Namen Hydra stellen.

Die Schlacht rückt näher,
Ich bin sicher, er spürt meine Anwesenheit
Einer wird der Sieger sein,
und einer wird fallen

Draußen am Horizont liegt die Insel Hydra, grün auf einer blauen Decke
Mein Puls beschleunigt sich, denn ich weiß, welche Gefahr dort lauert.
Im Herzen des Feuerberges muss das Versteck des Drachen liegen.

Dann in der Spanne von nur zehn Herzschlägen donnern die Flügel des Drachen aus der Nacht heraus, der von seinem Beuteflug zurückkehrt. Der Geruch von Asche und Schwefel erstickt die Luft.
Wir verstecken uns in der Dunkelheit und warten auf die Stunde des Untergangs!

Das ist also ein klassischer Drachentöter-Text, den wir aus unzähligen Rollenspiel-Settings und Fantasy-Romanen kennen, und der Song galoppiert von Anfang an los und hat dieses Power-Riff, das sowohl das Heroische und das Heldenhafte in sich birgt. Ohne viel Federlesens singt auch Tony nach nur wenigen Sekunden los, da gibt es keine Feuerlichkeiten ud keine Einleitung, obwohl gesagt werden muss, dass es vorher das Intro “Battle Cry” gibt, sozusagen als Einstimmung auf das, was folgt, und da schmiegt sich dann nahtlos The Isle of Hydra an.
Im Chorus gibt es dann dieses Ahaha der Band, um den epischen Charakter noch einmal zu vertiefen. In der Mitte dann gibt es den Tempowechsel und bevor das eindringliche Solo folgt und Tony wechselt vom erwartungsvollen Gesang in den Moment kurz vor der Schlacht, wo sich die Dinge eben nicht überschlagen, sondern erhaben wirken. Die Zeilen sind folgende:

Es gibt eine Ruhe kurz vor dem Sturm
Einen Ort, der meine Seele grüßt
Ich bin gesegnet durch das Licht
Ich bin bereit für den Kampf
Und ich werde nicht verlieren!

Es gibt gerade im Zusammenspiel zwischen den beiden Gitarristen viele kleine Höhepunkte in diesem 6 Minutenstück, bevor dann die Reprise der ersten Strophe uns noch einmal daran erinnert, wo wir gestartet sind.

Ein wirklich starkes Stück. Das wars von mir für heute. Schreibt mir auf workofsirns.de wie ihr euren Tag heute verbringt oder verbracht habt und wie das Wetter bei euch ist. Wie ihr ja mittlerweile gesehen hat, schreibe ich bereits immer dazu, wie das Wetter in einer der epischsten Städte Deutschlands so ist. Hier hats ja mal vor Römern nur so gewimmelt. Bei euch vielleicht auch, auch das könnt ihr mich wissen lassen.

Mir bleibt nichts anders zu sagen als keep on rockin, wir hören uns demnächst.

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Epic-Sommer-Spezial (10) | #49

Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten. Heute heiße ich euch willkommen zur zehnten Ausgabe unseres Epic Metal Mixtapes, zu unserem Special, das wir über den ganzen Juli hinweg verteilen. Wir haben noch vier weitere Songs und wie immer würde ich gerne von euch wissen, wie ihr euren Tag heute so verbracht habt oder verbringt und – wie das Wetter bei euch heute ist. Schreibt mir das unter workofsirens.de in einen Kommentar.

Italien scheint momentan unser bevorzugter epischer Ort zu sein, denn heute landen wir schon wieder dort. Jedoch wandern wir von der Toskana nach Florenz. Alles klingende Namen, wenn man eine Reise tun will, aber wir sind nur dort zu Gast, um uns auf in andere Welten zu machen. Um genauer zu sein, in eine der fabelhaftesten Ländereien, die sich jemals ein Mensch ausgedacht hat. Nein – es handelt sich nicht um Mittelerde, aber um etwas ähnliches, nur ist unsere Welt noch etwas dunkler.

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Es kann kein episches Mixtape geben ohne auf den Spuren Elrics von Melnibone zu wandeln, der fast schon ein Prototyp für die Texte zahlreicher Bands ist. Man kann sich fast schon aussuchen, welche Interpretation es denn sein darf, aber ich habe mich heute für Domine entschieden, weil der heutige Song ein wahres episches Wunderwerk in der Erzählung des Eternal Champion darstellt. So heißen dann auch das Album, nicht zu verwechseln mit der Band, die sich ebenfalls nach diesem Epos benannt hat.

Domine gründeten sich bereits 1983, aber wie das manchmal so ist, erblickte ihr Album erst 1997 das Licht der Welt, ganze 14 Jahre später also. Die Band war allerdings all die Jahre nicht nur tatenlos und wartete auf den richtigen Zeitpunkt, sondern veröffentlichten 4 Demos, und ihr Debüt enthält dann auch fast ausnahmslos Songs von diesen Aufnahmen, die immer mehr verfeinert wurden. Tatsächlich unterscheiden sich die Kompositionen auf dem Debüt erheblich vom späteren Material, und sollte sich jemand fragen, warum das so ist, dann hat er jetzt die Antwort, und vielleicht auch darauf, warum “Champion Eternal” etwas ganz Besonderes ist.

Die Band kurz vorgestellt:

Riccardo Paoli Bass
Enrico Paoli Guitars, Songwriting, Lyrics
Morby Vocals
Mimmo Palmiotta (der sich auch Boris Hunter nennt und vor allem durch DeathSS bekannt ist) Drums

Was dieses Album wirklich besonders macht, ist natürlich nicht sein eigentliches Alter, obwohl das immer auch eine Rolle spielt, so als wäre in den letzten Jahrzehnten ein bestimmter Geist aus der Musik ganz allgemein gewichen, sondern die Betonung auf Songwriting und Storytelling. Es gibt hier – wie bei den Italienern üblich – viel Melodien, aber die Songs sind länger und die Songstrukturen gehen tiefer als bei den meisten ihrer Power-Metal-Kollegen.

Anstelle von kitschigen Refrains konzentrieren sich Domine auf den Aufbau von Welten und die Schaffung einer epischen Atmosphäre mit Riffs, die stark im traditionellen Metal verwurzelt sind. Gemäß Michael Moorcocks Elric-Reihe ist Champion Eternal düster und bedrohlich, aber herrlich episch. Dieses düstere Meisterwerk ist fast genau eine Stunde lang, doch es fühlt sich zu keinem Zeitpunkt zu lang an.

Domine benutzen dieses Album als Gefäß, um als ihre eigene Chronik des Schwarzen Schwertes zu fungieren, indem sie Elrics Geschichten lebendig nacherzählen. Ihr seht, es ist gar nicht so einfach, aus diesem Konzept einen einzelnen Song zu reißen, aber nicht alle Songs drehen sich um Elric, sondern sind grundsoliede Sword & Sorcery Geschichten anderen Kalibers.

Der Closer des Albums, um den es uns hier geht, der bringt noch einmal alles auf den Punkt, was man in der knappen Stunde vorher sprichwörtlich erlebt hat.

Textlich scheint “Champion Eternal” die ultimative Hommage an Michael Moorcock und sein Werk zu sein. Wer die Saga um Elric nicht kennt, dem gebe ich hier einen kurzen – einen wirklich kurzen – Leitfaden an die Hand:

Der Eternal Champion existiert in verschiedenen Inkarnationen im gesamten Multiversum, also in unterschiedlichen Welten, weiß aber die meiste Zeit nichts von seinem Schicksal und lebt in Unkenntnis, bis er von seiner Aufgabe mitgerissen wird, die darin besteht, das kosmische Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Das Schicksal des Champions ist dabei ein schweres Verhängnis, denn der Champion kann niemals ruhen, niemals wirklich sterben und niemals wirklich lieben. Der Ewige Held trägt immer einen Aspekt des Schwarzen Schwertes als seine Waffe, auch wenn es sich nicht immer als Schwert manifestiert.

Es ist möglich, dass mehrere Aspekte des Champions im selben Universum existieren, obwohl dies das Risiko birgt, das Multiversum zu beschädigen. In diesen Fällen können die einzelnen Champions zu einem zusammengesetzten Wesen verschmelzen. Alle Aspekte des Champions erinnern sich unbewusst, in Träumen und Albträumen, an ihre vergangenen (und möglicherweise zukünftigen) Inkarnationen. Einige Aspekte erinnern sich bewusst an sie, was sie entweder extrem geschickt macht, um im Multiversum zu überleben, oder sie an den Rand des Wahnsinns bringt.

Die Geschichte des Ewigen Champions ist fast immer eine tragische Geschichte.

Elric ist sicherlich die bekannteste Inkarnation dieses Helden, und das Schwarze Schwert – hier Sturmbringer oder Stormbringer im Original – ist natürlich nicht weniger berühmt.

Elric ist der letzte Herrscher der Inselzivilisation von Melniboné. Körperlich ist er eher schwächlich, also ganz und gar kein Conan. Und deshalb ist er von Drogen abhängig, um überhaupt am Leben zu bleiben.

Von Kindheit an las er viel in der riesigen königlichen Bibliothek und lernte so die Welt außerhalb der Trauminsel kennen. Das ist auch der Grund warum Elric, anders als andere Mitglieder seiner Rasse, ein Gewissen hat. Er wird Zeuge des Verfalls seiner Kultur, die einst die bekannte Welt beherrschte, und macht sich Sorgen über den Aufstieg der von Menschen bevölkerten Jungen Königreiche (die Melnibonéaner betrachten sich als von der Menschheit getrennt) und die Bedrohung, die sie für sein Reich darstellen. Aufgrund von Elrics Selbstverachtung und seinem Hass auf die melnibonéischen Traditionen finden ihn seine Untertanen seltsam und unergründlich.

Neben seinen Fähigkeiten im Umgang mit Kräutern ist Elric außerden ein versierter Zauberer und Beschwörer. Als Kaiser von Melniboné kann Elric den traditionellen Schutzherrn der Kaiser von Melniboné, Arioch, einen Herrn des Chaos und Herzog der Hölle, um Hilfe bitten. Von der ersten Geschichte an nutzt Elric uralte Pakte und Vereinbarungen nicht nur mit Arioch, sondern auch mit verschiedenen anderen Wesen – einigen Göttern, einigen Dämonen -, um seine Aufgaben zu bewältigen.

Elrics Entdeckung des Schwertes Stormbringer ist sowohl sein größter Vorteil als auch sein größter Nachteil. Das Schwert verleiht Elric Stärke, Gesundheit und Kampffähigkeit und ermöglicht es ihm, sich von seiner Drogenabhängigkeit zu befreien, aber es muss von den Seelen intelligenter Wesen gespeist werden. Am Ende nimmt die Klinge jeden mit, der Elric nahe steht, und schließlich auch Elrics eigene Seele. Die meisten von Moorcocks Geschichten über Elric handeln von dieser Beziehung zu Stormbringer und davon, wie sie – trotz Elrics bester Absichten – alles, was ihm lieb und teuer ist, ins Verderben stürzt.

Der Hörer wird auf diesem Album kaum davon abgehalten, selbst ein Schwert zu ergreifen und in die Schlacht zu ziehen. Dieses epische Gefühl, das sich durch die gesamte Dauer aller Songs zieht, ist die größte Stärke der Platte. Die Musik von Domine scheint genau das zu besitzen, was es braucht, um erfolgreich Geschichten von Geheimnissen, verdammten Helden und großartigen Schlachten zu erzählen.

Musikalisch erreichen Domine ihren unverwechselbaren Sound und ihre Atmosphäre durch marschierende, kriegsähnliche Gitarrenriffs und den Einsatz eines mystischen, fast okkulten Touches an den Keyboards. Auch gibt es häufige Riffwechsel, bei denen eine edel klingende Leadgitarre in den Mittelpunkt rückt. Seine Einzigartigkeit verdankt “Champion Eternal” aber vor allem zwei Elementen: dem Gesang von Morby und dem Schlagzeug von Mimmio Palmiotta. Einerseits ist Morby sicher nicht der größte Sänger, den es je gab, aber seine leidenschaftliche und charakteristische Stimme scheint das perfekte Mittel zu sein, um das epische Gefühl auszudrücken, das Domine zu erzeugen versuchen. Auf der anderen Seite ist Palmiotta für seine Arbeit mit Death SS bekannt, einer Band, die einen völlig anderen Ansatz verfolgt als Domine.

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Ein Werk, das Tausend Jahre überdauert: Negative Plane – The Pact… | #48

Willkommen zu einer neuen Ausgabe unserer Reviews hier im Podcast Work of Sirens. Heute mit  Negative Plane,  die nach  über 11 Jahren, in denen manche Mitglieder der Band sporadisch andere Projekte verfolgten, ihr drittes Album über Invictus Productions in Dublin herausgebracht haben, und dieses Album ist erwartungsgemäß  ganz und gar erstaunlich – im Sinne seines “Next Level”-Anspruchs auf dem Gebiet des  arkanen Black Metal – und hat auch einige Zeit in Anspruch genommen, bis die Teile sich zu fügen begannen.

Das Ergebnis ist ein Werk, das auf natürliche Weise die Grenzen zwischen Black Metal, frühen und somit bösartigen Thrash Metal und reinem Heavy Metal auf unheilige Art und Weise überschreitet und ständig und mit viel Finesse daran erinnert, dass der Teufel immer die Oberhand gewinnt, egal wie clever man ist. Es geht um die Geschichte des Teufelspakts, nicht eigentlich um Goethes Faust, sondern um das Paktieren mit dem Teufel ganz allgemein, und so heißt dieses Konzeptalbum dann auch The Pact…

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Negative Plane wurden 2001 von Sänger und Gitarrist Edward Miller alias Nameless Void gegründet, bevor er Matthias Müller alias Bestial Devotion fürs Schlagzeug fand. Miller und Müller also. Müller deshalb, weil Bestial Devotion in Deutschland geboren wurde und als Teenager in den 90ern nach Amerika auswanderte. Es gibt zwei Alben von Matthias Müller, die er in der Zeit, da Negative Plane auf Eis lag, unter Funereal Presence veröffentlicht hat, und das letzte – Achatius von 2019 – habe ich in den Anfängen des Youtube-Kanals auch besprochen, allein schon deshalb, weil Funereal Presence definitiv meine absolute Lieblingsband im BM ist, wenn man da überhaupt von einer Band sprechen kann, wenn Bestial Devotion doch fast alles allein gemacht hat. Geholfen wurde ihm nur hier und da von – und jetzt kommt die große Überraschung – Edward Miller alias Nameless Void von Negative Plane. Es ist jetzt nicht besonders verwunderlich, dass Negative Plane und Funereal Presence einen ähnlichen Ansatz im Songwriting und auch im Klang verfolgen, der sich aus Avantgarde, dem Okkulten und dem psychedelischen zusammensetzt.

Die Jungs hassen die Schublade USBM und ich kann das verstehen. Diese andauernde Akronym-Gescheiße ist auf Dauer nur nervig und unterm Strich bedeutet so etwas auch nicht das geringste, aber der Vorteil amerikanischer Bands im Black Metal ist sicherlich, dass sie keinen Signatur-Sound haben und deshalb viel freier und in der Regel überraschender aufspielen als etwa die norwegischen oder schwedischen Vertreter, weil hier persönliche Einflüsse eine viel stärkere Betonung haben als anderswo. Sicher bilden sich regionale Kollektive auch hier aus, wie zum Beispiel in Cascadia oder den Appalachen, aber mittlerweile gibt es von Alaska bis Hawaii Black-Metal-Bands mit einer einzigartigen Handschrift, die so nirgendwo anders gehört werden können.

Negative Plane gründeten sich mehr oder weniger in Florida, aber erst jüngst sind sie eine wirkliche Band mit mehreren Musikern und in New York ansässig. 2011 hatte noch Ignotus alias Diabolic Gulgata den Bass bedient, der jetzt an die Gitarre wechseln konnte, weil sie den kolumbianischen Bassisten David Cifuentes alias Lord Thammuz gefunden haben. Multiinstrumentalisten sind sie quasi alle, aber man muss erwähnen, dass Bastial Devotion schon ein ganz besonderes Schlagzeugspiel hat, das man unter Tausenden wiedererkennt und es deshalb schon ein Vorteil ist, dass er nicht die Gitarre spielt, die er ja ebenfalls beherrscht, wie er bei Funereal Presence hinlänglich bewiesen hat. Seinen wirklich seltsamen Schlagzeugstil führt er dann auch darauf zurück, dass er eigentlich wie ein Gitarrist denkt. Und vor allem klingen seine Kessel völlig nackt, so als würden sie einfach neben dem Ohr stehen oder im Zimmer nebenan.

2006 veröffentlichten Negative Plane ihr Debüt namens “Et in Saecula Saeculorum”, dem 2011 “Stained Glass Revelations” folgte. Diese beiden Alben machten die Band zu einer Legende im USBM-Underground – da ist er wieder, der böse Begriff -, und das aus gutem Grund, denn ihr Black-Metal-Stil, der sich – vereinfacht gesagt – mehr an der ersten Welle orientiert, ist völlig einzigartig und hat wenig zu tun mit der Wald-und Wiesen-Raserei auf der einen – oder einer modernen Produktion auf der anderen Seite. Für mich ist das ganze Umfeld von Negative Plane davon geprägt, wie sich der Black Metal hätte entwickeln können, wenn er nicht in die Krallen der Norweger geraten wäre, was gar nicht negativ gemeint ist, auch wenn es sich so anhört.

Nach “Stained Glass Revelations” war für die Band ein Punkt erreicht, wo sie nicht wusste, wie es weiter gehen sollte. Nameless Void versuchte zwar, neues Material zu schreiben, kam aber nicht voran. Er spielte dann einige Jahre in der Okkult-Doom-Band Occulation, die es leider nur auf zwei Alben brachte und die zwar gar nichts mit Black Metal zu tun haben, aber sobald man sich die beiden Alben anhört, spürt man auch hier den eindeutig okkulten Charakter, der auch von Negative Plane ausgeht. Tatsächlich sind Occulation, die mit der Finnin Annu Lilja wie viele andere Occu-Doom- oder Doom-Rock-Bands ebenfalls eine Sängerin haben, nicht mit den üblichen Jefferson-Airplane-Ripp-Offs zu vergleichen, sondern wirklich okkult, aber darüber müssen wir ein anderes mal sprechen.

2015 fing Void damit an, die südamerikanischen Sachen wie “I.N.R.I.” von Sarcófago und “Bloody Vengeance” von Vulcano zu vermissen. Das bedeutet, die Orientierung an den Grundlagen dessen, was zu dieser Zeit noch keiner Genre-Definition unterlag. Einen solchen Sound gibt es heute nur noch selten und Void wollte sowas wieder in der Musik haben, am besten in seiner eigenen, aber ein Thema hatte er noch nicht. Bei Negative Plane sind die Musik und das Konzept ja eng miteinander verwoben und Void zieht seine Songs immer von den Lyrics her auf. Ihm kam dann die Idee, ein Album mit verschiedenen Charakteren zu machen. Nicht im Stil von King Diamond, sondern mehr über ihre Berufe. Einer könnte ein Schmied sein, ein anderer arbeitet wie ein Küster in der Kirche, ein anderer ist der Architekt dieser Kirche – und jeder von ihnen schließt einen Pakt mit dem Teufel ab.

Irgendwann besuchte Void eine Freundin in Regensburg und erst da begannen sich die Dinge zu fügen, als er nämlich vor der berühmten Steinernen Brücke stand, der ersten ihrer Art in ganz Europa. Und dort gibt es die berühmte Geschichte zwischen der Wette des Brückenbaumeisters und des Dombaumeisters, die darum ging, wer zuerst fertig wäre. Der Brückenbaumeister schloss diesen Teufelspakt und war dadurch natürlich als erster fertig, aber als der Teufel die versprochenen ersten drei Seelen forderte, trieb der Baumeister einen Hahn, eine Henne und einen Hund über die Brücke, wurde also betrogen.

Void hatte hier jetzt seinen Katalysator, allerdings wollte er lieber über die Kirche schreiben als über die Brücke, weil er dadurch mehr Möglichkeiten hatte. Es gibt zwar in jeder Stadt auch eine Brücke, aber bei Kirchen und ihren verborgenen Geheimnissen, Ketzereien, Mystizismen usw. ist die Anzahl der Geschichten nahezu unbegrenzt.

2019 entstand dann der erste Song, der auch der Opener auf dem Album ist: “A Work to Stand a Thousand Years”. Und sofort merkt man dann auch, dass eigentlich die Musik um die Geschichten herum geschrieben wurde, denn ganz normale Lyrics sind das eben nicht. Die Atmosphäre des Albums ist mittelalterlich ohne irgendwie folkig zu sein. Das liegt am schwer zu benennenden Klang der Band und natürlich an Voids einzigartiger Stimme, der tatsächlich eher wie ein düsterer und prophetischer Erzähler fungiert und nicht etwa kreischt oder gar singt. Das alles geht so gut zusammen, dass es auch gar keine andere Band machen könnte.

Ich meine, während “Stained Glass Revelations” (2011) mit seiner weitaus chaotischeren Herangehensweise einen neuen Höchststandard erreichte, ist dieses Album hier vergleichsweise frei von Hall, abgesehen von der Andeutung eines Raums mit hohen Decken, ähnlich wie bei “Achatius” vor ein paar Jahren, aber mit der definierten Beckenarbeit, einem sehr altmodischen Bassgitarrenton und dem Klirrfaktor der verschiedenen Gitarrenspuren, der fast gegen Null geht, unterscheidet sich die Produktion erheblich von den früheren Sachen, ohne die Signatur der Band in irgendeiner Weise zu verändern.

Für viele Fans von arkanem Black Metal, Avantgarde, Okkultismus und dem allgemein psychedelisch angehauchten Gefühl des neuen Jahrzehnts gibt es nur wenige andere Bands, die einen so einflussreichen und doch unantastbaren Standard für Black Metal in den Vereinigten Staaten setzten, und das liegt natürlich auch an diesem großen mystischen Raum zwischen den Texten und dieser wirklich unglaublichen Gitarrenarbeit. Die ist nämlich ziemlich herausfordernd, aber eher im Sinne der Atmosphäre. Hier blitzen Welten innerhalb von Welten auf.

Viele dieser Songs, wie z.B. “Three Turns to the West” haben ihre Hauptaussage im Refrain, aber in der verdrehten Art und Weise, wie es frühe Celtic Frost oder Sabbat praktiziert haben, auch wenn Negative Plane nicht annähernd so prägnant sind und sich nicht auf so unverblümte Weise gegen den traditionellen Heavy Metal auflehnen.  Der Zweck der Gitarre ist – wie schon erwähnt – die dargestellte Geschichte zu flankieren.

Das soll nicht heißen, dass Nameless Voids einzigartiger Einsatz der Gitarrentechnik kaum zur Geltung kommt. Es gibt verschiedene Beispiele für Finesse ohne kitschige Gitarrenhelden-Klischees, beginnend mit “Poison and the Crucifix” , bei dem Void eine Art Black-Metal-Noise-Gitarren-Geniestreich hervorbringt, der ein wiederholtes Anhören rechtfertigt, sobald der Song zu Ende ist.

Von da an liegen die Highlights eindeutig zwischen dem akrobatischen, meisterhaft gespielten und bereits erwähnten “Three Turns to the West” und dem wohl typischsten Negative Plane-Stück des gesamten Albums, “Even the Devil Goes to Church”, das in gewisser Weise jenes Gefühl der ständigen Bewegung durch schnell wechselnde Riffs des ersten Albums “Et In Saecula Saeculorum” widerspiegelt.

Das hier ist eine bemerkenswerte Veröffentlichung weit jenseits der Norm, ein denkwürdiges Stück okkulter audiovisueller Fiktion  mit einer großen Menge an Überlegungen, Arbeit und Leidenschaft, die in jedes Element eingeflossen sind.

Ich bin völlig begeistert von diesem Album, aber natürlich bin ich voreingenommen, weil ich von Anfang an ein Fan der Band und ihren Nebenprojekten bin, aber das lenkt nicht davon ab, dass Negative Planes drittes Album von einer Größe ist, die ein Jahrzehnt des Wartens gerechtfertigt hat und alles andere als eine beiläufige, gewöhnliche oder halbherzige Black Metal-Platte im Jahr 2022. Mit diesem Album haben sie so vielen bekannten Bands einen Strich durch die Rechnung gemacht, dass ich nicht anders kann, als ihnen die höchstmögliche Empfehlung auszusprechen.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Epic-Sommer-Spezial (9) | #47

Willkommen draußen an den Radiogeräten zur neunten Folge unseres Juli-Specials hier im Podcast Work of Sirens. 14 Songs wählen wir für unser Epic Metal Mixtape aus und wenn euch das Format gefällt, dann lasst es mich unter workofsirens.de in einem wissen. Eventuell wiederholen wir das ganze dann mit einem anderen Thema noch einmal. Wenn ihr diese kleine Serie bisher verfolgt habt, dann wisst ihr, dass mich interessiert, wie ihr euren Tag heute verbracht habt oder noch verbringen werden – je nachdem, wann ihr diesen Podcast hört – und wie das Wetter bei euch heute ist. Warum ist das so wichtig? Nun, wir machen es einfach zu einem wichtigen täglichen Artefakt. In früheren Zeiten hat man Logbücher, Tagebücher oder sonstige Aufzeichnungen immer auch mit Wetteraufzeichnungen versehen, obwohl ich nicht glaube, dass in der Zeit, in die wir hier hauptsächlich reisen, Wetter und Tagebücher eine große Rolle spielten.

In der letzten Folge hatten wir Etrusgrave, und die heutige Band ist mit dieser durch die italienische Lichtgestalt Fuiberto Serena eng verbunden, auch wenn er heute nicht mehr dabei ist. Aber unser heutiger Song ist vom Debüt der Band, und da war alles noch in Butter.

Lesen

Dark Quaterer ist sicherlich eine der kultigsten Bands, die der Heavy Metal je hervorgebracht hat. Oft werden sie als Manilla Road Italiens bezeichnet, und so ganz von der Hand zu weisen ist das nicht, obwohl der Vergleich mit Pagan Altar genauso zündend wäre. Von den wenigen, die das Gesamtwerk der Band kennen und darüber gesprochen oder geschrieben haben, gibt es einen starken und stabilen Konsens, dass Dark Quarterer zu den wichtigsten und innovativsten Bands in der Geschichte des Heavy Metal gehören, insbesondere im Epic-Metal-Subgenre.

Die Band bereits Anfang der 70er in Piombino, das ist eine kleine Stadt in der italienischen Toskana, Musik zu machen.

Drei Freunde, die sich trafen, um Songs von Bands zu spielen, die sie liebten, wie Black Sabbath, Led Zeppelin, Uriah Heep, King Crimson, Gentle Giant, Genesis und viele andere Heavy- und Progressive-Bands. Gianni Nepi spielte Bass und sang, Fulberto Serena spielte Gitarre, Paolo “Nipa” Ninci spielte Schlagzeug, und sie nannten sich zunächst Omega Erre.

Sechs Jahre lang studierten sie Musiktheorie, spielten zusammen und feilten an ihrem Handwerk, wobei sie großen Wert auf gleichbleibende und verlässlich hohe Qualität legten. All das Wachstum und die Übung brachten einen kreativen Funken hervor, der sich nicht mehr eindämmen ließ, als sie dann so weit waren, ihre eigenen Songs zu schreiben, die einen härteren Sound und einen epischen Geist bevorzugten, der die wunderbaren Legenden und Geschichten ihrer regionalen Kultur widerspiegelte. Der Geist der Band selbst veränderte sich so sehr, dass sie sich nach ihrem ersten vollwertigen Song “Dark Quarterer” benannte, eine Anspielung auf mittelalterliche Metzger im Allgemeinen und eine lokale Legende im Besonderen. So ein bißchen wie Sweeny Todd, der teuflische Barbier, nur dass die Legende sich auf Kinder bezieht, die zerstückelt und in ein Pökelfass gesteckt wurden, damit das Fleisch frisch bleibt. Na, was soll man denn sonst machen, Kühlschränke gab es ja keine.

Das Mysterium des Dark Quarterer ist ein zentraler Bestandteil des Ethos der Band. Die Mitglieder der Band wuchsen in einer Gegend auf, die einst von den Etruskern bewohnt war, deren Kultur von Geheimnissen umwoben war und deren Legenden die Lücken ihrer aufgezeichneten Geschichte mit all der charakteristischen Dunkelheit und Vorahnung alter Überlieferungen füllten. Diese Geschichten von Monstern und Magie, Triumph und Tragödie bildeten einen wunderbaren Rahmen, um die widersprüchlichen Gefühle junger Menschen zu erforschen, die inmitten von Wohlstand und Umweltverschmutzung, Schöpfung und Zerstörung, Reichtum und Mangel erwachsen werden; jene philosophischen Gegensätze, die so stark im Heavy Metal wirken.

Es gab zu der Zeit fast keine anderen lokalen Bands, nur wenige Konzerte (geschweige denn Festivals), im Grunde überhaupt keine Szene in Italien. Nur drei junge Männer, die Musik hörten, um sich davon inspirieren zu lassen, indem sie ihre eigene Musik schrieben, für niemanden außer sich selbst und aus purer Liebe zur Musik.

Diese totale Isolation war da aber so was wie ein Schmelztiegel, aus dem schließlich eine neue und einzigartige Interpretation des Heavy Metal hervorging.

1987 veröffentlichten Dark Quarterer endlich ihr selbstbetiteltes Debütalbum, also dreizehn Jahre nachdem sie zum ersten Mal gemeinsam ihre Instrumente in die Hand genommen hatten. In einer Zeit und an einem Ort, an dem es an fast allem fehlte, was eine Band braucht, war die Aufnahme von Dark Quarterer genauso erschütternd wie die Geschichten, die die Songs erzählen. Gianni Nepi beschreibt ein Gefühl von Untergang und Vorahnung während dieser Zeit, das er auch heute noch spürt, wenn er darüber spricht, und das sich mehrmals zu manifestieren schien, einschließlich eines Studiobrandes, der während der Aufnahmen zu “The Entity” ausbrach, in dem es um einen Mann geht, der von einem unbekannten Wesen besessen ist, und um die brennende Frage, warum er auserwählt wurde.

Auch dieser Song wäre aufgrund dieser geschichte natürlich in Frage gekommen, aber ich habe mich für den erstaunlichsten Song des ganzen Albums entschieden: Colossus of Argil, einem neun minütigen sprichwörtlichen Koloss.

Die Riffs verlieren nie an Qualität, die Soli sind oft lang, unerschrocken und saftig, Nepis Gesangsarbeit ähnelt der von Tim Barker von Cirith Ungol, ist aber nicht so ausgefallen und ein gutes Stück zugänglicher. Sein Wehklagen erhebt sich gen Himmel und verursacht oft ein Gewitter von korrekt ausgeführten Falsettos, die jedes nahe gelegene Trommelfell mit Wucht treffen. Er hebt mit seinem manchmal sanften Gesang, der sich über fantastische Melodien legt, das ganze Album auf eine ganz andere Ebene.

Dieser Song ist tatsächlich bei weitem der beste Track des Albums und einer der besten Tracks, die diese Band je gemacht hat. Die spannenden Strophen brechen in plötzliche Härte und atemberaubende Leadgitarrenparts aus, das Schlagzeug sprüht vor Energie, und dieser Song fasst das ganze Album in einem Wort zusammen: meisterhaft. Die Produktion ist natürlich wahnsinnig roh und primitiv, aber andererseits kann man sich dieses Stück Musikgeschichte auch nicht in einer heutigen Plastikproduktion vorstellen.

Die Produktion ist leicht zu erklären und sogar zu entschuldigen, da Dark Quarterer vor sehr langer Zeit mit dem eigenen Equipment der Band und praktisch ohne Budget aufgenommen wurde. Aber jeder Heavy-Metal-Fan, der eine echte Verbindung zu seiner Geschichte hat, wird die Mystik einer Low-Budget-Produktion anerkennen; sie ist weit davon entfernt, ein Hindernis zu sein, und kann sogar ein Segen sein, wenn die Musik stark und die Band für sich selbst interessant ist. Und so dünn und verschüttet es auch klingen mag, Dark Quarterer ist alles andere als unhörbar. Tatsächlich scheint alles, was das Album großartig macht, durch: feurige Laubsägearbeiten von Fulberto Serenas Gitarre, Nepis beschwingter und ungestümer Bass und Nipas dynamisches Schlagzeugspiel kommen auf eine Weise zusammen, wie es nur gute Kumpels können, um lange, fantastisch lebendige Songs zu schaffen, die wunderbar lebendige und einnehmende Geschichten erzählen, die der Band einen Platz nicht neben, sondern unter den großen epischen Metalbands dieser Zeit sichern, darunter Manowar, Cirith Ungol und die mächtigen Manilla Road.

Natürlich ist Gianni Nepis Stimme die andere Sache, die bei diesen frühen Aufnahmen auffällt und die vielleicht die wichtigste ist. Sie ist zwar etwas nasal und kann das Trommelfell auf eine harte Probe stellen, wenn er an der Decke kratzt, aber es gibt wohl keinen anderen Sänger im gesamten Metal, der Nepis authentisch enthusiastische Liebe zu seiner Kunst übertrifft. Und seit wann braucht der Heavy Metal eine stereotypische “gute” Stimme am Ruder? Dio (RIP), Halford und Dickinson sind großartig, aber auch King Diamond, Tim Baker und Mark Shelton (RIP), und keiner von ihnen ist das, was Otto Normalverbraucher als “gut” im üblichen Sinne bezeichnen würde. Vielmehr glänzt Gianni Nepis Stimme durch eine beeindruckende Bandbreite und eine unglaubliche Dynamik, und er ist ganz in den Prozess des Singens vertieft.

Trotz seiner Unbekanntheit hat das Debütalbum von Dark Quarterer aus dem Jahr 1987 den Test der Zeit tapfer überstanden und sich seinen Ruf als Standard für epischen Heavy Metal nicht nur in ihrem Heimatland, sondern auf der ganzen Welt verdient. Lange, komplexe Songs schöpfen aus den unerschrockenen Gewässern der klassischen Progressive-Rock-Ära und erzählen dunkle und fesselnde Geschichten mit der Schwere, die nur Heavy Metal- und Doom-Metal-Klänge vermitteln können.

Das wars von mir, und mir bleibt nichts weiter zu sagen als: Keep on Rockin’, wir hören uns demnächst.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Epic-Sommer-Spezial (8) | #46

Guten Morgen Freunde draußen an den Radiogeräten, zur achten Ausgabe unseres Epic Metal Mixtape, das wir hier über den ganzen Juli verteilt zusammenstellen. Am Ende werden es 14 Songs sein – und das hat nichts mit dem tatsächlichen Platz auf einem Tape zu tun, als vielmehr damit, dass im Juli 14 Tage frei sind, wenn man die Wochenenden abzieht, an denen hier nichts geschieht und dann noch die regulären Sendungen berücksichtigt, die ja ebenfalls nicht angetastet werden.

Lesen

Wir gehen noch einmal nach Italien und dort in die Toskana, um den Seitenarm einer wahren Legende zu besuchen. Die Rede ist von Etrusgrave, einem Kofferwort bestehend aus Etrusker und Grave. Die Frage, warum ich nicht auf die Band, mit der sich der epische Metal italienischer Prägung in die Geschichtsbücher eingetragen hat, eingehe, ist berechtigt. Aber ich kann an dieser Stelle bereits vermelden, dass Dark Quarterer in unserer Ausgabe Nr. 9 ihren Song abliefern werden. Es hat keinen besonderen Grund, warum ich sozusagen mit dem Ableger beginne. Beide Bands sind aktiv und es scheint ihnen gut zu gehen und die Schlüsselfigur ist bei beiden Bands Fulberto Serena. Vielleicht hat sich unbewusst die Reihenfolge dann doch draus ergeben, dass Serena seit 1998 nicht mehr bei Dark Quarterer Gitarre spielt. Das ist eine lange Zeit und es dauerte noch einmal zehn Jahre bis er mit der von ihm gegründeten Band Etrusgrave “Master of Fate” vorlegte, von dem auch unser heutiger Song stammt.

Seine Mitstreiter hier sind:

Tiziano Sbaragli alias Hammerhead vocals
Luigi Paoletti Bass, Flute (track 6)
Francesco Taddei Drums

Für diejenigen, die aus Altersgründen oder einfach aus Mangel an Informationen mit Fulberto Serena nicht vertraut sind, möchte ich nur sagen, dass Dark Quarterer als wichtigste epische Band Italiens ihre Entstehung und Entwicklung ihm verdanken, da Serena bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden aus der Band der Hauptkomponist war. Etrusgrave unterscheiden sich dann auch von den aktuellen Dark Quarterer, da Etrusgrave sich weiterhin an der alten Schule orientieren, während DQ andere Elemente in ihr Songwriting aufgenommen haben. Trotzdem bewegen sich beide Bands weiterhin auf einem ähnlichen Feld.

“Master of Fate” ist als Album ein Bezugspunkt für alle, die dem Epic vergangener Zeiten treu geblieben sind, authentisch und ohne Schnickschnack.

Das fängt schon beim Namen an, mit einem präzisen epischen und geografischen Bezug, und setzt sich fort in einer Besetzung, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Erfahrung und jugendlichem Ungestüm aufweist.

Wie auch bei den alten Dark Quarterer drehen sich die Texte meist um etruskische Geschichte. Die Etrusker sind dann auch das geheimnisvolle und dunkle Volk, aus dessen Trümmern sich dann Rom erhob. Ich meine, wir sprechen hier von einer Zeit 800 v Chr. Und wir sprechen vom gebiet der heutigen Toskana. wenn man von dort kommt, liegt es fast schon auf der Hand, dass man sich für seine sehr alte Geschichte interessiert. Und die Etrusker sind nach wie vor ein rätselhaftes Volk, von dem niemand weiß, woher sie eigentlich kamen. Sie betrieben ziemlich lebendige Zauberei und Zukunftsschau – eine Fundgrube für den epischen Heavy Metal.

ich will noch etwas bei diesem Thema bleiben, allein schon aus dem Grund, weil man sonst nirgendwo viel über etwaige Inspirationsquellen liest, was für mich bei Bands wie Etrusgrave nicht weniger wichtig ist als die Musik selbst, vor allem, wenn es sich auch hier wieder um eine Rebellion gegen moderne Ansichten handelt. Das ist deshalb so wichtig, weil das Moderne denken und handeln quasi auf die Vernichtung und Zerstörung von schlichtweg allem angelegt ist. Wir begegnen dieser tief sitzenden Rebellion im Grunde im epischen Metal immer wieder. Viele mögen darin nur ein paar Geschichten von phantastischen Helden, Drachen und Fantasyliteratur sehen und schlagen sich damit unbewusst auf die Seite jener, die das gerne so haben wollen, aber dem aufmerksamen Beobachter bietet sich viel mehr.

Das erste Werk von Etrusgrave zeigt vier Totenköpfe auf dem Cover, wobei der imposantestete von einem markanten Helm des Typs “Celto-Villanovan” gekrönt wird, der in etruskischen Armeen üblich war. Unser heutiger Song heißt “Wax Mask” und wir schauen uns gleich den Text etwas näher an, aber vorher möchte ich noch zur Musik sagen, dass wir es hier mit echtem Heavy Metal zu tun haben, der mit seinen vorklassischen, klassischen oder sogar folkloristischen Ansätzen den lyrischen Bezügen die passende Stimmung verleiht. Weil hier eben alles so sehr ineinandergreift – von der Bildsprache angefangen, kann man durchaus von der Loyalität des epischen Heavy Metal gegenüber europäischen Traditionen sprechen.

Im Song “Wax Mask” geht es inhaltlich um eine Galerie, die der Erzähler auf der Suche nach Antworten durchstreift. In der Galerie scheint es oberflächlich betrachtet nur alte Gemälde und Wachsfiguren zu geben, die Gänge sind still und menschenleer. Er scheint der einzige Besucher dort zu sein, man kann also davon ausgehen, dass es gar keine öffentliche Galerie ist, sondern eine Verborgene, die nicht jedem zugänglich ist. Der Erzähler spürt allerdings, dass noch jemand anwesend ist. Er hört einen hohlen Klang, spürt den Atem und den Puls von einer unsichtbaren Präsenz, die er den Lebensritter nennt. Der aber ist kein geistiger Führer, sondernd roht, den Erzähler zu erschlagen, wenn er es wagt, ihn anzusehen. Er erkennt das Gesicht eines sterbenden Freundes und hat nur einen Gedanken: raus aus der Galerie!

Der Text ist an vielen Stellen kryptisch, aber es wird klar, dass der Erzähler in dieser Galerie eine verborgene Geschichte gesehen hat, bzw. das, was man nicht weiß. Und all das hat etwas zu tun mit einer Wachsmaske, die sich ständig zu verändern scheint, teils ihn, teils irgendeinen Helden und seine Taten zeigt. Durch den unbestimmten Text, bleibt alles ziemlich unheimlich.

Das wars heute von mir. Wenn ihr wollt, schreibt mir doch, wie ihr das Special bis jetzt findet und wie euer Tag heute so war. Natürlich interessiert mich auch das Wetter. Als nächstes bekommt ihr hier an dieser Stelle also einen Song von Dark Quarterer, weil sie die beiden Bands im Grunde nahtlos aneinander anschließen. Ich sage dann auch etwas mehr zu Fulberto Serena.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Talk | Top Alben 2022 Halbjahreswertung (Crossroad Crew) | #45

Willkommen, Freunde draußen an den Radiogeräten. Heute ist es so weit, heute stellen wir euch unsere Halbjahreswertung vor. Je 10 Alben – macht zusammen 40 Alben. Allerdings werden sich die ein oder anderen Alben auch auf einer anderen Liste auftauchen, aber dennoch gibt es hier noch genug Musik, über die zu sprechen ist. Gebt uns in den Kommentaren eure Top Ten des Halbjahres (oder so viele Alben, wie ihr wollt), die wir vielleicht nicht auf dem Schirm hatten und diskutiert mit uns die einzelnen Listen. Mit welcher könnt ihr am meisten anfangen?

Tobias

1o: Felvum – Fullmoon Mysticism / 09: Kvaen – The Great Below / 08: Deus Vermin – MMXXII / 07: Carrion Bloom – Sacraments Of Pestilence / 06: Korpelarörelsen – Är du av den rätta tron? / 05: Tómarúm – Ash in Realms of Stone Icons / 04: Blut Aus Nord – Disharmonium: Undreamable Abyss / 03: Glemsel – Forvader / 02: Peth – Merchant of Death / 01: Satan – Earth Infernal

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Tom

10: Kissin’ Dynamite – Not The End Of the Road / 09: Wo Fat – The Singularity / 08: Lord Belial – Rapture / 07: Wucan – Heretic Tongues / 06: Konvent – Call Down The Sun / 05: Friends of Hell – Friends of Hell / 04: Kreator – Hate über alles / 03: Amorphis – Halo / 02: Ghost – Impera / 01: Watain – The Agony and Ecstasy of Watain

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Felix

10: Horn – Verzet / 09: Destruction – Diabolical / 08: Panzerkrieg 666 – Panzerkrieg 666 / 07: Crisix – Full HD / 06: Månegarm – Ynglingaättens öde / 05: Midnight – Let There Be Witchery / 04: Schandmaul – Knüppel aus dem Sack / 03: Vanaheim – Een verloren Verhaal / 02: Tyr – A Night At The Nordic House / 01: The Spirit – Of Clarity And Galactic

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Krempe

10: Wo Fat – The Singularity / 09: Ultra Silvam – The Sanctity of Death / 08: Midnight – Let There Be Witchery / 07: Hällas – Isle of Wisdom / 06: Watain – The Agony and Ecstasy of Watain / 05:  Michael Romeo – War of the Worlds pt. 2 / 04: Amorphis – Halo / 03: Friends of Hell – Friends of Hell / 02: Negative Plane – The Pact… / 01: Peth – Merchant of Death

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Epic-Sommer-Spezial (7) | #44

Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten und herzlich willkommen zu unserem Sommer-Special hier im Podcast Work of Sirens. Heute sind wir bei Folge 7 unseres Epic Metal Mixtapes angelangt, also genau in der Hälfte.

Für alle, die neu hinzugekommen sind: Im Juli werden wir hier täglich einen Song präsentieren, der im weitesten Sinne in den Bereich des Epic Metal fällt. An den Wochenenden machen wir eine Pause und auch die regulären Sendungen werden davon nicht beeinträchtigt. Es geht also alles weiter wie gehabt und dieses Special ist eine Dreingabe, ein Bonus für den Monat Juli.

Wir waren jetzt schon zweimal in Griechenland, einer Hochburg epischer Klänge, und heute machen wir einen Ausflug nach Italien, in die Lombardei.

Lesen

Zu einer Band, die eher keinen römischen oder italienischen Namen trägt, nämlich Wotan, die 2004 mit “Carmina Barbarica” ihr Debüt vorlegten. Das letzte Album der Band erschien 2019 mit “The Song of the Nibelungs”, hier haben wir es also mit keiner Eintagsfliege zu tun wie bisher so oft in diesem Sektor.

Auch wenn man es nicht glauben mag, gibt es im Verhältnis sehr wenige reine epische Bands. Wotan hingegen sind eine dieser echten epischen Band und nicht eine Black- oder Power- oder Death- oder Gothic-Band mit epischen Elementen. Hört man sich das erste Album an, von dem unser heutiger Song dann auch stammt, bekommt man das Gefühl, auf einem Schlachtfeld zu stehen, das mit aufgespießten Körpern und Kriegern mit blutigen Wunden durch Schwerter und Kleidung aus Tierhaut und Schilden aus Holz und Eisen überfüllt ist. Klingt lächerlich? Ist es aber nicht, es ist eine Offenbarung inmitten eines Computerzeitalters, dessen Hauptmerkmal Fantasielosigkeit und Zwecklosigkeit ist.

Was die Musik selbst betrifft, so sollte man bedenken, dass Innovation, Fortschritt und Neuartigkeit nicht in das Repertoire des Epic Metal gehören, weil jede Innovation das Genre bereits in etwas anderes verwandelt. Das kann man freilich rückständig finden und damit die alte Debatte aufmachen, wie konservativ der Metal eigentlich ist. Für mich persönlich gilt aber eine vernünftige Art und Weise, wertvolle Dinge zu erhalten ganz generell zur wichtigsten Grundlage in der Musik, in der wir uns bewegen. Damit meine ich keineswegs stillstand. Das wird ja oft fehlinterpretiert, aber ich kann euch sagen, warum das Wort konservativ mittlerweile fast schon zum Schimpfwort mutiert ist. Weil wir in einer Gesellschaft leben, die so sehr darauf getrimmt ist, Wachstum und Fortschritt als Lebenszweck zu begreifen, dass sich jede Kritik zu verbieten scheint.

Was im Epic Metal wirklich zählt sind leidenschaftliche Kompositionen, die in den vorgegebenen Normen, die das Genre definieren, vorgetragen werden, um eine Zeit und ein Gefühl heraufzubeschwören, das unwiderbringlich verloren ist und im Grunde nur durch Kunst – sei es Musik oder auch Fantasy-Romane – erhalten werden kann. Das hat noch nicht mal allein was mit Eskapismus zu tun, ein anderes Wort, das ja gerne negativ betrachtet wird, sondern mit dem Aktivieren einer tief in uns vergrabenen Erinnerung an sehr frühe Zeiten der Menschheit, wo es tatsächlich zwar um primitivere Dinge ging als das neueste elektronische Spielzeug, aber dafür auch um eine ehrliche Auseinandersetzung mit Leben und Tod usw.

Das war jetzt ein Exkurs, der doch ein bisschen weit vom Thema wegführt – aber eigentlich auch wieder nicht. Kommen wir zurück zu Wotan, die das jetzt ja auch irgendwie ausgelöst haben. Unser Song heute heißt “Lord of the Wind”, der trotz einiger Speed-Elemente nicht vom Grundgerüst abweicht. Die Gitarrensoli von Mario Degiovanni mögen technisch nicht überragend sein, aber sie fügen sich gut ein und erhalten die allgemeine Essenz des epischen Gefühls. Die Rhythmusgruppe, bestehend aus Schlagzeuger Lorenzo Giudici und Bassist Salvatore Oliveri, bilden eine solide Basis, über die Sänger Vanni Ceni seine farbefrohe und kraftvolle Stimme legt.

Wie so oft fällt der Text hier in die Kategorie “Anrufung des großen Unbekannten” im Angesicht des Todes. Wir befinden uns auf einem Schiff, der Wind bläst stark und peitscht das Deck, schwarze Schwäne reiten auf den Wellen. Es ist von einer dunklen Prophezeiung die Rede, die nicht näher erläutert wird, aber der Erzähler bittet darum, nicht auf See zu sterben, sondern irgendwo als Futter für die Adler mit dem Schwert in der Hand.
Deuten könnte man den Song also so, dass der Herr des Windes gebeten wird, die Überfahrt so schnell wie möglich voranzubringen, dass die Krieger wieder festen Boden unter den Füßen haben.

Das wars von mir für heute. Und weil wir gerade von Sturm und Wellen geredet haben, schreibt mir doch, wenn ihr wollt, wie das Wetter heute bei euch so ist und wie ihr euren Tag verbracht habt oder noch verbringt. Das könnt ihr natürlich wie immer unter workofsirens.de tun und mir bleibt nichts anderes als zu sagen Keep on Rockin’!

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.