Komm in meinen Sarg: Friends of Hell | #32

Lee Dorians Label Rise Above gehört zu den großartigsten dieser Welt. Dort finden sich Bands wie Uncle Acid and the Dead Beats, Purson, Blood Ceremony, Twin Temple, und Electric Wizard. Doom-, Stoner- und reine, echte Prog-Bands sind dort in einer Qualität zu finden wie nirgendwo sonst. Der Kenner guter Musik weiß das.

Es ist also kein Wunder, dass Friends of Hell dort schnell einen Hafen fanden, vor allem, weil die Musiker keine Unbekannten sind. Von einer Supergroup möchte ich aber dennoch nicht reden, obwohl manche das sicher nicht lassen können. Als ich zum ersten Mal von Friends of Hell und ihrer Besetzung hörte, hatte ich eigentlich das Gefühl, dass es zu schön ist, um wahr zu sein, wenn man bedenkt, was diesbezüglich bereits alles unwiederbringlich verloren ist.

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Benannt hat sich die Band nach dem zweiten Album der legendären Witchfinder General aus dem Jahr 1983 und besteht aus dem ehemaligen Electric-Wizard-Bassisten Tas Danazoglou – hier allerdings am Schlagzeug – und dem Reverend-Bizarre-Sänger Sami Hynninen alias Albert Witchfinder (derzeit bei Opium Warlords). Allein aus dieser Zusammensetzung kann man bereits erahnen, woher der Wind dröhnt.

Für die Gitarrenarbeit hat man sich dann noch den eher unbekannten Jondix von Mercury Gates geschnappt, der das Gewebe des zelebrierten Hammer-Horror-Dooms ebenfalls mit der Muttermilch aufgesaugt zu haben scheint. Qualitativ hochwertiges Riffing ist für den Doom absolut entscheidend und um ehrlich zu sein, überzieht Jondix das ganze Album damit und steht insofern seinen gigantischen Bandkollegen in nichts nach.

Der mit dem Bass stampft ist kein geringerer als Taneli Jarva, ehemals Impaled Nazarene und Sentenced und jetzt Hauptberuflich bei Diavolos zugange. Also gut, wahrscheinlich ist es dann eben doch eine Supergroup.

Wenn wir uns noch in der Mitte der 1980er Jahre befänden, würde jeder Fan, der im örtlichen Plattenladen auf der Suche nach einem vergrabenen Schatz in der Wühlkiste das selbstbetitelte Debütalbum von Friends of Hell gefunden hätte, es wahrscheinlich als einen Klassiker bezeichnen.

Heavy Metal kann als Treffpunkt dienen, der dazu beiträgt, wunderbare Freundschaften zwischen Fans zu schmieden, und die Freundschaften von Musikern tragen in der Regel zusätzlich dann auch die Musik – Friends of Hell kamen nicht durch einen Zufall zustande, denn die Saat wurde bereits vor fast 20 Jahren gelegt, als sich einige der Mitglieder zum ersten Mal trafen und lose über so ein Projekt sprachen. Namentlich spielten Jondix und Tas schon einmal zusammen in einer Doom-Band, die allerdings namenlos blieb

Dank der modernen Technologie war das dann alles viel einfacher aufzunehmen als je zuvor, und auf ihrem Debüt geben alle Beteiligten ohne geografische Rücksichtnahme ihr Bestes, mit einem besonderen Schwerpunkt auf dem, was die 80er Jahre dem Stil gebracht haben, da dieses Jahrzehnt durch die heutige Herangehensweise an das Genre zu oft an den Rand gedrängt wird.

Es ist klar, dass diese Jungs genau wissen, welchen Sound und welche Stimmung sie anstreben, und das zeigt sich gleich beim Opener Out With The Wolves. Der Hörer wird sofort mit Doom-/Proto-Metal-Riffs, Witchfinders unverwechselbarem Gesang und einem donnernden Bass überhäuft.

Shadow of the Impaler ist wie eine tickende Zeitbombe, die nur darauf wartet, zu explodieren, und beginnt mit den furchteinflößenden Schreien des Kult-Horrorfilms Atomic Hero -The Toxic Avenger von 1984, bevor sich ein ziemlich bedrohliches Riff von Gitarrist Jondix anschleicht, begleitet vom gleichmäßigem Stampfen des Bass, das den Eindruck erweckt, als würde sich etwas Schweres durch den Sumpf quälen.

In Into My Coffin öffnet sich die lange schmale Totenkiste, um ihr wahres dunkles Geheimnis zu enthüllen und beschwört etwas vom Geist früher Mercyful Fate herauf. Der Song ist eine grandiose Darstellung von Albert Witchfinders Jekyll-und Hyde-Gesangsstils.

Der Titeltrack Friends Of Hell ist das Herzstück des Albums und bietet weitere doomige Riffs von Jondix, einen schönen Aufbau der Spannung sowie einen eingängigen Refrain von Witchfinder, der ein altbekanntes Thema behandelt.

Gateless Gate bleibt auf dem heruntergeschraubten Tempo stehen und taucht weiter in den Doom-Nebel ein. Aber auch hier ist Albert Witchfinder an allen Ecken der Hauptakteur des Songs.

Evil They Call Us hat ein Riff und ein Tempo, das direkt aus der Ethereal Mirror/Carnival Bizarre-Ära von Cathedral übernommen wurde. Mit mehr Attitüde und einigen fanfarenartigen Einlagen bringt die Band die Blutgefäße weiter in Wallung, um den neugeborenen König auf den Thron zu setzen und mit eiserner Faust zu regieren, während Orion’s Beast wie eine Fortsetzung von Black Sabbaths Electric Funeral klingt.

Als wir uns zum Tanz des Makabren auf Belial’s Ball begeben, wird es ein Duell mit einer gefährlichen Falle. Man kann sich das Opfer selbst vorstellen, wie es 800 Fuß tief unter die Erdkruste fällt und keine Chance hat, sich zu befreien.

Wallachia schließt das Album ab, während Friends of Hell den etwas dunkleren progressiven Stil von italienischen Prog-Bands und Van der Graaf Generator wählen. Man hat das Gefühl, dass dieser blutige Krieg vorbei ist. Aber die Schlacht selbst hat gerade erst begonnen.

Bei allen Songs handelt es sich nicht um ausladende und endlose Doom-Tracks, die sich wie der Arsch einer Robbe dahinschleppen, während sie nach einem Ort sucht, an dem sie sich hinlegen und verdammt noch mal sterben kann; nein, die Tracks sind von einem fantastischem Mystizismus durchdrungen, während die Band zeigt, dass sie imstande ist, den ganzen Reiz von Candlemass, Pentagram und Witchfinder General quasi mühelos aus dem Ärmel zu schütteln. Darüber hinaus werden Doom-Fanatiker nicht gerade wenige Verweise auf andere Doom-Bands und ihr Werk bekommen, was dieses Album allein schon zu einer Schatztruhe macht.

Dies hier ist ein unbarmherziges und glänzendes Debüt, das die meisten wohl ziemlich überrumpelt hat. Friends of Hell sind eine Band, die dem Hörer zu verstehen gibt, dass Heavy Metal nicht nur ein Begriff ist, mit dem man willkürlich herumwedelt. Das hört sich nach einer etwas merkwürdigen Aussage an, aber um ehrlich zu sein wird der eigentliche Spirit heute nur noch selten wirklich zelebriert. Wenn diese Aussage jemanden vor den Kopf stößt: um so besser.

Es ist schön zu sehen, dass Rise Above Records immer noch stark ist. Und man kann sich vorstellen (und darauf hoffen), dass dort noch eine riesige Menge elektrischer Saft darauf wartet, in den kommenden Jahren in die richtigen Beutel gefüllt zu werden.

Das Album erschien am 18. März 2022

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

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Host im Podcast "Work of Sirens"

Autor: Micky Winter

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