Genre-Guide: Glam Rock | #62

Der Glam Rock in seiner allerersten, klassischen Ausprägung zwischen 1972 und 1974 entstand aus einer Reihe verschiedener musikalischer Trends in Großbritannien. Im Grunde ging es hier um das Aufbegehren gegen die als erdrückend empfundenen Ernsthaftigkeit der Proto-Metal-, Prog- und Hard-Rock-Bands, die all das ausmachten, was man dann später, zu Beginn der 80er Jahre als “Classic Rock” bezeichnete. Ja, der Proto-Metal ging noch andere Wege und inspirierte auch den Underground, aber erstaunlich viele ehemals deftige Bands wollten an der Oberfläche bleiben und liebäugelten häufig mit dem Pop-Appeal.

Genre-Guide: Was der Doom ist und was er macht | #59

Willkommen, Freunde draußen an den Radiogeräten! Heute zu einer Sendung, die zwar in unseren Genre-Guide gehört, die aber natürlich – wie alle anderen Guides auch – keine vollständige Darstellung sein kann. Heute geht es hier um den Doom.

Genre-Guide: NWOBHM | #58

All die Jahre habe ich immer wieder davon gesprochen, aber nie die eigentliche Frage gestellt: Was ist die New Wave Of British Heavy Metal? Welche Bands gehören dazu, welche nicht? Und handelt es sich überhaupt um ein eigenständiges Genre? Dieser und anderer Fragen wollen wir heute ein bisschen auf den Zahn fühlen.

War die NWOBHM ein Spuk oder ein Manifest?

Folgende Songs werden angespielt:

Def Leppard – Rock Brigade

Judas Priest – Breaking the Law

Rainbow – Kill the King

Saxon – Play it loud

Rush – By-Tor-and-the-Snow-Dog

Iron Maiden – Prowler

Vardis – Power Under Foot

Diamond Head – Sweet and Innocent

Venom – Manitou

Tygers of Pan Tang – Gangland

Elixir – The Star of Beshaan

Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Background-Music: Hellfire & From Time To Time by Alexander Nakarada (www.serpentsoundstudios.com)

Genre-Guide: Vampiric Black Metal | #33


Hallo Freunde draußen an den Radiogeräten, ich hoffe, ihr habt Hammer und Pfahl in Griffnähe oder zumindest ein Glas Rotwein. Seht ihr, ich beginne die Sendung geradewegs mit einem ganzen Batzen von Klischees, aber ihr seht zumindest, worum es uns heute gehen soll. Um den Vampir. Es wäre natürlich völlig unmöglich, das Thema des Vampirs in der Musik erschöpfend zu bearbeiten, deshalb grenzen wir das ganze etwas ein und sprechen über das Vampirthema im Black Metal, das in letzter Zeit um sich greift, über Vampiric Black Metal, und wir entreißen den Vampir damit auch ganz bewusst dem Gothic Sektor, wo er ja lange Zeit fast schon ausschließlich zu finden war, sieht man mal von den ganzen Fantasy-Romanzen ab. Natürlich ist der Vampir im Black Metal jetzt auch nicht der allerneuste Schrei, aber so wie er im Moment angenommen wird, kann man fast schon sagen, dass dieses Wesen der Nacht endlich wieder zu seinem angestammten Recht kommt.

Lesen

Es mag vielleicht ein wenig willkürlich erscheinen, aber ich habe euch heute drei Alben mitgebracht, die dieses Feld ganz gut abdecken, eines davon aus dem letzten Jahr und zwei aus den aktuellen Veröffentlichungen. Namentlich Sumerian Tombs mit dem gleichnamigen Album, Order of Nosferat, mit dem Album Nachtmusik und schließlich Krvna mit Sempinfernus.

Vampire haben eine umstrittene Geschichte. Einige behaupten, dass diese Kreaturen “so alt wie die Welt” seien. Das würde zum Ansatz von Sumerian Tombs passen, die uns musikalisch durch die dortigen Gräberfelder schicken, aber – wie sie in Interviews betonen – mehr fiktional als faktisch. Wobei – Fakten und Vampire? Ein merkwürdiges Zusammentreffen beider Wörter. Was wissen wir also über die Wahrheit der Vampire?

Aber neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass unser Glaube an Vampire und Untote im 18. Jahrhundert geboren wurde, da erschienen nämlich die ersten Berichte über dieses Phänomen. Im Jahr 1732 taucht der Begriff überhaupt laut Gothic-Experten Roger Luckhurst zum ersten Mal auf. Es gibt aber archäologische Entdeckungen von ungewöhnlichen Bestattungen, die nahe legen, dass der Glaube an Vampire und Wiedergänger bereits vor 1500 präsent gewesen sein muss.

Zum Beispiel wird in der polnischen Stadt Kamien Pomorski eine Vampirleiche ausgestellt, die 500 Jahre alt sein soll. Das zumindest haben Archäologen bestätigt. Durch ihre Knochen war wohl ein Pfahl gerammt, damit die Leiche den Sarg nicht verlassen kann und im Mund hatte sie einen Stein, um das Blutsaugen zu verhindern. 500 Jahre ist ziemlich alt, aber in Bulgarien wurden noch ältere diese abweichenden Bestattungen entdeckt. Wie nahe dran sind wir aber wirklich an den Sumerian Tombs? Naja, so sehr fiktional sind Vampire in dieser ersten menschlichen Hochzivilisation gar nicht.

Vampire haben schon immer die menschliche Angst vor dem Tod repräsentiert. Das lässt sich durch die Jahrhunderte zurück bis in den Nahen Osten und die südlichen Regionen Asiens verfolgen.

Im babylonischen Epos Gilgamesh, genauer gesagt in der sechsten Tafel, die der Göttin Ishtar gewidmet ist, wird eine Kreatur beschrieben, die “in der Lage ist, anderen das Leben zu nehmen, um ihr eigenes zu bewahren”. Darüber hinaus gab es alte griechische ländliche Legenden über Männer und Frauen, die Blut tranken, um sich jung zu halten, es gab ja noch keine vernünftige Drogerie. Und auf den Gilgamesh-Epos spielt die Band in ihren Texten auch an, wenn zum Beispiel im Song Light of Death von Irkalli die Rede ist.

Irkalli ist die Unterwelt, aus der es keine Rückkehr gibt. Wer das Portal zur Unterwelt durchschreitet, muss auf der Straße der Knochen reisen, wo es sieben Tore gibt, die man durchschreiten muss, bevor man die Stadt der Toten erreicht. An jedem Tor wartet ein Wächter, der eine Gebühr für den Durchgang erhebt und verhindert, dass man den falschen Weg einschlägt. In dieser Unterwelt befindet sich eine große Wüste der Angst, die von den lebenden Geistern der Toten bevölkert wird, die sich nach dem Leben sehnen, das sie verloren haben.

Die Stadt der Toten erscheint wie ein eigener Stadtstaat, der von den wandelnden Toten bewohnt wird. In den Hallen der Stadt essen diese Geister nur bittere Asche und wohnen in Gebäuden aus Lehm. Von hier aus regieren die Göttin Ereshkigal und ihr Gemahl, der Totengott Nergal das Reich. Ireshkigal wird dann im Song The Key – Bloodmeditation besungen.

Tatsächlich werden Sumerian Tombs ihren geschwärzten Schatten über die Erde, was sich schon auf der im letzten Jahr erschienenen EP “As Sumer Thrones At Night” abzeichnete. Weit weg vom phantastischen oder romantischen Vampirismus einer Anne Rice oder auch Bram Stoker haben wir es hier mit einer wahren blutrünstigen Quelle zu tun, die eben viel älter, primitiver und bösartiger ist.

Das zeigt ich schon zu Beginn mit dem plötzlich einsetzenden von “Bloodspells of the Ancient”; dem unmittelbaren Losbrechen aller Instrumente gleichzeitig, begleitet von einem gewaltigen Schrei. Und von jetzt an bebt alles der unausweichlichen Verdammnis entgegen, was nicht ohne melancholie vorgetragen wird, episch sogar, trotz seiner rasenden Geschwindigkeit, bei der die Melodieführung wie hinter einer Nebelwand verschwimmt, begleitet von zeitweise fast tribelartigen Perkussionsinstrumenten und harschen Gesängen, die sich alle stetig zu einem Höhepunkt des allgegenwärtigen Bösen aufbauen. Tomb Lurker ist dann zu Beginn und immer wieder mittendrin von einem ähnlichen Element der Bedächtigkeit besessen und wechselt sich mit Wellen einer nahezu brennenden und eindringlichen Klangwand ab.

Während ein Großteil des Albums bis zu diesem Punkt eine etwas “modernere” Klangfarbe verwendet hat, die gekonnt in glühende dämonische Flammen gehüllt ist, scheint “Altars of the Past” eher auf einen treibenden, schneidenden, schwedisch klingenden Klassizismus hinzuweisen, wobei das geschmackvolle Klavier nichts von dieser sengenden Atmosphäre wegnimmt. The Key – Bloodmeditation schreitet anschließend selbstbewusst mit einer schrecklichen, grandiosen Ausstrahlung vorbei, mündet in den blutgetränkten Ritus des kurzen Transcending the Veil, bis ich das abschließende Vampiric Dominance über die unglückliche, karge Tundra erhebt, um das letzte bisschen Hoffnung mit einer episch majestätischen Meisterleistung von unbeirrbarer, wunderschöner infernalischer Souveränität wegzuspülen.

SUMERIAN TOMBS haben uns einen gewaltigen Wälzer des Black Metal geschenkt, indem sie zeitgenössische schwere Wärme und epische Dichte mit traditionelleren Elementen wilder und dreister dämonischer Orthodoxie verbinden. Darüber hinaus dient die Band (zusammen mit den australischen KRVNA, zum Beispiel, deren Album Sempinfernus wir uns glleich anschauen) eindeutig dazu, die Fähigkeit dessen, was man als “vampirischen” Black Metal bezeichnen könnte, neu zu definieren, indem sie den Begriff von kitschig-romantischen Tropen befreit und ihn auf Archetypen anwendet, die deutlich dunkler, schwerer und bombastischer sind.

Order of Nosferat

Das dritte Album der deutsch-finnischen Band Order of Nosferat wurde nicht ohne Spannung erwartet, obwohl es erst ein Jahr her ist, dass die Band sage und schreibe gleich zwei Alben veröffentlicht hat. Seit März gibt’s jetzt “Nachtmusik” und der Name ist Programm. Hört man den Bandnamen, den Titel des Albums und sieht sich dann auch noch das Cover an, auf dem kein geringerer als Nosferatu selbst geschmackvoll stilisiert das schwarze Album schmückt, kann man sich vor Freude auf die nächste schlaflose Nacht gar nicht mehr retten.

Die Band besteht aus Count Revenant, der in nicht gerade wenige andere sehr empfehlenswerte Projekte eingebunden ist, darunter Sarkrista, die im letzten Jahr ja ebenfalls erst mit Sworn to Profound Heresy zwar nicht ihr bestes, aber auch kein schlechtes Album veröffentlicht haben.

Dann haben wir Sarastus und Slagmark. Zugegeben sind die Bands musikalisch nicht wirklich auseinanderzuhalten, bei Oder of Nosferat ist das aber anders. Dem deutschen Vokalisten, Gitarristen, Bassgitarristen und Keyboarder steht mit dem Finnen Anzillu ein hervorragender Drummer zur Verfügung, der unter anderem bei Serpentfyre trommelt, aber meiner Meinung nach ebenfalls an keinem besserer Projekt beteiligt ist. Irgendwie scheinen die beiden auch zu wissen, dass sie hier etwas Besonderes machen, wenn man sich allein den qualitativen Output anschaut. Mit was wir es hier zu tun haben ist vampirischer Black Metal, wie er gerade ja seine dunkle Blüte erlebt.

Der treffende Titel “Nachtmusik” ist einsamen Nachtwanderern und jenen gewidmet, die in schlafloser Verzweiflung verharren. Manchmal trauriger und wütender als seine beiden nicht zu verachtenden Vorgänger, wandelt Nachtmusik auf dem schmalen Grat zwischen Fiebertraum und erhabener Lähmung; der Black Metal ist schmutziger und rauer, während die oft isolierten Synthesizer- und Klaviersegmente dem Gesamtbild des Albums eine verwundete Dunkelheit angedeihen lassen.

Es kommt natürlich immer darauf an, was von von Black Metal erwartet – auch wenn es um Vampire geht. Black Funeral aus Amerika haben dieses Thema bereits seit 1995 am Start, aber um ehrlich zu sein glaube ich, dass es eine für meine Verhältnisse vernünftige Umsetzung erst in jüngster Zeit gibt, wie zum Beispiel auch Krvna aus Australien letztes Jahr mit ihrem Album Sempinfernus gezeigt haben.

Natürlich bleiben Order of Nosferat ihrer vampirischen Vision immer treu, und Nachtmusik lässt sich gut mit vampirischen Pionieren wie Black Funeral aus Amerika sowie Vlad Tepes aus Frankreich, Mütiilation, Funeral, Blessed in Sin oder einer Reihe von Bands aus dem Umfeld der Black Legions oder Concilium vergleichen. Doch mit der willkommenen Integration düsterer Zwischenspiele und noch dezenterer Keyboard-Schichtungen baut das Duo seine eigene, glaubhaft eigenwillige Version von VAMPIRIC BLACK METAL weiter aus. Und genau wie die beiden Vorgänger-LPs fühlen sich Order of Nosferat weiterhin vertraut und nostalgisch an, und genau das ist der Punkt; Black Metal hat es nicht nötig, etwas anderes zu sein als das, was er bereits ist… oder besser gesagt war. Und dasselbe gilt für die Bezeichnung “Vampir”, bevor sie von Zirkusclowns und Freaks an der Leine ruiniert wurde. Lichter aus mit Nachtmusik!

Krvna

Krvna kommen zwar aus Australien, aber ihr Herz scheint direkt aus Transsilvanien zu stammen, wie Mastermind Krvna Vatra erklärt: “Dieses Album war ein Weg, diesen alten Glauben an Vampire wieder zu stärken und ins Licht zu rücken, nachdem es einige Kräfte gab, die ihn und andere dunkle Aspekte der Balkan-Kultur ständig weiter abgebaut haben.”

Diese reichhaltigen konzeptionellen Gefühle werden auf jeden Fall durch den soliden rasanten Black Metal des Debüts untermauert. Dabei handelt es sich um eine offensichtlich traditionelle Ausrichtung, die eine klare Mission verfolgt.

Die Produktion ist relativ ausgefeilt, was den vampirischen Black Metal angeht. Das hat mehr mit Dawns Slaughersun oder in jüngerer Zeit mit Tempestarii oder The Kryptik aus Rio de Janeiro gemein als mit Mütiilation. Das Schlagzeug bietet ein konstantes Sperrfeuer aus fließenden Blast-Beats und Crash-Becken, die weniger rhythmisch als vielmehr lineare Wände aus klanglicher Energie sind.

Die Gitarren bieten einfache, sich entwickelnde Tremolo-Riffs, die durch sehr traditionelle, melodische Gitarrenleads und subtile Keyboardarbeit ergänzt werden. Der Gitarrensound ist eher hoch, aber die Überlagerung verschiedener, sich ergänzender Tracks öffnet die Musik und lässt den Hörer in die ehrgeizige Bandbreite dieses Albums eintauchen. Der Gesang sitzt weiter hinten im Mix und wirkt wie eine bösartige Präsenz, die wir trotz ihrer offensichtlichen Anwesenheit nie ganz bewusst verinnerlichen.

Alle Songs erreichen ihren Grad an Komplexität und Tiefe durch die schiere Anhäufung von einzelnen Elementen, die alle in einem berauschenden Tempo vorgetragen werden, und dadurch ihre elegante Einfachheit verdeckt. Die Riffs sind relativ geradlinig und bestehen aus kleinen linearen Notenclustern mit wiederum kleinen Variationen, die in jeden Zyklus eingearbeitet werden. Die Riffs werden überwiegend mit Tremolo-Gitarren gespielt, die – zusammen mit den fließenden Blast-Beats und Fills, die darunter liegen – grundlegende Polyrhythmen erzeugen, während sich die einzelnen Komponenten übereinander schichten. Grundlegende Leadgitarrenarbeit oder in einigen Fällen eine Keyboardlinie verstärken dieses Gefühl von leicht abweichenden Zyklen, die sich alle zu einem größeren Wandteppich von cineastischer Tragweite zusammenfügen.

Es ist ein höchst effektiver Kompositionsansatz, der dem manchmal etwas nüchtern wirkenden Black Metal mehr Leben einhaucht. Aber auf  Sempinfernus haben Krvna bewiesen, dass sie Meister der subtilen Kunst des Arrangements sind. Noch wichtiger aber sind die ausgeprägten melodischen Linien, die sich von ihrem starr-schnellen Fundament lösen und einen unverwechselbaren und einnehmenden Charakter zeigen.

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First Wave Of Swedish Heavy Metal: Heavy Load | #24

Hallo Freunde draußen an den Radiogeräten zu einer weiteren Ausgabe von Work of Sirens – Heute vor 40 Jahren.

Eigentlich hat die heutige Sendung etwas mehr mit der ehemaligen Rubrik der Kultalben zu tun. Da habe ich mir immer drei obskure Alben, die halbwegs zueinander passen, geschnappt und deren Geschichte erzählt. Der heutige Anlass ist zwar definitiv Death and Glory von heavy Load, aber um die Band besser einordnen zu können, muss man sich auch etwas die schwedische Szene zu dieser zeit anschauen.

Heute ist klar, dass die besten schwedischen Bands im Extreme-Metal tätig sind. Zum Beispiel entwickelte sich Stockholms roher Death und Powermetal einst die Basis einer wachsenden Szene. Die daraus resultierende Innovation beeinflusste die Metal-Musik nicht nur in Schweden, sondern weltweit.

Im Oktober 1982 war davon allerdings noch nichts zu merken, da erschien das zweite Album der legendären schwedischen Band Heavy Load mit dem unmissverständlichen Titel “Death or Glory” – lässt man jetzt mal die EP “Metal Conquest” beiseite. Und das wollen wir uns heute mal näher anschauen.

Das Besondere daran war unter anderem, dass die Band da bereits ihr eigenes Label namens Thunderload Records inne hatte, beziehungsweise die beiden Brüder Styrbjörn und Ragne Wahlquist, die auch die Band im Jahre 1975 gegründet hatten. Ihr seht also – Schweden – 1975. Das muss eine der ersten Heavy Metal Bands da oben gewesen sein, und so ist es auch.

Aber auch Schweden hatte bereits vorher eine Band, die man getrost dem Proto-Metal zuordnen kann, auch wenn man Heavy Load zu recht als wirklich erste schwedische Heavy Metal Band bezeichnen kann. Die Rede ist von Neon Rose, die zwischen 1974 und 1975 immerhin drei Alben herausbrachte, die allerdings international auf keine große Resonanz stießen. Eigentlich unverständlich, wie ihr anhand des Songs “Love Rock” gleich sehen werdet.

(Song Neon Rose)

Das ist also Schweden in den 70er Jahren, noch kaum beleckt von harten Klängen, geschweige denn von Wikinger-Themen. Wenn man sich vorstellt, dass Schweden heute neben den USA und England als wichtigster musikalischer Markt gilt, ist das Tempo der Aufholjagd völlig erstaunlich. Im Gegensatz zu Großbritannien hatte der Punk in Schweden keinen direkten Einfluss aus den Heavy Metal, obwohl die Bands dort natürlich ebenfalls mitbekamen, was sich Ende der 70er auf der Insel langsam herauskristallisierte.

Stattdessen hatten Proto-Metal-Bands wie Deep Purple, Rainbow und Whitesnake einen großen Einfluss auf die schwedischen Musiker, vor allem auf die der melodischen Sorte, und Melodie ist ja tatsächlich ein traditionelles schwedisches Element in fast allen musikalischen Genres. 1978 nahm auch dort der Heavy Metal langsam Formen an, als nämlich die Walquist-Brüder mit dem Bassisten Dan Molén im Schlepptau Heavy Loads Debütalbum “Full Speed at High Level” veröffentlichten und sich dadurch mit dem Rest der damaligen Proto-Metal-Welt vereinte, doch ihre unabhängige Plattenfirma ging in Konkurs, und erst drei Jahre später tauchten sie unter ihrem eigenen Label Thunderload Records mit der EP Metal Conquest wieder auf, begleitet von den neuen Mitgliedern Eddie Malm (Gitarre) und Torbjorn Ragnesjo (Bass).

Das Debüt mag zwar aus heutiger Sicht mit einem rudimentären Songwriting und zweifelhaften Fähigkeiten in Sachen Arrangement aufwarten, man darf aber nicht vergessen, dass dieses Debüt auf dem Höhepunkt der Abba-Manie erschien und es vorher eigentlich keinen Heavy Metal in Schweden gab. Außer Judas Priest kann man weit und breit keine anderen Vorbilder zu dieser Zeit ausmachen. Beachtenswert ist jedoch das Wikinger-Thema in dem Song “Sons of Northern Light”. Da schien also bereits etwas im Busch zu sein, auch wenn bereits vorher Bands wie Led Zeppelin auch schon Wikinger-Themen hatten, war das hier doch etwas ganz anderes.

Und vier Jahre später, also 1982 erschien dann mit “Death or Glory” ein Diamant von einem Album, das Heavy Load auf die europäische Bühne gebracht hat, bzw. ganz Schweden mit ihm.

Roh, episch, rau und melodisch zugleich, hat Death or Glory ein ähnliches Feeling wie die britischen New-Wave-Bands, aber natürlich mit einem schwedischen Twist. Das Album ist nicht nur wegen seines musikalischen Wertes wichtig, sondern weil es die Wiege der schwedischen Metalszene darstellt, ein Album, das die Messlatte für jede nachfolgende Band gesetzt hat. Und ich spreche jetzt bewusst nicht von Bathory oder Candlemass, die eine ganz andere Baustelle sind, sondern von dem, was man dann auch gleich als die “Erste Welle des schwedischen Heavy Metal” bezeichnet hat. Der Begriff tauchte mitte der 80er Jahre in verschiedenen Musikzeitschriften auf – ich konnte aber nicht rausfinden, wo tatsächlich zum ersten Mal, und nennt sich im Original “Första Vågen Av Svensk Heavy Metal”.

Dazu gehörten dann bald Gruppen wie 220 Volt, Axewitch, Torch, Europe, Overdrive , Gotham City und sogar Oz, auch wenn das eigentlich eine finnische Band ist, aber 1983 umsiedelte, weil sie hofften, dort durch die schwedische First Wave mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Und ähnlich wie bei der NWOBHM handelt es sich eher um eine breite Gruppe von Bands, die keinem bestimmten Sound zugeordnet werden können. Das wird zwar bei der NWOBHM immer so dargetsellt, stimmt aber eigentlich gar nicht. Wobei wir hier sicher noch einmal etwas gezielter einsteigen, um das zu klären.

Klar sind bei Heavy Load die überladenen Tropen wie übertriebene Männlichkeit, Schwerter und Wikinger alle schon voll da, was wenig überraschend zu vielen Vergleichen mit Manowar führt. Aber die Schweden waren eben schon 5 Jahre früher dran. Weiterhin interessant ist die Tatsache, dass ende der 70er in Skandinavien keineswegs ein Bewusstsein über eine heidnische Tradition existierte. Ragne Wahlquist hat einst gesagt, dass ihnen in der Schule der Lehrer versuchte, den Kindern zu erklären, dass Wikinger kleine Männer waren, die den ganzen Tag das Feld mit Lederkappen auf dem Kopf pflügten.

(weiter geht’s im Podcast)

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Born To Be Wild: Amerikanischer Heavy Metal | #22

Lesen

Willkommen Freunde draußen an den Radiogeräten, zu einer neuen Ausgabe unseres Genre-Guides. Heavy Metal hat viele Gesichter, und wenn wir von ihm in seiner Reinkultur reden, dann meistes nur in Form der New Wave of British Heavy Metal, der NWOBHM. Und noch früher, bereits über die ganzen 70er Jahre hinweg schwebte der Begriff über jene Bands, die wir heute dem Proto-Metal zurechnen und die ebenfalls hauptsächlich aus Großbritannien kamen. Die Briten – so scheint es im nachhinein – waren seit den 60er Jahren und der sogenannten British Invasion ziemlich innovativ und tonangebend, was die Entwicklung des Rock N Roll betraf. Das bedeutet natürlich nicht, dass Amerika dem nichts entgegenzusetzen hatte, dort gab es allerdings eine ganz andere Musikkultur, getränkt von Jazz, Blues, R n B, Soul, Country usw., die sich erst im Laufe der Zeit mit der britischen vermischte. In den 80ern, als die NWOBHM – so schnell wie sie gekommen war – auch wieder verschwand, dominierten dann in der Folge die amerikanischen Bands mit ihrem Power Metal und vor allem dem Thrash. Aber so weit wollen wir heute gar nicht gehen, wir sehen uns die Entwicklung des 70er Jahre Heavy Metal aus der Perspektive der Amerikaner an. Gab es zeitgleich zu Led Zeppelin, Uriah Heep, Deep Purple, Budgie, Black Sabbath eine amerikanische Entwicklung?

Die gab es tatsächlich. Und das führt uns direkt zum Titel der heutigen Sendung: Amerikanischen Heavy Metal. Ich habe euch mal 5 Alben mitgebracht, die verdeutlichen, was ich meine.

Bedenkt man, dass der Begriff Heavy Metal in Amerika entstanden ist, darf man sich fragen, warum wir wie selbstverständlich davon ausgehen, dass dies zunächst eine rein britische Angelegenheit war. Natürlich wurde der Begriff erst hier zu einem ganzen Genre geschmiedet, aber allzu leicht wird vergessen, dass es sich da bereits um die dritte Welle handelte. An dieser Stelle müssen müssen wir natürlich nicht infrage stellen, dass das, was wir als Heavy Metal kennen, durch Black Sabbath zum ersten Mal seine ganze Bandbreite erfuhr, auch wenn ich in anderen Sendungen immer wieder darauf hingewiesen habe, dass der Begriff auch schon in den 60er Jahre genutzt wurde. Woher der Begriff tatsächlich stammt, das werden wir uns sicher noch einmal an anderer Stelle anschauen. Für heute genügt es, wenn wir akzeptieren, dass Heavy Metal mit dem Verschwinden der Bluesanteile in den härteren Rocksongs einher geht. An seine Stelle traten klassische Elemente, beziehungsweise Elemente der klassischen Musik, es kamen Keyboards hinzu und es wurde vermehr mit dem Tritonus – Diabolus in Musica – experimentiert.

Allgemein wird vom amerikanischen Heavy Metal erst in den 80er Jahren gesprochen, als die New Wave Of British Heavy Metal bereits am Abklingen war. Viele amerikanische Bands hatten ihr Handwerkszeug gelernt und einige neue Elemente beigefügt, die von dem Zeitpunkt an als typisch amerikanisch gelten konnten. Aber das war bereits der amerikanische epische Power Metal. In der ersten Welle stand am Anfang das Debüt von Blue Cheer im Fokus. Vingebus Eruptum. Und das war früh in der Zeit. 1968 nämlich, also zwei Jahre bevor Black Sabbath auf den Plan trat.

Allerdings fällt es eher durch seine raue Lautstärke auf und hat viele Anteile des Garage Rock und des psychedelic Rock, es ist viel schwerer Blues zu hören – viel mehr als auf dem Debüt von Black Sabbath – und so ein richtig gutes Album ist es trotz seines spektakulär harten Sounds eigentlich auch nicht. Im selben Jahr veröffentlichen Blue Cheer ein weiteres Album namens Outsideinside, das weniger spektakulär aber musikalisch dann doch etwas besser war, aber genauso wenig dazu geeignet wie Vincebus Eruptum, als eigentlicher Begründer eines neuen Genres zu gelten. Trotzdem ist es ein guter Start, um zu demonstrieren, was zu dieser Zeit bereits in der Luft lag. Und zwar in Amerika. Warum die Briten in diesem Sektor jedoch die Nase vorn hatten, lag nicht zuletzt daran, dass viele europäische Musiker die klassische Musik besser verstanden.

Zu diesem Zeitpunkt hatte man das noch in der Schule gelernt, schließlich kommt die ganze klassische Musik aus Europa und ist hier ebenso in der DNA verankert wie in Amerika der Jazz und der Blues. Das ist auch der Grund, warum der Prog-Rock aus Europa kam, der ja die klassischen Elemente geradezu aufgesaugt hat, denkt man zum Beispiel an Emerson, Lake und Palmer. Wenn man sich also fragt, warum der Heavy Metal und der Prog Rock zu Beginn derart europäisch geprägt waren, dann findet man hier seine stechenden Argumente. Der amerikanische Hard Rock kommt also aus dem Blues und der Boogie-Musik und hielt auch lange an dieser Tradition fest. Natürlich ist der Blues auch in der britischen Blues-Explosion der 60er Jahre enthalten, aber eben als eine neue Spielart, die man mit den eigenen Traditionen durchmischen konnte. Das ist der Grund, warum es Black Sabbath und Deep Purple waren, die bereits den reinen Proto-Metal spielten, der ohne Bluesgerüst auskam. Nicht immer. Aber doch in ziemlich vielen Fällen.

Vorhin habe ich gesagt, dass der Begriff Heavy Metal in Amerika geprägt wurde, und das führt uns natürlich direkt zu Steppenwolf, die eigentlich nichts mit der Entwicklung des Genres zu tun haben. Eher eine psychedelische Rockband, die ihre Hochphase während der 60er Jahre hatte, hatten sie auf dem Song “Born to be Wild” dennoch ein Heavy Metal-Riff, das nicht speziell auf dem Blues basiert. Und natürlich die Zeile “Heavy Metal Thunder”. Allein schon deshalb führt kein Weg daran vorbei, Steppenwolf zu erwähnen, wenn auch nicht gerade mit dem ganzen Album, das ebenfalls 1968 heraus kam. Born to be Wild wurde irrsinnig oft gecovert und hat sich im Laufe der Zeit zu der Hymne eines bestimmten Lebensgefühls entwickelt, das auch Leute für sich vereinnahmten, die nichts mit Heavy Metal zu tun haben wollen.

Das ist vor allem da Gefühl für grenzenlose Freiheit, die auch und vor allem von der Biker-Szene aufgenommen wurde. Die Motorrad-gruppen gab es zwar überall, aber in den unglaublichen Weiten der USA erst wird dieses Gefühl auch tatsächlich real.

Zum ersten Mal tauchte der Begriff Heavy Metal natürlich in William S. Burroughs Roman “The Soft Machine” von 1961 auf. Darin wird die Figur Uranian Willy als Heavy Metal Kid bezeichnet. Und auch wenn der Begriff eigentlich vom Periodensystem abstammt, meint er bei Burroughs eine ultimative Sucht, die im Endstadium tatsächlich etwas mineralisches im Gegensatz zum pflanzlichen habe.

Der Song wurde 1969 in dem Film Easy Rider verwendet, einem Klassiker der Gegenkultur mit Dennis Hopper und Peter Fonda in den Hauptrollen als Biker, die von Los Angeles nach New Orleans fahren.

(Song Steppenwolf)

Lasst uns jetzt mal in die 70er zu springen, Heimat der besten Ära, die die Musik je erlebt hat. Hier finden wir eine Band, die nicht weniger großartig ist als Led Zeppelin, Uriah Heep, Deep Purple, Nazareth und so weiter. Die Rede ist von Leslie Wests MOUNTAIN, die stets den Beinamen Amerikas Led Zeppelin trugen, was man aber auch schon über Cactus gesagt hat. Beide Bands sind natürlich immer noch Blues-Basiert, stellen aber den Härte- oder Schweregrad bereits höher, ganz im Sinne von Led Zeppelin oder noch früher The Cream und The Yardbirds. Leslie West spielt bereits ziemlich fette Powerchords, aber die ganze Band kommt aus dem Blues-Gerüst nicht wirklich heraus. Das kann man bei allen härteren amerikanischen Bands der 70er Jahre beobachten, die zwar Anteile einer Heavy Metal-Ästhetik haben, aber ihre Akkordfolgen auf dem Boogie Woogie aufbauen, wie er in den 50er Jahren entstanden ist. Das gleiche gilt für Ted Nugent und ist sogar in den Anfängen von Kiss noch nicht gänzlich verschwunden, geschweige denn bei ALICE COOPER.

Von Mountains ersten Album Climbing aus dem Jahr 1970 stammt ihr bekanntester Song “Mississippi Queen”,
mit seinem explosiven, hochoktanigen Riff, das völlig überraschend für die Band die Billboard Charts erreichte, obwohl in den Vereinigten Staaten damals diese Art von Musik erst nach Mitternacht gespielt wurde und so kaum eine Chance auf gute Verkaufszahlen bekam.

(Song Mountain)

Über BLUE OYSTER CULT, an denen wir ebenfalls nicht vorbei kamen, habe ich vor kurzem bereits eine eigene Sendung über deren Debüt von 1972 gemacht. Und ohne die Geschichte hier zu wiederholen, will ich doch einen Punkt noch einmal herausgreifen. Und zwar den, dass Columbia Records ihre eigene Version von Black Sabbath haben wollte. Es war also niemandem entgangen, dass hier eine ganz neue Musikrichtung am Entstehen war und dass Amerika diesbezüglich noch ziemlich abgeschlagen agierte. In den 80ern sollte sich das Blatt natürlich erheblich wandeln, aber da befinden wir uns ja noch nicht. BÖC waren eigentlich eine psychdele Rockband, die gar nicht wusste, wie ihnen geschah, als sie das Angebot annahmen, weil sie sonst wahrscheinlich nie zu ihrem Debüt gekommen wären. Was BÖC allerdings von Anfang an hatten, war ein geheimnisvolles Image und diese überragenden und merkwürdigen Texte. Die amerikanischen Black Sabbath waren sie freilich nie, aber sie unterschieden sich doch erheblich von ihren Kollegen, was sie ja auch zu einer der besonderen Bands dieser Ära machte.

Hier ein Auszug aus The Red and the Black von ihrem zweiten Album Tyranny and Mutation
(Song BÖC)

Eine Band, die im Proto-Metal-Sektor stets genannt wird, sind die Texaner Bloodrock, die im April 1970 ihr selbstbetiteltes Debüt präsentierten. Und eigentlich kann man in der Entwicklung des Heavy Metal dann auch nur dieses eine Album heranziehen, denn bereits das zweite, das noch im selben Jahr erschien, war weniger heavy als das erste. Im Sektor des 70er Jahre Hard Rock besitzt die erste Bloodrock-Veröffentlichung einen gewissen Kultstatus, um an irgendeiner Entwicklung teilzunehmen, war es aber auch hier nicht genug, ganz klar sind die psychedelen Elemente hier noch stark vertreten und das amerikanische Bluesgerüst unvermeidlich. Das bedeutet natürlich nicht, dass man diese Scheibe nicht unbedingt besitzen sollte, wenn man auf den Sound der 70er Jahre steht. Hier geht es nicht um die Qualität der Musik an sich, sondern um das Entwicklungspotenzial hin zum Heavy Metal, den zu dieser Zeit eindeutig die Briten dominierten.

(Song Bloodrock)

Erst 1973 sollte es einer Band gelingen, ein Album zu präsentieren, dass man tatsächlich als erstes amerikanisches Heavy Metal-Album bezeichnen kann. Dabei handelt es sich um MONTROSE mit dem gleichnamigen Debüt. Kiss, die da die Bühne noch nicht betreten hatten, brachten diesen harten Sound auf ihren ersten Alben genauso wenig zustande wie Aerosmith. gerade letztgenannte steckten ebenfalls noch lange im Blues fest und orientierten sich eher an den Stones und Led Zeppelin. Also war Montrose völlig außer Konkurrenz. Hier hört man fette und moderne Heavy Metal Riffs, eingebettet in eine großartige Produktion, bedenkt man die Zeit. Ein Album also, dass es schafft, zu Black Sabbath und Deep Purple aufzuschließen. Mit Fug und Recht gilt das erste Montrose-Album als Blaupause für das, was dann bald Van Halen machen würden. Jeder, der das Album kennt, sieht natürlich auch hier die Boogie-Anteile, aber die Stoßrichtung ist bereits eine ganz andere. Abgesehen davon würde Sammy Hagar am Gesang nie wieder etwas Besseres fabrizieren als die beiden Alben – Paper Money von 1974 ist das zweite – zusammen mit dem begnadeten Gitaristen Ronnie Montrose, der sich 2012 für den Freitod entschieden hat, nachdem bei ihrem Krebs diagnostiziert wurde.

Es gibt noch ein anderes und bedeutendes Projekt von Ronnie Montrose, das zu bedeutenden Schätzen des frühen Heavy Metal zählt, nämlich Gamma, aber das ist eine andere Geschichte. Wir hören rein in Space Station #5 vom Debüt.

(Song Montrose)Es sollte allerdings nicht mehr lange dauern, da stießen auch britische Bands noch weiter vor mit Rainbow, Judas Priest, Thin Lizzy, UFO, Motörhead das, was gemeinhin dann die zweite Welle des Heavy Metal genannt wird, weil hier schon die Grundsteine für Speedmetal, Thrash Metal und Power Metal gelegt wurden, die Genres also, die sich dann in einer dritten Welle in den 80ern entfalten konnten.

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Genre-Guide: AOR | #20

Hallo und willkommen zu einer weiteren Ausgabe in unserem Genre-Guide. Ich wurde in den letzten Wochen oft gebeten, etwas über dieses Thema zu sagen und das Ergebnis hört ihr also heute. Wir räumen mit ein paar Mythe auf, die sich um die drei Buchstaben AOR drehen und um die Verwirrung die damit einher geht, weil viele Musikliebhaber davon ausgehen, das bedeute Aduld Oriented Rock, also eigentlich “Erwachsenenrock”, was im Grunde eine völlig abwegige Bezeichnung ist, die es aber tatsächlich gibt. Aber dieses AOR hat erst einmal nichts mit dem wirklichen AOR zu tun, dem Album Oriented Rock nämlich. Über diesen wollen wir heute sprechen und dann natürlich auch, wie es dazu kam, dass ein tatsächlich nachvollziehbarer Begriff plötzlich in ein Scheingenre verwandelt wurde.

Lesen

Albumorientierter Rock war ein Phänomen, das in den 70er Jahren zum ersten Mal auftauchte, aber erst in den 80ern zu einem weltweiten Trend wurde.

Ursprünglich wurde der Begriff verwendet, um die Werke von ganz unterschiedlichen Bands wie Pink Floyd, YES, King Crimson und den Beatles schon in den späten 60er Jahren zu beschreiben, weil die Alben dieser Bands als Gesamtkunstwerk betrachtet werden sollten und auch am Stück gehört werden sollten. Zu dieser Zeit ging es immer weniger um einzelne Songs wie noch in den 50ern und der ersten Hälfte der 60er. Die Künstler emanzipierten sich von dieser rein kommerziellen Sichtweise, wobei die Beatles natürlich wieder einmal Vorreiter waren. Das Prinzip war einfach: Jeder Song des Albums war mit dem folgenden verbunden, entweder thematisch oder musikalisch. Um die Platte optimal erleben zu können, muss man sie also von Anfang bis Ende hören.

Es ist interessant, dass wir in einer Zeit leben, in der wir scheinbar wieder in die Steinzeit des Musikhörens zurückfallen, woran natürlich einerseits die Streamingdienste schuld sind, aber die reagieren ja auch nur auf die kaum vorhandenen geistigen Kapazitäten ihrer Hörer. Aber wir reden hier zwar hauptsächlich vom Mainstream, der sich ja immer nur auf einzelne Songs gestürzt hat, diese Unart ist aber längst schon weiter fortgeschritten als man das vielleicht denken könnte. Die Playlist ersetzt sozusagen erstmal das Radioprogramm, auf das man keinen Einfluss hat, und dann auch noch das Album als Kunstwerk selbst. Das hat natürlich damit zu tun, dass Musik schon lange keine gesellschaftliche Relevanz mehr besitzt und im Grunde nur noch die äußere Leere an die innere Leere anpasst wird – und während innen auch weiterhin nichts los ist, zumindest von außen irgendeine Geräuschkulisse zugeschaltet wird.

Wahrscheinlich spreche ich jetzt zum falschen Publikum, aber bevor jetzt alle empört abschalten. Das ist der Deal. Das ist das, was heute, hier und jetzt um uns herum geschieht. Demgegenüber stehen natürlich Tausende von Musikliebhabern, die Tonträger kaufen, sich mit dem Artwork, der Musik und den Lyrics beschäftigen und auch noch das Merch einer Band kaufen, um sie zu unterstützen. Und glaubt mir, selbst Bands, die man vielleicht als Groß wahrnimmt und von denen man denkt, dass sie es gar nicht mehr nötig hätten, ist auf jeden Pfennig aus diesen Verkäufen angewiesen oder dass ihr zu den Konzerten geht.

Zurück zum Album Oriented Rock.

Viele glauben, das Beste Beispiel für AOR sei das Album “Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band” von den Beatles, weil es kaum einen Sinn macht, sich davon nur ein oder zwei Song anzuhören.

Das Gleiche gilt für “The Dark Side of the Moon”. Natürlich haben die Songs individuelle Stärken und Merkmale, aber letztlich sollte das Album als eine Einheit betrachtet werden. Progressive Rockbands folgten in den 70er Jahren im Allgemeinen dem Konzept des AOR. Ihr sehr also hier die Nähe zu dem, was man gerne Konzeptalbum nennt, aber das ist nochmal eine ganz andere Geschichte.

Die genannten Band wurden in der Regel bei bestimmten Radiosendern gespielt und mit Radio hat AOR eben viel zu tun, und hier ganz speziell die Album Oriented Radiostations – erneut ein AOR mit einer anderen Bedeutung, hier fehlt das Rock am Ende.

Auf jeden Fall spielten diese Stationen alle möglichen Songs eines Albums unabhängig von ihrer Länge, während herkömmliche Radioprogramme eine 3 Minuten Marke einhalten

Bevor Bands wie die Beatles das Albumformat mit Alben wie “Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band” als eigene Kunstform etablierten, waren es die frühen UKW-Radios und ihre DJs, die den Begriff zur Beschreibung ihres Programmkonzepts verwendeten – es ging darum, sich auf Albumtitel oder ganze Alben zu konzentrieren, anstatt nur eine Hit-Single zwei bis drei Minuten lang zu spielen. Und es war natürlich dazu gedacht, den Verkauf von Alben zu fördern, quasi als ein Gegenpol zum Top 40-Format, das auf den Verkauf von Singles spezialisiert war. Vielleicht kennt ihr heute nur noch den Begriff der Billboard Charts, aber seit Anfang der 50er Jahre hatte der Radiosender KOWH in Omaha, Nebraska dieses beliebte 40er Format in Amerika etabliert, das dann in den 80ern wieder an Bedeutung verlor. Die Album-Charts – wir sprechen hier ja über Alben – gab Billboard bereits seit 1961 heraus und es dürfte klar sein, dass durch die AOR-Radios, von denen es in Nordamerika einige gab, die Albenverkäufe noch einmal extrem anstiegen, weil es eben für die gespielten Songs keine Singles gab.

Das ist im Grunde also die Wiege des Begriffs AOR, aber Ende der 70er Jahre änderte sich etwas Entscheidendes. Bis dahin ging es nämlich gar nicht darum, wie sich die Musik anhört, die eine Band spielte, AOR war eher eine Haltung vieler Radiostationen.

Das änderte sich Ende der 70er Jahre, da wurde der Begriff AOR plötzlich mit populären amerikanischen Rockbands wie den Eagles und Boston in Verbindung gebracht. Klar waren das Bands, die auch weiterhin dem Albumformat zugetan waren, aber langsam kristallisierte sich hier tatsächlich eine neue Musikrichtung heraus, die melodiöser und harmloser war als der restliche Rock N Roll Zirkus zu dieser Zeit. Mehr Pop-Orientiert und im wahrsten Sinne des Wortes Radiotauglich – und damit ist jetzt das Mainstream-Radio gemeint. Die Hörer konnten diese Musik leicht im Hintergrund laufen lassen und verstanden, was sie da hörten – im Gegensatz zum gerade abklingenden Progressive Rock. Und weil diese Musik extrem zugänglich war, wurde die Musik von Bands wie Boston oder Kansas dann auch oft im herkömmlichen Radio gespielt, was deren Karrieren einen ordentlichen Schub verlieh.

Und hier sind wir jetzt bei diesem merkwürdigen Aduld Oriented Rock angekommen, sozusagen der dritten Stufe im AOR-Verlauf.

Diese Bands und ihre Musik werden heute als Adult Oriented Rock bezeichnet, was sich vom Album Oriented Rock natürlich unterscheidet. Album Oriented Rock war also schließlich eine radiozentrierte Idee, eine Programmrichtung sozusagen; der Adult Oriented Rock bezieht sich auf Bands wie Boston und Asia, deren Sound, wie gesagt, freundlicher, vielschichtiger und synthesizergesteuert – kurz: gefällig ins Ohr ging.

Es ist wie so oft die Musikindustrie, die dem Kind einen Namen gibt, aber er kam eben nicht aus dem Nichts, sondern baute auf ein bereits bestehendes Kürzel auf, was die Sache natürlich leichter machte. Plötzlich fasste man alle immens populären, harmlosen, melodischen Rockbands zusammen, weil sie eben oft im Radio gespielt wurden. Es war gerade so, als schrieben sie ihre Songs geradezu fürs Radio. In den 80er Jahren wurden Bands wie Journey, Toto, Bon Jovi, Foreigner, Survivor und viele andere zum Synonym für AOR; alles, was letztlich Mainstream-Appeal hatte, aber doch noch Rock war.

Einige Alben, die wir erwähnen müssen, sind “Escape” von Journey, “Asia” von Asia, “4” von Toto, “Leftoverture” von Kansas, “Agent Provocateur” von Foreigner, “Vital Signs” von Survivor, “Hi Infidelity” von REO Speedwagon und viele andere ähnliche Blockbuster. Dieses Phänomen war übrigens in allen Genres und Musikrichtungen zu beobachten, nicht nur im Rock. In den späten 80er Jahren setzte sich dieser Trend mit Hair-Metal-Bands wie Europe, Cinderella, Poison, Slaughter, Bad English, Giant, Winger, Firehouse, White Lion und anderen fort. Es war die Zeit des Popcornkinos fürs Ohr.

AOR war also nie eine stilistische Gruppierung; die Aufnahme in die Playlist wurde immer durch Entscheidungen der Radiomacher bestimmt. Die Künstler, die in den AOR-Listen vertreten waren, repräsentierten ein breites Spektrum an Musikrichtungen. Dennoch haben Branchenbeobachter einige allgemeine Merkmale festgestellt, die man zunächst Hard Pop nannte. “Hart, weil der Sound die Konturen von Hard Rock und Heavy Metal ebgeleitet war, Pop, weil die formale Struktur sich an Popmelodien orientiert, das heißt, hier geht es nicht um ein ausuferndes und riffbasiertes Wechselspiel wie im traditionellen Heavy Metal. Ein heutiges Beispiel wäre da Ghost, die ganz ähnlich vorgehen. Die Unterhaltung steht hier ganz klar im Vordergrund, das bedeutet, das Entertainment ist in der Basis wichtiger als die Musik selbst.

Dass sich der Begriff des Aduld Oriented Rock in den 80ern durchgesetzt hat, das lag vor allem an den Konkurrenzformaten, die immer mehr Einzug in den Mainstream hielten, wie etwa Disco, Country Pop, Rock ‘n’ Roll Oldies, und College Radio – das dann später Alternative genannt wurde – beeinträchtigte seine Vorreiterrolle erheblich. Die Attraktivität des AOR wurde auch durch den Niedergang von großen Stadionrockbands der 70er – Doobie Brothers, Led Zeppelin usw. beeinträchtig.

Warum sich der Begriff Aduld Oriented Rock so hartnäckig hält – vor allem in Deutschland – obwohl die hier zu findende Musik in Wirklichkeit Soft Rock oder Melodic Rock meint, ist eben genau mit dieser ganzen Begriffsverwirrung zu erklären, denn auch Aduld Contemporary war mal ein Begriff für die aus dem Album Oriented Rock entstandene Mainstreammusik.

Es waren wieder die Radiostationen in Amerika, die Anfang der 80er einen neuen Begriff generierten: Classic Rock. Dieser Begriff sollte den Album Oriented Rock, den es im Radio jetzt nicht mehr gab ersetzen und gegen den immer mehr so genannten Aduld Oriented Rock abgegrenzt werden. Betrachtet man Classic Rock näher – der auch kein eigentliches Genre bezeichnet, dann meint das die Ära von 1965 bis etwa 1995. Alles was vorher oder danach war, zählt nicht mehr zum Classic Rock, weshalb auch keine Band von heute Classic Rock spielen kann, ob sie sich so anhören oder nicht.

(mehr im Podcast)

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Genre-Guide | Okkult Rock | #9


In der heutigen Sendung geht es um eine kleine Einführung in den Okkult Rock. Ein Genre, das jeder irgendwie kennt, über das aber viel zu selten gesprochen wird. Tatsächlich hat sich diese interessante Spielart erst in der heutigen Zeit so richtig etabliert. Was aber die modernen Bands des Genres betrifft, muss ich euch noch etwas vertrösten. Hier und heute schauen wir uns erst einmal die Anfänge und das Milieu des Genres etwas genauer an.