First Wave Of Swedish Heavy Metal: Heavy Load | #24

Hallo Freunde draußen an den Radiogeräten zu einer weiteren Ausgabe von Work of Sirens – Heute vor 40 Jahren.

Eigentlich hat die heutige Sendung etwas mehr mit der ehemaligen Rubrik der Kultalben zu tun. Da habe ich mir immer drei obskure Alben, die halbwegs zueinander passen, geschnappt und deren Geschichte erzählt. Der heutige Anlass ist zwar definitiv Death and Glory von heavy Load, aber um die Band besser einordnen zu können, muss man sich auch etwas die schwedische Szene zu dieser zeit anschauen.

Heute ist klar, dass die besten schwedischen Bands im Extreme-Metal tätig sind. Zum Beispiel entwickelte sich Stockholms roher Death und Powermetal einst die Basis einer wachsenden Szene. Die daraus resultierende Innovation beeinflusste die Metal-Musik nicht nur in Schweden, sondern weltweit.

Im Oktober 1982 war davon allerdings noch nichts zu merken, da erschien das zweite Album der legendären schwedischen Band Heavy Load mit dem unmissverständlichen Titel “Death or Glory” – lässt man jetzt mal die EP “Metal Conquest” beiseite. Und das wollen wir uns heute mal näher anschauen.

Das Besondere daran war unter anderem, dass die Band da bereits ihr eigenes Label namens Thunderload Records inne hatte, beziehungsweise die beiden Brüder Styrbjörn und Ragne Wahlquist, die auch die Band im Jahre 1975 gegründet hatten. Ihr seht also – Schweden – 1975. Das muss eine der ersten Heavy Metal Bands da oben gewesen sein, und so ist es auch.

Aber auch Schweden hatte bereits vorher eine Band, die man getrost dem Proto-Metal zuordnen kann, auch wenn man Heavy Load zu recht als wirklich erste schwedische Heavy Metal Band bezeichnen kann. Die Rede ist von Neon Rose, die zwischen 1974 und 1975 immerhin drei Alben herausbrachte, die allerdings international auf keine große Resonanz stießen. Eigentlich unverständlich, wie ihr anhand des Songs “Love Rock” gleich sehen werdet.

(Song Neon Rose)

Das ist also Schweden in den 70er Jahren, noch kaum beleckt von harten Klängen, geschweige denn von Wikinger-Themen. Wenn man sich vorstellt, dass Schweden heute neben den USA und England als wichtigster musikalischer Markt gilt, ist das Tempo der Aufholjagd völlig erstaunlich. Im Gegensatz zu Großbritannien hatte der Punk in Schweden keinen direkten Einfluss aus den Heavy Metal, obwohl die Bands dort natürlich ebenfalls mitbekamen, was sich Ende der 70er auf der Insel langsam herauskristallisierte.

Stattdessen hatten Proto-Metal-Bands wie Deep Purple, Rainbow und Whitesnake einen großen Einfluss auf die schwedischen Musiker, vor allem auf die der melodischen Sorte, und Melodie ist ja tatsächlich ein traditionelles schwedisches Element in fast allen musikalischen Genres. 1978 nahm auch dort der Heavy Metal langsam Formen an, als nämlich die Walquist-Brüder mit dem Bassisten Dan Molén im Schlepptau Heavy Loads Debütalbum “Full Speed at High Level” veröffentlichten und sich dadurch mit dem Rest der damaligen Proto-Metal-Welt vereinte, doch ihre unabhängige Plattenfirma ging in Konkurs, und erst drei Jahre später tauchten sie unter ihrem eigenen Label Thunderload Records mit der EP Metal Conquest wieder auf, begleitet von den neuen Mitgliedern Eddie Malm (Gitarre) und Torbjorn Ragnesjo (Bass).

Das Debüt mag zwar aus heutiger Sicht mit einem rudimentären Songwriting und zweifelhaften Fähigkeiten in Sachen Arrangement aufwarten, man darf aber nicht vergessen, dass dieses Debüt auf dem Höhepunkt der Abba-Manie erschien und es vorher eigentlich keinen Heavy Metal in Schweden gab. Außer Judas Priest kann man weit und breit keine anderen Vorbilder zu dieser Zeit ausmachen. Beachtenswert ist jedoch das Wikinger-Thema in dem Song “Sons of Northern Light”. Da schien also bereits etwas im Busch zu sein, auch wenn bereits vorher Bands wie Led Zeppelin auch schon Wikinger-Themen hatten, war das hier doch etwas ganz anderes.

Und vier Jahre später, also 1982 erschien dann mit “Death or Glory” ein Diamant von einem Album, das Heavy Load auf die europäische Bühne gebracht hat, bzw. ganz Schweden mit ihm.

Roh, episch, rau und melodisch zugleich, hat Death or Glory ein ähnliches Feeling wie die britischen New-Wave-Bands, aber natürlich mit einem schwedischen Twist. Das Album ist nicht nur wegen seines musikalischen Wertes wichtig, sondern weil es die Wiege der schwedischen Metalszene darstellt, ein Album, das die Messlatte für jede nachfolgende Band gesetzt hat. Und ich spreche jetzt bewusst nicht von Bathory oder Candlemass, die eine ganz andere Baustelle sind, sondern von dem, was man dann auch gleich als die “Erste Welle des schwedischen Heavy Metal” bezeichnet hat. Der Begriff tauchte mitte der 80er Jahre in verschiedenen Musikzeitschriften auf – ich konnte aber nicht rausfinden, wo tatsächlich zum ersten Mal, und nennt sich im Original “Första Vågen Av Svensk Heavy Metal”.

Dazu gehörten dann bald Gruppen wie 220 Volt, Axewitch, Torch, Europe, Overdrive , Gotham City und sogar Oz, auch wenn das eigentlich eine finnische Band ist, aber 1983 umsiedelte, weil sie hofften, dort durch die schwedische First Wave mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Und ähnlich wie bei der NWOBHM handelt es sich eher um eine breite Gruppe von Bands, die keinem bestimmten Sound zugeordnet werden können. Das wird zwar bei der NWOBHM immer so dargetsellt, stimmt aber eigentlich gar nicht. Wobei wir hier sicher noch einmal etwas gezielter einsteigen, um das zu klären.

Klar sind bei Heavy Load die überladenen Tropen wie übertriebene Männlichkeit, Schwerter und Wikinger alle schon voll da, was wenig überraschend zu vielen Vergleichen mit Manowar führt. Aber die Schweden waren eben schon 5 Jahre früher dran. Weiterhin interessant ist die Tatsache, dass ende der 70er in Skandinavien keineswegs ein Bewusstsein über eine heidnische Tradition existierte. Ragne Wahlquist hat einst gesagt, dass ihnen in der Schule der Lehrer versuchte, den Kindern zu erklären, dass Wikinger kleine Männer waren, die den ganzen Tag das Feld mit Lederkappen auf dem Kopf pflügten.

(weiter geht’s im Podcast)

Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

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Host im Podcast "Work of Sirens"

Autor: Micky Winter

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