Epic-Sommer-Spezial (9) | #47

Willkommen draußen an den Radiogeräten zur neunten Folge unseres Juli-Specials hier im Podcast Work of Sirens. 14 Songs wählen wir für unser Epic Metal Mixtape aus und wenn euch das Format gefällt, dann lasst es mich unter workofsirens.de in einem wissen. Eventuell wiederholen wir das ganze dann mit einem anderen Thema noch einmal. Wenn ihr diese kleine Serie bisher verfolgt habt, dann wisst ihr, dass mich interessiert, wie ihr euren Tag heute verbracht habt oder noch verbringen werden – je nachdem, wann ihr diesen Podcast hört – und wie das Wetter bei euch heute ist. Warum ist das so wichtig? Nun, wir machen es einfach zu einem wichtigen täglichen Artefakt. In früheren Zeiten hat man Logbücher, Tagebücher oder sonstige Aufzeichnungen immer auch mit Wetteraufzeichnungen versehen, obwohl ich nicht glaube, dass in der Zeit, in die wir hier hauptsächlich reisen, Wetter und Tagebücher eine große Rolle spielten.

In der letzten Folge hatten wir Etrusgrave, und die heutige Band ist mit dieser durch die italienische Lichtgestalt Fuiberto Serena eng verbunden, auch wenn er heute nicht mehr dabei ist. Aber unser heutiger Song ist vom Debüt der Band, und da war alles noch in Butter.

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Dark Quaterer ist sicherlich eine der kultigsten Bands, die der Heavy Metal je hervorgebracht hat. Oft werden sie als Manilla Road Italiens bezeichnet, und so ganz von der Hand zu weisen ist das nicht, obwohl der Vergleich mit Pagan Altar genauso zündend wäre. Von den wenigen, die das Gesamtwerk der Band kennen und darüber gesprochen oder geschrieben haben, gibt es einen starken und stabilen Konsens, dass Dark Quarterer zu den wichtigsten und innovativsten Bands in der Geschichte des Heavy Metal gehören, insbesondere im Epic-Metal-Subgenre.

Die Band bereits Anfang der 70er in Piombino, das ist eine kleine Stadt in der italienischen Toskana, Musik zu machen.

Drei Freunde, die sich trafen, um Songs von Bands zu spielen, die sie liebten, wie Black Sabbath, Led Zeppelin, Uriah Heep, King Crimson, Gentle Giant, Genesis und viele andere Heavy- und Progressive-Bands. Gianni Nepi spielte Bass und sang, Fulberto Serena spielte Gitarre, Paolo “Nipa” Ninci spielte Schlagzeug, und sie nannten sich zunächst Omega Erre.

Sechs Jahre lang studierten sie Musiktheorie, spielten zusammen und feilten an ihrem Handwerk, wobei sie großen Wert auf gleichbleibende und verlässlich hohe Qualität legten. All das Wachstum und die Übung brachten einen kreativen Funken hervor, der sich nicht mehr eindämmen ließ, als sie dann so weit waren, ihre eigenen Songs zu schreiben, die einen härteren Sound und einen epischen Geist bevorzugten, der die wunderbaren Legenden und Geschichten ihrer regionalen Kultur widerspiegelte. Der Geist der Band selbst veränderte sich so sehr, dass sie sich nach ihrem ersten vollwertigen Song “Dark Quarterer” benannte, eine Anspielung auf mittelalterliche Metzger im Allgemeinen und eine lokale Legende im Besonderen. So ein bißchen wie Sweeny Todd, der teuflische Barbier, nur dass die Legende sich auf Kinder bezieht, die zerstückelt und in ein Pökelfass gesteckt wurden, damit das Fleisch frisch bleibt. Na, was soll man denn sonst machen, Kühlschränke gab es ja keine.

Das Mysterium des Dark Quarterer ist ein zentraler Bestandteil des Ethos der Band. Die Mitglieder der Band wuchsen in einer Gegend auf, die einst von den Etruskern bewohnt war, deren Kultur von Geheimnissen umwoben war und deren Legenden die Lücken ihrer aufgezeichneten Geschichte mit all der charakteristischen Dunkelheit und Vorahnung alter Überlieferungen füllten. Diese Geschichten von Monstern und Magie, Triumph und Tragödie bildeten einen wunderbaren Rahmen, um die widersprüchlichen Gefühle junger Menschen zu erforschen, die inmitten von Wohlstand und Umweltverschmutzung, Schöpfung und Zerstörung, Reichtum und Mangel erwachsen werden; jene philosophischen Gegensätze, die so stark im Heavy Metal wirken.

Es gab zu der Zeit fast keine anderen lokalen Bands, nur wenige Konzerte (geschweige denn Festivals), im Grunde überhaupt keine Szene in Italien. Nur drei junge Männer, die Musik hörten, um sich davon inspirieren zu lassen, indem sie ihre eigene Musik schrieben, für niemanden außer sich selbst und aus purer Liebe zur Musik.

Diese totale Isolation war da aber so was wie ein Schmelztiegel, aus dem schließlich eine neue und einzigartige Interpretation des Heavy Metal hervorging.

1987 veröffentlichten Dark Quarterer endlich ihr selbstbetiteltes Debütalbum, also dreizehn Jahre nachdem sie zum ersten Mal gemeinsam ihre Instrumente in die Hand genommen hatten. In einer Zeit und an einem Ort, an dem es an fast allem fehlte, was eine Band braucht, war die Aufnahme von Dark Quarterer genauso erschütternd wie die Geschichten, die die Songs erzählen. Gianni Nepi beschreibt ein Gefühl von Untergang und Vorahnung während dieser Zeit, das er auch heute noch spürt, wenn er darüber spricht, und das sich mehrmals zu manifestieren schien, einschließlich eines Studiobrandes, der während der Aufnahmen zu “The Entity” ausbrach, in dem es um einen Mann geht, der von einem unbekannten Wesen besessen ist, und um die brennende Frage, warum er auserwählt wurde.

Auch dieser Song wäre aufgrund dieser geschichte natürlich in Frage gekommen, aber ich habe mich für den erstaunlichsten Song des ganzen Albums entschieden: Colossus of Argil, einem neun minütigen sprichwörtlichen Koloss.

Die Riffs verlieren nie an Qualität, die Soli sind oft lang, unerschrocken und saftig, Nepis Gesangsarbeit ähnelt der von Tim Barker von Cirith Ungol, ist aber nicht so ausgefallen und ein gutes Stück zugänglicher. Sein Wehklagen erhebt sich gen Himmel und verursacht oft ein Gewitter von korrekt ausgeführten Falsettos, die jedes nahe gelegene Trommelfell mit Wucht treffen. Er hebt mit seinem manchmal sanften Gesang, der sich über fantastische Melodien legt, das ganze Album auf eine ganz andere Ebene.

Dieser Song ist tatsächlich bei weitem der beste Track des Albums und einer der besten Tracks, die diese Band je gemacht hat. Die spannenden Strophen brechen in plötzliche Härte und atemberaubende Leadgitarrenparts aus, das Schlagzeug sprüht vor Energie, und dieser Song fasst das ganze Album in einem Wort zusammen: meisterhaft. Die Produktion ist natürlich wahnsinnig roh und primitiv, aber andererseits kann man sich dieses Stück Musikgeschichte auch nicht in einer heutigen Plastikproduktion vorstellen.

Die Produktion ist leicht zu erklären und sogar zu entschuldigen, da Dark Quarterer vor sehr langer Zeit mit dem eigenen Equipment der Band und praktisch ohne Budget aufgenommen wurde. Aber jeder Heavy-Metal-Fan, der eine echte Verbindung zu seiner Geschichte hat, wird die Mystik einer Low-Budget-Produktion anerkennen; sie ist weit davon entfernt, ein Hindernis zu sein, und kann sogar ein Segen sein, wenn die Musik stark und die Band für sich selbst interessant ist. Und so dünn und verschüttet es auch klingen mag, Dark Quarterer ist alles andere als unhörbar. Tatsächlich scheint alles, was das Album großartig macht, durch: feurige Laubsägearbeiten von Fulberto Serenas Gitarre, Nepis beschwingter und ungestümer Bass und Nipas dynamisches Schlagzeugspiel kommen auf eine Weise zusammen, wie es nur gute Kumpels können, um lange, fantastisch lebendige Songs zu schaffen, die wunderbar lebendige und einnehmende Geschichten erzählen, die der Band einen Platz nicht neben, sondern unter den großen epischen Metalbands dieser Zeit sichern, darunter Manowar, Cirith Ungol und die mächtigen Manilla Road.

Natürlich ist Gianni Nepis Stimme die andere Sache, die bei diesen frühen Aufnahmen auffällt und die vielleicht die wichtigste ist. Sie ist zwar etwas nasal und kann das Trommelfell auf eine harte Probe stellen, wenn er an der Decke kratzt, aber es gibt wohl keinen anderen Sänger im gesamten Metal, der Nepis authentisch enthusiastische Liebe zu seiner Kunst übertrifft. Und seit wann braucht der Heavy Metal eine stereotypische “gute” Stimme am Ruder? Dio (RIP), Halford und Dickinson sind großartig, aber auch King Diamond, Tim Baker und Mark Shelton (RIP), und keiner von ihnen ist das, was Otto Normalverbraucher als “gut” im üblichen Sinne bezeichnen würde. Vielmehr glänzt Gianni Nepis Stimme durch eine beeindruckende Bandbreite und eine unglaubliche Dynamik, und er ist ganz in den Prozess des Singens vertieft.

Trotz seiner Unbekanntheit hat das Debütalbum von Dark Quarterer aus dem Jahr 1987 den Test der Zeit tapfer überstanden und sich seinen Ruf als Standard für epischen Heavy Metal nicht nur in ihrem Heimatland, sondern auf der ganzen Welt verdient. Lange, komplexe Songs schöpfen aus den unerschrockenen Gewässern der klassischen Progressive-Rock-Ära und erzählen dunkle und fesselnde Geschichten mit der Schwere, die nur Heavy Metal- und Doom-Metal-Klänge vermitteln können.

Das wars von mir, und mir bleibt nichts weiter zu sagen als: Keep on Rockin’, wir hören uns demnächst.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

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Host im Podcast "Work of Sirens"

Autor: Micky Winter

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