Epic-Sommer-Spezial (8) | #46

Guten Morgen Freunde draußen an den Radiogeräten, zur achten Ausgabe unseres Epic Metal Mixtape, das wir hier über den ganzen Juli verteilt zusammenstellen. Am Ende werden es 14 Songs sein – und das hat nichts mit dem tatsächlichen Platz auf einem Tape zu tun, als vielmehr damit, dass im Juli 14 Tage frei sind, wenn man die Wochenenden abzieht, an denen hier nichts geschieht und dann noch die regulären Sendungen berücksichtigt, die ja ebenfalls nicht angetastet werden.

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Wir gehen noch einmal nach Italien und dort in die Toskana, um den Seitenarm einer wahren Legende zu besuchen. Die Rede ist von Etrusgrave, einem Kofferwort bestehend aus Etrusker und Grave. Die Frage, warum ich nicht auf die Band, mit der sich der epische Metal italienischer Prägung in die Geschichtsbücher eingetragen hat, eingehe, ist berechtigt. Aber ich kann an dieser Stelle bereits vermelden, dass Dark Quarterer in unserer Ausgabe Nr. 9 ihren Song abliefern werden. Es hat keinen besonderen Grund, warum ich sozusagen mit dem Ableger beginne. Beide Bands sind aktiv und es scheint ihnen gut zu gehen und die Schlüsselfigur ist bei beiden Bands Fulberto Serena. Vielleicht hat sich unbewusst die Reihenfolge dann doch draus ergeben, dass Serena seit 1998 nicht mehr bei Dark Quarterer Gitarre spielt. Das ist eine lange Zeit und es dauerte noch einmal zehn Jahre bis er mit der von ihm gegründeten Band Etrusgrave “Master of Fate” vorlegte, von dem auch unser heutiger Song stammt.

Seine Mitstreiter hier sind:

Tiziano Sbaragli alias Hammerhead vocals
Luigi Paoletti Bass, Flute (track 6)
Francesco Taddei Drums

Für diejenigen, die aus Altersgründen oder einfach aus Mangel an Informationen mit Fulberto Serena nicht vertraut sind, möchte ich nur sagen, dass Dark Quarterer als wichtigste epische Band Italiens ihre Entstehung und Entwicklung ihm verdanken, da Serena bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden aus der Band der Hauptkomponist war. Etrusgrave unterscheiden sich dann auch von den aktuellen Dark Quarterer, da Etrusgrave sich weiterhin an der alten Schule orientieren, während DQ andere Elemente in ihr Songwriting aufgenommen haben. Trotzdem bewegen sich beide Bands weiterhin auf einem ähnlichen Feld.

“Master of Fate” ist als Album ein Bezugspunkt für alle, die dem Epic vergangener Zeiten treu geblieben sind, authentisch und ohne Schnickschnack.

Das fängt schon beim Namen an, mit einem präzisen epischen und geografischen Bezug, und setzt sich fort in einer Besetzung, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Erfahrung und jugendlichem Ungestüm aufweist.

Wie auch bei den alten Dark Quarterer drehen sich die Texte meist um etruskische Geschichte. Die Etrusker sind dann auch das geheimnisvolle und dunkle Volk, aus dessen Trümmern sich dann Rom erhob. Ich meine, wir sprechen hier von einer Zeit 800 v Chr. Und wir sprechen vom gebiet der heutigen Toskana. wenn man von dort kommt, liegt es fast schon auf der Hand, dass man sich für seine sehr alte Geschichte interessiert. Und die Etrusker sind nach wie vor ein rätselhaftes Volk, von dem niemand weiß, woher sie eigentlich kamen. Sie betrieben ziemlich lebendige Zauberei und Zukunftsschau – eine Fundgrube für den epischen Heavy Metal.

ich will noch etwas bei diesem Thema bleiben, allein schon aus dem Grund, weil man sonst nirgendwo viel über etwaige Inspirationsquellen liest, was für mich bei Bands wie Etrusgrave nicht weniger wichtig ist als die Musik selbst, vor allem, wenn es sich auch hier wieder um eine Rebellion gegen moderne Ansichten handelt. Das ist deshalb so wichtig, weil das Moderne denken und handeln quasi auf die Vernichtung und Zerstörung von schlichtweg allem angelegt ist. Wir begegnen dieser tief sitzenden Rebellion im Grunde im epischen Metal immer wieder. Viele mögen darin nur ein paar Geschichten von phantastischen Helden, Drachen und Fantasyliteratur sehen und schlagen sich damit unbewusst auf die Seite jener, die das gerne so haben wollen, aber dem aufmerksamen Beobachter bietet sich viel mehr.

Das erste Werk von Etrusgrave zeigt vier Totenköpfe auf dem Cover, wobei der imposantestete von einem markanten Helm des Typs “Celto-Villanovan” gekrönt wird, der in etruskischen Armeen üblich war. Unser heutiger Song heißt “Wax Mask” und wir schauen uns gleich den Text etwas näher an, aber vorher möchte ich noch zur Musik sagen, dass wir es hier mit echtem Heavy Metal zu tun haben, der mit seinen vorklassischen, klassischen oder sogar folkloristischen Ansätzen den lyrischen Bezügen die passende Stimmung verleiht. Weil hier eben alles so sehr ineinandergreift – von der Bildsprache angefangen, kann man durchaus von der Loyalität des epischen Heavy Metal gegenüber europäischen Traditionen sprechen.

Im Song “Wax Mask” geht es inhaltlich um eine Galerie, die der Erzähler auf der Suche nach Antworten durchstreift. In der Galerie scheint es oberflächlich betrachtet nur alte Gemälde und Wachsfiguren zu geben, die Gänge sind still und menschenleer. Er scheint der einzige Besucher dort zu sein, man kann also davon ausgehen, dass es gar keine öffentliche Galerie ist, sondern eine Verborgene, die nicht jedem zugänglich ist. Der Erzähler spürt allerdings, dass noch jemand anwesend ist. Er hört einen hohlen Klang, spürt den Atem und den Puls von einer unsichtbaren Präsenz, die er den Lebensritter nennt. Der aber ist kein geistiger Führer, sondernd roht, den Erzähler zu erschlagen, wenn er es wagt, ihn anzusehen. Er erkennt das Gesicht eines sterbenden Freundes und hat nur einen Gedanken: raus aus der Galerie!

Der Text ist an vielen Stellen kryptisch, aber es wird klar, dass der Erzähler in dieser Galerie eine verborgene Geschichte gesehen hat, bzw. das, was man nicht weiß. Und all das hat etwas zu tun mit einer Wachsmaske, die sich ständig zu verändern scheint, teils ihn, teils irgendeinen Helden und seine Taten zeigt. Durch den unbestimmten Text, bleibt alles ziemlich unheimlich.

Das wars heute von mir. Wenn ihr wollt, schreibt mir doch, wie ihr das Special bis jetzt findet und wie euer Tag heute so war. Natürlich interessiert mich auch das Wetter. Als nächstes bekommt ihr hier an dieser Stelle also einen Song von Dark Quarterer, weil sie die beiden Bands im Grunde nahtlos aneinander anschließen. Ich sage dann auch etwas mehr zu Fulberto Serena.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

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Host im Podcast "Work of Sirens"

Autor: Micky Winter

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