Epic-Sommer-Spezial (7) | #44

Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten und herzlich willkommen zu unserem Sommer-Special hier im Podcast Work of Sirens. Heute sind wir bei Folge 7 unseres Epic Metal Mixtapes angelangt, also genau in der Hälfte.

Für alle, die neu hinzugekommen sind: Im Juli werden wir hier täglich einen Song präsentieren, der im weitesten Sinne in den Bereich des Epic Metal fällt. An den Wochenenden machen wir eine Pause und auch die regulären Sendungen werden davon nicht beeinträchtigt. Es geht also alles weiter wie gehabt und dieses Special ist eine Dreingabe, ein Bonus für den Monat Juli.

Wir waren jetzt schon zweimal in Griechenland, einer Hochburg epischer Klänge, und heute machen wir einen Ausflug nach Italien, in die Lombardei.

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Zu einer Band, die eher keinen römischen oder italienischen Namen trägt, nämlich Wotan, die 2004 mit “Carmina Barbarica” ihr Debüt vorlegten. Das letzte Album der Band erschien 2019 mit “The Song of the Nibelungs”, hier haben wir es also mit keiner Eintagsfliege zu tun wie bisher so oft in diesem Sektor.

Auch wenn man es nicht glauben mag, gibt es im Verhältnis sehr wenige reine epische Bands. Wotan hingegen sind eine dieser echten epischen Band und nicht eine Black- oder Power- oder Death- oder Gothic-Band mit epischen Elementen. Hört man sich das erste Album an, von dem unser heutiger Song dann auch stammt, bekommt man das Gefühl, auf einem Schlachtfeld zu stehen, das mit aufgespießten Körpern und Kriegern mit blutigen Wunden durch Schwerter und Kleidung aus Tierhaut und Schilden aus Holz und Eisen überfüllt ist. Klingt lächerlich? Ist es aber nicht, es ist eine Offenbarung inmitten eines Computerzeitalters, dessen Hauptmerkmal Fantasielosigkeit und Zwecklosigkeit ist.

Was die Musik selbst betrifft, so sollte man bedenken, dass Innovation, Fortschritt und Neuartigkeit nicht in das Repertoire des Epic Metal gehören, weil jede Innovation das Genre bereits in etwas anderes verwandelt. Das kann man freilich rückständig finden und damit die alte Debatte aufmachen, wie konservativ der Metal eigentlich ist. Für mich persönlich gilt aber eine vernünftige Art und Weise, wertvolle Dinge zu erhalten ganz generell zur wichtigsten Grundlage in der Musik, in der wir uns bewegen. Damit meine ich keineswegs stillstand. Das wird ja oft fehlinterpretiert, aber ich kann euch sagen, warum das Wort konservativ mittlerweile fast schon zum Schimpfwort mutiert ist. Weil wir in einer Gesellschaft leben, die so sehr darauf getrimmt ist, Wachstum und Fortschritt als Lebenszweck zu begreifen, dass sich jede Kritik zu verbieten scheint.

Was im Epic Metal wirklich zählt sind leidenschaftliche Kompositionen, die in den vorgegebenen Normen, die das Genre definieren, vorgetragen werden, um eine Zeit und ein Gefühl heraufzubeschwören, das unwiderbringlich verloren ist und im Grunde nur durch Kunst – sei es Musik oder auch Fantasy-Romane – erhalten werden kann. Das hat noch nicht mal allein was mit Eskapismus zu tun, ein anderes Wort, das ja gerne negativ betrachtet wird, sondern mit dem Aktivieren einer tief in uns vergrabenen Erinnerung an sehr frühe Zeiten der Menschheit, wo es tatsächlich zwar um primitivere Dinge ging als das neueste elektronische Spielzeug, aber dafür auch um eine ehrliche Auseinandersetzung mit Leben und Tod usw.

Das war jetzt ein Exkurs, der doch ein bisschen weit vom Thema wegführt – aber eigentlich auch wieder nicht. Kommen wir zurück zu Wotan, die das jetzt ja auch irgendwie ausgelöst haben. Unser Song heute heißt “Lord of the Wind”, der trotz einiger Speed-Elemente nicht vom Grundgerüst abweicht. Die Gitarrensoli von Mario Degiovanni mögen technisch nicht überragend sein, aber sie fügen sich gut ein und erhalten die allgemeine Essenz des epischen Gefühls. Die Rhythmusgruppe, bestehend aus Schlagzeuger Lorenzo Giudici und Bassist Salvatore Oliveri, bilden eine solide Basis, über die Sänger Vanni Ceni seine farbefrohe und kraftvolle Stimme legt.

Wie so oft fällt der Text hier in die Kategorie “Anrufung des großen Unbekannten” im Angesicht des Todes. Wir befinden uns auf einem Schiff, der Wind bläst stark und peitscht das Deck, schwarze Schwäne reiten auf den Wellen. Es ist von einer dunklen Prophezeiung die Rede, die nicht näher erläutert wird, aber der Erzähler bittet darum, nicht auf See zu sterben, sondern irgendwo als Futter für die Adler mit dem Schwert in der Hand.
Deuten könnte man den Song also so, dass der Herr des Windes gebeten wird, die Überfahrt so schnell wie möglich voranzubringen, dass die Krieger wieder festen Boden unter den Füßen haben.

Das wars von mir für heute. Und weil wir gerade von Sturm und Wellen geredet haben, schreibt mir doch, wenn ihr wollt, wie das Wetter heute bei euch so ist und wie ihr euren Tag verbracht habt oder noch verbringt. Das könnt ihr natürlich wie immer unter workofsirens.de tun und mir bleibt nichts anderes als zu sagen Keep on Rockin’!

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

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Host im Podcast "Work of Sirens"

Autor: Micky Winter

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