Epic-Sommer-Spezial (6) | #43

Guten Morgen Freunde draußen an den Radiogeräten zur Ausgabe Nr. 6 unseres Specials im Juli, wo wir an allen freien Tagen, das heißt, an allen Tagen, wo keine reguläre Sendung eingeplant ist, einen Song aus den Annalen des epischen Metals kramen und ihn auf unser Mixtape packen, das am Ende dann 14 Songs enthalten wird. Natürlich wäre es leicht, auf die bekannten Gemeinplätze wie Manowar, Omen und Manilla Road zurückzugreifen, aber ich werde hier wie so oft mehr im obskuren Bereich wildern. Nicht immer, aber meistens. Und heute ganz bestimmt.

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Wir machen erneut einen Ausfflug nach Griechenland und besuchen dort eine Band mit dem allerweltsnamen Crush. Die Band besteht seit 1983 und ist eine der ältesten griechischen Heavy Metal Bands, die sich aus der Asche von Under Power erhob, die wiederum von 1981 – 1983 in den westlichen Bezirken von Athen aktiv war.

Die Band besteht aus:

Tasos Vretakis am Bass
Kostas Vogiatzogloy an den Drums
Pantelis Rodostoglou: Guitars, Songwriting
Panagiotis Konstantinidis: Vocals, Lyrics

Jetzt könnte man meinen, dass eine Band, die schon seit so langer Zeit aktiv ist, eine Menge Veröffentlichungen hingelegt haben müssen, aber das ist wie man sich denken kann nicht der Fall. Es gibt ein einziges Album aus dem Jahre 1993. Kingdom of the Kings. Mit dem Song gleichen Namens beteiligten sie sich 1988 an der historischen Doppel-Compilation “Greece Attacks”, die lange Zeit nur auf Vinyl und Kassette erhältlich war, teuer und selten, aber im Jahre 2014 als Doppe-CD von FM Records neu aufgelegt wurde – ähm – heute ebenfalls teuer und selten.

Dann machten sie sich mit Hilfe des international renommierten Produzenten Dimitris Malegas an die Arbeit für die Aufnahme ihres ersten Albums, auf dem wir melodischen, dynamischen, klassischen griechischen Heavy Metal mit mystischen, okkulten Texten zu hören bekommen. Live waren sie unter anderem mit Holocaust, Omen, Gloven Hoof, Marauder und Spitfire unterwegs, aber es nützte alles nichts. Das Album wurde in Sammlerkreisen (leider nur) von Fans sehr gut aufgenommen, da es nur als selbst finanzierte Produktion der Band selbst veröffentlicht wurde, da es von keiner griechischen Plattenfirma unterstützt wurde.

Man muss nur einen Blick auf das atemberaubende Cover-Artwork werfen, um zu verstehen, was einen in den nächsten 35 Minuten, die dieses Album dauert, erwartet: Die Apotheose des klassischen Heavy Metal ist da. Musikalisch handelt es sich um Epic Heavy Metal, textlich ist es irgendwo zwischen mystisch und okkult angesiedelt, während Panagiotis Konstantinidis’ großartige, beherrschende Stimme sich wunderbar mit dem Rest der soliden Rhythmusgruppe der Band vermischt. Der Sänger trägt die Texte von Crush mit einer edler Leidenschaft vor, scharfe Gitarrenriffs und engmaschige Kompositionen machen das ganze Album aus. Die Produktion ist für damalige Verhältnisse und selbst für eine griechische Metalband recht gut.

Es geht hier natürlich primär immer nur um einen Song und nicht um das ganze Album, aber wir folgen in diesem Special trotzdem einem roten Faden relativ obskurer Bands, so dass ich manchmal dann doch etwas weiter ausholen muss, um Zeit und Raum ein bisschen näher ran zu holen. Crush hatten wahrscheinlich das Pech – wie so viele in den 90ern – dass sie ihr Album in einer toten Phase des Heavy Metal aufnahmen und in Griechenland war diese tote Phase wahrscheinlich noch mal viel stärker zu spüren als überall sonst – und es war auch bei uns ein staubtote Wüste.

Kommen wir endlich zum heutigen Song. “Run to the Highway”. Der Titel wirkt jetzt erst mal nicht besonders episch und aus dem Album herausgebrochen ist er es auch nicht. Aber dieser kleine Song hat einen interessanten Inhalt über eine Art Succubus, der draußen auf den Straßen gesehen werden kann, die sich mehr oder weniger ihre Opfer sucht, indem sie ihnen ein Juwel gibt. Vermutlich das Juwel ihrer Ankunft. Und dann steht da: Du wirst niemals diese Dinge glauben, sobald du um Hilfe rufst, nimmt sie sich den nächsten. Renne den Highway entlang. Fliehe vor deiner Liebe. Das ist der Chorus, bevor dann in der zweiten Strophe der Erzähler davon spricht, denjenigen zu bedauern, der in ihrem Bett liegt, weil sie ja niemals existieren wird und nur eine weitere Fabel ist. Kein mensch hat jemals ihr Gesicht gesehen.

Das ist jetzt nichts besonders Großes, aber in die Lyrics lässt sich eine Menge reininterpretieren, wenn sie auch noch so unscheinbar wirken.

Obwohl “Kingdom Of The Kings” das einzige Werk von Crush ist, wird es für immer als eine der besten und qualitativ hochwertigsten Veröffentlichungen in der langen Geschichte des griechischen Heavy Metal stehen, ihr Album klingt auch heute noch angenehm, und die Band hat auf ihre Weise einen kleinen Stein in die Geburt des so genannten griechischen Heavy Metal gelegt.

Ob man es glaubt oder nicht, seit Jahren wird gemunkelt, dass Crush ein neues Album herausbringen wird, wann? Wir wollen hoffen, dass dies bald geschieht.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

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Host im Podcast "Work of Sirens"

Autor: Micky Winter

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