Epic-Sommer-Spezial (5) | #42

Es ist Dienstag, der 12. Juli – und ich hoffe, dass auch bei euch der 12. Juli ist, manchmal ist das mit der Zeit ja eine merkwürdige Sache – und ich begrüße euch zur fünften Folge unseres Juli-Spezials, in dem wir 14 Songs einsammeln, die im weitesten Sinne zu unserem virtuellen epischen Mixtape gehören werden, wenn wir hier fertig sind. Alle Songs im Juli gehören also dieser wundersamen Gattung an, die eigentlich zur Kernkompetenz des Metal-Genres zählen – oder zumindest früher einmal gezählt haben, so genau lässt sich das nicht sagen. Für viele ist der Epic Metal sicher eine veraltete Tradition, vor allem deshalb weil ein bisschen Epic heute überall drin stecken kann, vor allem der Doom Metal hat sich da hervorgetan – vom Power Metal mag ich eigentlich gar nicht reden, weil der heute ein völlig anderes Kleidchen trägt als in den 80ern, aber all das soll uns heute nicht stören, wir basteln uns unsere eigene musikalische Welt, wie wir das hier im Podcast Work of Sirens immer tun.

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Ich habe euch heute ein Lied mitgebracht, das von einer der besten EPs in der ganzen langen Geschichte des Heavy Metal überhaupt stammt, ein kleines Juwel, das zu den Highlights im Jahre 1983 zählte und den Beginn einer vielversprechenden Karriere hätte bedeuten können. Leider hatte die Band nicht den Erfolg, den sie verdient gehabt hätte. Das lag vor allem am kleinen Budget, das die Band hatte und an der daraus resultierenden fehlenden Promotion.

Außerdem ist Erfolg manchmal auch reine Glückssache. Allerdings hat die EP neben den jeweiligen Scheiben von Jag Panzer, Omen, Cirith Ungol und Crimson Glory dazu beigetragen, ein ganz neues Musikgenre aus dem Boden zu stampfen, das man in der Folge dann US-Power Metal zu nennen pflegte im Gegensatz zum europäischen Power Metal, der ja hauptsächlich von Helloween initiiert wurde und sich völlig anders anhört.

Die Rede ist von Warlord und ihrem Minialbum “Deliver us”. Es geht ja in diesen Sendungen lediglich um einen spezifischen Song, und ich habe mich nach langem hin und her für “Child of the Damned” entschieden, weil er sozusagen das Markenzeichen des Albums ist, ein schnelles Stück mit beinahe durchgehender Double-Bass. gecovert wurde das Stück 1997 von Hammerfall auf ihrem Debütalbum “Glory To The Brave”.

Der Text von “Child Of The Damned”, geschrieben von Bill Tsamis, bezieht sich auf das berühmte Zitat aus John Miltons “Paradise Lost”, in dem Satan behauptet, es sei “besser, in der Hölle zu herrschen, als im Himmel zu dienen”.

Es geht primär darum, dass dem Sprecher oder Sänger von Luzifer die Augen geöffnet werden, als er erkennt, dass er zu einer großen angepassten Herde gehört, die in Furcht lebt. Er nennt sich ein Kind der Verdammten, an das Kreuz gefesselt und heilig wie eine Hure. Dann werden die Hexenzirkel angerufen. Die Propheten sind erschlagen, die Menschen aufgereiht. Das Böse ist angekommen und der Herrscher der Hölle macht einem jeden den Vorschlag, in der Hölle zu herrschen statt im Himmel zu dienen. Das Problem ergibt sich aus der Fragestellung, denn wenn wirklich jedem dieser Vorschlag unterbreitet wird, gibt es nur eine Verschiebung hin zu einer anderen Massenunterwefung.

Der Text ist kryptisch und gar nicht so ohne und zeugt von Tsamis fachlicher Kenntnis in Sachen der Theologie. Überhaupt hat das ganze Album einen geisterhaften Ton an sich, den ich nie wieder auf irgendeinem anderen Album jemals gehört habe.

Am Gesang ist Jack Rucker, der sich hier Damien King I nennt und später durch Rick Cunningham ersetzt wurde, der sich in der Folge Damien King II nannte, an der Gitarre Bill Tsamis, der im Mai 2021 verstarb, hier nennt er sich Destroyer – an den Drums Mark Zonder alias Thunder Child – und eine gewisse Diane Kornarens nannte sich Sentinel und spielte die Keyboards. Hier haben sie noch keinen Bassspieler wie dann auf ihrem kompletten Album And the Cannons of Destruction Have Begun…, den dort dann Dave Watry alias Archangel übernahm. Hier spielt Tsamaris den Bass zusätzlich ein.

“Deliver us” war ein unglaublich wichtiger Einfluss und wurde später zu einer Bibel für viele Power-Metal-Bands. Yngwie J. Malmsteen zum Beispiel nannte Warlord in einem Interview Anfang der 80er Jahre als seine Lieblingsband. Die Band Hammerfall leitete ihren Namen vom Refrain/Gesang von Warlords “Lucifer’s Hammer” ab.

Bill Tsamis spielte dann auch das Gitarren-Solo auf dem Hammerfall-Song “At the End of the Rainbow” und schließlich spielte Bill Tsamis nach dem Tod von Randy Rhoads im Frühjahr 1982 für den vakanten Gitarrenplatz in der Band von Ozzy Osbourne vor.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieses Album für all jene empfehlenswert ist, die hoch inspirierten und hoch talentierten “europäischen” Metal der 80er Jahre mit progressivem Einschlag mögen, und zwar genau in der richtigen Dosis: kreative Kompositionen, gute Performance und gelungene Texte.

Das wars für heute. wenn ihr diesem Format irgendetwas abgewinnen könnt, dann lasst es mich auf der Seite workofsirens.de wissen. Wir hören uns morgen wieder mit unserem sechsten Eintrag in unserem epischen Mixtape für den Juli.

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Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

 

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Host im Podcast "Work of Sirens"

Autor: Micky Winter

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