Epic-Sommer-Spezial (13) | #53

Hallo Freunde draußen an den Radiogeräten. Wir nähern uns dem Ende unseres Juli-Spezials, so wie sich auch der Juli langsam dem Ende neigt. Heute sind wir bei Song Nr 13 von 14 angelangt und warum sollten wir beim Endspurt unseres Epic Metal Mixtapes nicht noch einmal tiefer in die Trickkiste greifen. Unser Ziel ist Amerika und dort Stamford in Connecticut. Wir besuchen dort eine Band, die eines der besten Beispiele für klassischen Power Metal ist, unverfälscht, mit viel Biss und anspruchsvollen Rhythmen gespielt, einem donnernden Schlagzeug und mit einer dunklen Energie.

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Die Rede ist von Liege Lord, die es in den 80ern nur auf 3 Alben gebracht haben, aber einigen Hörern der jüngeren Generation durch ihren Auftritt auf dem Keep it True von 2013 vielleicht nachträglich in Erinnerung gerufen wurden. Man kann jetzt einwenden, dass wir es hier nicht eigentlich mit Epic Metal zu tun haben sondern mit reinem Proto-Power-Metal im Stile von Omen, Attacker oder Helstar, vielleicht sogar Jag Pag, aber der klassische amerikanische Power Metal hat eben eine unverwechselbare epische Kante, wenn es darum geht, den Begriff zu definieren. Was ist denn also episch? Typischwerweise ein Werk mit einer bombastischen Stimmung, in dem von außergewöhnlichen Taten außergewöhnlicher Charaktere berichtet wird. Hier geht es also nicht um Sex, Drugs and Rock and Roll, sondern um Magie, übergroße Legenden, Götter, Schlachten und eine Philosophie der Sterblichen gegenüber der Unsterblichkeit.

Das Kontroverse an Liege Lord könnte tatsächlich ihr erster Sänger Andy Michaud sein, der auf dem Debüt Freedom Rise von 1985 zu hören ist, von dem unser heutiger Song stammt. Bei Liege Lord ist es so, dass ich im Grunde ihr drittes Album Master Control von 1988 empfehlen würde, aber Freedom Rise entspricht unserem Vorhaben hier besser. Michaud hat nie wieder bei einer anderen Band gesungen und das mag viele möglicherweise nicht verwundern. Allerdings muss zu seiner Ehrenrettung gesagt werden, dass gerade im epischen Bereich nicht die Gefälligkeit im Vordergrund steht, sondern gerade das Kauzige, Unnachahmliche und Eigene. Wir sollten uns besondere Individuen vorstellen, die durch ein mystisches Land ziehen und von ihren Abenteuern berichten. Meist sind das Krieger oder Magier und keine Barden, kantige Gesellen, die eben etwas zu erzählen haben, während jene mit der Leier in der Hand doch eher irgendwelche Gockel waren oder sind, die bei Hofe verhätschelt werden und für die Damen von Erlebnissen singen, die andere erlebt haben, nicht aber sie selbst, während im kauzigen Bereich eben die Helden selbst den Mund aufmachen.

Der Rest der Band kurz vorgestellt:

Tony Truglio Guitars
Matt Vinci Bass
Frank Cortese Drums
Pete McCarthy Guitars

alles Jungs, die nie wieder wo anders in Erscheinung traten. Und selbst der Sänger Joe Comeau, der einen kleinen Schlag in Richtung Bruce Dickinson hat, ist nirgendwo sonst zu finden. Das ist manchmal ziemlich überraschend.

Das etwas Kauzige an Freedom Rise, von dem wir uns gleich den Song Wiedling Iron Fists herauspicken liegt aber nicht nur am Sänger, sondern auch an der Produktion des Albums, die Abmischung wirkt bei einigen Instrumente manchmal ein wenig daneben. Oft sind gerade die Gitarren etwas schwer zu hören und klingen sehr dumpf (das wird bei einigen Soli, Harmonien und so weiter noch unangenehmer), der Gesang ist vielleicht etwas zu hoch und der Bass ist sehr wackelig. Das Schlagzeug klingt durchweg ziemlich gut, obwohl die Bassdrums besser hätten klingen können. Manchmal scheint die Qualität auch von Track zu Track zu springen, es ist nicht drastisch, aber auch nicht schwer zu überhören.

Lässt man das alles jetzt mal beiseite, ist das Album jedoch ein echter Knaller und liefert dem geneigten Fan von Anfang bis zum Ende soliden dunklen Power Metal mit kantigen Riffs und einer komplexen, zerklüfteten Rhythmusgruppe. Allein das Eingangsriff von Wielding Iron Fists ist großartig:

Schauen wir uns jetzt mal den Text an, der wieder einmal einem Schlachtengemälde entspricht:

Der Regen des Todes fällt auf uns nieder, ich sehe ein neues Zeitalter anbrechen

Der Sänger erzählt uns davon wie die Krieger nach dem Kampf dürsten und wie sie in einer ausgeklügelten Formation vorwärts rücken, nachdem sie so lange darauf warten mussten, ihrem Schicksal ins Auge zu schauen. Heute Nacht aber wird es soweit sein.
Das Interessante daran ist, dass es zunächst so ausschaut, als würden hier konventionelle Waffen auf eine futuristische Technik treffen, wenn nämlich kurz von Laserstrahlen die Rede ist, unter deren Hitze die Reihen zusammenbrechen. Dann aber wendet sich das Blatt für jene, die mit Eisen kämpfen.
Der Text ist ziemlich kryptisch und lässt mehrere Deutungen zu. Natürlich geht es um diese schwingenden Eisenfäuste, die alles niederringen und am Ende fliehen die Feinde, obwohl sie – so scheint es zumindest – am Anfang einen Vorteil durch ihre Bewaffnung hatten und die Rüstungen der Eisenschwinger zerreissen.

Das alles liegt genau zwischen der NWOBHM und dem aufkommenden Thrash Metal, ist aber keines von beidem, weil Liege Lord hier völlig außerhalb jeden damaligen Trends lagen. Nichts an diesem Album ist in irgendeiner Weise kommerziell zu verwerten, was sie ja selbst zu spüren bekamen. Die Band war ja tatsächlich so etwas wie eine rohe amerikanische Antwort auf die Briten. Liege Lord haben unheimlich komplexe Heavy-Songs geschrieben, sie nutzen den dynamischen Kontrast aggressiv. Liege Lord gehören mit zu den Besten, wenn es darum geht, einen chaotischen Sound zu kreieren und dabei trotzdem tighten, im Wesentlichen von zwei Gitarren getragenen Metal zu spielen.

Das wars von mir. Schreibt mir unter workofsirens.de wie ihr euren Tag verbracht habt und wie das Wetter dort ist, wo ihr euch gerade befindet. Falls der Tag och vor euch liegt, wünsche ich euch einen guten und mir bleibt nichts anderes zu sagen als keep on rockin, wir hören uns bald wieder zu unserem Schlussakt oder zu einer der regulären Sendungen hier in diesem PODCAST.

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Host im Podcast "Work of Sirens"

Autor: Micky Winter

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