Epic-Sommer-Spezial (10) | #49

Guten Morgen, Freunde draußen an den Radiogeräten. Heute heiße ich euch willkommen zur zehnten Ausgabe unseres Epic Metal Mixtapes, zu unserem Special, das wir über den ganzen Juli hinweg verteilen. Wir haben noch vier weitere Songs und wie immer würde ich gerne von euch wissen, wie ihr euren Tag heute so verbracht habt oder verbringt und – wie das Wetter bei euch heute ist. Schreibt mir das unter workofsirens.de in einen Kommentar.

Italien scheint momentan unser bevorzugter epischer Ort zu sein, denn heute landen wir schon wieder dort. Jedoch wandern wir von der Toskana nach Florenz. Alles klingende Namen, wenn man eine Reise tun will, aber wir sind nur dort zu Gast, um uns auf in andere Welten zu machen. Um genauer zu sein, in eine der fabelhaftesten Ländereien, die sich jemals ein Mensch ausgedacht hat. Nein – es handelt sich nicht um Mittelerde, aber um etwas ähnliches, nur ist unsere Welt noch etwas dunkler.

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Es kann kein episches Mixtape geben ohne auf den Spuren Elrics von Melnibone zu wandeln, der fast schon ein Prototyp für die Texte zahlreicher Bands ist. Man kann sich fast schon aussuchen, welche Interpretation es denn sein darf, aber ich habe mich heute für Domine entschieden, weil der heutige Song ein wahres episches Wunderwerk in der Erzählung des Eternal Champion darstellt. So heißen dann auch das Album, nicht zu verwechseln mit der Band, die sich ebenfalls nach diesem Epos benannt hat.

Domine gründeten sich bereits 1983, aber wie das manchmal so ist, erblickte ihr Album erst 1997 das Licht der Welt, ganze 14 Jahre später also. Die Band war allerdings all die Jahre nicht nur tatenlos und wartete auf den richtigen Zeitpunkt, sondern veröffentlichten 4 Demos, und ihr Debüt enthält dann auch fast ausnahmslos Songs von diesen Aufnahmen, die immer mehr verfeinert wurden. Tatsächlich unterscheiden sich die Kompositionen auf dem Debüt erheblich vom späteren Material, und sollte sich jemand fragen, warum das so ist, dann hat er jetzt die Antwort, und vielleicht auch darauf, warum “Champion Eternal” etwas ganz Besonderes ist.

Die Band kurz vorgestellt:

Riccardo Paoli Bass
Enrico Paoli Guitars, Songwriting, Lyrics
Morby Vocals
Mimmo Palmiotta (der sich auch Boris Hunter nennt und vor allem durch DeathSS bekannt ist) Drums

Was dieses Album wirklich besonders macht, ist natürlich nicht sein eigentliches Alter, obwohl das immer auch eine Rolle spielt, so als wäre in den letzten Jahrzehnten ein bestimmter Geist aus der Musik ganz allgemein gewichen, sondern die Betonung auf Songwriting und Storytelling. Es gibt hier – wie bei den Italienern üblich – viel Melodien, aber die Songs sind länger und die Songstrukturen gehen tiefer als bei den meisten ihrer Power-Metal-Kollegen.

Anstelle von kitschigen Refrains konzentrieren sich Domine auf den Aufbau von Welten und die Schaffung einer epischen Atmosphäre mit Riffs, die stark im traditionellen Metal verwurzelt sind. Gemäß Michael Moorcocks Elric-Reihe ist Champion Eternal düster und bedrohlich, aber herrlich episch. Dieses düstere Meisterwerk ist fast genau eine Stunde lang, doch es fühlt sich zu keinem Zeitpunkt zu lang an.

Domine benutzen dieses Album als Gefäß, um als ihre eigene Chronik des Schwarzen Schwertes zu fungieren, indem sie Elrics Geschichten lebendig nacherzählen. Ihr seht, es ist gar nicht so einfach, aus diesem Konzept einen einzelnen Song zu reißen, aber nicht alle Songs drehen sich um Elric, sondern sind grundsoliede Sword & Sorcery Geschichten anderen Kalibers.

Der Closer des Albums, um den es uns hier geht, der bringt noch einmal alles auf den Punkt, was man in der knappen Stunde vorher sprichwörtlich erlebt hat.

Textlich scheint “Champion Eternal” die ultimative Hommage an Michael Moorcock und sein Werk zu sein. Wer die Saga um Elric nicht kennt, dem gebe ich hier einen kurzen – einen wirklich kurzen – Leitfaden an die Hand:

Der Eternal Champion existiert in verschiedenen Inkarnationen im gesamten Multiversum, also in unterschiedlichen Welten, weiß aber die meiste Zeit nichts von seinem Schicksal und lebt in Unkenntnis, bis er von seiner Aufgabe mitgerissen wird, die darin besteht, das kosmische Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Das Schicksal des Champions ist dabei ein schweres Verhängnis, denn der Champion kann niemals ruhen, niemals wirklich sterben und niemals wirklich lieben. Der Ewige Held trägt immer einen Aspekt des Schwarzen Schwertes als seine Waffe, auch wenn es sich nicht immer als Schwert manifestiert.

Es ist möglich, dass mehrere Aspekte des Champions im selben Universum existieren, obwohl dies das Risiko birgt, das Multiversum zu beschädigen. In diesen Fällen können die einzelnen Champions zu einem zusammengesetzten Wesen verschmelzen. Alle Aspekte des Champions erinnern sich unbewusst, in Träumen und Albträumen, an ihre vergangenen (und möglicherweise zukünftigen) Inkarnationen. Einige Aspekte erinnern sich bewusst an sie, was sie entweder extrem geschickt macht, um im Multiversum zu überleben, oder sie an den Rand des Wahnsinns bringt.

Die Geschichte des Ewigen Champions ist fast immer eine tragische Geschichte.

Elric ist sicherlich die bekannteste Inkarnation dieses Helden, und das Schwarze Schwert – hier Sturmbringer oder Stormbringer im Original – ist natürlich nicht weniger berühmt.

Elric ist der letzte Herrscher der Inselzivilisation von Melniboné. Körperlich ist er eher schwächlich, also ganz und gar kein Conan. Und deshalb ist er von Drogen abhängig, um überhaupt am Leben zu bleiben.

Von Kindheit an las er viel in der riesigen königlichen Bibliothek und lernte so die Welt außerhalb der Trauminsel kennen. Das ist auch der Grund warum Elric, anders als andere Mitglieder seiner Rasse, ein Gewissen hat. Er wird Zeuge des Verfalls seiner Kultur, die einst die bekannte Welt beherrschte, und macht sich Sorgen über den Aufstieg der von Menschen bevölkerten Jungen Königreiche (die Melnibonéaner betrachten sich als von der Menschheit getrennt) und die Bedrohung, die sie für sein Reich darstellen. Aufgrund von Elrics Selbstverachtung und seinem Hass auf die melnibonéischen Traditionen finden ihn seine Untertanen seltsam und unergründlich.

Neben seinen Fähigkeiten im Umgang mit Kräutern ist Elric außerden ein versierter Zauberer und Beschwörer. Als Kaiser von Melniboné kann Elric den traditionellen Schutzherrn der Kaiser von Melniboné, Arioch, einen Herrn des Chaos und Herzog der Hölle, um Hilfe bitten. Von der ersten Geschichte an nutzt Elric uralte Pakte und Vereinbarungen nicht nur mit Arioch, sondern auch mit verschiedenen anderen Wesen – einigen Göttern, einigen Dämonen -, um seine Aufgaben zu bewältigen.

Elrics Entdeckung des Schwertes Stormbringer ist sowohl sein größter Vorteil als auch sein größter Nachteil. Das Schwert verleiht Elric Stärke, Gesundheit und Kampffähigkeit und ermöglicht es ihm, sich von seiner Drogenabhängigkeit zu befreien, aber es muss von den Seelen intelligenter Wesen gespeist werden. Am Ende nimmt die Klinge jeden mit, der Elric nahe steht, und schließlich auch Elrics eigene Seele. Die meisten von Moorcocks Geschichten über Elric handeln von dieser Beziehung zu Stormbringer und davon, wie sie – trotz Elrics bester Absichten – alles, was ihm lieb und teuer ist, ins Verderben stürzt.

Der Hörer wird auf diesem Album kaum davon abgehalten, selbst ein Schwert zu ergreifen und in die Schlacht zu ziehen. Dieses epische Gefühl, das sich durch die gesamte Dauer aller Songs zieht, ist die größte Stärke der Platte. Die Musik von Domine scheint genau das zu besitzen, was es braucht, um erfolgreich Geschichten von Geheimnissen, verdammten Helden und großartigen Schlachten zu erzählen.

Musikalisch erreichen Domine ihren unverwechselbaren Sound und ihre Atmosphäre durch marschierende, kriegsähnliche Gitarrenriffs und den Einsatz eines mystischen, fast okkulten Touches an den Keyboards. Auch gibt es häufige Riffwechsel, bei denen eine edel klingende Leadgitarre in den Mittelpunkt rückt. Seine Einzigartigkeit verdankt “Champion Eternal” aber vor allem zwei Elementen: dem Gesang von Morby und dem Schlagzeug von Mimmio Palmiotta. Einerseits ist Morby sicher nicht der größte Sänger, den es je gab, aber seine leidenschaftliche und charakteristische Stimme scheint das perfekte Mittel zu sein, um das epische Gefühl auszudrücken, das Domine zu erzeugen versuchen. Auf der anderen Seite ist Palmiotta für seine Arbeit mit Death SS bekannt, einer Band, die einen völlig anderen Ansatz verfolgt als Domine.

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Host im Podcast "Work of Sirens"

Autor: Micky Winter

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4 Gedanken zu „Epic-Sommer-Spezial (10) | #49“

  1. Spannende Höreindrücke bislang und nun endlich DOMINE, lernte die Band mit deren Debut kennen. Damals explodierte der Metal in Italien auf neue Weise. Rhapsody wurden zur Speerspitze. (die waren wohl over the top.)
    Wie bei DARK QUARTERER scheitern wahrscheinlich wie so oft viele am Gesang auch bei DOMINE.
    Italien hat in der Tat eine sehr spannende und in die 70er hineinreichende hart rockende Tradition.
    Black Hole oder Adramelch und DOOMSWORD at last.
    .
    Zu Elrick gibt es beim Splitter Verlag eine fantastische Comicadaption.

  2. Hi Krempe,

    super Format hast Du da am Start.
    Danke für den Beitrag heute, Domine ist eine Band die ich zwar kenne aber nie richtig reingehört habe.
    Da ich aber die Welt von Elric und dem ewigen Helden sehr mag, habe ich heute das Album mal durchgehört. Ich bin wirklich begeistert. Eine wirklich super Album. Geht direkt auf den Einkaufszettel.
    Gruß
    Björn

    PS: Sklelator haben auch ein tolles Konzeptalbum über Elric.

      1. Ich finde schon. Auch wir ,,ganz speziellen Leute” oder besser wahren Experten des Heavy Metals wollen uns feiern. Siehe auch den von mir geschätzten Epicmetal blog.
        Ich höre Epic seit den 80ern. Denke da nebst Fates Warning vor allem einen Song: Drifter aus der Schweiz mit “The Elder”. Irgendwann kam dann St. Vitus und auch Manilla Road dazu. Ich war alleine in meiner damaligen 80er Metalqulicke. Es war halt eins mehr Thrash angesagt oder Iron Maiden, was ich natürlich auch mag. Und wenn man heute so schaut denkt es einen dass z.B. Cirith Ungol damals schon angesagt waren, oder Jag Panzer. Nö. Gerade deswegen mag ich dass.
        Es gab ja zum Glück nebst RH und MH kleine Fanbased Metalzines.

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