The Watchers: Nyctophilia

Nyktophilie ist ein Zustand, der dazu führt, dass man spät in der Nacht ganz allein und hellwach im Dunkeln sitzen möchte.

Der klassische Heavy Metal steckt im Grunde in einer Art Dauerkrise. Die meisten Bands versuchen sich an einem Sound und an einer Skizze, die weit in die 80er zurückreicht. Sie tun das, weil sie keine Songs schreiben können. Die kalifornische Supergroup The Watchers hingegen versuchen erst gar nicht, sich wie eine Kopie anzuhören, sondern zimmern ihr eigenes Ding zusammen. Das haben sie schon auf ihrem Debüt Black Abyss von 2018 gemacht. Sechs Jahre hat es also gedauert, bis wir den Nachfolger Nyctophilia beim sich drehen zuschauen konnten und tatsächlich bestätigt die Band in vielerlei Hinsicht, dass sie mitunter die Speerspitze eines „neuen“ klassischen Heavy Metal ist. Selbstverständlich gibt es auch bei ihnen Versatzstücke, die sich durch die vielen Jahrzehnte der Musikgeschichte ziehen, aber sie orientieren sich nicht an dem, was war, sondern vielmehr an dem, was sein kann. Und manchmal muss man sich eben etwas bewegen, um einem Genre zumindest das Gefühl zu geben, dass es noch Musiker gibt, die sich damit auseinandersetzen wollen und die dann auch noch genug Kreativität besitzen, Songs schreiben zu können, die sich zu ihrem überragenden musikalischen Können hinzugesellen.

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Black Pyramid: Paths of Time are Vast

Es gab eine Zeit, da erwarteteten die meisten Leute, die sich wirklich mit Musik auseinandersetzen zu Recht, dass Black Pyramid eine der größten Bands aller Zeiten werden würde. Es mag sein, dass sie so um 2010 herum nur noch ein Album davon entfernt waren, endgültig zur Legende zu werden. Man muss sich nur einmal ansehen, wie sehr ihr Debüt damals eingeschlagen ist. Jeder mögliche Aspekt – das Songwriting, der Sound, die Live-Performance – spielte in einer anderen Liga. Das zweite Album, einfach II betitelt, schlug genauso hart ein. Die Songs wurden länger und anspruchsvoller, das Songwriting noch ausgefeilter.

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Tarots „Glimpse of the Dawn“

Die Australier Tarot gründeten sich 2011, klingen aber wie aus dem Jahr 1974. Ihr zweites Album Glimpse of the Dawn, ist erst ihr zweites Album in einem Zeitraum von 8 Jahren. Das kommt heutzutage nicht gerade selten vor, aber wenn man acht Jahre braucht, um eine 70er-Metal-Reise dieses Kalibers zu formulieren, dann hat sich das Warten definitiv gelohnt.

Es bleibt natürlich nicht aus, Vergleiche zu Göttern von einst zu ziehen. Zum Beispiel kann man sagen, dass Glimpse of the Dawn stark aus der mystischen Quelle von Uriah Heep schöpft. In der Tat weisen Stücke wie „The Winding Road“ und „The Vagabond’s Return“ die druckvollen Gitarrenriffs, treibenden Orgeln und dramatischen Arrangements dieser Pioniere auf, wenn sie am bezauberndsten sind. Es gibt aber auch Anklänge an die pastorale Atmosphäre von Wishbone Ash („Leshy’s Warning“), an die schwer keyboard-brodelnde Ausrichtung von Rainbow aus der Dio-Ära („Dreamer in the Dark“) und an die progressive Theatralik von Genesis aus der Peter Gabriel-Ära (das gesamte Album). Wir wissen, ist es eine Sache, alles im Studio so zu arrangieren, dass sich die Platte wie eine dieser Bands anhört; es kommt ja nicht gerade selten vor (und wird meiner Meinung nach immer intensiver versucht), aber eine ganz andere Sache ist das Ausmaß, in dem Tarot das vermögen.

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Ein Werk, das Tausend Jahre überdauert (Negative Plane: The Pact)

Negative Plane haben nach über 11 Jahren, in denen manche Mitglieder der Band sporadisch andere Projekte verfolgten, ihr drittes Album über Invictus Productions in Dublin herausgebracht, und das ist ganz und gar erstaunlich – im Sinne eines „Next Level“-Anspruchs im arkanen Black Metal – und hat auch einige Zeit in Anspruch genommen, bis die Teile sich zu fügen begannen.

Das Ergebnis ist ein Werk, das auf natürliche Weise die Grenzen zwischen Black Metal, bösartigen Speed Metal und reinem Heavy Metal auf unheilige Art und Weise überschreitet und ständig und mit viel Finesse daran erinnert, dass der Teufel immer die Oberhand gewinnt, egal wie clever man ist. Es geht um die Geschichte des Teufelspakts, nicht eigentlich um Goethes Faust, sondern um das Paktieren mit dem Teufel ganz allgemein, und so heißt dieses Konzeptalbum dann auch The Pact…

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Witch Vomit – Funeral Sanctum (2024)

Witch Vomit

Witch Vomit sind eine Band aus Portland, Oregon, die den dunklen, romantischen Glanz der Vergangenheit an die Oberfläche zerrt und sich in die weiten, unerforschten Tiefen des modernen melodischen Black/Death Metal wagt. Im Gegensatz zu vielen aktuellen Veröffentlichungen schaffen Witch Vomit eine kanonische Verbindung statt eine Aneinanderreihung verschiedener Stile. „Funeral Sanctum“ verbindet dunkle und melodische Abenteuer mit ursprünglichem Death Metal. Hier entdecken wir einen lang verschollenen Kult des morbiden und dramatischen Death Metal, den die Band hier auf bemerkenswerte Weise meistert, auf einer kurzen, aber fein ausgearbeiteten Expedition in klassisch anmutende, aber dann doch überraschend unerforschte Gefilde.

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Sonische Entladung: DOMKRAFT – Sonic Moons

Es ist immer wieder interessant zu sehen, dass die klassischen Metal-Reviewer erhebliche Schwierigkeiten mit Heavy Psych oder besser gesagt, der psychdelischen Variante schwer lastender Musik haben. Ein Phänomen, das natürlich mit mangelnder Hörerfahrung zusammenhängt. Der ganze Doom-, Space-, Psychedelic-, Sludge-Sektor ist ein eigenes Biest, das vielleicht den Begriff Heavy Metal am besten okkupiert, während die Community das Wörtchen „heavy“ schon längst gestrichen hat.

Sonic Moons ist das vierte Album der schwedischen Doom-/Sludge-/Stoner-Metal-Schwergewichte Domkraft, die einmal mehr ihre Vorliebe für alles Psychedelische, Kosmische, für Verzerrung und äußerste Heaviness zum Ausdruck bringen. Der Einfluss von Bands wie SLEEP ist nach wie vor vorhanden, aber es gibt auch einen sludgigen, progressiven Vibe, der an Bands wie Mastodon erinnert. Sonic Moons ist jedoch eindeutig eine Domkraft-Veröffentlichung, die mit ihren schlammigen und unscharfen Obertönen ein wesentlich abenteuerlustigeres Grundgerüst bietet, auf dem die Band dann aufbaut.

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KRVNA: The Rhythmus of Death Eternal

Seit ihrer vampirischen Geburt haben Krvna den Black-Metal-Underground mit müheloser Souveränität aufgemischt. Krvna Vatra Smrt hat erst vor ca. zweieinhalb Jahren sein Demo Long Forgotten Relic veröffentlicht, aber in dieser kurzen Zeit hat sich der Ein-Mann-Act zu einer der vielversprechendsten Black-Metal-Bands entwickelt, die in den letzten zehn Jahren aus Australien hervorgegangen sind. Und dort lauern immerhin Legenden wie Nazxul, Pestilential Shadows und Drowning the Light.

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Friends of Hell

Friends of Hell

Lee Dorians Label Rise Above gehört zu den großartigsten dieser Welt. Dort finden sich Bands wie Uncle Acid and the Dead Beats, Purson, Blood Ceremony, Twin Temple, und Electric Wizard. Doom-, Stoner- und reine, echte Prog-Bands sind dort in einer Qualität zu finden wie nirgendwo sonst. Der Kenner guter Musik weiß das.

Es ist also kein Wunder, dass Friends of Hell dort schnell einen Hafen fanden, vor allem, weil die Musiker keine Unbekannten sind. Von einer Supergroup möchte ich aber dennoch nicht reden, obwohl manche das sicher nicht lassen können. Als ich zum ersten Mal von Friends of Hell und ihrer Besetzung hörte, hatte ich das Gefühl, dass es zu schön ist, um wahr zu sein.

Benannt hat sich die Band nach dem zweiten Album der legendären Witchfinder General aus dem Jahr 1983 und besteht aus dem ehemaligen Electric-Wizard-Bassisten Tas Danazoglou – hier allerdings am Schlagzeug – und dem Reverend-Bizarre-Sänger Sami Hynninen alias Albert Witchfinder (derzeit bei Opium Warlords). Allein aus dieser Zusammensetzung kann man bereits erahnen, woher der Wind dröhnt.

Für die Gitarrenarbeit hat man sich dann noch den eher unbekannten Jondix von Mercury Gates geschnappt, der das Gewebe des zelebrierten Hammer-Horror-Dooms ebenfalls mit der Muttermilch aufgesaugt zu haben scheint. Qualitativ hochwertiges Riffing ist für den Doom absolut entscheidend und um ehrlich zu sein, überzieht Jondix das ganze Album damit und steht insofern seinen gigantischen Bandkollegen in nichts nach.

Der mit dem Bass stampft ist kein geringerer als Taneli Jarva, ehemals Impaled Nazarene und Sentenced und jetzt Hauptberuflich bei Diavolos zugange. Also gut, wahrscheinlich ist es dann eben doch eine Supergroup.

Wenn wir uns noch in der Mitte der 1980er Jahre befänden, würde jeder Fan, der im örtlichen Plattenladen auf der Suche nach einem vergrabenen Schatz in der Wühlkiste das selbstbetitelte Debütalbum von Friends of Hell gefunden hätte, es wahrscheinlich als einen Klassiker bezeichnen.

Heavy Metal kann als Treffpunkt dienen, der dazu beiträgt, wunderbare Freundschaften zwischen Fans zu schmieden, und die Freundschaften von Musikern tragen in der Regel zusätzlich dann auch die Musik – Friends of Hell kamen nicht durch einen Zufall zustande, denn die Saat wurde bereits vor fast 20 Jahren gelegt, als sich einige der Mitglieder zum ersten Mal trafen und lose über so ein Projekt sprachen. Namentlich spielten Jondix und Tas schon einmal zusammen in einer Doom-Band, die allerdings namenlos blieb

Dank der modernen Technologie war das dann alles viel einfacher aufzunehmen als je zuvor, und auf ihrem Debüt geben alle Beteiligten ohne geografische Rücksichtnahme ihr Bestes, mit einem besonderen Schwerpunkt auf dem, was die 80er Jahre dem Stil gebracht haben, da dieses Jahrzehnt durch die heutige Herangehensweise an das Genre zu oft an den Rand gedrängt wird.

Es ist klar, dass diese Jungs genau wissen, welchen Sound und welche Stimmung sie anstreben, und das zeigt sich gleich beim Opener Out With The Wolves. Der Hörer wird sofort mit Doom-/Proto-Metal-Riffs, Witchfinders unverwechselbarem Gesang und einem donnernden Bass überhäuft.

Shadow of the Impaler ist wie eine tickende Zeitbombe, die nur darauf wartet, zu explodieren, und beginnt mit den furchteinflößenden Schreien des Kult-Horrorfilms Atomic Hero -The Toxic Avenger von 1984, bevor sich ein ziemlich bedrohliches Riff von Gitarrist Jondix anschleicht, begleitet von Danazoglous gleichmäßigem Stampfen am Bass, das den Eindruck erweckt, als würde sich etwas schweres durch den Sumpf quälen.

In Into My Coffin öffnet die lange schmale Totenkiste, um ihr wahres dunkles Geheimnis zu enthüllen und beschwört etwas vom Geist früher Mercyful Fate herauf. Der Song ist eine stampfende Darstellung von Albert Witchfinders Jekyll-und Hyde-Gesangsstils.

Der Titeltrack Friends Of Hell ist das Herzstück des Albums und bietet weitere doomige Riffs von Jondix, einen schönen Aufbau der Spannung sowie einen eingängigen Refrain von Witchfinder, der ein altbekanntes Thema behandelt.

Gateless Gate bleibt auf dem heruntergeschraubten Tempo stehen und taucht weiter in den Doom-Nebel ein. Aber auch hier ist Albert Witchfinder an allen Ecken der Hauptakteur des Songs.

Evil They Call Us hat ein Riff und ein Tempo, das direkt aus der Ethereal Mirror/Carnival Bizarre-Ära von Cathedral übernommen wurde. Mit mehr Attitüde und einigen fanfarenartigen Einlagen bringt die Band die Blutgefäße weiter in Wallung, um den neugeborenen König auf den Thron zu setzen und mit eiserner Faust zu regieren, während Orion’s Beast wie eine Fortsetzung von Black Sabbaths Electric Funeral klingt.

Als wir uns zum Tanz des Makabren auf Belial’s Ball begeben, wird es ein Duell mit einer gefährlichen Falle. Man kann sich das Opfer selbst vorstellen, wie es 800 Fuß tief unter die Erdkruste fällt und keine Chance hat, sich zu befreien.

Wallachia schließt das Album ab, während Friends of Hell einen etwas dunkleren progressiven Stil von Premiata Forneria Marconis „La Carrozza di Hans“ und Van der Graaf Generators „White Hammer“ wählen. Man hat das Gefühl, dass dieser blutige Krieg vorbei ist. Aber die Schlacht selbst hat gerade erst begonnen.

Bei allen Songs handelt es sich nicht um ausladende und endlose Doom-Tracks, die sich wie der Arsch einer Robbe dahinschleppen, während sie nach einem Ort suchen, an dem sie sich hinlegen und verdammt noch mal sterben können; nein, die Tracks sind von einem fantastischem Mystizismus durchdrungen, während die Band zeigt, dass sie imstande ist, den ganzen Reiz von Candlemass, Pentagram und Witchfinder General quasi mühelos aus dem Ärmel zu schütteln. Darüber hinaus werden Doom-Fanatiker nicht gerade wenige Verweise auf andere Doom-Bands und ihr Werk bekommen, was dieses Album allein schon zu einer Schatztruhe macht.

Dies hier ist ein unbarmherziges und glänzendes Debüt, das die meisten wohl ziemlich überrumpelt hat. Friends of Hell sind eine Band, die dem Hörer zu verstehen gibt, dass Heavy Metal nicht nur ein Begriff ist, mit dem man willkürlich herumwedelt. Das hört sich nach einer etwas merkwürdigen Aussage an, aber um ehrlich zu sein wird der eigentliche Spirit heute nur noch selten wirklich zelebriert. Wenn diese Aussage jemanden vor den Kopf stößt: um so besser.

Es ist schön zu sehen, dass Rise Above Records immer noch stark ist. Und man kann sich vorstellen (und darauf hoffen), dass dort noch eine riesige Menge elektrischer Saft darauf wartet, in den kommenden Jahren in die richtigen Beutel gefüllt zu werden.

Das Album erschien am 18. März 2022 und für 2024 ist das zweite angekündigt.