Black Pyramid: Paths of Time are Vast

Es gab eine Zeit, da erwarteteten die meisten Leute, die sich wirklich mit Musik auseinandersetzen zu Recht, dass Black Pyramid eine der größten Bands aller Zeiten werden würde. Es mag sein, dass sie so um 2010 herum nur noch ein Album davon entfernt waren, endgültig zur Legende zu werden. Man muss sich nur einmal ansehen, wie sehr ihr Debüt damals eingeschlagen ist. Jeder mögliche Aspekt – das Songwriting, der Sound, die Live-Performance – spielte in einer anderen Liga. Das zweite Album, einfach II betitelt, schlug genauso hart ein. Die Songs wurden länger und anspruchsvoller, das Songwriting noch ausgefeilter.

Und dann…fertig! Andy Beresky verließ die Band. Die Gründe hierfür sind bis zum heutigen Tag ungeklärt.

Ein drittes Album (Adversarial) versuchte, die Dinge am Laufen zu halten. In vielerlei Hinsicht ist es gar kein schlechtes Album, und mit Daryl Shepard am Gesang ist nicht zu spaßen. Aber er ist nun einmal kein Andy Beresky. Black Pyramid sind den Weg hunderter anderer Bands gegangen, schließlich gibt keine Garantie, dass alles großartig bleibt.

Der Begriff „Sabbath Worship“ ist eines der am meisten überstrapazierten Schlagworte im Musikjournalismus. Jeder Vergleich mit Black Sabbath ist relativ verdächtig, da er in der Regel eine Abkürzung für die Vertreter der Mainstream-Szene ist, um einen Standpunkt zu vertreten, den sie nicht ganz verstehen. „Sabbath Worship“ impliziert eine grundlegende Herangehensweise an den Sound, das Songwriting und den lyrischen Inhalt. Einen Sänger zu haben, der wie Ozzy klingt, ist ebenso wenig „Sabbath Worship“ wie eine verzerrte Gitarre zu spielen. Das wäre dann „Ozzy“ oder „Iommi Worship“ (was vielleicht die am zweithäufigsten überstrapazierte Redewendung ist).

Ich erwähne das, weil ich glaube, dass Black Pyramid ein geistiger Nachfolger von Black Sabbath ist, und zwar einer der ganz wenigen. Jeder Song enthält eine totale Hingabe an den Song, nicht nur an das schwere Riff oder die Gesangsleistung. Bassist Eric Beaudry verwendet Pentatonik, Arpeggios und spezifische Rhythmen, um den Song mit einem Fundament zu unterstützen, das er unter die Gitarren legt. Dabei verbindet sich sein Spiel mit dem Schlagzeug von Andy Kivelea UND präsentiert einen Charakter und eine Herangehensweise, die eindeutig seine eigene ist. Ein weiterer Bassist, der mir in den Sinn kommt und der das konnte, ist Scott Reeder von Kyuss, vor allem bei „Welcome to Sky Valley“.

Andy Kivelea folgt diesem Beispiel, und wenn er auch nicht allzu viel aus dem Vokabular von Bill Ward oder Lee Kerlsake (Uriah Heep) übernimmt, so ist er doch während des gesamten Albums definitiv nicht im „Timekeeper“-Modus, sondern hat die Fähigkeit, die verschiedenen Wendungen flüssig und mühelos voranzutreiben. Und er tut dies mit der gleichen geschickten Old-School-Power wie Cozy Powell und andere Schlagzeuger der ersten Generation.

Ein weiterer Aspekt von „Sabbath Worship“ ist erwähnenswert: Black Sabbaths Fähigkeit, nicht von Album zu Album und in einigen Fällen von Song zu Song gleich zu klingen. Black Pyramid hat als Band ein tiefes Reservoir an Klängen, Tricks und Experimenten, die über den durchschnittlichen „Drei-Akkorde-Wunder“-Ruf hinausgehen, den Stoner/Doom in der Metalszene hat. Ein Ruf, der wiederum von faulen Schreibern und Redakteuren aufrechterhalten wird, die sich nicht die Mühe machen, sich die Zeit zu nehmen, zuzuhören, zu lernen und zu verarbeiten.

The Paths of Time Are Vast widersetzt sich jeder generischen Beschreibung. Dies ist ein außergewöhnlich kraftvolles Album, und Black Pyramid ist der Aufgabe eindeutig gewachsen. Keines der Konzepte übersteigt ihre Fähigkeiten, und diese sind so weitläufig, wie der Titel vermuten lässt. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Universum darauf bestanden hat, dieses Album zu machen. So wie es bei allen gewaltigen Klassikern da draußen der Fall ist. Eines der besten Alben der letzten 10 Jahre. Und zwar grundsätzlich. Übertrieben? Dürfen die Stümper ruhig denken.


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2 Gedanken zu „Black Pyramid: Paths of Time are Vast“

  1. ich habe es schon öfters erwähnt, ohne diesen Kanal, hätte ich dieses Album echt viel später entdeckt.
    Ich bin alles andere als ein Tänzer, mehr ein aktiver „mitwipper“, aber hier fällt es mir tatsächlich schwer, nicht das Tanzbein zu schwingen 🙂

    Antworten
    • Ich denke, man muss tatsächlich ein Gen für diese Musik haben, damit Bewegung in den Leib kommt. Und natürlich bin ich ein idealer Empfänger. Der Heavy Underground pulsiert in diesem Jahr so dramatisch wie schon lange nicht mehr.

      Antworten

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