Das Königreich komme | Sir Lord Baltimore

Sir Lord Baltimore erzählen in Interviews gerne, dass sie die ersten waren, die Heavy Metal genannt wurden. Und auch wenn das trotz aller Wiederholungen nicht stimmt, so sind sie doch eine der Bands, die am Anfang dessen standen, was man die Zukunft der Rockmusik nennen kann.

Obwohl ich schon eine ganze Sendung darüber gemacht habe, wo der Begriff Heavy Metal überall zu finden war, bevor er zu einem Genre wurde, möchte ich noch einmal kurz auf die Genre-Bezeichnungen im Allgemeinen eingehen, weil sie ein ganz bestimmtes Phänomen aufzeigen. Früher waren die Begriffe entweder sexuell konnotiert, wie Jazzin‘ oder Rockin‘ (also Rock your Baby), oder sie waren drogengeschwängert, wie Psychedelic Rock, Acid Rock oder Downer Rock. Diese Tradition spiegelt sich beispielsweise im heutigen Stoner Rock wider. Dazu gehört auch der Begriff Heavy Metal, der aus der Heroinszene stammt, wie wir in William S. Burroughs Drogenroman „The Softmachine“ von 1961 nachlesen können, wo es die Blue Heavy Metal Boys gibt, Außerirdische vom Planeten Uranus, und einen Junkie namens Uranian Willy, genannt The Heavy Metal Kid, dem die Flucht gelingt, weil er Drogen nimmt. In „The Ticket that explodes“ von 1962 schreibt Burroughs:

„Was wir Opium oder Junk nennen, ist eine sehr stark verwässerte Form der Heavy-Metal-Sucht“.

W.S. Burroughs

Oft ist zu lesen, dass der Begriff aus dem Roman „Naked Lunch“ stammt, aber das ist falsch, auch wenn die Lexika gerne voneinander abschreiben. Vielleicht sollten sie mal das Buch lesen.

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The Watchers: Nyctophilia

Nyktophilie ist ein Zustand, der dazu führt, dass man spät in der Nacht ganz allein und hellwach im Dunkeln sitzen möchte.

Der klassische Heavy Metal steckt im Grunde in einer Art Dauerkrise. Die meisten Bands versuchen sich an einem Sound und an einer Skizze, die weit in die 80er zurückreicht. Sie tun das, weil sie keine Songs schreiben können. Die kalifornische Supergroup The Watchers hingegen versuchen erst gar nicht, sich wie eine Kopie anzuhören, sondern zimmern ihr eigenes Ding zusammen. Das haben sie schon auf ihrem Debüt Black Abyss von 2018 gemacht. Sechs Jahre hat es also gedauert, bis wir den Nachfolger Nyctophilia beim sich drehen zuschauen konnten und tatsächlich bestätigt die Band in vielerlei Hinsicht, dass sie mitunter die Speerspitze eines „neuen“ klassischen Heavy Metal ist. Selbstverständlich gibt es auch bei ihnen Versatzstücke, die sich durch die vielen Jahrzehnte der Musikgeschichte ziehen, aber sie orientieren sich nicht an dem, was war, sondern vielmehr an dem, was sein kann. Und manchmal muss man sich eben etwas bewegen, um einem Genre zumindest das Gefühl zu geben, dass es noch Musiker gibt, die sich damit auseinandersetzen wollen und die dann auch noch genug Kreativität besitzen, Songs schreiben zu können, die sich zu ihrem überragenden musikalischen Können hinzugesellen.

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Black Pyramid: Paths of Time are Vast

Es gab eine Zeit, da erwarteteten die meisten Leute, die sich wirklich mit Musik auseinandersetzen zu Recht, dass Black Pyramid eine der größten Bands aller Zeiten werden würde. Es mag sein, dass sie so um 2010 herum nur noch ein Album davon entfernt waren, endgültig zur Legende zu werden. Man muss sich nur einmal ansehen, wie sehr ihr Debüt damals eingeschlagen ist. Jeder mögliche Aspekt – das Songwriting, der Sound, die Live-Performance – spielte in einer anderen Liga. Das zweite Album, einfach II betitelt, schlug genauso hart ein. Die Songs wurden länger und anspruchsvoller, das Songwriting noch ausgefeilter.

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Tarots „Glimpse of the Dawn“

Die Australier Tarot gründeten sich 2011, klingen aber wie aus dem Jahr 1974. Ihr zweites Album Glimpse of the Dawn, ist erst ihr zweites Album in einem Zeitraum von 8 Jahren. Das kommt heutzutage nicht gerade selten vor, aber wenn man acht Jahre braucht, um eine 70er-Metal-Reise dieses Kalibers zu formulieren, dann hat sich das Warten definitiv gelohnt.

Es bleibt natürlich nicht aus, Vergleiche zu Göttern von einst zu ziehen. Zum Beispiel kann man sagen, dass Glimpse of the Dawn stark aus der mystischen Quelle von Uriah Heep schöpft. In der Tat weisen Stücke wie „The Winding Road“ und „The Vagabond’s Return“ die druckvollen Gitarrenriffs, treibenden Orgeln und dramatischen Arrangements dieser Pioniere auf, wenn sie am bezauberndsten sind. Es gibt aber auch Anklänge an die pastorale Atmosphäre von Wishbone Ash („Leshy’s Warning“), an die schwer keyboard-brodelnde Ausrichtung von Rainbow aus der Dio-Ära („Dreamer in the Dark“) und an die progressive Theatralik von Genesis aus der Peter Gabriel-Ära (das gesamte Album). Wir wissen, ist es eine Sache, alles im Studio so zu arrangieren, dass sich die Platte wie eine dieser Bands anhört; es kommt ja nicht gerade selten vor (und wird meiner Meinung nach immer intensiver versucht), aber eine ganz andere Sache ist das Ausmaß, in dem Tarot das vermögen.

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Matz auf Allgäu Doom | Das Format wächst

Liebe Freunde des außerordentlichen Musikanals ALLGÄU DOOM. Ab heute wird ein weiteres Kapitel in den Annalen des Kanals aufgeschlagen. Der Bad Lieutenant aka Matz Lang (den ihr von der Crossroad Crew kennt) startet dort sein eigenes Label „Records and Mountains“. Ihr werdet uns darüberhinaus auch wieder im SOUNDHOUSE gemeinsam sehen können (habt ihr bisher noch nicht, denn es war „nur“ ein Podcast). Sein Vorstellungsvideo liegt frisch auf dem Tisch und ich würde ich freuen, wenn ihr ihm die gleiche Liebe entgegenbringt wie mir selbst.

Ein Werk, das Tausend Jahre überdauert (Negative Plane: The Pact)

Negative Plane haben nach über 11 Jahren, in denen manche Mitglieder der Band sporadisch andere Projekte verfolgten, ihr drittes Album über Invictus Productions in Dublin herausgebracht, und das ist ganz und gar erstaunlich – im Sinne eines „Next Level“-Anspruchs im arkanen Black Metal – und hat auch einige Zeit in Anspruch genommen, bis die Teile sich zu fügen begannen.

Das Ergebnis ist ein Werk, das auf natürliche Weise die Grenzen zwischen Black Metal, bösartigen Speed Metal und reinem Heavy Metal auf unheilige Art und Weise überschreitet und ständig und mit viel Finesse daran erinnert, dass der Teufel immer die Oberhand gewinnt, egal wie clever man ist. Es geht um die Geschichte des Teufelspakts, nicht eigentlich um Goethes Faust, sondern um das Paktieren mit dem Teufel ganz allgemein, und so heißt dieses Konzeptalbum dann auch The Pact…

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Krempe bei Roundtable ov Metal

Vor gut einem halben Jahr war ich bei den Jungs von ROUNDTABLE OV METAL eingeladen. Unser Gespräch haben sie – der Länge wegen – auf drei Teile gesplittet. Damals hing die Seite hier so halblebig in den Seilen, aber ich will dieses Gespräch garantiert nicht unterschlagen.