Saitenhexer: Frank Marino | #63

Willkommen Freunde draußen an den Radiogeräten zur ersten Ausgabe der “Saitenhexer”. Das soll künftig eine Rubrik werden, in der wir auf diese besondere Spezies eingehen, die die Fähigkeit besitzt, mit ihrem Instrument besondere Dinge anzustellen. Der Gitarrenheld, das ist eine Figur, die in der Vergangenheit – speziell in den 70er Jahren – stark an den Revolverheld des wilden Westens angelehnt war, der wiederum dem griechischen Mythos der unbezwingbaren Heldenfigur ganz allgemein entsprang.

Genre-Guide: Glam Rock | #62

Der Glam Rock in seiner allerersten, klassischen Ausprägung zwischen 1972 und 1974 entstand aus einer Reihe verschiedener musikalischer Trends in Großbritannien. Im Grunde ging es hier um das Aufbegehren gegen die als erdrückend empfundenen Ernsthaftigkeit der Proto-Metal-, Prog- und Hard-Rock-Bands, die all das ausmachten, was man dann später, zu Beginn der 80er Jahre als “Classic Rock” bezeichnete. Ja, der Proto-Metal ging noch andere Wege und inspirierte auch den Underground, aber erstaunlich viele ehemals deftige Bands wollten an der Oberfläche bleiben und liebäugelten häufig mit dem Pop-Appeal.

Genre-Guide: Was der Doom ist und was er macht | #59

Willkommen, Freunde draußen an den Radiogeräten! Heute zu einer Sendung, die zwar in unseren Genre-Guide gehört, die aber natürlich – wie alle anderen Guides auch – keine vollständige Darstellung sein kann. Heute geht es hier um den Doom.

Genre-Guide: NWOBHM | #58

All die Jahre habe ich immer wieder davon gesprochen, aber nie die eigentliche Frage gestellt: Was ist die New Wave Of British Heavy Metal? Welche Bands gehören dazu, welche nicht? Und handelt es sich überhaupt um ein eigenständiges Genre? Dieser und anderer Fragen wollen wir heute ein bisschen auf den Zahn fühlen.

War die NWOBHM ein Spuk oder ein Manifest?

Folgende Songs werden angespielt:

Def Leppard – Rock Brigade

Judas Priest – Breaking the Law

Rainbow – Kill the King

Saxon – Play it loud

Rush – By-Tor-and-the-Snow-Dog

Iron Maiden – Prowler

Vardis – Power Under Foot

Diamond Head – Sweet and Innocent

Venom – Manitou

Tygers of Pan Tang – Gangland

Elixir – The Star of Beshaan

Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.

Background-Music: Hellfire & From Time To Time by Alexander Nakarada (www.serpentsoundstudios.com)

Angriff der Marsianer: Michael Romeo – War Of The Worlds Pt. 2 | #55

Im März des laufenden Jahres kam eines der am meisten erwarteten Alben des Jahres über das renommierte Label InsideOut zum Vorschein, das cineastische Meisterwerk “War of the Worlds Pt. 2”, das dritte Soloalbum des Gitarrenhexers Michael Romeo. Und natürlich ist es das Nachfolgewerke von “War of the Worlds Pt. 1” von 2018.

Und was soll man sagen, das Mastermind von Symphony X hat erneut ein Monster von einem Album geschaffen, ein Biest, das so ziemlich alles enthält, was die virtuose Abteilung des Heavy Metal überhaupt zu leisten vermag.

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Es lässt sich wohl kaum vermeiden, dass Romeos Soloarbeit sich nicht sonderlich vom Sound seiner Hauptband Symphony X unterscheiden, vor allem, weil er auch dort hauptverantwortlich für die irre Gitarrenarbeit, den Großteil des Songwritings, die Tasten und die Orchestrerung verantwortlich ist. Auch thematisch hätte der Science Fiction-Klassiker aus der Feder von H.G. Wells zu Symphony X gepasst. Warum es also ein zweigeteiltes Solowerk geworden ist, hat vielmehr mit Bandinterna zu tun als mit Romeos Wunsch, einen anderen Ansatz zu wählen, wie man das ja von vielen Solowerken – im Guten wie im Schlechten – kennt.

Wie viele andere Künstler in den letzten Jahren hat Michael Romeo die wenigen Tourneen und überhaupt Konzerte, die anstanden, genutzt, um wieder ins Studio zu gehen und an seinem Projekt weiter zu feilen. Während Symphony X-Fans nach “Underworld” aus dem Jahr 2015 sich über ein neues Album freuen würden, hat sich Romeo stattdessen dafür entschieden, sein Soloprojekt mit der bevorstehenden Veröffentlichung von Teil II seiner “War of the Worlds”-Trilogie fortzusetzen, was durchaus Sinn macht, um das Projekt weiterzuverfolgen, solange das Material noch kreativ heiß ist.

Bei dieser neuen Veröffentlichung von 2022 trägt Michael Romeo wieder einmal den Löwenanteil der kreativen Last und liefert nicht nur seine typische, unvergleichliche neoklassische Gitarrenkunst, sondern auch alle kompositorischen Elemente, von den Tasten und der Orchestrierung bis hin zu allen anderen seltsamen Instrumenten, die zum Würzen benötigt werden, vom Cello bis zur türkischen Saz. John DeServio von Black Label Society kehrt mit seinen Basskünsten zurück, und John Macaluso treibt den Sound des Albums erneut mit seinen weltberühmten Schlagzeugtechniken voran, die spätestens seit Yngwies Malmsteens “Alchemy”-Album für Aufsehen gesorgt haben. Der Mann hat auch schon bei Riot V getrümmert, und natürlich auch auf dem legendären Album “Absolute Power” von Powermad, bekannt aus David Lynchs Wild at Heart. Großes Kino also auch hier.

Neu und anders ist dieses Mal die starke Präsenz des aufstrebenden Kronprinzen des Metal-Gesangs, nämlich Dino Jelusick. Seitdem er bei seinem Projekt “Dirty Shirley” mit dem einzigartigen “Mister Scary” George Lynch den Gesang übernommen hat und auch bei Projekten wie “Free Fall” mit Magnus Karlsson mitgewirkt hat, wird Dino gegenwärtig schnell zu einer festen Größe in der Szene, auf einer Stufe mit Jorn Lande oder Russell Allen. Abgesehen von Ronnie Romero ist Dino Jelusick vielleicht das Beste, was dem Metal-Gesang seit Ronnie James Dio passiert ist.

Seine Stimme ist kraftvoll, melodiös und dramatisch wie gegenwärtig kaum eine andere.

Man muss wohl kaum erwähnen, dass Romeo bereits in der Eröffnungskomposition seine Fähigkeiten als Filmmusikkomponist auf wunderbare Weise einfließen lässt. Das hier ist kein unnötiges, austauschbares Intro, es hat Dramatik, Gravität und zusammen mit der Verzierung von Romeos unvergleichlicher Gitarrenarbeit haben wir hier einen grandiosen und einladender Start in dieses Album, und auch gleichzeitig ein Stück, das später mit “Hunted” und “Brave New World (dem Outro)” weiter ausgebaut und fortgeführt wird.

Die Art und Weise, wie der Synthie-Bass donnert, wenn die Einleitung ein Crescendo erreicht, verlangt wirklich nach einem Subwoofer, um die volle Wirkung zu erzielen.

Wie es sich für Romeo gehört, stürzt er sich mit dem Gesicht voran in einen Haufen großartiger Riffs und sonstige Kunststücke, unterstützt von der kraftvollen Stimme von Dino Jelusick, der sich dieses Projekt umbindet wie einen Mantel. Gleich beim zweiten Track Divide & Conquer ist der Glücksfall am Mikrofon vollkomemn in seinem Element.

Der Song verfolgt einen traditionelleren Prog-Metal-Ansatz. Es braucht nur ein paar hochtechnische Romeo-Gitarrenriffs, bevor Dino seine beeindruckende Stimme erklingen lässt. Das Tempo ist energiegeladen, die Riffs sind fett, aber vor allem der Refrain ist erstklassig. Die Lyrics sind cool und die Umsetzung völlig überzeugend. Der Song bekommt natürlich ein großartiges Romeo-Gitarrensolo, und es klingt so, als ob sogar sehr süße, ergänzende Keyboardarbeit eingeflochten ist, und wir müssen uns fragen, ob einige der Keyboardparts nicht von Dino übernommen wurden, der ja auch ein Weltklasse-Keyboarder ist. Der Track endet mit einem Crescendo, das eine verstärkte Reprise des Crescendos aus dem Einleitungstrack ist, was einen wirklich angenehmen Weg darstellt, einen Schlüsselsong mit dem Thema des Albums zu verbinden.

Lebendige, euphorische Melodien und berauschendes Schreddern werden auf tadellose Weise abgespult.

Das Album wird mit dem dritten Stück, “Destroyer”, sogar noch härter. Während die fiesen, bösen und potenziell siebensaitigen Stilistiken zweifelsohne sehr cool sind, sind es vor allem Dinos hochfliegende Vocals zwischen den Flüstern von “Destroyer”, die dieses Stück unvergesslich machen. Auch die reichhaltige Instrumentierung ist eine Ohrenweide. Zum Beispiel hören wir Romeo mit der Saz nudeln , wenn er nicht gerade das Griffbrett seiner Caparison-Gitarre einäschert.

Metamorphosis hält das Pendel in vollem Schwung, da seine süchtig machende Energie hell erstrahlt. Druckvolle Schlagzeugpassagen und erhebende Gesangslinien tragen dazu bei, dieses Stück in seiner ganzen Erhabenheit strahlen zu lassen.

Mothership baut die Spannung mit intensiver Orchestrierung auf und lässt den Hörer voller Vorfreude stehen. Just Before The Dawn beginnt mit beruhigenden Klavierelementen, die die gefühlvolle, balladenartige Gesangsarbeit perfekt ergänzen. Die Falsettausbrüche sind ein wahrer Gänsehautmoment. Hybrids stürmt mit selbstbewusstem Schritt und eindrucksvollem Riffing voran. Die düsteren Untertöne verleihen dem Song eine zusätzliche Dynamik, und die phänomenale Leadarbeit lässt einen weiterhin vor Ehrfurcht erstarren. Hunted hält dich in Atem, mit einer ganzen Reihe von verschiedenen Instrumenten, die geschickt kombiniert werden, um einen Track voller cineastischer Spannung zu liefern.

Just Before the Dawn setzt schnell auf die sauberen Romeo-Gitarren. “Accolade”? “Candlelight Fantasia”? “Communion and the Oracle”? Oder sogar “The Odyssey”. Besonders “The Odyssey”. Da vermisst man wirklich die sanften Hügel von Ithaka. Nun, die gleichen Vibes sind in diesem Stück lebendig und gut, außer dass Dino in diesem Fall die Schuhe von “Sir Russell” trägt, und er macht es gut. Während Rick Castellano dem ersten Romeo-Album eine Metal-Note verlieh, ohne dabei Symphony X zu sein, ist Dino ein viel vertrauteres Timbre für langjährige Symphony X-Fans, während er immer noch sein ganz eigenes Ding macht. “Dawn” ist eine nette Verschnaufpause von der Action des Albums, in einer Dur-Tonart, die an das Format und das Gefühl einer Ballade grenzt, aber immer noch alle grandiosen Romeo-Kompositions- und Performance-Merkmale aufweist, um geschmackvoll innerhalb der thematischen Grenzen des Albums als Ganzes zu bleiben.

Bei “Hybrids”, einem Stück voller technischer Wendungen, werden wir wieder in das Prog-Metal-Cockpit geschnallt, einschließlich einer erneut von Maestro Romeo gespielten 7-Saiten-Keule. “Hybrids” ist ein Stück, das die Weltklasse-Musikalität der Band selbst unter Beweis stellt. In ähnlicher Weise folgt “Hunted”, ein weiteres interplanetarisches Instrumentalintermezzo, das cineastische Filmmusik und Romeo-Gitarrenleads gegenüberstellt, bevor es in ein sanft anschwellendes Segment mit Streichern und hochfliegenden Gitarrenleads übergeht. Sobald sich die Melodie auflöst, kehrt sie zu dem bösen kleinen Gitarrenriff zurück, das in der Einleitung zu hören war. Dieser kleine Hauch von Bösartigkeit bereitet die Bühne für “Maschinenmensch”, einen unerbittlichen expressionistischen Moloch aus Härte und Technik. Dieses Stück ist 9 Minuten lang unerbittlicher Heavy-Metal-Maschinenmensch. Es ist sehr angenehm, wenn das Ganze in der Mitte ein wenig schmilzt und wir ein paar groovige Basslinien hören, während ein stark verhallter Dino in die Leere singt.

Die Art und Weise, wie Michael Romeo das Stück über einer bescheidenen Schicht aus Bass und Schlagzeug abreißt, erinnert sehr an Alan Holdsworth und das, was er mit UK gemacht hat.

Der letzte Vocal-Track des Albums, “Parasite”, kommt wie ein geradliniger Rocker daher. Dino gräbt sich genauso tief in die Härte ein wie Romeo und wird dabei regelrecht düster und guttural in seinem Vortrag. Es gibt einige gelungene Wechsel im Track, bei denen es scheint, als ob wir nur Symphonieorchester und Bassgitarre hören, bevor der Song wieder zum Leben erwacht und zu einem fiesen Vehikel für ein Romeo-Solo voller Attitüde wird. Das Hauptalbum endet mit einem instrumentalen Outro namens Brave New World”. Es ist sehr perkussiv und unterstreicht eine schwere und fast mysteriöse Mischung aus Orchester und Chorgesang. Gelegentlich explodiert das Stück mit Bläsern und Synthesizern, aber so richtig glänzt es erst nach etwa zwei Minuten, wenn eine cleane Gitarre die Bühne für einen dramatischen Wechsel zu einem großen Chor- und Orchester-Crescendo bereitet, bei dem man erwarten könnte, dass der Abspann beginnt. Romeo kommt mit einem bluesigen Solo, das nichts von der Komposition wegnimmt, sondern eher eine große, saftige Kirsche auf die Spitze setzt, mit mehreren rasanten Arpeggien, bevor sich das Album seinem Ende zuneigt.

Technisch gesehen, ist dies der Abschluss des Albums. Es gibt zwei Bonustracks, “Perfect Weapon” und “Alien Death Ray”. Die stehen den Songs des Albums in nichts nach.

Insgesamt haben Romeo und Co. nicht nur ein Produkt abgeliefert, das dem ersten “War of the Worlds”-Album ebenbürtig ist, sondern es sogar noch übertroffen. Michael Romeo bleibt ein olympischer Goldmedaillengewinner an der Leadgitarre, aber noch wichtiger ist, dass er seine Fähigkeiten als Komponist weiter verfeinert und vorantreibt.

Das Beste daran ist, dass das Album zwar große Ähnlichkeit mit Symphony X aufweist, aber es ist nicht ganz Symphony X, und, was noch wichtiger ist, es unterscheidet sich sehr von anderem symphonischen Metal, der derzeit im Umlauf ist.

In den Momenten, in denen das Orchester auf Synthesizer-Keyboards, Schlagzeug und satte Gitarrenverzerrung trifft, ist es vielleicht die beste Fusion dieser Elemente, die es bisher gab. In jedem Fall haben Michael, Dino und die Johns etwas Unvergessliches mit einer einzigartigen Chemie geschaffen, das als eine der krönenden Errungenschaften von Michael Romeos Gesamtwerk angesehen werden kann.

Wer ein Fan von SYMPHONY X ist, der sollte eine gute Vorstellung davon haben, worauf er sich mit diesem Werk einlässt. Das macht es aber nicht weniger beeindruckend. Die Instrumentierung und das musikalische Können sind auf höchstem Niveau. Die Produktion wirkt ausgefeilt und klingt messerscharf. Man muss noch nicht einmal den ersten Teil gehört haben oder sich für die Sci-Fi-Thematik interessieren, denn es gibt eine Fülle von atemberaubendem Flair, das jeder Fan von gitarrenbetonter Musik zu schätzen weiß und immer wieder gerne hört.

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Epic-Sommer-Spezial (14) | #54

Liebe Freunde draußen an den Radiogeräten. Heute beenden wir unser Sommer-Spezial, das wir über den ganzen Juli hinweg verteilt haben mit unserem 14. Song auf unserem Epic Metal Mixtape. Es ist eine gute Sitte, das ganze Programm mit einem Paukenschlag abzurunden. Was mag das heißen?

Das Wort “episch” wird zu oft zur Beschreibung von Musik verwendet. Wenn was einfach nur lang ist, wird es oft als episch bezeichnet. Die Länge spielt zwar eine Rolle, wenn es darum geht, einen epischen Klang auf einer Aufnahme einzufangen, aber eine lange Laufzeit allein macht etwas noch nicht episch. Tatsächlich hat etwas, das wirklich episch ist, ein gewisses Etwas an sich, eine Qualität, die schwer zu definieren ist. Es ist die Kombination aus Songwriting, Gesang, Text, Produktion, Instrumentierung – kurz gesagt, alles, was in eine Aufnahme einfließt – und doch ist es auch mehr als das. Es ist ein Gefühl. Einige Bands können es einfangen; viele versuchen es jahrelang und kommen nie wirklich heran.

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1996 fingen die fünf Musiker der russischen Band Scald diese Essenz perfekt ein und schufen ein Album, das, abgesehen von einigen essentiellen Werken von Bands wie Solitude Aeturnus und Candlemass, vielleicht am besten repräsentiert, worum es im epischen Genre geht.

Ihr Album Will of Gods is a great Power gilt völlig zurecht als eines der epischsten Meisterwerke der ganzen Metalgeschichte, und man darf sich durchaus fragen, was aus dieser Band hätte werden können, wenn ihr Sänger Agyl nicht ein Jahr, nachdem sie das Album aufgenommen hatten, überraschend verstorben wäre.

Wir haben uns in unserer Auswahl kaum mit dem epischen Doom beschäftigt und vielleicht tröstet unser Abschluss – nämlich der Song Night Sky etwas darüber hinweg. Wie man sich denken kann, gibt es auch im epischen Bereich so viele Fascetten, dass man nicht alle berücksichigen kann, und das war ja auch gar nicht der Anspruch hier, sondern etwas von der Faszination des Epischenund Erghabenen zu vermitteln.

Hier zum Beispiel ist das Schlagzeug eher drucklos und tief im Mix, die Bassdrum ist kaum zu hören, während die Gitarren einen sehr dünnen, aber messerscharfen Sound haben – hier gibt es definitiv kein heruntergestimmtes Heavy-Riffing. Der Gesang wird glücklicherweise etwas stärker betont als die Musik, so dass man ihn gut hören kann. Diese Art von Produktion würde bei jeder anderen Form von Metal schrecklich klingen. Seltsamerweise liegt ein Teil des Charmes hier tatsächlich in der Produktion. Im Vergleich zu den polierten Produktionen, die man heutzutage oft bekommt, verleiht diese winterlich-kalte und doch majestätische Arbeit dem Album ein erfrischend natürliches Gefühl. Das hat parallelen zu einer Philosophie, die wir eigentlich aus dem Black Metal kennen, wo eine vermeindlich schlechte Produktion absichtlich eingesetzt wird, um bestimmte künstlerisch wichtige Gefühle hervorzurufen, die, wenn sie richtig gemacht sind, eine Stimmung erzeugen, die sonst kaum einzufangen ist. Der Hörer soll nicht an ein paar Typen denken, die in einem Aufnahmestudio sitzen, sondern an dunkle Wälder, winterliche Landschaften und so weiter, ohne dass ihm das direkt gesagt wird, sondern fast unterschwellig durch die erreichte Produktionsqualität. Dieselbe Art von Idee wird auf “Will of the Gods…” perfekt eingefangen.

Ein weiterer Teil des Charmes dieser Scheibe ist natürlich der Gesang, denn Sänger Agyl liefert eine erstaunliche Leistung ab. Seine Stimme klingt immer etwas schwebend, obwohl er eine raue Kante hat. Er hat einen Akzent, der seine Aussprache bestimmter Wörter etwas unbeholfen klingen lässt, aber das fällt eigentlich kaum auf, weil er die Vokale ohnehin ziemlich weit zieht. Er hat wirklich eine ungkaubliche Bandbreite und es wird schnell klar, warum die Band ohne ihn nicht weitermachen konnte oder wollte.

Doom Metal ist ein ziemlich verhextes Genre, an dem man leicht scheitert, wenn man nicht weiß, wie man die unglaublichen Räume füllen kann. Die beiden Gitarristen Harald und Karry nutzen diese Räume voll mit allen Arten von fantastischen Melodien und Soli. Tatsächlich neigen die Gitarren dadurch ein wenig dazu, die Musik schneller klingen zu lassen, als sie ist. Oft ist gitarrentechnisch ziemlich viel los, aber das Gesamttempo ist immer noch reiner epischer Doom. Wieder einmal trägt die Produktion zur Atmosphäre bei, denn der Gitarrensound ist absolut perfekt, mit viel mehr Höhen als Bässen. Das mag seltsam klingen, aber es klingt einfach nur großartig.

Man hört viele Viking-Metal-Einflüsse (z.B. “Hammerheart”-Ära Bathory) und sogar einige Power-Metal-Elemente. Auch hier darf man keine Double-Bass-Salven oder ähnliches erwarten, aber Scald halten die Dinge durch die leichte Vermischung verschiedener Stile interessant.

Schauen wir uns mal den Text zum Eröffnungsstück Night Sky an.

Der letzte Teil des Charmes von “Will of the Gods…” ist zweifellos die Tatsache, dass sich die Band nach den Aufnahmen zu diesem Album auflöste, was hauptsächlich auf den unglücklichen Tod von Sänger Agyl zurückzuführen ist. Somit wird das Vermächtnis von Scald allein aus diesem Album bestehen. Wir wissen, dass sie sich für immer aufgelöst haben, also denken wir nicht einmal daran, dass ein schlechtes Album ihr Erbe “trüben” könnte. Oft ertappen wir uns dabei, wie wir nostalgisch über Bands oder Künstler schwärmen, die sich längst aufgelöst haben oder von uns gegangen sind, und vergessen dabei oft, dass uns die Band oder der Künstler während der Aufnahmezeit nicht sonderlich interessiert hat. In Anbetracht dessen verdienen Scald jedes posthume Lob, das sie erhalten. Sie haben uns nur sehr wenig hinterlassen, aber das einzige Album, das sie produziert haben, ist ein Meilenstein im Genre des epischen Doom. Alle Fans von Epic Doom, die es noch nicht gehört haben, sollten sich so schnell wie möglich ein Exemplar besorgen (erstaunlicherweise ist es dank der Wiederveröffentlichung durch Wroth Emitter immer noch recht leicht zu finden). Wenn es jemals eine musikalische Definition von “episch” gegeben hat, dann ist dies sicherlich diese. Ein Klassiker auf höchstem Niveau und ein Album mit einem atmosphärischen Gefühl, das die meisten Bands, selbst mit allem Geld der Welt, nicht annähernd reproduzieren können.

Der Wille der Götter bedeutet große Macht

Der Nachthimmel verteilt eine große Anzahl von Sternen über eine grenzenlose Entfernung, glitzernd schaffen sie eine einzigartig leuchtende Welt.

Das Verlangen nach Erkenntnis ist gewaltig und brennend. Götter erschaffen das Wunder keinesfalls bewusst.

Das hier ist eine interessante Vorstellung, nämlich dass die Götter selbst kein Bewusstsein über das haben, was sie da tun, wenn sie diese gewaltigen Weiten erschaffen, allein aus ihrem Willen heraus, der irgendwo in ihrem eigenen Unterbewusstsein verankert ist.

Es geht weiter:

Ewige Schönheit
Der Wille der Götter bedeutet große Macht

Morgensterne im Sonnenaufgang
Du segelst davon in den Abgrund des Himmels
Das Licht verbarg dich
Da draußen gibt es unbekannte Geheimnisse einer fernen Welt

Du verlässt die Nacht
die Sternenwelt ist verglommen
das Licht des Mondes erloschen
Nur die Morgensterne sind noch sichtbar.

Ziemlich poetisch und damit passend zu dem, was wir da hören. Die Beschreibung der grenzenlosen Weite des Nachthimmels kann man eben wissenschaftlich betrachten, indem man sie der science Fiction unterordnet, oder man kann sie mystisch halten. Und für meinen teil ist das der bessere Weg, etwas darzustellen.

Das wars von mir. Hier habt ihr also euer Epic Metal Mixtape mit 14 Songs. Und wenn ihr es noch nicht getan habt, dann sagt mir auf workofsirens. de wie ihr dieses Spezial aufgenommen habt und vielleicht können wir es dann mit einem anderen Thema noch einmal wiederholen. Ihr kennt die Frage danach, wie ihr euren tag verbracht habt oder verbringt und wie das Wetter bei euch ist. Ich werde natürlich zusehen, dass ich so schnell wie möglich eine Playlist für euch habe, damit ihr die Stücke in einer ganzen Session hören könnt. das packe ich dann in die Seitenleiste unserer Page und mir bleibt an dieser Stelle nichts anderes zu sagen als keep on rockin, wir hören uns ganz bald wieder.

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